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Lerne Latein, um andere Fremdsprachen zu beherrschen!

Von Julia, veröffentlicht am 28/05/2019 Blog > Sprachen > Latein > Vom Lateinischen zu anderen Fremdsprachen: So geht’s!

Latein als Muttersprache repräsentiert 80% der lateinischen Sprachen, die von 200 Millionen Menschen in Europa und von mehr als einer Milliarde Menschen weltweit gesprochen werden.

Und im Hinblick auf Erst- und Zweitsprache hat die Hälfte der Menschheit eine europäische Sprache als Muttersprache.

Dies zeigt, wie groß das geografische Gebiet des lateinischen Sprachraums ist.

Man sagt, dass die lateinische Sprache eine tote Sprache ist, weil kein Mensch auf der Erde noch Latein als Muttersprache spricht.

Latein ist jedoch tatsächlich eine der Amtssprachen des Vatikans, des päpstlichen Staates der römisch-katholischen Kirche.

Und auch, wenn einige Latein-Begeisterte diese Sprache weiterhin für lebendig halten, muss man zugeben, dass das Erlernen der klassischen Literatur in deutschen Klassenräumen einen Rückgang verzeichnet. Immer weniger deutsche Schüler entscheiden sich dafür, Latein in der Schule zu lernen.

Es ist immer wieder aufregend, eine neue Sprache zu lernen. Auch, wenn es sich dabei um eine Sprache mit lateinischem Alphabet handelt, gibt es doch immer eine andere Phonetik und ein abgewandeltes grammatikalisches System, das man sich aneignen muss.

Ihr werdet aber sehen, dass das Lernen von Latein Euch enorm dabei helfen kann, viele Sprachen zu beherrschen!

Warum hilft Latein dabei, mehrsprachig zu werden?

Wir machen einen kleinen Exkurs in die Geschichte der römischen Zivilisation.

Nach dem Fall des Weströmischen Reiches im Jahr 476 n. Chr. verbreitete sich das vulgäre Latein – die lateinische Sprache der Plebejer, des einfachen Volkes und das Vehikel der ehemaligen römischen Kolonisten – weiter als eine Sprache der Kommunikation und des Austausches, die von Portugal bis zu den Balkanländern verstanden wurde.

Lernt Latein und findet heraus, wie viele Zusammenhänge zwischen der Sprache der alten Römer und modernen Sprachen bestehen! Quelle: Egisto Sani on VisualHunt

Einige Völker sprachen damals mehrere Sprachen: Ihre eigene Muttersprache (ein Dialekt) und Latein als Zweitsprache. Die Verschmelzung des Lateinischen mit diesen regionalen Dialekten im Mittelalter führte zu vielen Sprachen mit ähnlichen etymologischen Wurzeln, die das gleiche lateinische Alphabet als Basis hatten. Diese werden noch heute als romanische Sprachen bezeichnet: Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch.

Üblicherweise hört man, dass das Erlernen alter Sprachen wie Griechisch oder Latein eine verrückte Idee ist, die nur eine zusätzliche Belastung für die Schüler bedeuten würde, die im Geographie- , Englisch- und Mathematikunterricht schon genug zu tun haben.

Allerdings kann die Kenntnis lateinischer Wörter und der lateinischen Grammatik den Erwerb weiterer Sprachkenntnisse deutlich erleichtern – insbesondere für das Erlernen von Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch und Italienisch!

In den lateinischen Ländern sind viele Menschen einsprachig, da nicht besonders viel Wert auf Sprachunterricht gelegt wird.

Jeder Schüler, der Latein lernt, wird früher oder später den Zusammenhang mit seiner eigenen Sprache erkennen!

Die meisten italienischen, spanischen und auch einige deutsche Wörter haben eine lateinische Wurzel.

Das Einprägen von Verben und Regeln der deutschen oder fremdsprachigen Grammatik wird schneller erfolgen, und Euer Gehirn wird sich schnell daran gewöhnen, Brücken von der einen zur anderen Sprache zu schlagen.

„Faber erst suae quisque fortunae“ – „Jeder ist seines Glückes Schmied“. (Appius Claudius Caecus, römischer Politiker und Staatsmann)

Ein Lateinkurs hilft Euch dabei, Eure Kenntnisse in Spanisch und Portugiesisch zu verbessern

Von allen romanischen Sprachen, die aus dem Lateinischen stammen, haben Spanisch und Portugiesischen die größte  internationale Reichweite im Bezug auf die Anzahl der Sprecher.

Tatsächlich werden diese beiden Sprachen in allen Ländern in Lateinamerika gesprochen: von Mexiko bis Argentinien und von Kolumbien bis Brasilien.

Die spanische Sprache weist viele Ähnlichkeiten mit Latein auf! Quelle: VisualHunt

Spanisch und Portugiesisch sind Sprachen, die zur Untergruppe der iberischen Sprachen gehören. Diese sind selbst Teil der romano-romanischen Gruppe, die die heutigen Dialekte hervorgebracht hat: Kastilisch, Galizisch, Extremaduranisch, Katalanisch, Aragonisch.

Am Ende des Zweiten Punischen Krieges, im 2. Jahrhundert v. Chr., eroberten die siegreichen Römer Spanien und Portugal, damals Hispanien genannt. Die Romanisierung erfolgte rasch, indem das Römische Reich den konvertierten Bevölkerungsgruppen die Staatsbürgerschaft verlieh.

Für französische Schüler ist es einfacher, Spanisch zu lernen, als Englisch oder Deutsch.

Warum?

Weil Französisch und Spanisch verwandte Sprachen sind: Sie haben eben die gleiche lateinische Wurzel.

Diese beiden Sprachen haben viele Unterschiede in Grammatik und Aussprache, die sich aus verschiedenen historischen und ethnischen Einflüssen ergeben haben: Spanisch wurde von den Westgoten und Arabern beeinflusst, Französisch hingegen von den Galliern und den germanischen Sprachen.

Man braucht sich jedoch nur die lateinische Konjugation eines Verbes ansehen, um zu erkennen, dass seine Form leicht ins Spanische oder Französische zu übersetzen ist:

  • das Verb „adorer“ (deutsch: mögen, lieben): Adorare auf Latein, adorar auf Portugiesisch und Spanisch
  • Das Adverb „après“ (deutsch: ztl. nach): post auf Latein, después auf Spanisch, depois auf Portugiesisch
  • Das Adjektiv „grand“ (deutsch: groß): magnus oder grandis auf Latein, gran oder grande auf Spanisch, grande oder magno auf Portugiesisch

Hier noch eine weitere Besonderheit, die ehemalige Lateinstudenten zur Mehrsprachigkeit verhelfen kann: Die lateinische Deklination ist sehr nützlich bei der Übersetzung ins Spanische oder Portugiesische, da Substantive, Adjektive und Verben im Gegensatz zur englischen Sprache in Geschlecht und Anzahl übereinstimmen.

Darüber hinaus gibt es im lateinischen Satz den gleichen syntaktischen Aufbau wie im Spanischen und Französischen!

Die Ähnlichkeiten zwischen diesen Sprachen sind sehr offensichtlich. Aber es gibt da eine Sprache, die dem Lateinischen noch näher ist: Italienisch. Später werden wir uns diese besondere sprachliche Verbindung noch genauer ansehen.

Welche Ähnlichkeiten gibt es zwischen Deutsch und Latein?

Wie Ihr seht, weisen vor allem die romanischen Sprachen wie Französisch, Spanisch oder Portugiesisch aufgrund ihrer gleichen Wurzel häufig deutliche Ähnlichkeiten zum Lateinischen auf. Aber es gibt auch viele deutsche Wörter, die aus indogermanischer Verwandtschaft zum Lateinischen entstanden sind! Hier einige Beispiele:

  • est – ist
  • habere – haben
  • nasus – Nase
  • fenestra – Fenster
  • familia – Familie

Außerdem wird Euch beim Latein lernen auffallen, dass viele grammatikalische Regeln mit denen der deutschen Sprache übereinstimmen. Zum Beispiel gibt es im Lateinischen genau dieselben Wortarten und Zeiten wie im Deutschen. Deshalb ist es auch für deutsche Schüler kein Zauberwerk, Latein zu lernen – auch, wenn Deutsch keine romanische Sprache ist.

Wie Euch Lateinunterricht dabei helfen kann, schneller Italienisch zu lernen

Die Geschichte des Römischen Reiches hat zu einer großen Beeinflussung der europäischen Sprachen untereinander geführt und dadurch auch zu einem Verständigungsphänomen der Länder dieses Kontinents.

Lernt Latein und Italienisch wird ein Kinderspiel! Die Sprachen haben eine Menge Gemeinsamkeiten. Quelle: VisualHunt

Wie das Lateinische wird auch das Italienische – oder besser gesagt die Toskana  – so geschrieben, wie es ausgesprochen wird.

Latein und Italienisch haben einen gemeinsamen Ursprung, der als kursiv bezeichnet wird.Wie wir wissen, war Latein die offizielle Sprache der Region Latium. Die Sprache dominierte das alltägliche Leben der Römer.

Aber die italienische Halbinsel bestand aus einer Vielzahl von Dialekten wie Oskisch oder Umbrisch. Mehrere Völker teilten sich die Provinzen, zum Beispiel mit den Etruskern (von denen die Römer sich einige Inspiration einholten).

Infolgedessen gab es einen Austausch an Vokabeln, die sich in die italienische Sprache integriert haben.

Italienisch ist heute vor allem dem Französischen am nächsten gelegen. Wenn Ihr also schon ein paar Grundkenntnisse in einer der beiden Sprachen gesammelt habt, seid Ihr klar im Vorteil!

Dies wird durch die lange Liste an Wörtern deutlich, die vom Französischen ins Lateinische und anschließend ins Italienische übersetzt wurden:

  • Manger (deutsch: Essen) : manducare / mangiare,
  • Boire (deutsch: Trinken) : bibere / bere,
  • Dormir (deutsch: Schlafen) : dormire / dormire,
  • Église (deutsch: Kirche) : ecclesia / chiesa,
  • Vache (deutsch: Kuh) : vacca / vacca,
  • Dieu (deutsch: Gott) : deus / dio,
  • Empire (deutsch: Imperium) : imperium / impero,
  • République (deutsch: Republik) : res publica / repubblica,
  • Hérésie (deutsch: Ketzerei) : haeresis / eresia,
  • Imitateur (deutsch: Imitator): imitator / imitatore,
  • Industrie (deutsch: Industrie) : industria / industria.

Die Liste geht noch viel weiter, aber Ihr könnt schon jetzt sehen, wie nah die drei Sprachen sind. Manchmal reicht es fast, am Ende eines französischen Wortes einfach ein „a“ oder ein „e“ dranzuhängen, um das italienische Pendant zu finden!

Auch ein paar Ähnlichkeiten zur deutschen Sprache werden Euch auffallen, oder?

Lernt Latein, um Rumänisch besser kennenzulernen

Die letzte Gruppe der romanischen Sprachen – deren wahrer Ursprung unbekannt ist – ist das Rumänische. Das Lateinische ist in der Orthodoxie des Balkans slawischer Herkunft fester Bestandteil.

Es ist bekannt, dass Dacia (das heutige Rumänien) von Kaiser Trajan (53-117) 101-102 und 105-106 n. Chr. erobert wurde. Von dort aus entstand das Daco-Rumänisch, eine Sprache, deren Wortschatz aus dem Lateinischen stammt (71%).

Wenn Ihr Latein lernt, werdet Ihr schnell die Vielfalt der sprachlichen Auswirkungen auf die modernen Sprachen bemerken! Quelle: Ava Babili on VisualHunt

Zum Beispiel haben viele lateinische Wörter die gleiche etymologische Grundlage wie das Rumänische:

  • Arbeiten : laborare/ara,
  • Feld: campus/câmp,
  • Silber : argentum/argint,
  • Pferd: caballus/cal,
  • Stern : stella/stea,
  • Stein: petra/piatra

Rumänisch ist bekannt dafür, für Menschen mit Vorkenntnissen in anderen romanischen Sprachen wie Französisch relativ leicht erlernbar zu sein.

Rumänisch zeichnet sich dadurch aus, dass es das einzige Sprachsystem ist, das den enklitischen Artikel des Lateinischen bewahrt hat. In der Lateinischen Sprache wird, wie im heutigen Rumänischen, der enklitische Artikel direkt an das Ende des jeweiligen Wortes angehängt (lup/lupul auf Rumänisch und populus/populusque, hominum/hominumque, deum/deumque etc.).

Rumänisch ist genau wie Latein eine flektierende Sprache, womit es sich von den anderen westeuropäischen Sprachen unterscheidet. So hat die rumänische Sprache auch einen Dativ, – Genitiv und Vokativfall.

Fragt Ihr Euch jetzt immer noch, wie Ihr am besten moderne Sprachen lernt?

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