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Bekannte russische Schriftsteller und ihre Werke

Von Lea, veröffentlicht am 26/11/2018 Blog > Sprachen > Russisch > Die Vielfalt der Russischen Literatur

Es ist allgemein bekannt, dass die russische Sprache einen besonders reizvollen Klang hat, vor allem, wenn es darum geht, das „r“ richtig auszusprechen.

In jedem Fall gibt es viele Gründe, Russisch zu lernen: Sei es der Wunsch, Russischlehrer zu werden, Pläne für eine Reise nach Russland, die Bereitschaft, in einem russischsprachigen Land zu studieren, eine baldige Heirat … oder einfach die Liebe zur russischen Gesellschaft.

Vor allem dem letzten Aspekt werden wir heute unsere Aufmerksamkeit schenken, während wir in die slawische Kultur eintauchen und uns ihre Literatur genauer anschauen.

Diese Zeitreise, in der wir Russland und die slawischen Provinzen und Literatur entdecken, wird Euren Wunsch bestärken, bilingual Deutsch-Russisch zu werden!

Resultate aus dem mittelalterlichen Russland

Das Russland des Mittelalters kannte nur einen Bruchteil der Volksliteratur. Die meisten Texte waren heilig und in slawischer Sprache, also der russischen liturgischen Sprache, geschrieben.

Die ersten nennenswerten Spuren von Werken, die weder religiös noch juristisch waren, stammen aus dem Ende des Mittelalters: Sie sind in Altrussisch geschrieben.

Die Literatur besteht jedoch nicht nur aus dem geschriebenen Wort. Zu der damaligen Zeit findet sie sich vor allem im gesprochenen Wort: Russische Familien geben ihre Geschichten von Generation zu Generation weiter. Dies tun sie in Form von Volksliedern, den sogenannten Bylina, die vom Christentum, dem Byzantinismus und dem antiken Heidentum geprägt sind. Diese beliebten Volksmärchen sind die Grundlage der russischen Literatur, man bezeichnet sie auch als „Kunst der Wörter“.

Erst im Zeitalter der Aufklärung kommt der Begriff der Literatur auf, der für geschriebene Texte reserviert ist.

Erzählen Euch Eure Großeltern Geschichten? Früher wurde russische Literatur von Generation zu Generation mündlich weitergereicht. | Quelle: Pixabay

Die meisten alten russischen Werke sind anonym, so wie das Igorlied aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. Der religiöse Schriftsteller Awwakum Petrow eröffnet der russischen Volkssprache mit seiner Autobiografie aus dem 17. Jahrhundert neue Wege: Er ist ein Vorreiter der modernen russischen Sprachwissenschaft.

Um diese Zeit fand mit der Einführung des Theaters unter der Schirmherrschaft von Natalia Narychina, der Mutter von Zar Peter I., eine erste Verwestlichung statt.

Moderne russische Werke und der Höhepunkt des Romans

Es scheint, also würden die Russen mit der Herrschaft von Peter dem Großen (1682-1725) beginnen, ihr Gesicht zu verändern.

Das Land wird nicht nur westlicher, sondern beginnt auch, über seine Wurzeln und vor allem seine Sprache nachzudenken: Die Sprachlehre des berühmten Dichters Lomonossow (1711-1765) ist ein Meisterwerk und nicht nur deshalb gilt er als der Schöpfer der modernen russischen Sprache.

Er ist auch der Gründer der ersten Universität seines Landes und Teil der ersten russischen „literarischen Welle“.

Man bemerkt diese Veränderung an der Architektur der neueren Stadt Sankt Petersburg, aber auch in der Gründung der ersten russischen Zeitungen und der Vereinfachung der verwendeten Buchstaben: Das kyrillische weicht dem russischen Alphabet, in Annäherung an das Lateinische.

Die allmähliche Säkularisierung von Wissenschaft und Bildung lässt neue literarische Themen entstehen. Es erscheinen Liebeslieder, gleichwohl wie Romane der Ritterlichkeit und Abenteuer.

Es gibt viele Ritterlegenden. Ritter Geschichten waren auch im frühen Russland beliebt. | Quelle: Pixabay

In der Welt dieser unveröffentlichten Werke finden wir traditionelle und beliebte Elemente, die typisch russisch sind, aber auch Anpassungen an ausländische Werke. Die Charaktere sind oft Edelmänner und Matrosen, wobei die Handlung oft im Ausland spielt, um dem Ganzen einen Hauch Exotik zu verleihen.

Gleichzeitig ist es die russischsprachige Poesie, die innerhalb der Grenzen des Reiches großen Erfolg hat. Die Namen, an die wir uns erinnern und deren Meisterwerke wir heute noch lesen, sind Trediakovsky (1703-1769) und Derschawin (1743-1816) wenn es um Gedichte geht; Kantemir (1708-1744), Radishchev (1749-1802) und Karamzin (1766-1826) für die Prosa;  sowie  Sumarokov (1717-1777) und Fonvizin (1745-1792), die die Anfänge des Nationaltheaters markieren.

Die moderne russische Sprache ist dank ihrer Anfänge und Lomonossow eine Verbindung zwischen der Volkssprache und dem Slawisch der Kirche, die 1755 entstand. Es war das erste Mal in der russischen Geschichte, dass die Landessprache standardisiert wurde!

Mit der Öffnung für den Rest der Welt durch den Zaren, wurden viele neue Wörter aus Europa importiert, um technische oder konzeptuelle Dinge zu beschreiben, die den Ostslawen bisher unbekannt waren.

Versucht ruhig, Euer neues Wissen in Russland unter Beweis zu stellen. Aber bevor es losgeht: Denkt daran, ein Visum für Russland zu beantragen!

Das neunzehnte Jahrhundert: goldenes Zeitalter der russischen Sprache

Im Gegensatz zu dem, was allgemein geglaubt wird, entstand der russische Roman bereits im 18. Jahrhundert und basierte meist auf französischen Vorbildern, die in das normale Russisch übersetzt wurden.

Der erste russischsprachige Schriftsteller war Emine (1735-1770) … aber er kam nicht aus Russland! Die Begeisterung, die seine Werke hervorriefen und die heute aufgrund seines Schreibstils in Vergessenheit gerät, rief Nachahmer auf den Plan, so wie Čulkov (1743-1793) und der Fabeldichter und Dramatiker Krylov (1769-1844).

Es ist nicht überraschend, dass es die Alltagssprache des modernen Moskaus ist, die die Eliten der Nation nach und nach beeinflusst. Die russische Romantik hat ihren Ursprung in Deutschland und breitet sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Osten aus. Diese beispiellose künstlerische Bewegung bringt Generationen russischer Literaturgenies ans Licht: Es ist das goldene Zeitalter einer noch frischen russischen Literatur.

Einige Namen braucht man nicht vorzustellen: der Alleskönner Puschkin (1799–1837), der Mystiker Gogol (1809–1852), dessen Roman Die toten Seelen von westlichen Werken inspiriert ist und der brillante Dostojewski (1821–1881) gehören in unser Ranking der Top 10 russischen Persönlichkeiten, ebenso wie Turgenev (1818-1883), der unbestrittene Meister des russischen Theaters Tschechow (1860-1904) und Tolstoi (1828-1910), dessen Werke Krieg und Frieden und Anna Karenina seine bekanntesten sein dürften.

Lest Ihr gerne Gedichte? Die Dichtkunst war und ist in Russland sehr beliebt. | Quelle: Pixabay

Alle Russischliebenden, die an einer Universität Russisch studieren, lesen mit Begeisterung Schuld und Sühne, Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasow, einige der Meisterwerke Dostojewski. Die philosophische Bedeutung seiner Arbeit ist unbestritten: Sie ist oft eine der wesentlichen Eigenschaften von großen Romanen.

Neben diesen Größen der schönsten russischen Sprache gibt es eine Vielzahl weniger bekannter, aber talentierter Schriftsteller: Schukowslki (1783-1852), der für seine patriotischen Lieder gegen Napoleon berühmt ist, der Künstler Lermontov (1814-1841), der Dichter der Klassik Tyutchev (1803-1873), Goncharov (1812-1891) mit seinem von Tolstoi und Dostojevski gelobten Roman Oblomow, der Satiriker Saltykov-Shchedrin (1826-1889) oder der Publizist Leskov (1831- 1895).

Die Dichtkunst ist wie im vorigen Jahrhundert immer noch sehr beliebt, vor allem bei dem abstrakten Dichter Baratynsky (1800-1844), dem eleganten Alexis Tolstoi (1817-1875), auch wenn er unendlich viel weniger bekannt ist, als sein berühmter Cousin, sowie Afanassi Fet (1820-1892), Hauptvertreter des russischen „l’art pour l’art“.

In anderen Bereichen kann man diese Liste mit Herzen, Kropotkin, Nekrasov, Ostrovsky und Bakunin weiterführen. Die politische Literatur ist eine Konstante der Gegenwart, in Russland wie anderswo.

Erkundigt Euch außerdem, ob es besser ist, während einer Reise nach Russland nach Moskau oder St. Petersburg zu fahren!

Russischsprachige Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts

Bislang haben wir erkannt, dass die Poesie eine der literarischen Gattungen ist, die die russische Seele am meisten wertschätzt. Eine Erkenntnis, die ihr nicht unbedingt im Russisch Sprachkurs lernt.

Nun, diese Tatsache gilt auch für das letzte Jahrhundert, das mit dem Höhepunkt des Symbolismus beginnt und dessen Hauptvertreter Bely, Khlebnikov und Voloshin sind.

Heutzutage, wo die russische Literatur auf fast zwei Jahrhunderte zurückblicken kann und Zeit hatte, viele talentierte Federn hervorzubringen, ist es möglich, einen kritischen Blick darauf zu werfen. Es ist dem russischen Formalismus zu danken, dass es ein umfassendes Verzeichnis der Bücher dieser Zeit gibt. Nach dem Höhepunkt des 19. Jahrhunderts war diese kurze Phase als Silberzeitalter bekannt, auch wenn ihr Impuls vorzeitig gestoppt wurde.

Und das aus gutem Grund: 1917 wird die bolschewistische Revolution Russland in seinen Grundzügen erschüttern.

Der Einfluss von Lenin war zu spüren... Im 20. Jahrhundert veränderte sich die russische Literatur gewaltig… | Quelle: Pixabay

Lenin reformierte das russische Alphabet, das Erbe von Peter dem Großen, wobei dies nicht die größte Wirkung der Revolution. Mit ihr kam es zur Einführung einer „offiziellen“ Kunst: Die Künstler, die sich von der Revolution distanzierten, mussten das Exil oder Gefängnis, Deportation oder gar den Tod fürchten.

Die Neue Ökonomische Politik von Lenin ließ eine Umstrukturierung der russischen Literatur um die avantgardistische Künstlervereinigung Oberiou und die Bewegung des hl. Serapion kaum zu, weil der Aufstieg Stalins an die Spitze der UdSSR den russischen Schriftstellern einen tödlichen Schlag versetzte.

Die abstrakte Kunst wurde in all ihren Formen im Gegensatz zum sozialistischen Realismus, der für alle obligatorisch war, verboten: Einige Autoren sollten unter Aufsicht der Regierung die etablierte Ordnung und ihre sowjetischen Erfolge anpreisen.

Geheime literarische Flugblätter (Samisdat) machten es den Schriftstellern zum Glück möglich, im Geheimen und in ständiger Gefahr, weiter zu schreiben: Bulgakov und Vassili Grossman sind wahrscheinlich die prominentesten Vertreter. In Sorge über das Regime sterben beide aufgrund von Krankheiten und nicht durch Zwangsmaßnahmen des Regimes.

Die großen Federn dieser Zeit wurden verbannt: Bunin, Shmelov und Solzhenitsyn, weltberühmt für sein Werk Der Archipel Gulag und der kritischen Betrachtung des Kommunismus. Er scheint für viele eher Philosoph und Prophet zu sein, denn ein klassischer Romanautor.

Schaut Euch am besten gleich nach einem Russisch Sprachkurs in Berlin oder in Eurer Stadt um!

Was ist mit der heutigen russischen Literatur?

Mit dem Zusammenbruch der UdSSR kommt ein neuer Wind der Freiheit in der russischen Literatur auf.

Es gibt viele Bücher in Russland. Heute ist die russische Literatur von ihrer Geschichte geprägt. | Quelle: Pixabay

Da dieses Ereignis immer noch nicht sehr weit zurückliegt, haben wir noch nicht genügend Abstand, um es in seinem vollem Ausmaß zu betrachten. Der national-bolschewistische Schriftsteller Limonow ist uns aus der von Emmanuel Carrère d’Encausse geschriebenen Biografie bekannt.

Aber er soll die anderen Talente nicht überschatten: Elena Tchoudinova, die Science-Fiction-Romane und historische Romane über Frankreich und England schreibt, Michail Shishkin, Vladimir Sorokin …

Eines ist sicher: Die unglaubliche Lebenskraft der russischen Literatur hat trotz der stalinistischen Klammer ihr letztes Wort noch nicht gesprochen.

Russland besinnt sich wieder auf seine Traditionen, und es gibt keinen Zweifel daran, dass es immer wieder Genies unter den Menschen geben wird, deren Meisterwerke alle deutschsprachigen Personen, die Russisch zu lernen beginnen, in einigen Jahren oder Jahrzehnten lesen werden.

Zeit, in Eurem Russischkurs selbst die größten Werke der russischen Literatur auf Russisch zu lesen!

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