"Journalismus ist Literatur in Eile."

– Matthew Arnold (1822 - 1888), englischer Lyriker, Kultur- und Literaturkritiker

Der in letzter Zeit zunehmend in Kritik geratene Journalismus bleibt, wenn er anspruchsvoll ist, einer der wichtigsten Garanten für Demokratie und Menschenrechte - und nicht zuletzt der deutschen Sprache. Man kann keine Karriere in der Pressewelt machen, ohne die Sprache perfekt zu beherrschen. Die Aufnahmeprüfungen an Journalistenschulen prüfen sowohl Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse als auch den Schreibstil. 

Aber wie kannst Du Dein schriftliches Deutsch verbessern? Hier erfährst Du alles zu den verschiedenen Punkten, an denen Du arbeiten musst, um schrittweise zum journalistischen Schreiben überzugehen ...

Tipps zum Professionell Schreiben Lernen wie ein Journalist
Schreiben, das sagt sich so leicht! Aber wie? | Quelle: Pixabay

Professionell schreiben lernen: Schluss mit SMS-Sprache

Von der SMS-Sprache kannst Du Dich für immer verabschieden, wenn Du Fortschritte im Deutschen erzielen möchtest. Viele Erziehungswissenschaftler sind sich einig: Das Auftauchen der SMS in den 2000er Jahren der Entwicklung habe unserer Sprache nicht gerade gut getan. Natürlich war es auch eine unglaubliche Revolution! Aber da - die "Alten" unter uns werden sich noch gut erinnern! - die Betreiber den Verbrauchern damals eine Beschränkung der Zeichen pro SMS (etwa 160) auferlegten, und es darüber hinaus teurer wurde, musste man sich Mühe geben, alle Informationen in eine einzige kurze Nachricht zu packen. All dies, um zu sagen, dass sich in diesem Kontext, die Art und Weise, wie wir kommunizieren, revolutioniert hat und sich eine neue Sprache entwickelt hat: die SMS-Sprache.

Wenn es am Anfang noch Geschick und Fantasie bedurfte, um alles, was gesagt werden sollte, in 160 Charaktere zusammenzufassen, wandelte sich die neue Kreativität schnell zu einer gewissen Faulheit. Der Rest ist Geschichte: Seit mehreren Generationen drücken sich Jugendliche nun in SMS-Sprache aus und Experten unken, eben diese sei für die stetig sinkende Rechtschreibleistung verantwortlich. Ob das stimmt oder die SMS-Sprache zum ganz normalen Sprachwandel gehört, darüber lässt sich streiten. 

Fest steht jedenfalls: Wenn Du Journalist werden möchtest, muss Dein schriftliches Deutsch einwandfrei sein. Der erste Schritt dahin könnte sein, sich auch in SMS immer korrekt auszudrücken. Die deutsche Sprache ist eine sehr komplexe Sprache. Jeder Ausländer, der Deutsch lernt, wird das bestätigen können. Du trainierst also am besten, wann immer es geht. Nur so kannst du Deinen Ausdruck und Deine Rechtschreibung üben und perfektionieren. Die SMS-Sprache, ob sie nun wirklich zum Niedergang der deutschen Rechtschreibung beträgt oder nicht, ist dabei sicherlich nicht hilfreich. Übe den Umgang mit der Sprache, bereichere Deinen Wortschatz, und Du machst bereits einen ersten Schritt in Richtung Journalismus.

Journalistisches Schreiben Tipps: Lies die (gute) Presse

Auch das klingt furchtbar reaktionär, aber wenn Du Dich im Journalisten-Deutsch üben möchtest, dann kommst Du an der Lektüre der traditionellen Presse nicht vorbei. Das Lesen der Zeitung ist eine alte Tradition. Mit dem Aufkommen des Internets und der 24-Stunden-Nachrichtensender ist das klassische Zeitung lesen jedoch tendenziell verloren gegangen. Obwohl sich der Beruf allmählich ins Internet verlagert hat, ist es dennoch notwendig, die traditionelle Presse zu intensivst zu lesen, wenn Du Journalist werden möchtest.

Journalistisches Schreiben Tipps, wie etwa Zeitung lesen uvm.
Mache Zeitungslesen zu einem schönen Ritual! | Quelle: Pixabay

Wenn Du regelmäßig historische Titel wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und andere liest, wirst Du mit einem einwandfreien Schreibstil konfrontiert. Und genau den solltest Du anstreben. Sammle Vokabeln, speichere den korrekten Satzbau ab, erweiterte Dein Vokabular und behalte die Rechtschreibreformen im Blick! Die traditionelle Presse wird Dir dabei ungemein helfen. Achte darauf, Dich beim Lesen wirklich nur auf hochwertige Presse zu konzentrieren. Nicht jedes Medium ist ein gutes Beispiel für korrektes Schreiben... Das gilt insbesondere für bestimmte Webmedien. Vielen Websites geht es lediglich um den "Buzz". Ihr Ziel ist es nicht, die deutsche Sprache korrekt anzuwenden, sondern Klicks zu generieren. Natürlich kann man ihnen deshalb nicht ihre Daseinsberechtigung absprechen, aber wenn es um gutes journalistisches Schreiben geht, sind sie Dir kein gutes Beispiel. Und das, obwohl einige Blogger viel Talent zeigen. Wenn Du lieber auf einem Computer, Tablet oder Smartphone liest, bevorzuge "seriöse" Nachrichtenzeitungen und zahle ein Abonnement, um Zugriff auf die wichtigsten Artikel zu haben. Gib Dich nicht mit den oft sehr kurzen und uninteressanten kostenlosen Artikeln zufrieden. Ein monatliches Abonnement ist günstig und wenn Du Journalist werden möchtest, ist es auch in Deinem Sinne, die Presse zu unterstützen!

Erstelle einen Artikel nach der umgekehrten Pyramidenregel

Für diejenigen, die ihr Deutschniveau verbessern möchten, um einen journalistischen Schreibstil zu entwickeln, ist es wichtig zu wissen, wie man synthetisiert. Ein Journalist kann es sich nicht immer leisten, seitenlang eine Story auszuführen. Erstens, weil es nicht immer interessant ist. Meistens lohnt es sich nicht, für jede kleine Information seitenweise Text zu schreiben. Und zweitens, weil Redakteure häufig Platzbeschränkungen unterliegen.

Eine Zeitschrift oder Zeitung hat eine bestimmte Anzahl von Seiten. Und auf diese Seiten müssen viele Artikel zwischen die Anzeigen passen. Das Geiche gilt für die Webpresse. Auch sollten Artikel niemals zu lang sein, um den Leser nicht zu langweilen. Kurz gesagt, Du solltest wissen, wie man eine Gegebenheit zusammenfasst, wenn Du Journalist werden möchtest. Es gibt daher eine unter Journalisten anerkannte und recht einfach zu merkende Methode, um dieses Ergebnis zu erzielen. Diese Methode ist die umgekehrte Pyramidenmethode.

Du willst Texte schreiben lernen wie ein Journalist?
Nein, nicht die Pyramide von Gizeh und auch nicht die am Louvre - die der Journalisten! | Quelle: Pixabay

Stelle Dir also eine Pyramide vor. Nun drehe sie in Gedanken um. Der grösste Teil ist nun oben und die Spitze unten. Das soll eine einfache Regel veranschaulichen: Ein journalistischer Artikel sollte immer mit den wichtigsten Informationen beginnen. Immer. Dies ist die goldene Regel. Ein Artikel beginnt daher mit einem Titel, gefolgt von einem Untertitel, einem Absatz usw. Die wichtigsten Informationen werden im ersten Absatz geliefert. Der Rest wird in die folgenden Teile unterteilt.

Die Pyramidenregel folgt dabei gleichzeitig einer weiteren Regel: Der Regel der 5 journalistischen Ws! Diese müssen im Artikel abgearbeitet werden:

  1. wer (hat etwas getan)?
  2. was (hat er denn getan)?
  3. wo (hat er es getan)?
  4. wann (hat er es getan)?
  5. warum (hat er es getan)?

Du solltest in der Lage sein, die Informationen anhand dieser 5 Kriterien zusammenzufassen.

Eventuell können die 5 Ws um zwei weitere erweitert werden: wie (hat er es getan)? und woher (ist die Information)? (Gerade das letzte "W" ist in unserer Zeit, in der jeder einfach alles im Internet behaupten kann, besonders wichtig.)

Die "warum, wie, was - Regel"

Wenn Du einen Artikel schreibst, solltest Du möglichst schnell auf den Punkt kommen. Ein Leser sollte, nachdem er nur den Titel und den Untertitel gelesen hat, wissen, worum es in dem Artikel geht. Abhängig vom Inhalt des Artikels, den Du schreiben musst, funktioniert die 5W-Methode nicht immer. Dann solltest Du zumindest nach der "warum, wie und was- Regel" schreiben.
Beantworte diese drei Fragen und teile sie in drei Absätze auf, um alle erforderlichen Informationen unterzubringen.

Texte schreiben lernen: Erweitere Deinen Wortschatz

Wir haben Dir bereits gesagt, wie wichtig es ist, Deinen Wortschatz zu bereichern. Und insbesondere durch das Lesen von guten Presseartikeln. Aber auch Romane, deutsche Klassiker und Gedichte gehören zu Deiner Ausbildung dazu! Gutes Vokabular sorgt dafür, abseits der ausgetretenen Pfade zu schreiben. Du wirst früh genug bemerken, dass das Schreiben, wenn Du es oft übst (wie ein Journalist es tut), ist wie Sport. Je mehr Du trainierst, desto fitter wirst Du.|

Viel lesen, wenn Du journalistische Texte schreiben willst
Lesen trainiert den eigenen Stil und gleichzeitig die Rechtschreibung! | Quelle: Pixabay

Vorsicht vor übermäßig gewöhnlichen Verben, bereichere Deinen Schreibstil, schreibe farbenfroh, ohne dabei aber blumig zu werden. 

Gib Formulierungen aus der Schule auf

Oben haben wir die Regel der umgekehrten Pyramide und der 5 Ws erwähnt. Diese beiden Regeln legen eine Hierarchie Deiner Artikel fest. Ein sehr präziser Rahmen kann jedoch manchmal Deine Kreativität einschränken. Wenn Du zusätzlich auch noch jeden Satz mit Wörtern wie "jedoch", "weiter", "daher" oder "schliesslich" einleitest, klingt Dein Artikel wie der Schulaufsatz des Klassenbesten - stinklangweilig!

Dein Artikel wird auf diese Weise, auch wenn das Thema interessant ist, schnell zu akademisch. Vermeide also diese Art von Konstruktion. Sie wird uns aus gutem Grund in der Schule beigebracht, denn sie hilft, Deine Gedanken zu sortieren und ermöglicht es Dir, Thesen, Antithesen und Synthesen anzufertigen.

Aber zum Glück bietet die deutsche Sprache elegantere Alternativen und die "Verbindungswörter" sind aber nicht immer erforderlich, um das Denken zu strukturieren.

Schreiben üben!

Genau! Wie solltest Du Dein geschriebenes Deutsch verbessern, ohne regelmäßig zu schreiben? Theorie und Lesen sind natürlich wichtig. Aber nur Übung macht den Meister. Wenn Du eine Karriere als Journalist anstrebst, musst Du irgendwann in Deiner journalistischen Ausbildung lernen, Dich immer besser  auszudrücken. Das Internet hat den Vorteil, dass es Dir unendlich viele Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung bietet. Es liegt an Dir, herauszufinden, wo Du Dich ausdrücken möchtest. Zum Beispiel auf Deinem eigenen Blog.

Schreiben lernen mit deinem eigenen Blog
Ein eigener Blog ist eine gute Möglichkeit, Deinen Schreibstil zu trainieren. | Quelle: Pixabay

Du kannst auch Deine eigenen Kurzgeschichten schreiben! Zögere nicht, an Wettbewerben teilzunehmen, um Dich ein wenig herauszufordern. Das Schreiben von Kurzformaten zwingt Dich dazu, Struktur zu trainieren und Deinen Wortschatz zu variieren.

Die besten Werkzeuge, um im Schreiben voranzukommen

Wenn Du noch weiter gehen möchtest, solltest Du Bücher lesen, die Dir helfen, Dein Schreiben zu verbessern und insbesondere die Art und Weise, wie Du eine Geschichte strukturierst. Das sind keine Bücher speziell für Journalisten, aber sie sind sehr hilfreich (jedenfalls haben sie mir geholfen!):

  • Stephen King: Das Leben und das Schreiben. Der Meister der Spannung gibt uns Ratschläge, wie man Schreiben lernt. Zwischen Autobiographie und Lehrroman
  • Coolem McCann: Briefe an junge Autoren
  • Robert McKee: Story: die Prinzipien des Drehbuchschreibens

Falls Du Schwierigkeiten hast, die deutsche Rechtschreibung zu lernen, gibt es online zahlreiche Rechtschreibtrainer, darunter www.grammatikdeutsch.de. Finde ausserdem einen Lernpartner und lasse Dir von ihm diktieren. Lese! Schreibe! Es ist wichtig, denn die automatische Korrektur erkennt nicht immer alle Fehler und einige tun in den Augen weh... Durch gezieltes Training lernst Du, häufige Rechtschreibfehler zu vermeiden und bereicherst gleichzeitig Deinen Wortschatz.

Also, bist Du bereit?

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.