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Warum wird Latein oft als Ursprung oder „Mutter“ der europäischen Sprachen bezeichnet?

Von Julia, veröffentlicht am 28/05/2019 Blog > Sprachen > Latein > Latein – die Mutter aller Sprachen?

Fast 430 Millionen Menschen sprechen lateinische Sprachen!

Lateinische (oder römische) Sprachen sind fast so weit verbreitet wie germanische Sprachen, insbesondere aufgrund des Einflusses Lateinamerikas. Die grundlegende lateinische Sprache bleibt auch heute weiterhin eine Option, die von deutschen Gymnasiasten gewählt wird.

Kennt Ihr alle indo-europäischen Sprachen, die Ihre Ursprünge im Lateinischen haben?

Was ist der Ursprung der lateinischen Sprache

Die europäischen Sprachen sind hauptsächlich indo-europäisch, das heißt, sie werden von Europa bis Indien gesprochen. Die indo-europäischen Sprachen hatten Ihre Geburtsstunde vor vielen Millionen Jahren.

Auch, wenn die europäischen Sprachen alle den selben Ursprung haben, unterscheiden sie sich. Es gibt slawische, germanische, keltische und lateinische Sprachen.

Die lateinischen Sprachen verwenden das lateinische Alphabet und entwickelten sich mit dem Lateinischen, dessen Ursprung etruskisch ist. Die Etrusker haben sich das griechische Alphabet und zuvor benutzten die Griechen das phönizische Alphabet, um ihr eigenes zu erschaffen.

Latein hat einen Einfluss auf viele moderne Sprachen der Welt. Quelle: stokpic Pixabay

Am Anfang war die lateinische Schule nicht mehr als eine von vielen kursiven Sprachen, die an den Ufern des Tiber gesprochen wurde.

Latein wurde ursprünglich in der Region Latium und im Zentrum Italiens gesprochen.

Rom hatte in der Antike einen wichtigen Einfluss auf den Mittelmeerraum, weshalb Latein enorm schnell verbreitet wurde und andere Dialekte ausgestorben sind. Die meisten unserer heutigen Sprachen kommen aus dem Lateinischen.

Die lateinische Sprache besitzt:

  • 5 Deklinationen und mehrere Wortstämme
  • 3 Arten von Nomen und Adjektiven (Femininum, Maskulinum, Neutrum) wie im Griechischen und Deutschen
  • 2 Numeri (Singular und Plural)
  • keine Artikel
  • 4 Konjugationen, die bei Bedarf auf eine einzige reduzierbar sind
  • 1 Passivform, wie im Griechischen

Latein ist eine umkehrbare Sprache: Wörter werden im Satz nach Wert- und Wichtigkeitsordnung, aber auch nach den Gesetzen der Harmonie (Vers, Prosa) angeordnet. Die lateinische Sprache war eine öffentlich gesprochene Sprache und besonders nützlich in Recht und Politik.

Natürlich haben sich die Menschen im Laufe der Jahrhunderte allmählich die Sprache angeeignet, um sie zu verändern und die lateinischen Sprachen von heute hervorzubringen.

Was ist eine romanische Sprache?

Die verschiedenen romanischen Sprachen sind die Sprachen des vulgären Lateins, das von den Menschen gesprochen wurde –  das volkstümliche Latein, das im täglichen Leben zur Kommunikation verwendet wurde.

Die romanischen Sprachen wurden und werden auch heute noch in einem geografischen Gebiet gesprochen, das als Romania bekannt ist. Es befindet sich im nordwesteuropäischen Teil des ehemaligen Römischen Reiches. Die Bezeichnung Romania entstammt dem Wort romanus (römisch). Tatsächlich sprachen die Menschen eine Sprache, die vom Römischen abgeleitet war, im Gegensatz  zur fränkischen Sprache, die von germanischen Sprachen abgeleitet war und in Nordfrankreich gesprochen wurde.

Die Entwicklung des vulgären Lateins führte zur Entstehung der verschiedenen romanischen Sprachen.

Chronologisch gesehen existierten mehrere Formen des Lateinischen zwischen 200 und 400 v. Chr. Nach und nach wurden die Formen zwischen 500 und 600 v. Chr. immer unterschiedlicher. Im Jahr 813 v. Chr. wurde das Bestehen einer romanischen Sprache anerkannt und es wurde darum gebeten, die Predigten in ländlicher romanischer Sprache (rusticam Romanam linguam). Ihr findet mit Sicherheit ein paar ähnliche Wörter in einem modernen Latein-Wörterbuch.

Aus dem Wortschatz des Lateinischen haben sich viele neue Sprachformen entwickelt. Quelle: VisualHunt

Im Jahr 842 v. Chr. wurde schließlich ein erster Text vollständig in einer romanischen Sprache verfasst.

Diese romanischen Sprachen weisen gemeinsame Eigenschaften auf:

  • ein gemeinsamer Ursprung von Wörtern des vulgären Lateins
  • Ein vom Latein abweichendes Vokalsystem (Diphtong, Apophonie, Synkope)
  • Das Verschwinden des neutralen Geschlechts (noch immer nur in rumänischer Sprache vorhanden)
  • Ein neu organisiertes Verbalsystem (Verschwinden des lateinischen Futur, Schaffung von Hilfswörtern und Konditional),
  •  Entwicklung von Artikeln, die bisher im lateinischen Satz nicht existierten.

Die romanischen Sprachen sind selbst in zwei Gruppen auftgeteilt: Die westlichen romanischen Sprachen (Galloromanisch, Iberoromanisch, Occitanoromanisch, Rätoromanisch) und die östlichen romanischen Sprachen (Italienisch-romanisch, Sardisch, Dalmatinisch).

Welche moderne Sprache ist dem Lateinischen am ähnlichsten?

Welche Sprache ist dem Latein heute am nächsten? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist.

Das Sardische, ein Dialekt in Sardinien galt als die Sprache die dem Latein am ähnlichsten ist. Mit einer Abweichung von nur 8%! Generell sind die Sprachen Süditaliens dem Latein am nächsten, während sie sich im Norden stärker unterscheiden. Hier die Abweichungsraten einiger anderer Sprachen vom Lateinischen:

  • Italienisch 12 %,
  • Spanisch 20 %,
  • Rumänisch 23,5%,
  • Okzitanisch 25%,
  • Portugiesisch 31%,
  • Französisch 44%

Da Latein als Amtssprache der Kirche und daher im Vatikan noch gesprochen wird, ist es nicht verwunderlich, dass das Italienische dem Lateinischen näher ist als beispielsweise das Französische. Wenn Ihr die lateinischen Deklinationen gut kennt, werdet Ihr euch mit Sicherheit auch leichter an italienische Wörter erinnern können.

Aber wusstet Ihr, dass auch im Englischen einige lateinische Ausdrücke verwendet werden?

Die romanischen Sprachen, die dem Latein am nächsten sind

Die Ähnlichkeiten zwischen den romanischen Sprachen lassen sich an folgenden Beispielen veranschaulichen:

LateinItalienischSpanischRumänischOkzitanischPortugiesischFranzösisch
ClaveChiaveLlaveCheieClauChaveClé
NocteNotteNocheNoapteNuèit/nuèchNoiteNuit
CantareCantareCantarCîntaCantarCantarChanter
CapraCapraCabraCapraCabraCabraChèvre
LinguaLinguaLenguaLimbaLengaLinguaLangue
PlateaPiazzaPlazapiaţǎPraçaPlacePlace

Natürlich gibt es Unterschiede in Bezug auf die unterschiedliche Geschichte jedes Landes. Jede Sprache hat sich je nach historischen Ereignissen aus anderen Sprachen bedient. Zum Beispiel wurde Frankreich aus dem Arabischen, Spanischen und Italienischen beeinflusst, während sich Spanisch durch Französisch und Arabisch veränderte und Italienisch durch Französisch, Rumänisch und Dakisch.

Auch wenn es die Gemeinsamkeiten sind, die am offensichtlichsten sind, ist es beim Französischen etwas anders, da es aufgrund seiner geografischen Lage auch germanischen Einflüssen ausgesetzt war. So haben beispielsweise die Wörter „chanter“ (deutsch: singen) und „chèvre“ (deutsch: Ziege) ihren Ursprung aus den germanischen Sprachen.

Die Ähnlickeiten gelten insbesondere für die geschriebene Sprache, weniger für das Mündliche. Das kann man zum Beispiel bei der Zahl 5 im Französischen (cinq), im Italienischen (cinque) und im Rumänischen (cinci) feststellen:

  • Nur im Französischen gibt es einen nasalen Vokallaut [~ε]
  • Am Anfang des Wortes hört man im Rumänischen und Italienischen ein „tch“, aber im Französischen ein „s“
  • Am Ende hört man ein „k“ im Französischen und ein „tch“ im Rumänischen

Das Italienische

Italien besitzt eine große sprachliche Vielfalt, zumal die Sprache erst spät vereinheitlicht wurde (1861). Die norditalienischen Sprachen ähneln eher den westlichen romanischen Sprachen (Französisch und Spanisch), während der südliche Teil des Landes näher an den östlichen romanischen Sprachen (Rumänisch) liegt.

Die italienische Sprache ist dem Lateinischen extrem ähnlich. Hier könnt ihr zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen! Quelle: VisualHunt

Die toskanische Sprache wurde als offizielle Sprache bezeichnet, als die Hauptstadt Florenz war. Dies ist auch die Sprache von Dante Alighieri. Korsisch ein italienischer Dialekt, der der toskanischen Grundsprache nahe kommt.

62 Millionen Menschen weltweit sind italienische Muttersprachler.

Spanisch

Spanisch, auch bekannt als Kastilisch (und nicht zu verwechseln mit Katalanisch!), hat seinen Ursprung im Lateinischen, ist aber auch stark vom Arabischen beeinflusst. Die Mauren sind seit mehr als sieben Jahrhunderten auf der iberischen Halbinsel vertreten. In Lateinamerika hat sich das Spanische nochmal anders entwickelt, was zu vielen Variationen und Unterschieden im Wortschatz führte.

Heute gibt es 437 Millionen spanische Muttersprachler.

Rumänisch

Die rumänische Sprache ist den Dialekten Süditaliens, wie dem neapolitanischen, sehr nahe, hat aber auch einen slawischen Einfluss. „Ja“ heißt „Da“, wie auch in den meisten slawischen Sprachen.

Moldawisch ist näher am Rumänischen, obwohl es in Kyrillisch geschrieben wird. Oft wird behauptet, dass die Unterschiede zwischen den beiden Sprachen eher politischer als sprachlicher Natur sind.

24 Millionen Menschen haben Rumänisch als Muttersprache.

Portugiesisch

Portugiesisch ist die andere Sprache der iberischen Halbinsel. Sie hat sich im Zuge der Eroberungen Portugals in der ganzen Welt verbreitet, insbesondere in Brasilien, in einigen afrikanischen Ländern und überraschenderweise auch in Osttimor.

219 Millionen Menschen haben Portugiesisch als Muttersprache.

Französisch

Die französische Sprache wurde schon früh, in der Renaissance, vereinheitlicht und kodifiziert. In Frankreich existieren zwei Sprachgruppen nebeneinander: die Oc-Sprachen im Süden und die Oïl-Sprachen im Norden. Die beiden Bezeichnungen wurden zur Differenzierung gewählt, weil sie in beiden Sprachen „ja“ bedeuten.

Auch zwischen Französisch und Latein sind deutliche sprachliche Gemeinsamkeiten zu erkennen. Quelle: VisualHunt

Französisch hat sich allmählich als Landessprache etabliert, grundsätzlich ist es aber eine alte Sprache, die sich von Paris aus verbreitet hat. Dieser Einfluss zeigt sich in lateinischen Zitaten, in denen einige Wörter ähnlich wie auf Französisch erscheinen können.

76 Millionen Menschen sprechen heute weltweit Französisch als Muttersprache.

Andere lateinische Sprachen

Heutzutage gehören mehrere Sprachen zur spanischen, französischen oder italienischen Gruppe.

Die ibero-romanische Gruppe ist in mehrere Dialekte unterteilt – oder auch nicht:

  • Die Spanische Gruppe: Kastilisch, Asturisch, Leonisch, Andalusisch, Extremadura, Judäisch-Spanisch (Israel)
  • Portugiesische Gruppe: Portugiesisch, Galicisch, Mirandisch, Azoren, Algarvio, Alentejano, Minho-Dialekt…..
  • Katalanische Gruppe: Katalanisch wird in Teilen Südfrankreichs, Andorras, Kataloniens, Aragoniens, Valencias und der Balearen gesprochen. Aus sprachlicher Sicht ist das Katalanische näher am Okzitanischen als am Kastilischen.

Zur Occitano-Romanischen Gruppe gehören Französisch, Gascon, Languedoc, Provençal, Auvergne-Limousin und Alpine-Dauphinois (Italien).

Die italienisch-romanische Gruppe umfasst alle italienischen Dialekte: Piemontesisch, Lombardisch, Ligurisch, Emilianisch, Bolognesisch, nahe dem Französischen durch Aussprache. Aber auch: Toskanisch, Korsisch, Sardisch, Römisch, Kampanisch, Sizilianisch, Kalabrisch.

Die gallo-romanische Gruppe besteht aus mehreren Sprachen: Wallonisch, Picard, Normannisch, Berrichon, Champagnisch, Franche-Comté, Burgund, Bourbonnais, Tourangeau, Angevin, Poitevin, Saintongeais, Gallonisch.

Für die rätoromanische Gruppe sind Friaulisch und Ladinisch in Italien und Romanisch in der Schweiz zu erwähnen.

Schließlich umfasst die Balkan-Romanische Gruppe Daco-Rumänisch, aber auch ausgestorbene Sprachen wie Istro-Rumänisch und Aromanisch.

Alle diese regionalen Sprachen oder Dialekte stammen aus der lateinischen Originalsprache.

 

 

 

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