Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Rechtschreibfehler machen keine  guten Eindruck. Natürlich ist die deutsche Rechtschreibung verglichen mit zum Beispiel Französisch geradezu phonetisch. Kein "e" oder "h", das man nicht hört und "o" schreibt man "o" und nicht "au" oder "aux" oder "eau" oder gar "eaux"...

Aber auch die deutsche Rechtschreibung hat ihre Tücken und es gibt Fehler, die viele von uns immer wieder machen. In diesem Artikel nehmen wir sie genauer unter die Lupe, denn Rechtschreibung lernen ist wichtig. Wer Rechtschreibfehler macht, wird leider schnell in eine Schublade gesteckt und manchmal liegt es nur an einem Detail, das für Personalvermittler den Unterschied bei der Auswahl einer Bewerbung ausmacht. Du solltest Dich also beizeiten mit der korrekten Schreibweise im Deutschen anfreunden. Werfen wir einen Blick auf häufige Fehler, damit Du Dich nicht blamierst!

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Rechtschreibfehler sind peinlich und können Dich bei Bewerbungen ins Aus katapultieren. | Quelle: Pixabay

10 häufige Rechtschreibfehler im Deutschen

Herzlich willkommen

Auf Postkarten, Speisekarten und Webseiten steht häufig "Herzlich Willkommen!" - ein Rechtschreibfehler! Als Substantiv schreibt man "Willkommen" groß, zum Beispiel wenn man schreibt: "Sie bereiteten uns ein herzliches Willkommen". Aber bei "Herzlich willkommen" schreibt man willkommen klein, den es leitet sich von "jemanden willkommen heißen" ab.

"seid" und "seit"

Die Wörter "seid" und "seit" werden oft verwechselt. Kein Wunder: In der gesprochenen Sprache sind sie nicht voneinander zu unterscheiden. "Seid" ist aber eine Form des Wortes "sein", also wie in "Ihr seid top im Rechtschreibung Üben!" "Seit" hingegen bezieht sich auf die Zeit: "Seit einigen Jahren lerne ich Deutsch."

wieder / wider

Auch "wieder" und "wider" sprechen sich völlig gleich aus -  wann benutzt man welches? "Wieder" mit "ie" bedeutet "nochmals" oder "erneut" wie zum Beispiel in "Morgen regnet es wieder."
"Wider" nur mit "i" benutzt man, wenn etwas entgegen ist wie "wider Willen", "widerspiegeln" oder "das Für und Wider abwägen".

Widerstand

Ein klassischer Fehler in der deutschen Rechtschreibung ist "Wiederstand". Dabei geht es wie wir beim Wörtchen "wider" gesehen haben, darum, dass etwas entgegen ist. Es schreibt sich also "Widerstand" und "widerstehen".

Tiger

Das lange "i" in "Tiger" ist trügerisch: "Tieger" ist deshalb ein ganz typischer Rechtschreibfehler. Die richtige Schreibweise ist "Tiger" ohne "ie". Denkt einfach an das englische Wort "tiger". Im Deutschen schreibt es sich genauso!

Rhythmus

Beim Wort "Rhythmus" ist der Phantasie keine Grenzen gesetzt! Für das Wort gibt es gleich diverse Rechtschreibfehler, die sehr häufig auftauchen. Es schreibt sich aber nicht etwa "Rytmus", "Rhytmus" oder "Rhythmus", sondern "Rhythmus"! Ursprünglich wurde das Wort im Altgriechischen mit den Buchstaben Rho und Theta geschrieben. Diese Buchstaben wurden im deutschen Alphabet zu "rh" und "th"!

Adresse

Unser deutsches Wort "Adresse" kommt vom französischen Wort adresse. Viele Deutsche schreiben allerdings "Addresse", wahrscheinlich weil es im Englischen tatsächlich mit einem doppelten D geschrieben wird (address). Im Deutschen ist diese Schreibweise aber falsch!

gar nicht

"Gar nicht schreibt man gar nicht zusammen!" Ist doch ganz einfach! Trotzdem ist es immer noch ein häufiger Fehler, "garnicht" statt "gar nicht" zu schreiben. Das "gar" in "gar nicht" hat aber nicht mit Kochen zu tun, sondern bedeutet soviel wie "gänzlich".

Stegreif

Eine beliebte deutsche Redewendung ist "Aus dem Stegreif". Geschrieben wird es allerdings häufig "Stehgreif". Dabei hat das Wort nichts mit "stehen" oder "greifen" zu tun, sondern bezieht sich auf ein altes deutsches Worts für Steigbügel!

brillant

Auch "brillant" wird häufig falsch geschrieben, weil es "brilliant" gesprochen wird. In der korrekten Schreibweise befindet sich aber kein "i" hinter dem Doppel-L.
Es gibt noch viele weitere Wörter, bei denen sich viele Deutsche immer wieder unsicher sind. "Armatur" oder "Amatur"? "'Am Besten" oder "am besten"? "Atmosphäre" oder "Athmosphäre"?
Durch das vermehrte Schreiben per SMS und WhatsApp, stellt sich die Frage, ob diese Fehler eher mehr statt weniger werden und ob die Deutschen immer schlechter in Rechtschreibung werden.
Wenn Du mit der Hand schreibst, gibt es keine automatische Korrektur! | Quelle: Pixabay
Wenn Du schnell nachschaust, wie die richtige Schreibweise ist, lernst Du häufig Interessantes über den Ursprung des Wortes und kannst Dir die richtige Schreibweise besser merken!

Die häufigsten Grammatikfehler im Deutschen

Nicht nur die deutsche Rechtschreibung steckt voller Fallen und die vielen Rechtschreibreformen sorgen für Verwirrung, auch in der Grammatik gibt es so viele Regeln und Ausnahmen, dass sogar erfahrene Lehrer immer wieder stolpern. Großer Beliebtheit erfreuen sich Steigerungen, die es nicht gibt. Häufig liest man in Arbeitszeugnissen die Formulierung „zu unserer vollsten Zufriedenheit.“ Es gibt aber gar keine Steigerung von „voll", genauso wie es keine Steigerung von „bestmöglich“, „optimal“, „einzig“ oder „aktuell“ gibt.

Auch Superlative von Verben sind Steigerungen, die es nicht gibt. Sicher hast Du „meist gelesenste“, „meist gesehenste“ oder „meist geklicksteste“ schon mal gelesen oder gehört. Falsch! Verben kann man nicht steigern, Punkt, aus, fertig! Richtig wäre beispielsweise „am häufigsten gesehen.“

Ein Evergreen ist auch "das selbe" und "das gleiche". Sie werden eingesetzt als seien sie beliebig austauschbar, aber das selbe ist nicht das Gleiche!Das „selbe“ meint immer nur eine einzige Sache. Zum Beispiel: „Johanna und Jakob gehen zur selben Schule.“

Das „Gleiche“ meint zwei identische Dinge. Zum Beispiel: „Wir haben den gleichen Pullover.“ „Gleich“ ist ein Adjektiv und wird klein geschrieben, als Substantiv kann man „das Gleiche“ aber auch groß schreiben.

Auch „scheinbar“ und "offenbar" werden verwendet wie Synonyme, "scheinbar" bedeutet aber, dass etwas nur so scheint, aber eigentlich ganz anders ist. Mit „offenbar“ drückt man aus, dass man etwas vermutet.

Heisst es "Zurzeit" oder "zur Zeit" und sind die beiden Schreibweisen beliebig austauschbar? Nein! „Zurzeit“ ist synonym mit „gegenwärtig“, also „im Moment“ oder „jetzt.“ "Zur Zeit" meint eine andere Epoche der Geschichte. Zum Beispiel: „Zurzeit ist es sehr kalt. Aber zur Zeit der Mammuts war es auch nicht wärmer.“

Du liebst Dein neues orangenes Kleid? Laut Duden gibt es die Adjektive „orange“ oder „oranges“ — „orangenes“ gibt es nicht!

Oranges Kleid oder orangenes Kleid? Jetzt kannst Du nicht nur mit Deinem Kleid glänzen, sondern auch mit Deinem Wissen! Quelle: Pixabay

„Wie“ und „als“ werden auch oft verwechselt oder schlimmstenfalls sogar gleichzeitig eingesetzt. Der Unterschied ist folgender: Das Wort "als" drückt eine eindeutige Ungleichheit aus, zum Beispiel: In Marokko ist es wärmer als in Schweden. Im Sommer schlafe ich besser als im Winter. Er ist größer als sie.

Im Gegensatz dazu verwendet man "wie", wenn Dinge miteinander verglichen werden, welche nicht ungleich sind, zum Beispiel: "In Schweden ist es genauso kalt wie in Finnland". "Ich schlafe im Sommer genauso gut wie im Winter". "Er ist genauso gross wie sie."

Die beliebte Kombination der beiden Worte "als wie" ist FALSCH! Also Schluss mit: "In Schweden ist es nicht wärmer als wie in Spanien".

Auch Dopplungen wie „PIN-Nummer“ und „HIV-Virus“ sind, genau genommen, falsch. „PIN“ steht bereits für Persönliche Identifikationsnummer. Das Wort „Nummer“ also noch anzuhängen, ist völlig überflüssig. Auch „HIV“-Virus ist doppelt gemoppelt, denn HIV bedeutet Humaner Immundefizient-Virus, „Virus“ also noch an „HIV“ anzuhängen ist ebenfalls unnötig.

Zuletzt kommen wir zu den Anglizismen, die sich in die deutsche Sprache eingeschlichen haben und auch journalistisches Schreiben bestimmen. Häufig sagen wir beispielsweise, dass etwas „Sinn macht“.

Richtig heißt es aber „etwas ergibt Sinn.“ „Machen“ bedeutet nämlich, dass man etwas produziert und Sinn kann nicht produziert werden. Aber fasst alle "machen Sinn", was aus dem Englischen "it makes sense" kommt. Im Deutschen ist es aber streng genommen falsch. Im Duden wird es inzwischen allerdings als umgangssprachlicher Ausdruck aufgeführt, also ist es wohl nicht mehr ganz so falsch.

Anders sieht es bei „Hannah's Stift“ aus. Auch dieser Fehler hat sich aus dem Englischen ins Deutsche eingeschlichen. Dort ist „Hannah's pencil“ nämlich korrekt. Richtig heißt es bei uns aber "Hannahs Stift".

Natürlich kannst Du Dich im Allgemeinen auf die Rechtschreibkontrolle verlassen, wenn Du am Computer schreibst.

Aber es gibt viele gute Gründe, nicht immer nur am Computer zu schreiben.
Ganz abgesehen davon, dass zum Beispiel ein handgeschriebener Brief immer schöner und persönlicher ist, deuten Studien darauf hin, dass wir Informationen handschriftlich besser verarbeiten und - dass wir unsere Rechtschreibung verbessern, wenn wir mit der Hand schreiben!
Wenn das kein Grund ist, wieder mehr mit der Hand zu schreiben!
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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.