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Kann man auch ohne Russischkenntnisse eine Arbeit in Russland finden?

Von Marie, veröffentlicht am 29/11/2018 Blog > Sprachen > Russisch > Kann ich in Russland Arbeiten, ohne Russisch zu Sprechen?

„Immer mehr Deutsche zieht es ins Ausland.“ (Deutsche im Ausland e. V.)

3,4 Millionen sind es derzeit sogar, so die Informationsplattform DIA – Deutsche im Ausland e. V. Deutsche Arbeitnehmer seien dort sehr gefragt, insbesondere wegen der großen Praxisnähe bereits zu Beginn des Berufslebens durch das duale Ausbildungssystem.

Laut auslandsjob.de arbeiten und leben derzeit mehr als 20 000 Deutsche in Russland, was nicht zuletzt auch an den dortigen guten Aufstiegschancen liegt.

Aber kann man ohne ein einziges Wort Russisch in das Land von Tolstoi und Dostojewski ziehen? Superprof versucht, Deine Fragen zu beantworten.

 

Wie ist es um die Englischkenntnisse der Russen bestellt?

Das internationale Bildungsunternehmen EF Education First führt jedes Jahr eine sehr interessante Studie durch und ermittelt so den EF Proficiency Index (EPI). Es geht um das Ranking von Ländern nach den Englischkenntnissen von Erwachsenen, wobei nur diejenigen Länder aufgeführt werden, in denen Englisch nicht Muttersprache ist.

An der Spitze stehen im Jahr 2018 Schweden und die Niederlande, die für ihre fortschrittliche Sprachpolitik bekannt sind. Die Punktezahl liegt in diesen Ländern bei 70,72 bzw. 70,31, was „sehr guten Englischkenntnissen“ entspricht.

Russland liegt auf dem 42. Platz von insgesamt 88 Ländern und damit eher im Mittelfeld. Mit 52,96 Punkten fällt es gerade noch in den Bereich „geringe Englischkenntnisse“.

Zum Vergleich: Deutschland liegt auf dem 10. Platz mit einem Punktewert von 63,74, also „sehr guten Englischkenntnissen“.

Die Grafik zeigt, wie sich die Länder in puncto Englischkenntnissen ihrer Bevölkerung unterscheiden. Russland liegt in Bezug auf die Englischkenntnisse seiner Bevölkerung eher im Mittelfeld. | Quelle: www.ef.de/epi

Aus zwei Gründen sollten wir uns diese Ergebnisse jedoch etwas differenzierter ansehen:

  • Erstens werden lediglich Erwachsene berücksichtigt, genauer Personen über 50 Jahre. Für diese Personengruppe hat das Erlernen der englischen Sprache noch nie eine Priorität dargestellt.
  • Zweitens sind Englischkenntnisse in großen Städten wie Sankt Petersburg, Nowgorod und Moskau viel weiter verbreitet als im hintersten Sibirien. Ausländer arbeiten demnach aller Wahrscheinlichkeit nach eher in diesen großen Städten – auch weil sie sich dort natürlich viel wohler fühlen, sofern sie Englisch sprechen können. 

Ganz auf eigene Faust? Ziemlich kompliziert! 

Freilich gibt es Leute, die mehrere Monate in Russland gearbeitet haben, ohne vorher einen Online Russischkurs zu belegen oder auch nur ein einziges Wort Russisch zu sprechen. Aber: Wir raten dringend davon ab, sich ohne einen klaren Plan oder konkrete Jobaussichten ins Abenteuer zu stürzen.

Außerdem ist es ja auch gar nicht leicht, eine Arbeit zu suchen, ohne die kyrillische Schrift oder die russische Grammatik zu beherrschen oder die Sprache wenigstens auf mittlerem Niveau zu beherrschen – ob nun durch autodidaktisches Lernen oder mithilfe eines Lehrers. Bei gleichen Kompetenzen wird ein Arbeitgeber wohl immer denjenigen Kandidaten bevorzugen, der besser Russisch kann.

Das kyrillische Alphabet ist ganz anders als das lateinische. Wenn Du Kyrillisch beherrschst, wirst Du für potenzielle Arbeitgeber interessanter. | Quelle: Visualhunt

Ebenso wenig sind die Aussichten besonders gut, ohne nennenswerte Russischkenntnisse eine Stelle in einem Unternehmen zu finden, dessen Arbeitssprache Russisch ist.

Aber wenn Du genau diesen Nervenkitzel brauchst, solltest Du Dir wenigstens bewusst sein, dass es leichter ist, nach weniger kommunikationsintensiven Stellen zu schauen (z. B. als Kellner in einer Bar). Eine Arbeit in einem Büro wäre mit ganz anderen Herausforderungen verbunden.

Oder doch eine Stelle auf einem ganz spezifischen Gebiet suchen?

Verfügst Du über besondere Kenntnisse in der Weinkunde, als Koch oder Konditor?

Mit relativ einfachen Mitteln kannst Du diese Kompetenzen erfolgreich einsetzen. Russen haben beispielsweise ein großes Interesse an Köchen oder Konditoren aus Deutschland. Nur müsstest Du Dich auf jeden Fall mit den russischen Fachbegriffen vertraut machen. 

Aber auch in einem Spezialgebiet ist es nicht unwahrscheinlich, dass Du mit Muttersprachlern zusammenarbeiten musst. Denn auch wenn der Chefkonditor vielleicht ein Deutscher ist, sind die ausführenden Kräfte zumeist Einheimische. Wie möchtest Du mit ihnen kommunizieren, ohne ein Wort Russisch zu sprechen?

Deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in Russland

Trotz der politischen Spannungen zwischen Deutschland und Russland ist das Land Dostojewskis nach wie vor geradezu ein Paradies für deutsche Unternehmen.

Es gibt zahlreiche multinationale Unternehmen aus Deutschland auf russischem Boden. Von BASF und Bayer über Boehringer Ingelheim und Daimler bis Porsche und DHL – unendliche Möglichkeiten, etwas in seinem Spezialgebiet zu finden.

Wenn Du bei einem deutschen Unternehmen arbeitest, umgehst Du damit auf gewisse Weise die Anforderung, Russisch zu sprechen. Schließlich findet der Austausch bei der Arbeit größtenteils auf Englisch oder Deutsch statt, was insbesondere für diejenigen einen entscheidenden Faktor darstellt, die wenn überhaupt nur Grundkenntnisse im Russischen vorweisen können.

Russisch ist nicht unbedingt bei der Arbeit nötig, gerade wenn es sich um internationale Unternehmen handelt. In den meisten internationalen Unternehmen wird Englisch oder Deutsch gesprochen. | Quelle: Pexels

Expats unter der Lupe

Ein Expat ist laut Duden „jemand, der [im Auftrag seiner Firma] längere Zeit im Ausland arbeitet“, und zwar auf Basis eines deutschen oder eines lokalen Arbeitsvertrages.

Ein Expat unterliegt also nicht zwangsläufig dem deutschen Arbeitsrecht, wobei dies je nach unterzeichnetem Vertrag bzw. je nach Arbeitgeber variieren kann. Im Gegensatz zu entsendeten Arbeitnehmern sind Expats auf unbestimmte Zeit im Ausland.

Was den steuerlichen Status anbelangt, ist Folgendes anzumerken: Behält der Expat seinen Steuerwohnsitz in Deutschland bei, ist er dort steuerpflichtig. Anders, wenn er seine Heimat mit der Familie verlässt und auch seinen Steuerwohnsitz nicht mehr in Deutschland hat.

In jedem Fall macht eine Expatriation im Rahmen eines aktiven deutschen Arbeitsvertrags den Übergang sehr viel reibungsloser und sanfter. Zumal der Expat sehr wahrscheinlich von seinem aktuellen Arbeitgeber bei der Vorbereitung auf den Wechsel unterstützt wird.

Dazu kommt, dass in einem internationalen Unternehmen wie DHL oder Porsche ohnehin Englisch oder Deutsch die Arbeitssprache ist. Für Personen, die in solchen Unternehmen tätig sind, sind Russischkenntnisse also nicht wirklich hilfreich.

Russischkurse vor der Expatriation – eine gute Investition

Wie bereits erläutert, sind Russischkenntnisse je nach den Bedingungen der Expatriation (auf eigene Faust oder mit Unterstützung durch das Unternehmen, bei dem man arbeitet) in unterschiedlichem Maße erforderlich.

Sie sind dann unabdingbar und sogar auf hohem Niveau nötig, wenn man in einer kleinen russischen Firma arbeiten oder sein eigenes Geschäft eröffnen möchte. Für diejenigen, die bei einem internationalen Unternehmen arbeiten, in dem größtenteils Englisch gesprochen wird, sind Russischkenntnisse hingegen praktisch überflüssig.

Aber: In Russland zu arbeiten, bedeutet natürlich weit mehr, als im Büro zu sitzen. Schließlich gibt es auch ein Leben außerhalb der Arbeit. Da können ein paar Grundkenntnisse der Landessprache nie schaden.

Ein kleiner Russischkurs ist also nie verkehrt.

Auch die russische Literatur eignet sich zum Russischlernen. Russisch kannst Du Dir auch beibringen, indem Du russische Bücher liest. | Quelle: Unsplash

Auch wenn man natürlich innerhalb weniger Wochen nicht zweisprachig wird, sind ein paar Grundkenntnisse sehr hilfreich, bevor man aufbricht. Noch dazu, wenn man nicht vorhat, in Moskau oder Sankt Petersburg zu arbeiten, wo eigentlich immer jemand Englisch beherrscht.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Dir die russische Sprache nicht so leichtfällt, solltest Du für bestimmte Jobs in jedem Fall einen Russisch Kurs besuchen.

Sich das russische Alphabet beizubringen, ist zum Beispiel in wenigen Stunden möglich und schon mal ein guter Anfang. Ein Anfängerniveau, mit dem Du einfache Gespräche führen kannst, ist in ca. 6 Monaten mit einer halben Stunde Üben pro Tag erreichbar. Das sind also insgesamt nur 90 Stunden.

Für diejenigen von Euch, die nicht so viel Zeit haben oder bald aufbrechen, bietet sich ein Russischkurs für Anfänger an, um einige nützliche Sätze zu lernen und sich so in Russland verständigen zu können. Vor Ort besteht natürlich immer die Möglichkeit, sich durch den regelmäßigen Austausch mit Muttersprachlern die russische Sprache anzueignen.

In jedem Fall sollte Eines in Deinem „Survival-Kit“ nicht fehlen: ein deutsch-russisches oder ein russisch-deutsches Wörterbuch – oder zumindest der Link zu einem guten Online-Wörterbuch!

Fazit:

  • Auch wenn es durchaus möglich ist, ohne Russischkenntnisse in Russland zu arbeiten, wird die Herausforderung insbesondere dann größer, wenn man noch dazu kein Englisch kann.
  • Wir können Dir nur dringend davon abraten, nach Russland zu fahren, ohne einen genauen Plan oder irgendwelche Jobmöglichkeiten im Voraus durchdacht zu haben. Es sei denn, Du möchtest einfach mal die russische Kultur kennenlernen. Du solltest Dir immer vor Augen halten, dass bei gleicher Kompetenz sehr wahrscheinlich der Bewerber bevorzugt wird, der besser Russisch spricht.
  • Demgegenüber ist es auch möglich, mit spezifischeren Stellen und lediglich basalen Sprachkenntnissen klarzukommen. Für einen Önologen zum Beispiel ist es dennoch unabdingbar, die Fachbegriffe auf Russisch zu beherrschen, um seinen Beruf bestmöglich auszuüben.
  • Diejenigen, die bereits einen Arbeitsvertrag bei einem deutschen Unternehmen haben, wird der Übergang erleichtert, da die Arbeitssprache nicht unbedingt Russisch ist, sondern Englisch oder Deutsch. Da es viele deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in Russland gibt, ist es gar nicht so kompliziert, eines ausfindig zu machen.
  • Schließlich – ohne gleich ein Vorzeigelerner zu werden, der sämtliche Nuancen der russischen Sprache perfekt beherrscht – empfehlen wir Euch, einen Anfänger Russischkurs zu belegen, um Euch zumindest mit den Grundlagen der Aussprache, der Phonetik, der Wortbetonung und ein paar russischen Wendungen vertraut zu machen oder Euer Hörverstehen zu verbessern. Diese Integrationsbereitschaft wird von den Russen ganz bestimmt sehr geschätzt.
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