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Was symbolisiert die arabische Kultur in der heutigen Tattookunst?

Von Anna, veröffentlicht am 11/01/2019 Blog > Sprachen > Arabisch > Arabische Tattoos: Ein Blick hinter den Modetrend

Mein Körper ist mein Tagebuch und meine Tattoos sind meine Geschichte. – Johnny Depp

Tätowierungen kommen immer mehr in Mode und sind überall in Zeitschriften zu sehen.

Je nach dem welchen Studien man Glauben schenkt, ist jeder 4., 5. oder nur 10. Deutsche tätowiert – eines ist jedoch sicher: Tendenz steigend. Bei jungen Frauen sei der Trend noch deutlicher: Rund die Hälfte aller Frauen zwischen 25 und 34 Jahren seien demnach tätowiert – 19 % mehr als noch 2009. In der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen liege der Anstieg bei 15 %.

Immer neue Ideen für Tattoos, Tattoo-Preise, Henna-Tattoos – die Informationen zu dem Thema sind zahlreich. Es ist einfach, sich zu informieren und einen Traumfänger, Kalligraphie oder einen bestimmten Schriftzug auf einem Modell visualisieren zu lassen.

Doch Tätowierungen sind mehr als das. Aus all den schönen Motiven stechen einige kulturell geprägte Tattoo-Kategorien heraus. Es gibt polynesische, asiatische oder auch arabische Tätowierungstraditionen.

Letztere sind voller Symbole, Geschichte und gleichzeitig voll im Trend. Schauen wir uns die arabische Tattoo-Kultur einmal näher an.

Die Herkunft arabischer Tattoos

Nicht viele Historiker setzen sich mit der Geschichte arabischer Tattoos auseinander, aber wir konnten trotzdem einige Informationen sammeln, die uns dabei helfen werden, die Entwicklung dieser Tradition zu verstehen.

Eine arabische Tätowierung machen zu lassen, hatte ursprünglich eine kulturelle Symbolik. Über 3.000 Jahre v. Chr. markierte es den Übergang von einer Lebensphase in eine andere. Ein Ritual, das zum Beispiel verwendet wurde, um den wichtigen Schritt vom Jugend- ins Erwachsenenalter zu repräsentieren.

Damals wurde das Gesicht oder ein sichtbarer Teil des Körpers tätowiert, sodass man die Herkunft einer Person anhand des Tattoo-Stils erkennen konnte. Herkunft bedeutete die Familie, die Gemeinschaft, das soziale Milieu.

Die Tradition hat sich verändert. Heutzutage lässt man Tätowierungen oft lieber an diskreteren Stellen stechen. Besonders beliebt sind: Oberarm (aber auch Unterarm), Schlüsselbein & Wirbelsäule (allgemein Rücken), Bauch (Höhe Blinddarm), Rippen (also Körperseite von der Hüfte bis zur Achsel) oder auch das Fußgelenk.

Sich tätowieren zu lassen, war damals also ein symbolischer Akt und repräsentierte die Herkunft und Geschichte von Individuen.

Die Tattoos zeigten Symbole früherer Zeiten, Halbmonde, Schriftzüge, Linien oder Muster.

Woraus bestehen arabische Tattoos? Nicht nur Schriftzüge, auch Muster sind bei arabischen Tattoos beliebt. | Quelle: Pixabay

Der Halbmond repräsentiert eine gewisse Spiritualität oder Zuneigung zu Allah. Ein kulturelles Merkmal, das sich stark von Totenköpfen, Tribals oder Kolibri-Tattoos unterscheidet.

Und natürlich müssen wir auch über Henna-Tattoos sprechen, eine uralte Tradition, die sich bis heute gehalten hat. Ursprünglich nutzten nur Frauen aus Indien oder dem Maghreb diese Form des Körperschmucks, doch heute ist das Henna-Tattoo ein integraler Bestandteil der allgemeinen Tattoo-Kultur.

Traditionell findet sich diese Tattoo-Form auf Händen und Füßen und wird als Mittel der Verführung für Frauen angesehen. Diese Art des Tattoos hält zwei bis vier Wochen und ist recht erschwinglich (zwischen 10 und 40 €). Das kann man also ruhig mal versuchen, denn wenn es einem nicht gefällt, verschwindet es ja nach wenigen Wochen wieder.

In Ägypten sind Tätowierungen ebenfalls weit verbreitet. Sie gehen aufs 2. Jahrtausend v. Chr. zurück, als man Mumien tätowierte.

Man weiß nicht genau, ob sie aus ästhetischen, religiösen oder medizinischen Gründen durchgeführt wurden, doch man meint zu wissen, wie sie durchgeführt wurden. Man verwendete Nadeln und die Farbe war eine Mischung aus Ruß und Muttermilch. Eine interessante Mischung!

Heutzutage findet man Tätowierungen in der Regel in Schwarz und an allen möglichen Körperstellen: am Hals, auf dem Rücken, auf dem Arm, auf dem Schulterblatt, auf der Brust, am Nacken, auf dem Oberarm usw. Der Körper wird so noch mehr zum Mittel für nonverbale Kommunikation.

Und was lässt man sich tätowieren? Arabische Worte vielleicht?

Die häufigsten arabischen Tattoos

Welche Motive für arabische Tattoos sind am beliebtesten?

Arabische Tattoos sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden, insbesondere auch in der westlichen Welt. Die Motive erfreuen sich nicht nur aus ästhetischen Gründen immer größerer Beliebtheit, sondern stehen oft auch für eine bestimmte Botschaft.

Was bedeuten arabische Tattoos? Arabische Tattoos werden auch im Westen immer beliebter. | Quelle: Pixabay

Man möchte sich mithilfe einer Inschrift an einer ganz bestimmten Stelle des Körpers definieren und abheben. Für manche Menschen ist es eine Art, sich auszudrücken oder sogar ihren Charakter, ihre Geschichte und Personalität darzustellen.

Arabische Tätowierungen vereinen all diese Aspekte in sich, da sie verschiedene Konzepte beinhalten.

Die arabische Schrift an sich ist schon sehr schön und wirkt luftig leicht. Die enthaltene Botschaft webt sich darin ein und so ergeben sich tiefgründige, bedeutende Symbole.

Welche arabischen Tätowierungen sind denn nun aber am beliebtesten in den Tattoo-Studios der Nation?

In der Regel handelt es sich um:

  • ein Gebet
  • einen inspirierenden Satz
  • einen Vornamen
  • ein Geburtsdatum
  • eine Zeichnung

Die Bedeutung kann stark variieren, doch für ein erstes Tattoo wählt man oft eins der genannten Beispiele aus.

Tatsächlich ist eine arabische Tätowierung oft eine Art Einstiegstattoo, bevor man diese Welt und die vielfältigen Optionen weiter erkundet. So ein Tattoo ist klar („sauber“) und ästhetisch und wird nicht gleich oder nicht so stark wahrgenommen, erst recht, wenn es sich an einer diskreten Stelle befindet.

Viele Personen entscheiden sich auch einfach deshalb für ein arabisches Tattoo, weil die Schrift sehr ästhetisch ist. Die Kalligraphie, die Bögen und die Eleganz der arabischen Buchstaben verzaubern auch viele Nicht-Araber.

Doch die Bedeutung hinter einem Tattoo darf trotzdem nicht vernachlässigt werden. Manche Personen nutzen diese Kunstform, um ein Gefühl, eine Emotion, einen Charakterzug, einen Glauben oder einfach einen Zeitpunkt in ihrem Leben festzuhalten.

Denn auch darum geht es bei Tätowierungen: sich über Tinte auszudrücken und Dinge festzuhalten, die unzertrennbar zu einem gehören und für immer im Körper festgeschrieben sein sollen.

Heutzutage ist die Farbe Schwarz am beliebtesten für Tätowierungen. Doch das kommt auch auf die Bedeutung, die Körperstelle und Zusammensetzung des Körperschmucks an. Auf die Frage, welche Farbe das letzte Tattoo hatte, das sich die Befragten haben stechen lassen, antworteten 50 % mit „Schwarz“.

Die beliebtesten Stellen sind bei Frauen: Fuß/Knöchel mit 61 %, dann Schulter (51 %) und Rücken (50 %) sowie die Körperseite (48 %) und Oberarme (44 %). Bei Männern sind es die Oberarme mit 65 %, gefolgt von Rücken & Schulter (je 58 %), Unterarme (55 %) und der Körperseite (43 %).

Arabisch ist eine der am häufigsten gesprochenen Sprachen auf der Welt. So ist es nur natürlich, dass Tattoos in arabischer Sprache extrem beliebt sind, auch ohne ursprüngliche Verbindung zu Sprache und Kultur.

Arabische Tattoos sind bei Männern und Frauen gleichermaßen beliebt und an jeder beliebigen Stelle des Körpers vorstellbar. Egal, ob man eine Botschaft vermitteln, einen wichtigen Moment im Leben festhalten oder einfach nur ein schönes neues Tattoo haben möchte – alles ist möglich!

Warum ein Henna-Tattoo? Henna-Tattoos haben eine lange Tradition und sind nicht mehr aus der Tattoo-Szene wegzudenken. | Quelle: Pexels

Arabische Tattoos: nur eine Modeerscheinung?

Sind Tätowierungen nur eine Modeerscheinung, die zu Lasten der eigentlichen Herkunft, Traditionen und Grundbedeutung geht?

Dank der eleganten, kalligraphischen Schönheit der Schrift dürfen arabische Tattoos in keinem Tattoo-Studio mehr fehlen.

Auch die Stars und Sternchen lieben diese Art der Körperkunst: Cara Delevingne, Angelina Jolie, Rihanna, oder auch Selena Gomez tragen arabische Tattoos, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ob der Name des Kindes oder inspirierende Worte, der Trend ist am Boomen und immer mehr Menschen wollen daran teilhaben.

Selena Gomez beispielsweise ließ sich kürzlich ein arabisches Sprichwort auf den Rücken tätowieren. Übersetzt bedeutet es: Lieb dich selbst.

Das Zitat an sich ist vielleicht nicht besonders originell, ist aber in arabischer Schrift geschrieben und muss erst einmal entziffert werden. Noch ein Tattoo des Tätowierers Bang Bang, das voller Bedeutung steckt.

Angelina Jolie entschied sich für das Wort „Entschlossenheit“ (auch auf Arabisch) auf ihrem rechten Unterarm und Fußballer Zlatan Ibrahimovic ließ sich ganz einfach seinen Familiennamen auf Arabisch stechen.

Wer lässt sich tätowieren? Tattoos sind längst vom Schmuddelmilieu in den Mainstream übergegangen. | Quelle: Pexels.

Immer mehr Menschen sehen Tätowierungen als eine eigene Kunstform an. Deshalb werden, wie auch in anderen Bereichen der Kunst, die Grenzen immer weiter ausgetestet und Neues versucht.

Die Kunst des Tätowierens ist wie die Piercingkunst eine bewusste Entscheidung, die wahrscheinlich über lange Zeit andauern wird. Deswegen darf man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Man darf nicht vergessen, dass ein arabischer Schriftzug am unteren Rücken erstmal bleiben wird, dass dies eine Bedeutung hat und Modetrends manchmal extrem flüchtig sein können.

Auch wenn die arabische Schrift mit ihren vielen Bögen wunderschön ist, sollte man trotzdem darüber nachdenken, ob man sich für viele Jahre damit schmücken will, bevor man den Schritt wagt.

Vielleicht passt eine Tätowierung in ein paar Jahren nicht mehr zu Dir oder Deiner Persönlichkeit. Das gilt auch für Symbole wie Lotusblumen, keltische Zeichen oder Maori-Tätowierungen. Ihre modische Bedeutung überdauert vielleicht nicht die Zeit und wird einige Jahre später komisch angesehen.

Deshalb sollte man gut über ein Tattoo nachdenken und es sollte auf jeden Fall eine persönliche Bedeutung haben, mit der Du Dich (voraussichtlich auch noch in ein paar Jahren) identifizieren kannst.

Die Idee einer dauerhaften Tätowierung macht mir so viel Angst, dass ich nicht weiß, ob ich es wagen würde, selbst wenn ich eine gute Idee für ein Motiv hätte. – Julia, 21

Stylish und authentisch zugleich zu sein, ist nicht immer einfach, vor allem, wenn sich dabei auch noch Kultur und Kunst mischen.

Willst Du es wagen und Dir ein arabisches Tattoo stechen lassen?

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