„Ein Akzent entsteht nicht in im Hals der Einen, sondern in den Ohren der Anderen.“

– Plume Latraverse

Australien: Strände, das Opernhaus Sydney, Kängurus… kommst Du ins Träumen? Das Nachrichtenmagazin US News & World Report und die Universität von Pennsylvania haben eine Umfrage unter 21 000 Personen aus 36 verschiedenen Ländern durchgehführt, um herauszufinden, welches das beliebteste Land der Welt ist. Australien, das Traumreiseziel schlechthin, erreichte die TOP 10!

Australien gehört zu den Ländern, in denen Englisch die offizielle Landessprache ist. Wie in jeder anderen Region, hat auch das australische Englisch einige Besonderheiten, die man sonst nirgendwo findet.

Ein Akzent, ein Dialekt, eine Sprechweise, mit der man sich erstmal vertraut machen muss. Welche sind denn nun die Eigenheiten dieser Sprache, die auf der anderen Seite der Erde gesprochen wird? Ich nehme Dich mit auf eine kleine Rundreise durch das Australian English.

Du willst den australischen Akzent selbst beherrschen oder Dich direkt mit australischen Muttersprachlern austauschen? Kein Problem, dafür musst Du nicht zwingend nach Australien reisen, sondern kannst auch ganz entspannt von Deinem Sofa aus bei einem unserer Englischlehrer einen Englisch Online Kurs via Webcam belegen. Nun aber zu den Hintergründen des Australian English:

Der linguistische Kontext des Australian English

Australien ist ein sehr junges Land. „Jung“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es erst seit 1901 unabhängig ist. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Kontinent aufgeteilt in mehrere, voneinander unabhängige, britische Kolonien.

Das Englisch in Australien stammt also direkt vom British English ab. Über die Jahre hat es sich weiterentwickelt und eine eigene Richtung eingeschlagen. Während der Zeit des Goldrauschs kam der nordamerikanische Einfluss hinzu und dieser macht sich bis heute im Wortschatz, der Grammatik und der Orthografie bemerkbar.

Die amerikanischen Goldgräber haben ihr eigenes Vokabular mitgebracht, das Eingang in das australische Englisch gefunden hat. Das Wort „digger“ (wörtlich „Gräber“) kommt zum Beispiel aus dieser Zeit. Später kamen typisch nordamerikanische Worte wie „truck“ (der Lastwagen) oder „freeway“ (die Autobahn) hinzu.

Diese moderneren Einflüsse kommen in erster Linie aus der Popkultur, den Medien oder dem Aufstieg des Internets. Sie haben die Entwicklung der australischen Sprache maßgeblich beeinflusst.

Wer gerne nach Australien reisen und einige Zeit dort leben möchte, dem stellen sich keine unüberwindbaren Hindernisse in den Weg. In Melbourne ein Bankkonto eröffnen, in Canberra einen Job finden, ein Volontariat in Tasmanien machen oder einen Englisch Sprachkurs in Sydney organisieren; all das ist absolut machbar.

Australien ist dafür bekannt, ein sehr gastfreundliches Land zu sein, in dem es recht einfach ist, seinen Platz zu finden. Selbst mit geringen Sprachkenntnissen und großen Befürchtungen, gestaltet sich das Auswandern einfacher als anderswo.

In den Straßen Melbournes kannst Du australisches Englisch hören.
In den großen Städten ist der australische Akzent oft etwas weniger ausgeprägt. | Quelle: Weyne Yew via Unsplash

Ganz in der Nähe von Neuseeland und dem Great Barrier Reef, ist Australien ein Traumziel für Sprachreisen. Der Akzent hat zwar den Ruf, schwer verständlich zu sein; aber wenn Du auf die Menschen zugehst, werden sie sich bemühen, langsam und deutlich zu sprechen. In kurzer Zeit wirst Du Dich an den Akzent gewöhnen und von Tag zu Tag mehr verstehen.

Wenn Du vorhast, in Australien zu studieren, in einem Au Pair-Jahr australisches Englisch zu lernen oder einfach nur in Cairn surfen zu gehen, hast Du schon die notwendige Motivation, um Dich der Sprache anzunähern.

Die Eigenheiten des Australian English

Linguist*innen teilen das australische Englisch in drei Kategorien ein: Broad (starker Akzent), general (australische Standartsprache mit schwächerem Akzent) und cultivatet (gehobenes Englisch). Sie werden oft als Kennzeichen der sozialen Schicht oder des Bildungsgrades des*der Sprecher*in angesehen.

Seit mehr als zwei Jahrhunderten wird australisches Englisch als eigene Form der englischen Sprache anerkannt. Es entstand aus einer Mischung von Standartenglisch, Irisch und Deutsch und hat seinen Ursprung in der Gründung der Kolonie New South Wales.

Trotz gewisser Ähnlichkeiten mit dem neuseeländischen Englisch, hat sich das Australisch eine eigene Identität geschaffen und erhalten. Im Grunde genommen, ist das australische Englisch vom neuseeländischen gleich weit entfernt wie Australien von Neuseeland.

Durch die, aus europäischer Sicht, geografische Nähe, neigen wir dazu, das australische und neuseeländische Englisch als ein und dieselbe Sprache anzusehen. Gleichzeitig werden beide oft als nichts weiter als eine Mischung aus Britisch und nordamerikanischem Englisch bezeichnet. Das Australian Englisch hat aber sehr wohl seine Eigenheiten, die man nirgendwo sonst hört.

Australien ist ein beliebtes Land für Rundreisen.
Städtee, Meer, die Outbacks und der australische Akzent - bei einer Rundreise durch Australien gibt es viel zu entdecken. | Quelle: Simon Rae via Unsplash

Der Akzent ist das Erste, das dabei auffällt. Auch wenn er erstmal ungewohnt und schwerverständlich klingen mag, gewöhnt man sich schnell daran. Und gerade in den großen Städten ist er oft etwas weniger ausgeprägt und daher leichter verständlich.

Wie klingt denn nun ein australischer Akzent?

Beispielsweise der Buchstabe „a“ wird oft eher wie ein „i“ oder „eh“ ausgesprochen: „cat“ wird so zu „kit“ oder „ket“. Der harte a-Klang wird in die Länge gezogen und ähnelt dem britischen „aye“: „day“ wird zu „daye“, „mate“ zu „mayete“.

Der australische Akzent macht auch vor den anderen Vokalen nicht halt: „u/ou“ genau wie „i/ee“ erklingen als „eah“: Seah yeah! In Worten wie „night“ oder „like“ wird das „i“ zu einem schwach betonten „oi“. Diese Eigenheit wird Dir vielleicht als erste auffallen, wenn Dir jemand eine gute „noight“ wünscht.

Wenn Du Dir bewusst bist, dass nicht alle Wörter so klingen, wie Du es in der Schule gelernt hast, wird Dich das alles nicht so sehr verwirren. Bei der Jobsuche, in einer Gastfamilie oder lockeren Unterhaltungen auf der Straße, kannst Du darauf achten und Du wirst ziemlich schnell immer mehr verstehen. Es wird nicht lange dauern, bis Du Dich gar nicht mehr daran erinnern kannst, dass es sich erstmal ungewohnt angehört hat.

Über die Zeit hat sich in Australien ein eigener Wortschatz eingebürgert. Einige Begriffe, die heute als typisch australisch im Wörterbuch stehen, sind Neuschöpfungen; andere kommen zwar aus dem Standartenglisch, haben aber in Australien eine neue Bedeutung bekommen.

Ich stelle Dir hier einige Begriffe vor, die Du unbedingt kennen solltest, wenn Du in die australische Sprache und Kultur eintauchen willst:

  • Mate: Ins Deutsche übersetzt bedeutet es so viel wie „Kumpel“. Du wirst es oft zum Abschluss eines Satzes hören; auch von Leuten die Du gerade erst kennengelernt hast. In Australien wird fast jeder als „mate“ bezeichnet; unabhängig von Alter oder Geschlecht.
  • G’day (Good day): Du denkst es Dir bereits: Guten Tag! Kurz und trotzdem freundlich, ist es die gängigste Begrüßungsformel.
  • Aussie: In Australien werden gerne und oft Abkürzungen verwendet. Ein*e „Aussie“ ist ganz einfach ein*e Australier*in.
  • Drongo: Ich hoffe, dass Du dieses Wort nicht so oft brauchen wirst. Es heißt so viel wie „Idiot“ oder „Depp“.
  • Hooroo: So verabschiedet man sich in Australien. „Hooroo“ verbreitet doch gleich viel bessere Laune als unser „auf Wiedersehen“.
  • Ripper: Dieses Wort kannst Du immer dann benutzen, wenn Du etwas „super“, „großartig“ oder „fantastisch“ findest.
  • Gander: Stell Dir vor, Du kommst an einen paradiesischen Strand mit weißem Sand und denkst trotzdem nur an die Arbeit. So, you take a gander at your phone. Trotzt all der Schönheit um Dich rum, wirfst Du einen Blick auf Dein Telefon.

In Sachen Rechtschreibung richtet sich Australian English nach den britischen Regeln. Das erkennst Du zuallererst an Worten wie „colour“ oder Endungen auf „-ise“, die im amerikanischen Englisch als „color“ beziehungsweise „-ize“ geschrieben werden.

Der Ayers Rock ist ein Symbol Australiens.
Englisch lernen in Australien und dabei die Wunder der Natur entdecken... | Quelle: Jason H via Unsplash

Die Sprache ist so vielfältig, dass es unglaublich bereichernd ist, sich auf eine linguistische Entdeckungsreise durch Australien zu begeben. Du wirst erstaunt sein, wie viel Du entdecken wirst, das Du weder aus dem britischen noch dem amerikanischen Englisch kennst.

Trotzt allem ist und bleibt Englisch eine Weltsprache, deren verschiedene Formen immer auch Gemeinsamkeiten aufweisen.

Die Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit anderen Englisch Varianten

Dank seines historischen Ursprungs in Großbritannien, weist das australische Englisch viele Gemeinsamkeiten mit seinen britischen und irischen Verwandten auf. Aber auch das amerikanische Englisch hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die Sprachentwicklung.

Der größte Unterschied zu all diesen Varianten der englischen Sprache liegt im Akzent und dem charakteristischen Wortschatz. Worin liegen aber nun die Gemeinsamkeiten?

Wenn Du auf Arbeits- oder Wohnungssuche in Australien bist, wirst Du wahrscheinlich sehr darum bemüht sein, eine korrekte Grammatik anzuwenden.

Hinsichtlich der Grammatik kannst Du Dich an den Regeln des British English orientieren; insbesondere, wenn es um die unregelmäßigen Verbformen in der Vergangenheit geht. Genau wie im Britischen wird „spell“ im Partizip Perfekt zu „spelt“ und „smell“ zu „smelt“.

Auch in der Aussprache hat das British English seine Spuren hinterlassen. Der Buchstabe „r“ wird am Ende eines Wortes, wie zum Beispiel „better“, nicht ausgesprochen. Man hat es dann eher mit einem „ah“ zu tun, was ungefähr so klingt: „bettah“.

Ein Tag mit Freunden in der Natur genießen und dabei Englisch lernen - perfekt.
An den australischen Akzent gewöhnst Du Dich schnell, wenn Du mit Leuten sprichst. | Quelle: Elmer Canas via Unsplash

Wenn es um Zahlen geht, hatten die USA den größeren Einfluss. Die Zahl 1200 heißt „twelve hundred“, also zwölfhundert und nicht „tausend zweihundert“.

Auch wenn es um Sammelbegriffe geht, wird die amerikanische Grammatik angewandt. Wenn Dein Team gewinnt, wirst Du sagen: „My team is winning“, während im British English „My team are winning“ absolut korrekt ist.

Du siehst also: in Rechtschreibung, Grammatik und der Aussprache einiger Laute, wirst Du vieles wiederfinden, dass Du aus anderen Varianten des Englisch bereits kennst. Das wird Dir auf jeden Fall den Einstieg erleichtern.

Wenn Du erstmal vor Ort bist, wirst Du das Land und seine Geschichte kennenlernen und damit schnell Zugang zu der Sprache und ihren Sprecher*innen erhalten.

Bist Du bereit für eine Reise auf die andere Seite des Globus?

Wenn Du einen Zwischenstopp in anderen englischsprachigen Ländern, zum Beispiel Irland oder Schottland, einlegst, wirst Du am irischen, am schottischen Englisch usw. sehen, wie viele verschiedene Varianten dieser Sprache es gibt. Die lokalen Eigenheiten erzählen viel über die Kultur und Geschichte der jeweiligen Region. Neben Australien gibt es noch viele weitere Reiseziele zu entdecken, mit denen Du Dein Englisch verbessern und bereichern kannst.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.