Auf die Frage, ob man denn lesen könne, würde die Mehrheit defensiv antworten: „Natürlich kann ich lesen!“

Für die meisten Menschen in Deutschland ist es ganz und gar selbstverständlich, dass sie lesen können. Sie sind sogar der Meinung, jeder in Deutschland beherrsche das Lesen mehr oder weniger gut. Wüssten sie, was für ein facettenreicher Prozess das Lesen tatsächlich ist, wären sie bestimmt erstaunt und würden die Bedeutung des Wortes „Lesen“ wahrscheinlich in einem völlig neuen Licht betrachten. Was unser Gehirn tagtäglich leistet, ist wirklich bemerkenswert.

Manch einer wäre geschockt, wie viele Prozesse in unserem Gehirn in Gang gesetzt werden, wenn wir auch nur ein einzelnes Wort lesen.

Die Deutschen verstehen sich selbst gerne als eine Nation der Leser. Aber trifft das auch wirklich zu?

Tatsächlich kommt Analphabetismus in Deutschland häufiger vor als man zunächst denkt. Das Bundesbildungsministerium hat Anfang 2019 eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass rund 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland funktionale Analphabeten sind (das entspricht in etwa 12,1% der Menschen in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren). Funktionaler Analphabetismus bedeutet, dass die Betroffenen deutsche Texte nicht richtig lesen und schreiben können, sie verstehen lediglich einzelne Sätze. Obwohl die Zahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland sehr hoch ist, ist sie im Vergleich zu älteren Studien sogar zurückgegangen. Bei einer Studie 2011 lag die Zahl noch bei 7,5 Millionen Menschen.

Wie wichtig das Lesen ist, wird besonders deutlich, wenn man den Alltag eines Analphabeten mal ein wenig genauer betrachtet.

Menschen, denen die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben fehlt, haben häufig Schwierigkeiten bei der Jobsuche. Als Folge sind sie in vielen Entscheidungen ihres Lebens stark eingeschränkt. Haben sie Kinder, fällt es ihnen deshalb schwer, diese finanziell zu unterstützen. Aber auch alltägliche Dinge, wie Hilfe bei den Hausaufgaben, können dann zur richtigen Herausforderung werden.

Damit die Zahl der Analphabeten in Deutschland nicht wieder anwächst, ist Kinder zum Lesen motivieren sehr wichtig und ihnen schon früh das Lesen beizubringen. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die schon früh Lesen lernen, später zu den besonders flüssigen Lesern gehören und eine besonders gute Aufmerksamkeitsspanne besitzen.

Wer das Lesen bereits ein wenig beherrscht und seine eigenen Fähigkeiten gerne weiter ausbauen würde, könnte von Abendschule oder Onlineunterricht profitieren. Kurse wie „Lesen lernen Erwachsene“ sind dann genau das Richtige. Fehlen dagegen schon die Grundlagen, ist es ratsam, nochmal zur Schule zu gehen oder Leseunterricht bei einem Privatlehrer bzw. einer Privatlehrerin zu nehmen.

Auf Superprof findest Du zahlreiche Privatlehrer*innen, die entsprechende Kurse anbieten.

Was ist Lesen?

Lesen ist ein komplexer, ‚kognitiver’ Prozess, bei dem unser Gehirn zunächst verschiedene Symbole (gewöhnlich in Form der Buchstaben unseres Alphabets) entziffern muss, um dann aus Wörtern und Satzbau eine Bedeutung abzuleiten.

Das bedeutet, beim Lesen sind eine ganze Reihe an Fähigkeiten erforderlich, die alle gleichzeitig angewendet werden müssen – Worterkennung, Auffassungsgabe, Sprachkompetenz und Motivation. Den meisten ist nicht einmal bewusst, dass sie diese Fähigkeiten besitzen!

Alle diese Fähigkeiten kommen schon bei einem simplen und leicht verständlichen Text zum Einsatz. Stell Dir nur mal vor, wie aktiv unser Gehirn sein muss, wenn wir stattdessen einen mehrdeutigen und packenden Text vor uns haben.

Während Du die einzelnen Worte des Textes erkennst und versuchst ihre Bedeutung zu erfasst, zieht Dein Gehirn ganz automatisch zusätzlich Dir bekannte Kontexte mit ein, den Schreibstil, in dem der Text verfasst ist und viele weitere kleine Details, die sich zwischen den Zeilen verbergen.

Beim Leseunterricht trainieren wir vor allem unser Gehirn.
Lesen ist ein komplexer Prozess, bei dem unser Gehirn viele Funktionen gleichzeitig ausführen muss. | Quelle: Pixabay

Wie kann ich meinem Kind lesen beibringen oder es motivieren mehr zu lesen?

Frag doch mal die Nachhilfelehrer*innen bei Superprof, die Nachhilfeunterricht vor Ort in Deiner Nähe oder Deutsch Nachhilfe online per Webcam anbieten.

In diesem Artikel stellen wir Dir eine Reihe von Schritten vor, an denen Du Dich als Leitfaden orientieren kannst, wenn Du jemandem das Lesen beibringen möchtest.

Auf diese Weise stellst Du den Lernenden verschiedene Taktiken zur Seite, wie sie ihre Lesefähigkeiten verbessern oder zum Beispiel schnell lesen lernen können.

Ermutigen und Motivieren

Möchtest Du jemandem das Lesen beibringen, solltest Du damit beginnen, demjenigen Mut zu machen. Deine Schüler*innen lernen besser, wenn Du zunächst ihr Selbstvertrauen anspornst und ihre Erwartungen an sich selbst und was sie erreichen können bestärkst. Außerdem solltest Du Deine Schüler*innen dazu ermutigen, regelmäßig zu lesen und zu schreiben.

Trotz vorbildlicher Intentionen fällt es manchen Schüler*innen dennoch schwer sich zu fokussieren. Deshalb empfiehlt es sich beim Lesen Beibringen Übungen für die Lernenden vorzubereiten, die sie bis zur nächsten Stunde Leseunterricht bearbeiten müssen. Beim Erstellen der Übungen solltest Du aber sicher sein, dass sie auch für alle Kursteilnehmer*innen machbar sind. Darüber hinaus sollte der Unterricht aktiv gestaltet sein und den Schüler*innen Spaß machen, damit sie auch am Ball bleiben wollen.

Zusätzlich könntest Du den Teilnehmern und Teilnehmerinnen Deines Kurses vorschlagen, einem Buchclub beizutreten, der sich einmal im Monat trifft, um das Gelesene zu besprechen. Auf diese Weise wird das Lesen zu einem wichtigen Bestandteil des Alltags. Das Tolle an einem Buchclub ist, dass jeder seine eigene Auffassung der jeweiligen Kapitel darlegen kann. So realisieren die Mitglieder, wie unterschiedlich ein und dasselbe Buch von verschiedenen Leser*innen interpretiert werden kann.

Gleichzeitig erlangen Deine Schüler*innen durch die Teilnahme an einem Buchclub Einblicke in die Alltage anderer, sie lesen Geschichten, die sie selbst vielleicht nicht ausgewählt hätten und schließen möglicherweise sogar neue Freundschaften, mit denen sie Interessen und Vorlieben gemeinsam haben.

Außerdem müssen manche Bücher einfach diskutiert werden! Hast Du schon einmal ein Buch gelesen und wolltest danach unbedingt mit jemandem darüber sprechen, der das Buch auch gelesen hat, konntest aber niemanden finden?

Wer selbst nicht lesen kann, der kann auch nicht seinem Kind lesen beibringen.
Alltägliches, wie den Kindern vorlesen, kann für Analphabeten in Deutschland schon eine Herausforderung sein. | Quelle: Unsplash

Willst Du Schüler*innen zum Lesen ermutigen ist die Motivation dieser Schüler und Schülerinnen entscheidend. Es gibt passive und aktive Leser*innen. Erklärst Du Deinen Schüler*innen die Vorteile des aktiven Lesens, werden sie vielleicht zukünftig beim Lesen anders vorgehen. Wenn Du zum Beispiel voller Begeisterung von dem letzten Buch erzählst, das Du gelesen hast, könnte diese positive Energie auf Deine Klasse abfärben.

Jeder leidenschaftliche Leser und jede leidenschaftliche Leserin können bestätigen, dass es kein besseres Gefühl gibt, als ein fesselndes Buch in Händen zu halten – Du kannst einfach nicht aufhören zu lesen, willst aber gleichzeitig nicht, dass das Buch jemals endet. Ein Charakter der Game of Thrones Reihe von George R. R. Martin sagt: „Ein Leser durchlebt tausend Leben, ehe er stirbt. Der Mann, der nie liest, lebt nur sein eigenes.“ Dein Ziel als Lehrer*in sollte sein, dass Deine Schüler*innen diese Liebe zum Lesen selbst erleben wollen.

Sich auf das Lesen vorbereiten

Eine wichtige Phase beim Lesen Lernen ist die Vorbereitung auf das Lesen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass wir beim Lesen scharfsinniger sind, wenn wir uns die Zeit nehmen, uns auf das Lesen eines Textes vorzubereiten. Das funktioniert ähnlich wie bei körperlichen Aufgaben – bevor Du ein Rennen läufst, musst Du Dich aufwärmen.

Weise Deine Schüler*innen zuerst an, sich selbst zu fragen, warum sie diesen Text gleich lesen werden. Denn der Grund, aus dem wir lesen, wirkt sich entscheiden auf die Art und Weise wie wir den Text lesen aus.

Deshalb sollte man sich also zuallererst klar werden, warum man den Text liest – geht es darum Details im Text zu finden oder einfach unterhalten zu werden? Diese Vorgehensweise kann überraschend hilfreich dabei sein, den Text zu verstehen und sich Details aus dem Text besser zu merken. Das liegt daran, dass aktives Lesen auch das Nachdenken und das Speichern des Textes beinhaltet. Verfolgt man einen bestimmten Zweck, fallen einem diese Dinge eben leichter.

Als nächstes solltest Du Deine Schüler*innen in einen für das Lesen idealen Zustand versetzen. Das bedeutet, sie sollten sich beim Lesen entspannen, aber dennoch gleichzeitig wachsam bleiben. Viele erreichen diesen Zustand nur, indem sie alle potentiellen Ablenkungen wie Smartphone, Hintergrundgeräusche oder Musik beseitigen.

Innere Ruhe und Gelassenheit ist der beste Weg wie Lesen beibringen funktioniert.
Willst Du Dich auf den Leseunterricht vorbereiten, versuche Deine innere Ruhe zu finden. | Quelle: Unsplash

Bevor Deine Schüler*innen dann mit dem Lesen beginnen, sollten sie sich mental noch einmal ihr Ziel vor Augen halten und dann loslegen.

Für Legastheniker*innen ist das manchmal gar nicht so einfach, denn sie haben Schwierigkeiten sich auf eine Sache zu konzentrieren. Für erfahrene Leser*innen stellt das kein Problem dar. Ob Legasthenie oder nicht, Deine Schüler*innen können ihre Lesefähigkeiten verbessern, indem sie trainieren, ihre Aufmerksamkeit umzulenken.

Verschiedene Techniken wie die Pomodoro-Technik können passiven Lesern dabei helfen, konzentrierter zu Lesen und so schneller Lernfortschritte zu machen.

Merke Dir also: Bevor Du mit dem Lesen eines Textes beginnst, solltest Du Dich immer erst fragen, warum Du den Text eigentlich lesen willst.

Schreibaufgaben stellen

Lesen wird meistens gleichzeitig mit Schrieben gelehrt, denn beide Fähigkeiten sind eng miteinander verbunden. Stellst Du Deinen Schüler*innen regelmäßig Schreibaufgaben, müssen sie sich mit den verschiedenen Prozessen des Schreibens auseinandersetzen. Das verändert nicht nur ihre Sichtweise auf das Schreiben, sondern auch auf das Lesen.

Zum Beispiel könntest Du Deine Klasse bitten, sich Kurzgeschichten für unterschiedliche Zielgruppen oder zu verschiedenen Themen auszudenken. Beim Verfassen der Kurzgeschichten werden sie feststellen, wie viele Details beim Schreiben eines solche Textes erforderlich sind. Haben sie vorher selbst noch keine Texte verfasst, entwickeln Deine Schüler*innen im Idealfall durch diese Aufgabe neuen Respekt gegenüber Autor*innen und wissen die Schwierigkeit, den Leser*innen bestimmte Informationen zu präsentieren, mehr zu schätzen.

Stelle den Schüler*innen im Leseunterricht regelmäßig Schreibübungen, denn Lesen und Schreiben sind eng miteinander verknüpft.
Im Leseunterricht wird tatsächlich nicht nur gelesen, kleinere Schreibübungen verbessern das Verständnis der Lernenden.

Solche Schreibaufgaben bringen die Schüler*innen darüber hinaus dazu, tiefer in die eigene Vorstellungswelt einzutauchen. Das fördert das Verständnis dafür, was es umfasst, eine Bedeutung oder Botschaft für andere verständlich in Worte zu fassen.

Durch das Schreiben lernen sie die andere Seite eines Textes kennen. Dadurch werden sie beim Lesen aufmerksamer und fangen an die Inhalte auch wirklich zu erfassen.

Zum vielseitigen Lesen ermutigen

Zu guter Letzt solltest Du Deinen Schüler*innen die verschiedenen Genres und Schreibstile vorstellen. Dadurch lernen sie, dass die unterschiedlichen Textarten die Leser*innen auch auf verschiedene Weise ansprechen und fordern. Vergleichst Du beispielsweise die Anleitung eines Küchengeräts mit einem Liebesroman, wirst Du feststellen, dass die Erfahrung beim Lesen jeweils eine völlig andere ist.

Auf Superprof entdeckst Du eine Reihe deutscher Klassiker, mit denen Du Deine Schüler auf jeden Fall zum Lesen motivieren kannst.

Sind Deine Schüler*innen auf bestimme Typen von Lesestoff festgelegt, versuche sie bewusst aus ihrer Komfortzone zu holen. Fordere sie auf auch anderen Schreibstilen und Genres eine Chance zu geben. Unerfahrene Leser*innen können kaum wissen, was ihnen tatsächlich gefällt und was nicht.

Natürlich solltest Du dabei nicht zu harsch sein. Deine Schüler*innen sind noch Anfänger in dieser Disziplin. Sie während des Lernprozesses zu entmutigen ist das Letzte, das Du willst.

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Jana