„Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.“ – George Eliot

In Deutschland praktizieren aktuell ca. 3,4 Mio. Menschen Yoga. Damit einher gehen ein ganz bestimmter Lebensstil und die Suche nach mehr Sinnhaftigkeit.

Hinter Yoga steht das Versprechen, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Die positiven Auswirkungen der Jahrtausende alten indischen Praxis ziehen immer mehr Menschen in den Bann, die sich nach Zufriedenheit und Erfüllung sehnen.

Nicht wenige von diesen möchten an einem Punkt auf ihrem Yogaweg noch einen Schritt weitergehen und selbst Yogalehrer werden.

Doch: Wie wird man nun Yogalehrer oder Yogalehrerin? Benötigt man dazu ein spezielles Zertifikat? Oder kann sich jeder ein „Meister der Weisheit“ nennen? Wie lange dauert eine Yogalehrer-Ausbildung? Und welche Möglichkeiten gibt es dabei?

Diese Fragen möchten wir mit diesem Artikel beantworten.

Kann man ohne Ausbildung Yoga unterrichten?

Grundsätzlich ist der Beruf des Yogalehrers in Deutschland nicht geschützt. Es gibt wenig Einheitlichkeit auf dem Ausbildungsmarkt und keinerlei staatlich anerkannte Ausbildung zum Yogalehrer. Rein theoretisch kann also jeder Yogakurse anbieten – auch ohne ein offizielles Zertifikat oder eine abgeschlossene Ausbildung.

Auch die großen, bekannten Gurus aus Indien haben so etwas wie eine formale Ausbildung nicht gekannt. Vielmehr wurden sie von ihrem jeweiligen Guru unterrichtet und haben ihre eigene Erfahrung später weitergegeben.

Doch bedenke: Die indischen Lehrer haben jahrzehntelang praktiziert und ihr gesamtes Leben dem Yoga gewidmet, bevor sie angefangen haben, zu unterrichten.

Auch wenn Yogalehrer kein geschützter Beruf ist, ist es äußerst ratsam, über eine eigene langjährige Yogapraxis zu verfügen sowie fundierte Grundkenntnisse in Philosophie, Anatomie, Asanas, Atemtechniken, Energiesystemen etc. zu haben.

Wenn du zudem Jobs oder gar eine feste Anstellung als Yogalehrer finden möchtest (oder eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen), ist es ohnehin notwendig, eine abgeschlossene Ausbildung zu haben. In der Regel sollte eine solche Ausbildung mindestens 200 Unterrichtsstunden umfassen. Ohne entsprechendes Zertifikat wird es schwierig, einen Arbeitgeber zu finden.

Sieh eine Yogalehrer Ausbildung nicht als ein „Übel“ an, das du auf dich nehmen musst. Du wirst unheimlich viel lernen, über dich, über Yoga und über das Leben an sich, wirst auf Gleichgesinnte treffen und dich persönlich weiterentwickeln. Mit einer Yogalehrerausbildung machst du dir ein großes Geschenk.

Wo kann man sich zum Yogalehrer ausbilden lassen?
Eine Ausbildung zum Yogalehrer kann man in unterschiedlichen Zentren absolvieren. | Quelle: Pexels

Zwar wirst du das ein oder andere Mal an deine Grenzen kommen, aber genau darin liegt bekanntlich Wachstum verborgen. Wenn du dich für Yoga interessierst, bedeutet das, dass du daran interessiert bist, dich weiterzuentwickeln, höhere geistige Ebenen zu erreichen und zu erfahren, was alles möglich ist.

Außerdem trägst du als Yogalehrer eine große Verantwortung - vor allem, wenn du Yoga für Anfänger unterrichtest. Deine Schüler haben gewisse Erwartungen an dich, die du erfüllen können solltest. In einer Ausbildung lernst du die Grundtechniken des Unterrichtens, auf die du anschließend aufbauen kannst und solltest.

Ich kenne niemanden, der es bereut hat, eine Ausbildung als Yogalehrer zu absolvieren. Selbst, wenn du anschließend nicht gleich unterrichtest, hast du deine eigene Yogapraxis auf ein neues Level gehoben. Wenn eine Stimme in dir sagt, „ich will“ – dann warte nicht länger!

Was sind die Voraussetzungen für eine Yogalehrer Ausbildung?

Da es keine einheitliche Yogalehrerausbildung gibt, gibt es auch keine klar definierten Voraussetzungen, um daran teilzunehmen.

Die meisten Yogaschulen erwarten jedoch folgendes von den Auszubildenen:

  • Mindestalter 25 Jahre
  • Mindestens 2 Jahre eigene Yogapraxis
  • Bereitschaft am lebenslangen Lernen und persönlicher Weiterentwicklung
  • Interesse an Spiritualität und Philosophie

Du solltest also eine gewisse persönliche Reife mitbringen. Yoga ist kein Fitnesssport, sondern basiert auf einer tiefgründigen Philosophie.

Während es zwar auch körperliche Praxis benötigt, um Asanas, Atemtechniken etc. zu erlernen und weitergeben zu können, bedarf es auch einer entsprechenden inneren Haltung, um die Grundidee von Yoga an deine Schüler vermitteln zu können.

Du wirst nicht in wenigen Wochen alles lernen, was es zu lernen gibt. Eine Ausbildung legt aber den Grundstein für alles Weitere. Nimm dir Zeit und gib dir Zeit – ein wirklich guter Yogalehrer wird man nicht über Nacht.

Was du dafür also vor allem brauchst: Leidenschaft. Nur, wenn du die nötige Passion für Yoga mitbringst, wirst du bereit sein, eigenmotiviert zu lernen, dich weiterzuentwickeln, geduldig und offen zu bleiben. Wenn du mit Yoga deinem Herzen folgst, wird alles Weitere von alleine folgen, denn du wirst genau diese Leidenschaft ausstrahlen und an deine Schüler weitergeben können.

Wie kann man Yogalehrer werden?

Wenn du dich nun endgültig dazu entschieden hast, Yogalehrer zu werden, geht es also darum, die passende Ausbildung zu finden. Es gibt dabei etwa so viele Angebote wie Sand am Meer, so dass du dich gut informieren solltest und schauen, welche Faktoren für dich ausschlaggebend sind.

Die meisten Ausbildungen sind aufgebaut in verschiedene Module. Ein einzelnes Modul ist beispielsweise Asana Praxis, Anatomie, Pranayama, Meditation, Philosophie und die Kunst des Unterrichtens geht. Am Abschluss steht eine Prüfung, mindestens eine praktische, bei der du selbst eine Stunde unterrichtest, und oft auch eine theoretische.

Es gibt Unterschiede bezüglich der folgenden Faktoren:

  • Zertifikat / Anerkennung eines Verbands
  • Gelehrter Yogastil
  • Ausbildungsort
  • Dauer der Ausbildung
  • Kosten / Preis der Ausbildung
Was bringt mir Yoga?
Wer Yoga macht, lernt auch zu entspannen. | Quelle: Pexels

Die Anerkennung eines Berufsverbands

Es gibt verschiedene Verbände, die gewisse Yogaausbildungen anerkennen. In Deutschland sind die beiden größten Yogaverbände der BDY (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland) bzw. EYU (Europäische Yoga Union) sowie der BYV (Berufsverband der Yoga Vidya LehrerInnen). Bei diesen dauern die Ausbildungen in der Regel zwei bis vier Jahre und umfassen mindestens 200 Stunden, oft sogar mindestens 500 Stunden.

Darüber hinaus gibt es weitere ausländische Verbände wie die US Yoga Alliance oder die UK Yoga Alliance. Diese zertifizieren diverse Ausbildungen, die Grundausbildung umfasst mindestens 200 Stunden. Gerade die US Yoga Alliance ist mittlerweile weltweit bekannt.

Die Zertifizierung einer Ausbildung von einem Berufsverband verleiht dieser mehr Glaubhaftigkeit und Anerkennung. Es gibt aber auch Anbieter, dessen Ausbildungen nicht zertifiziert sind. Teilweise haben die Anbieter selbst einen guten Ruf, so dass keine weitere Zertifizierung notwendig sind oder es handelt sich um eine sehr spezialisierte Ausbildung.

Die Entscheidung, wie wichtig dir eine anerkannte Ausbildung ist, liegt bei dir. Dabei kommt es natürlich auch darauf an, wie deine Zukunftspläne sind. Wissen und Erfahrung sammelst du in jeder Ausbildung. Am besten recherchierst du ausgiebig und vergleichst verschiedene Anbieter oder sprichst mit ehemaligen Schülern. So kannst du dir dein eigenes Bild machen.

In welchem Yogastil möchtest du dich ausbilden lassen?

Das ist eine essenzielle Frage, denn mit deiner Ausbildung legst du das Fundament deiner Yogalehrerkarriere. Meistens ergibt sich die Antwort jedoch schon allein dadurch, welchen Yogastil du persönlich praktizierst.

Es gibt Ausbildungen in allen großen Yogastilen, wie Hatha, Ashtanga, Vinyasa, Anusara, Iyengar, Kundalini etc. Nichts verkehrt machst du definitiv mit einer Ausbildung in Hatha Yoga, da alle anderen Yogarichtungen darauf basieren.

Falls du nicht weißt, worauf du dich fokussieren möchtest, ist Hatha also erstmal eine gute Wahl. Ansonsten: Mach dir nicht zu viele Gedanken. Deine erste Ausbildung wird nicht deine letzte bleiben, zumindest nicht, wenn du es ernst meinst mit dem Unterrichten. Du kannst dich in der Zukunft immer noch weiter spezialisieren oder umorientieren. Dein eigener Stil wird sich mit der Zeit ohnehin herauskristallisieren.

Was ist Voraussetzung Nr. 1 als Yogalehrer?
Als Yogalehrer muss man Yoga zu 100% leben. | Quelle: Visualhunt

Soll die Ausbildung in Deutschland oder im Ausland stattfinden?

Viele Yogis zieht es für ihre Yogalehrerausbildung ins Ausland. Das kann ganz verschiedene Gründe haben: Die einen sind einfach reiselustig, die anderen erhoffen sich in asiatischen Ländern einen tieferen kulturellen Bezug und für die anderen ist es eine Kostenfrage.

Gerade in Indien gibt es unheimlich viele Yogakurse. Da Indien das Geburtsland des Yogas ist, versprechen die Auszubildenen sich hier einen traditionelleren Ansatz. Gleichzeitig sind die Kosten für eine Yoga-Ausbildung in Indien natürlich auch um einiges günstiger als in Deutschland.

Beliebt für Yogaausbildungen sind außerdem Länder wie Nepal, Thailand, Indonesien oder auch Costa Rica. Oft findest du gerade im Ausland auch Multi-Style-Ausbildungen, in denen verschiedene Yogaarten wie Hatha, Ashtanga, Kundalini und Yin Yoga miteinander kombiniert werden.

Wie viel Zeit bringst du mit?

Ein weiterer Faktor, durch die sich viele Angebote unterscheiden, ist die Kursdauer. Es gibt alles von vierwöchigen Intensivkursen bis hin zu vierjährigen Ausbildungen. Auch gibt es Unterschiede, ob die Kurse unter der Woche oder am Wochenende stattfinden.

Wenn du deine Ausbildung im Ausland absolvieren möchtest, bietet sich wohl eher ein Intensivkurs an. Zuhause macht wahrscheinlich ein Kurs, der sich über mehrere Monate oder Jahre zieht, mehr Sinn, da du ihn in der Regel besser in deinen Alltag integrieren kannst.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Es kommt dabei auch darauf an, was für ein Lerntyp du bist. Dauert deine Ausbildung mehrere Monate, hast du zwischen den Modulen mehr Zeit, Lehrinhalte zu wiederholen oder zu vertiefen, als in einer Intensivausbildung.

Wenn du jetzt schon planst, deine Yogakurse später von den Krankenkassen bezuschussen zu lassen, musst du eine mindestens zweijährige Ausbildung absolvieren, um dich dafür zu qualifizieren. Das ist ein Punkt, den du bei deiner Entscheidung ebenfalls beachten solltest.

Sobald du dich für eine Art der Ausbildung und sogar einen Ort bzw. Anbieter wie eine Akademie oder Yoga Vidya entschieden hast, informiere dich rechtzeitig über die aktuellen Termine. Dann kannst du dich anmelden und gehst damit den ersten und manchmal schwierigsten Schritt auf dem Weg zum Yogalehrer! Bei der Entscheidung, welche Ausbildung es werden soll, helfen dir auch die Erfahrungen ehemaliger Auszubildender.

Helfen Yogakurse im Ausland?
Ein Yogakurs in Indien ist eine wertvolle Erfahrung und macht sich gut im Lebenslauf. | Quelle: Visualhunt

Yogalehrer werden und Yogaschüler bleiben

Zum Abschluss sei noch einmal gesagt: Wenn du Yogalehrer werden möchtest, ist das ein großartiges und ehrenwertes Ziel. Yogalehrer ist einer der schönsten Berufe, vor allem, wenn du mit Herzblut bei der Sache bist und die Arbeit mit deinen Schülern liebst.

Yogalehrer bleiben gleichzeitig aber auch immer Yogaschüler. Du hast nie ausgelernt, denn Yoga ist so ein breites Feld und eine uralte Wissenschaft, dass es immer Neues zu erlernen gibt. Du kannst dich in weitere Yogastile vertiefen und zum Beispiel noch eine Yin Yoga Ausbildung anhängen, oder Fortbildungen in Meditation, Pranayama, Philosophie oder Adjustments machen.

Versprich dir selbst, offen und lernwillig zu bleiben. Leben heißt Veränderung und Veränderung heißt leben. Wir dürfen uns nicht nur weiterentwickeln, wir sollen es sogar.

Yoga ist eine spannende, faszinierende Lehre. Eine Yogaausbildung ist der Grundstein für alles, was du anschließend darauf aufbauen möchtest. Viel Spaß beim Lernen, Entdecken und Eintauchen!

Du bist neugierig? Dann schau Dir hier gleich einmal an, was aktuell an Kursen für Yoga Berlin, Yoga Bochum, Yoga Regensburg oder in anderen Städten angeboten wird!

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Miriam

Miriam arbeitet als freie Autorin & Yogalehrerin. Getrieben von großer Neugier liebt sie es, Neues zu entdecken und zu erlernen; sich selbst weiterzuentwickeln und anderen dabei zu helfen.