„So wie der Grund eines Sees deutlich sichtbar wird, wenn die Wellen an der Oberfläche sich legen, so kann das wahre Selbst wahrgenommen werden, wenn sich die Erscheinungsformen des Geistes legen.“

– Swami Sivananda

Die jahrhundertealte indische Tradition des Yogas hat in den vergangenen Jahren auch in Deutschland stark an Beliebtheit gewonnen. Menschen, die mit Yoga beginnen möchten, stellen sich jedoch zunächst häufig die Frage, für welchen Yogastil sie sich entscheiden sollen.

Ashtanga Yoga, Vinyasa Yoga, Iyengar Yoga und Bikram Yoga sind nur wenige Beispiele für die Vielzahl an Yogaarten. All diese basieren jedoch auf dem traditionellen Hatha Yoga System.

Um dieses soll es in diesem Artikel gehen – denn Hatha Yoga kann nicht nur als die traditionellste Form bezeichnet werden, sondern zählt auch heute noch zu den meistgelehrten Yogaarten. Vor allem in Indien ist Hatha Yoga die verbreitetste Form des Yogas.

Warum ist Hatha Yoga also so beliebt, welche Yogahaltungen erwarten dich und wie wirkt Hatha Yoga auf Körper und Geist?

Der Ursprung von Hatha Yoga

Bevor du deine Yogamatte ausrollst, du beginnst, deine Chakren zu öffnen und dich zu dehnen, ist es nie verkehrt, zunächst die Grundlagen einer Yogatechnik, mit der du womöglich viel Zeit verbringen wirst, zu verstehen!

Wie oben bereits erwähnt, ist Hatha Yoga der Ursprung aller anderen körperlichen Yogastile. Es entstand bereits vor Beginn des 2. Jahrtausends n. Chr. in Indien. Unter anderem wurde der Begriff durch die Hatha Yoga Pradipika, einem Schriftstück von Svatmarama aus dem 14. Jahrhundert, bekannt.

Anders als in anderen Yogaarten gibt es im Hatha Yoga nicht den einen Begründer des Yogastils. Vielmehr gibt es verschiedene bedeutende frühe Vertreter, darunter der bereits angesprochene Svatmarama, der Gelehrte Matsyendra und sein Schüler Goraksha.

Svatmarama bezeichnet in der Hatha Pradipika körperbasiertes Yoga als Hatha und grenzt dieses vom spirituellen Yoga, dem Raja Yoga, ab. Hatha sei eine Vorstufe zu den spirituellen Yogapraktiken auf dem Weg zur spirituellen Erleuchtung.

Das Hatha Yoga bezeichnet dennoch keine eigene entwickelte Philosophie, sondern basiert auf dem Tantrismus und dessen subtilen Bewusstseinslehren.

Wie entstand Hatha Yoga?
Hatha Yoga entstand vor mehreren Jahrtausenden in Indien | Quelle: Pexels

Der Begriff Hatha stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Kraft. Hatha wird aber auch oft als Ausdruck für die das Zusammenführen von gegensätzlichen Energien verwendet: „Ha“ bedeutet Sonne, was im Yoga für die männliche, starke Energie steht, und die Silbe „tha“ bedeutet Mond – welcher Sinnbild für die weibliche, ruhige und sanfte Energie ist.

Hatha Yoga steht also sowohl für starke, fordernde Körperhaltungen als auch für Loslassen, Achtsamkeit, Meditation und Selbstwahrnehmung. Das Zusammenspiel dieser vermeintlichen Gegensätze kreiert heilende Effekte auf Körper, Geist und Seele und lässt diese miteinander in Einklang kommen.

Dass Hatha Yoga bis ins 21. Jahrhundert überlebt hat und auch heute noch gelehrt wird, haben wir Yogis wie Swami Shivananda und Krishnamacharya zu verdanken. Die alte Lehre wurde stets an die neuen Bedürfnisse der jeweiligen Zeit angepasst und weitergegeben.

Im Westen hatte Hatha Yoga nach dem Zweiten Weltkrieg einen großen Durchbruch und ist bis heute stets beliebter und bekannter geworden.

Die Besonderheiten von Hatha Yoga

Doch wie genau wird Hatha Yoga nun eigentlich praktiziert?

Das Ziel im Hatha Yoga ist es, energetische Blockaden zu lösen und unsere Lebensenergie zu bündeln und zu lenken.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden verschiedene Übungen praktiziert, die auf den acht von Patanjali benannten Gliedern des Yogaweges aufbauen. Dazu zählen:

  • Yama: ein ethischer Umgang mit der Umwelt
  • Niyama: die Arbeit mit sich selbst
  • Asana: Körperhaltungen (was wir als Yogaposen kennen)
  • Pranayama: Atemübungen zur Kontrolle der Lebensenergie (=prana)
  • Kriya: Reinigungspraktiken (z.B. der Nase oder der Augen)
  • Mudras: Gesten
  • Bandhas: Energieverschlüsse
  • Mantras: Gesänge
  • Dharana: Meditation

Wenn du eine Hatha Yoga Stunde besuchst, wirst du feststellen, dass all diese Bereiche in irgendeiner Weise in den Unterricht eingebaut werden. Hatha Yoga hat den Ruf, sehr ausgewogen und „rund“ zu sein. Der Hauptfokus liegt in der Regel dennoch auf der Asanapraxis, also den Körperhaltungen.

Auch die geübten Asanas zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie sehr gut aufeinander abgestimmt sind und eine Vielfalt an verschiedenen Haltungen geübt wird. So können dein allgemeines Wohlbefinden und Körpergefühl gestärkt werden.

Dein Hatha Yoga Lehrer wird dir erklären, dass es im Yoga darum geht, die Abfolge an Bewegungen und Posen weder mit zu viel noch mit zu wenig Spannung zu durchlaufen. Du wirst sowohl Asanas üben, die sehr viel Kraft erfordern, als auch welche, in denen mehr deine Flexibilität gefragt und gefordert wird.

Anders als beispielsweise im modernen Vinyasa Stil werden die Asanas im klassischen Hatha Yoga relativ lange gehalten, in der Regel ein bis drei Minuten. So werden sowohl die Muskeln gekräftigt als auch die Sinne erweckt. Durch das lange Halten einzelner Positionen kannst du dir der Gegenwart bewusstwerden und im Hier und Jetzt ankommen.

Ist Hatha Yoga anstrengend?
Hatha Yoga ist ein ruhiger Yogastil, kann aber gleichzeitig fordernd sein | Quelle: Pexels

Grundlage dafür ist jedoch ein kontrollierter Atem, was im Yoga als Pranayama bezeichnet wird. Dein Atem kann dir helfen, Anspannung loszulassen und Körper und Geist in Einklang zu bringen. Der Atem ist dein wichtigstes Werkzeug, wenn es darum geht, Geist und Seele zu unterstützen. Dies spielt im Yoga eine enorme Rolle.

Wenn du noch Anfänger bist und deinen Atem noch nicht ausreichend kontrollierst, kann es sein, dass bereits der Sonnengruß zu Beginn der Stunde eine riesige Herausforderung ist. Wenn du irgendwann Herr über deinen Atem wirst, wirst du sehen, wie leicht der Sonnengruß plötzlich über die Matte fließt.

Es ist also häufig weniger die Haltung selbst, die darüber entscheidet, wie herausfordernd sie ist, als vielmehr unser Atem und unsere innere Einstellung. Wenn der Atem frei, ruhig und tief fließt und wir jegliche Ansprüche an die Asana loslassen, wird sie uns viel besser gelingen, als wenn wir uns etwas beweisen möchten und unseren Atem völlig außer Acht lassen.

Hatha Yoga kann wahrlich Wunder bewirken, wenn du mit dem passenden Tutor oder Lehrer gemeinsam übst. Der Lehrer ist der Tradition zufolge essentiell, wenn es darum geht, die Schüler gut durch die Klasse zu führen, so dass diese bestmöglich von der Praxis profitieren.

Die Effekte von Hatha Yoga

Hatha Yoga ist eine unheimlich effektive Praxis mit zahlreichen Vorteilen! Die geübten Techniken lassen uns besser entspannen, führen zu einem gesünderen Schlaf und fördern unsere Selbstwahrnehmung.

Die körperlichen Übungen in einer Hatha Yoga Stunde bringen uns zudem gut in Form und verbessern unsere allgemeine Gesundheit. Gerade im Hatha Yoga wird stets der gesamte Körper miteinbezogen und sich nie nur auf ein Körperteil konzentriert. Dazu werden unterschiedliche Positionen kombiniert und nacheinander geübt.

Wie wirkt Hatha Yoga?
Hatha Yoga kräftigt den Körper und beruhigt den Geist | Quelle: Pexels

So werden auch verschiedene Muskelgruppen angesprochen. Das lange Halten einzelner Haltungen stärkt die beanspruchten Muskeln und lässt uns Kraft aufbauen.

Dasselbe gilt für unsere Bänder und Sehnen: Eine gute Hatha Yoga Stunde wird dafür sorgen, dass möglichst alle Körperbereiche ausreichend gedehnt werden. Langfristig wirst du so große Fortschritte in Bezug auf deine eigene Flexibilität erkennen.

Zu lernen, unseren Atem zu kontrollieren, hilft uns außerdem dabei, besser mit Stress umgehen zu können und diesen zu reduzieren. Wie bereits erwähnt, ist unser Atem der Schlüsselfaktor im Yoga und mit der Zeit wirst du lernen, wie wertvoll ein bewusster Atem auch im Alltag ist.

Das lange Halten einzelner Asanas schult zudem unsere Selbstwahrnehmung, da wir in jeder Position spüren werden, ob wir irgendwo eine körperliche oder energetische Blockade haben. Das Üben von Hatha Yoga macht schafft Bewusstsein für jeden Teil unseres Körpers und lässt uns diesen ganz neu und viel besser kennenlernen.

Nicht zuletzt bewirkt Hatha Yoga auch Enormes für deinen Geist und deine Seele – vor allem in Bezug auf Entspannung. Meditationsübungen und Visualisierungen helfen selbst Anfängern, schneller ihre Emotionen zu erkennen und mit ihnen besser umgehen zu können. Unsere Konzentration wird verbessert, ebenso wie unsere Stimmung.

Übt man in Hatha Yoga auch Meditation?
Kleine Meditationseinheiten sind oft Teil einer Hatha Yogastunde | Quelle: Pexels

Hatha Yoga führt deinen Blick zunächst von außen nach innen, damit du dort aufräumst und in eine neue Kraft und Einheit kommst. Langfristig sollte die Yogapraxis jedoch dafür sorgen, dass du das Mitgefühl, dass du für dich selbst entwickelst, auch mit deinen Mitmenschen teilst und mit größerer Moral durchs Leben gehst.

Das System von Hatha Yoga ist eine ganzheitliche Disziplin irgendwo zwischen Workout und Meditation. Wenn du dich auf die Praxis einlässt, wirst du innerhalb weniger Wochen große Fortschritte erkennen können. Probiere es aus! Mittlerweile gibt es an zahlreichen Orten Hatha Yoga – wahrscheinlich auch in dem Fitnessstudio in deiner Nähe.

Wenn du dich gerade zu Beginn nicht wohlfühlst, Gruppenunterrichtsstunden zu besuchen, kannst du auch auf Online-Portalen wie Superprof nach einem Yogalehrer, der Kurse in Deiner Nähe (zB. Yoga Leipzig oder Yoga Berlin) oder einen Yoga Online Kurs per Webcam anbietet. Dein persönlicher Tutor kann dir so grundlegende Yogaposen beibringen und du kommst in den Genuss von den vielfältigen Vorteilen einer Yogapraxis.

Gleichzeitig kann dein Yogalehrer auch sein Wissen über die Yogaphilosophie mit dir teilen, so dass du ein tieferes spirituelles Verständnis für die Yogalehre entwickelst.

Bevor du das erste Mal Yoga übst, sprich auf jeden Fall mit deinem Yogalehrer oder deinem Arzt über mögliche bereits bestehende Beschwerden oder Verletzungen. Eventuell musst du deine Yogapraxis an deine körperlichen Anforderungen anpassen, so dass du dich nicht gleich in deiner ersten Yogastunde verletzt!

Falls das klassische Hatha Yoga nicht deins sein sollte, probiere es vielleicht mit Ashtanga Yoga oder moderneren Stilen wie Bikram oder Power Yoga. Alle Yogaarten sind unterschiedlich, obwohl sie alle dieselben Grundbausteine wie Pranayama, Asanas und Meditation beinhalten.

Selbst wenn du mit der Idee von Chakren und Energiekanälen gerade noch nichts anfangen kannst, sollten die körperlichen Benefits Grund genug sein, Yoga zumindest eine Chance zu geben. Es gibt beinahe so viele Arten von Yoga wie es Yogalehrer gibt, mit Sicherheit ist auch für dich das passende dabei!

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Miriam