„Musik, als ein Ausdruck des menschlichen Herzens, gibt alles Geschehene wieder – die gesamte menschliche Erfahrung in genau diesem Moment wird ausgedrückt.“ John Coltrane

Musik hören gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Deutschland und zu den paar wenigen, die in allen Generationen beliebt sind. Laut einer repräsentativen Umfrage hören 83% der Deutschen mindestens einmal in der Woche Musik als Freizeitbeschäftigung.

Musik berührt viele Menschen, ohne dass sie alle irgendetwas über Musiktheorie wissen. Aber wie sieht es aus, wenn man selbst Musik machen will? Muss man zum Gitarre Lernen die Theorie verstehen?

Viele Gitarren Anfänger sträuben sich gegen Theorie, weil sie es nicht für nötig halten und es sie ja doch nur vom Üben abhält. Dabei vergessen sie, dass Harmonielehre beim Gitarre Lernen für Anfänger helfen kann und zu schnelleren Fortschritten verhilft.

Braucht man für die Gitarre Theorie?

Um Gitarre spielen zu lernen, muss man nicht zwingendermaßen ein*e Experte*in der Musiktheorie sein. Viele der weltbekanntesten Gitarristen, wie zum Beispiel Jimi Hendrix, haben keine theoretischen Grundlagen erworben und sich nie mit Harmonielehre für Gitarre beschäftigt.

Wenn man aber nicht das Glück hat, ein herausragendes musikalisches Gehör und Gefühl zu haben, kann man sich mit etwas Theorie das Musiker*innenleben erheblich erleichtern.

Noten lesen lernen

Wenn Du klassische Gitarre spielst, wirst Du ums Noten lesen lernen wohl nicht herumkommen. Klassische Musik wird in der Standard Notenschrift aufgeschrieben; auch für Gitarren. Dafür brauchst Du Dich erstmal nicht groß um die Harmonielehre zu kümmern. Du spielst einfach ab, was auf den Noten steht.

Für alle anderen Gitarrist*innen ist Notenlesen keine Pflicht. Außerhalb der klassischen Musik werden Gitarrennoten in Form von Tabulaturen festgehalten. Wenn Du also bereits mit Tabs vertraut bist, kannst Du damit schon viele Songs nachspielen.

Tabulaturen sind zwar einfacher zu lesen als die klassischen Noten, sie enthalten aber auch weniger Informationen. Die Rhythmik eines Songs ist daraus nicht immer klar zu erkennen. Du wirst also beim Üben immer wieder das Original anhören müssen, um sicher zu sein, was Du spielen musst.

Notenlesen zu können, kann Dir helfen, wenn Du mit anderen Musiker*innen zusammenspielst und auch, wenn Du Dich mit Moll und Dur Akkorden auseinandersetzt. Denn diese ist nicht nur Gitarre-Theorie, sondern allgemein und bedient sich deshalb auch der Notenschrift.

Für klassische Musik greift man zur Konzertgitarre.
Wenn Du klassische Gitarre spielst, wirst Du Noten lesen lernen. | Quelle: Zibik via Unsplash

Gitarre: Harmonielehre – wozu braucht man das?

Ganz einfach gesagt, braucht man etwas Wissen über Moll und Dur, um zu verstehen, wie Akkorde, Melodien und ganze Lieder aufgebaut sind. Wenn Du versuchst, Deine Lieblingssongs nach Gehör nachzuspielen, wird Dir das mit einigen theoretischen Kenntnissen sofort leichter fallen.

Spätestens wenn Du anfängst zu Improvisieren oder eigene Lieder zu komponieren, wirst Du es möglicherweise bereuen, nicht schon früher mit der Theorie angefangen zu haben. Damit sich ein Solo zu der Begleitung gut anhört, damit Dein Song stimmig und musikalisch klingt, müssen die passenden Skalen gespielt werden, beziehungsweise harmonische Akkordfolgen gefunden werden.

Das alles ganz ohne Theorie, nur nach Gehör, richtig zu machen, ist für die meisten Menschen sehr schwierig und zeitaufwändig. Die legendären Musiker*innen, die nichts von von alle dem verstehen, haben oft ein ganz besonderes, seltenes Talent oder verfügen über ein absolutes Gehör.

Die Harmonielehre für Gitarre kann Dir auch dabei helfen, Deine Gitarre besser zu verstehen. Wenn es Dir schwerfällt, alle Töne auf dem Griffbrett Gitarre auswendig zu lernen, kannst Du mit Hilfe der Theorie verstehen, wie das Gitarrengriffbrett aufgebaut ist und es Dir leichter merken.

Auch Akkorde und die dazugehörigen Griffe kann man sich leichter merken, wenn man weiß, wie sie aufgebaut sind. Du musst dann auch nicht mehr unbedingt jeden einzelnen Griff nachschlagen. Wenn Du weißt, welche Töne Du für einen Akkord brauchst, kannst Du sie auch selbst finden.

Mit etwas Musiktheorie kannst Du Dir Gitarrengriffe und Akkorde besser merken.
Musiktheorie lernen und Akkorde besser verstehen. | Quelle: Freestocks. via Unsplash

Ohne Theoriekenntnisse Gitarre spielen lernen

Gerade zu Beginn kommst Du beim Gitarre lernen gut ohne theoretische Grundlagen aus. Du kannst Deine Lieblingssoli mit Hilfe von Tabs nachspielen und Dir die Griffe für die wichtigsten Akkorde zusammensuchen und sie nachmachen.

Wenn Du aber zu den „normal Sterblichen“ gehörst, wirst Du ganz ohne Theoriekenntnisse nur noch sehr langsam und schwer weiterkommen.

Wer ganz ohne Theorie Gitarre spielen will, muss sich zu 100% auf seine Ohren verlassen können. Und wenn man nicht zu den wenigen Menschen gehört, die mit einem absoluten Gehör zur Welt gekommen sind, muss man sein musikalisches Gehör erstmal schulen.

Du wirst dann sehr viel ausprobieren müssen, um die verschieden Klangqualitäten unterscheiden und für Dich einordnen zu können. Um es später reproduzieren zu können, musst Du Dir natürlich alles merken. Das geht einfacher, wenn Du zumindest die Namen der Akkorde kennst.

Wie lange dauert es Gitarre zu lernen? Das kommt ganz auf das Niveau und die Vorkenntnisse an. Ganz ohne Theoriekenntnisse Gitarre spielen lernen, ist nicht unmöglich, dauert jedoch (bei den meisten Menschen) wesentlich länger, als wenn zwischendurch die eine oder andere Theoriestunde eingelegt wird.

Egal wie man lernt, das Gehör zu schulen ist ein wichtiger Bestandteil beim Gitarre Spielen Lernen. Je weniger theoretischen Hintergrund Du hast, umso wichtiger ist das Gehör. Jedoch kannst Du gerade mit Hilfe der Harmonielehre Deine Ohren trainieren. Die Theorie wird Dir dabei helfen, gehörte Tonfolgen und Akkorde besser einordnen, benennen und schließlich auch nachspielen zu können.

Noten lesen lernen ist nur ein kleiner Teim im Musiktheorie Unterricht.
Noten lesen zu können eröffnet Dir neue Möglichkeiten auf der Gitarre. | Quelle: Marius Masalar via Unsplash

Ansonsten kann ich Dir nur dazu raten, so oft wie möglich aktiv Musik zu hören. Das bedeutet, dass Du in diesem Moment nichts anderes machst als Musik hören: kein Handy auf dem Tisch, kein Kreuzworträtsel, keine Ablenkung.

Du konzentrierst Dich dann ganz auf die Musik und versuchst Akkordfolgen und Melodien nachvollziehen zu können. Wechselt irgendwann die Tonart? Klingt es immer schön harmonisch oder gibt es auch Dissonanzen? Stelle Dir alle möglichen Fragen und höre, Dir das Lied so oft an, bis Du es auf der Gitarre nachspielen kannst.

Jeder lernt anders

Lassen wir jetzt einmal die ganz besonderen Talente außen vor. Auch unter den Menschen ohne eine herausragende Begabung, gibt es sehr große Unterschiede darin, wie sie lernen und auch darin, was gelernt werden muss.

Während jemand von Natur aus ein gutes Rhythmusgefühl hat, hat jemand anderes bereits im Kleinkindalter, ohne es selbst zu merken, sein Gehör gut ausgebildet. Einem*r dritten fehlt beides, hat aber dafür besonders geschickte Finger, und so weiter.

Werde Dir Deiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst und lass Dich, besonders im Vergleich mit anderen, nicht verunsichern. Je besser Du Dich kennst, umso genauer kannst Du arbeiten und schnelle Fortschritte beim Gitarre Spielen Lernen erzielen.

Wenn Du Dich genau beobachtest und ehrlich mit Dir selbst bist, wirst Du auch herausfinden, inwiefern Dir beim Gitarre Lernen theoretisches Wissen hilft und worauf Du Dich dabei ganz besonders konzentrieren solltest.

5 gute Gründe Musiktheorie zu lernen

Die wichtigsten Vorteile musiktheoretischer Kenntnisse für Gitarrist*innen haben wir uns ja bereits ausführlich angeschaut. Alles in allem wird Dir das Gitarre Spielen Lernen mit theoretischem Hintergrund und Harmonielehre leichter fallen und Du kannst dadurch sehr viel Zeit sparen!

Harmonielehre gilt nicht nur für die Gitarre. Tausche Dich einfach mit anderen Musikern aus.
Die Sprache der Musik ist universell - das gilt auch für die Musiktheorie. | Quelle: Mitch Boehn via Unsplash

Aber es gibt tatsächlich noch weitere gute Gründe, sich mit Musiktheorie zu beschäftigen und diese gelten nicht nur für Gitarrist*innen:

  • Sprich die Sprache der Musiker. Wenn Du Dich etwas mit Musiktheorie auskennst und die wichtigsten Begriffe kennst, kannst Du Dich ganz einfach mit anderen Musiker*innen austauschen. Und zwar ganz egal, welche Instrumente sie spielen und in welchem Musikstil sie zu Hause sind. Dir steht damit eine universelle Sprache zur Verfügung, mit der Du notierte Musik entschlüsseln und Dich mit anderen darüber austauschen kannst.
  • Trainiere Dein fotografisches Gedächtnis. Musik kann man nicht nur hören, sondern in Form einer Partitur auch aufschreiben. Eine Note zu erkennen, den richtigen Ton auf dem Instrument zu finden und sofort den entsprechenden Klang zu hören, fordert das Gehirn heraus. Wenn Du übst, Dir einen Ton vorzustellen, wenn Du eine geschriebene Note siehst (und auch andersrum), wird Dir das beim Auswendiglernen von neuen Stücken helfen.
  • Noten lesen zu können, hilft die Harmonielehre zu verstehen; mit Hilfe der Harmonielehre kann man sein Gehör schulen. Das sollte doch Grund genug sein, noch heute mit dem Noten Lesenlernen anzufangen. Du wirst sehen, wie alles irgendwie zusammenhängt und es gar nicht mal mehr so kompliziert ist, wenn Du anfängst die Zusammenhänge zu verstehen.
  • Mit klassischen Noten kannst Du auch Rhythmen genau notieren. Mit Notenschrift lässt sich Musik sehr gut und bis ins kleinste Detail schriftlich festhalten. Während man vieles andere noch mit Worten beschreiben könnte, wird dass beim Rhythmus unmöglich. Wenn Du selbst ein Lied schreibst, wirst Du doch das Ergebnis bestimmt auch festhalten wollen. Selbst wenn Du es in Tabs notierst, für Rhythmen gibt es nur die eine Schreibweise.
  • Wirke glaubwürdig. Gerade unter klassischen Musiker*innen wirst Du wohl niemanden finden, der sich nicht mit Musiktheorie auskennt. In Bands sieht es manchmal schon wieder etwa anders aus. Trotzdem, wenn Du Noten lesen kannst und weitere theoretische Grundkenntnisse hast, kannst Du Dir sicher sein, Gesprächen folgen und Dich auch selbst präzise ausdrücken zu können. Der Kontakt mit Deinen Mitmusiker*innen wird dadurch einfacher und entspannter.

Lass Dich nicht entmutigen. Theorie muss nicht immer so trocken sein wie in einem dunklen Schulzimmer. Musiktheorie geht Hand in Hand mit der Praxis. Du wirst also auch während Deiner Theoriestunde die Gitarre immer wieder in die Hand nehmen.

Auf der Suche nach einer Lehrkraft für Gitarre?

Dir gefällt unser Artikel?

5,00/5 - 1 vote(s)
Loading...

Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.