„'Mehr Brot!' schrie Mr. Malone in einem Ton, der, obgleich er nur um zwei Silben verlängert war, ihn doch sogleich als den Eingeborenen des Landes des Klees und der Erdäpfel kennzeichnete.“

– Charlotte Brontë

Was fällt Dir als Erstes ein, wenn Du an Irland denkst? Grüne Landschaften, den St. Patrick’s Day, oder an die Band U2, deren Frontmann Bono in Dublin geboren wurde? Das alles gehört zu Irland; aber auch eine Kultur, eine Identität und eine Sprache. Wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt, kann man schnell eine glühende Leidenschaft dafür entwickeln.

Laut der Volkszählungsstatistik wird Irisch nur von rund 2% der Bevölkerung Irlands täglich gesprochen. Wie kann das sein? Tatsächlich gibt es in der Republik Irland zwei offizielle Amtssprachen: Irisch und Englisch.

Wie es dazu gekommen ist und wie die beiden Varietäten der englischen Sprache zu einander stehen, werden wir uns jetzt mal gemeinsam anschauen.

Wenn Du Dich für einen Sprachaufenthalt in Irland entscheidest, wirst Du nicht nur Dein Englisch verbessern, sondern auch die Kultur, Land und Leute kennen lernen.

Die Ursprünge des irischen Englisch

Werfen wir einen Blick in die Geschichte Irlands. Die Irische Sprache, auch Irisch-Gälisch genannt, gehört zu den keltischen Sprachen und war über einen langen Zeitraum die meistgesprochene Sprache auf der irischen Insel.

Im 13. Jahrhundert brachten Kolonisten ihre eigene Sprache, Englisch, auf die Insel. Trotz politischer Maßnahmen, die die Verbreitung des Englisch fördern sollten, dauerte es einige Zeit, bis es sich durchgesetzt hatte.

Als im 17. Jahrhundert die Tudors Irland eroberten, setzte sich die englische Sprache nicht nur am Hof, sondern auch in juristischen Einrichtungen, der Verwaltung und bei Geschäftsleuten durch. Der Rest der Bevölkerung, insbesondere in den ärmeren und weniger gebildeten Gesellschaftsschichten, sprach weiterhin Irisch.

Schließlich war es die Große Hungersnot im 19. Jahrhundert, die die irische Sprache weiter zurückdrängte. Um zu überleben, verließen viele Menschen ihre Heimat, wanderten aus oder zogen in die größeren Städte Irlands. Da dort eine Verständigung nur auf Englisch möglich war, begannen auch auf dem Land immer mehr Menschen die Sprache anzunehmen.

Ohne Englisch zu sprechen, war es schon damals unmöglich in der Gesellschaft aufzusteigen. Die Entwicklung des Englisch zur heute wichtigsten und weltweit verbreitetsten Sprache trug weiter dazu bei, dass es mittlerweile die am meisten gesprochene und unterrichtete Sprache Irlands ist.

Die Geschichte hat aber auch im Englisch Irlands ihre Spuren hinterlassen. Wie in Schottland und dem schottischen Englisch, hat jede Region in Irland ihren eigenen Dialekt, der mehr oder weniger vom Irisch-Gälisch beeinflusst wurde.

Die meisten Straßenschilder sind zweisprachig: irisch und englisch.
Als zweite Amtssprache ist die irische Sprache in Irland sehr präsent. | Quelle: Carina Chen via Pixabay

Immer wieder gibt es Bestrebungen, die irische Sprache wieder weiter zu verbreiten. Auch wenn Du in den größeren Städten und im Landesinneren kaum Muttersprachler*innen antreffen wirst, kann es nicht schaden einiges darüber zu wissen. Es wird Dir dabei helfen, Dich an den irischen Akzent zu gewöhnen und zu verstehen, woher gewisse Eigenheiten des irischen Englisch kommen.

Irisch und irisches Englisch: zwei verschiedene Sprachen

Obwohl rund 40% der irischen Bevölkerung angeben Irisch sprechen zu können, ist es nur für einen Bruchteil davon die Muttersprache und wird von ebenso wenigen täglich gebraucht. Da es aber neben Englisch die zweite offizielle Landessprache ist, ist die Regierung um Gleichberechtigung bemüht.

In schriftlicher Form wirst Du Irisch-Gälisch in Irland oft begegnen. Orts- und Straßenschilder, Gendenktafel und offizielle Dokumente sind immer zweisprachig. Immer häufiger verwenden auch Unternehmen, wie Bücherläden oder Supermärkte, beide Sprachen oder geben ihren Produkten bewusst irische Namen.

Dabei wird Dir sofort auffallen, dass Englisch und Irisch-Gälisch zwei vollkommen verschiedene Sprachen sind. Wenn Du schon einmal in Schottland warst, wird Dir dort vielleicht schottisch-gälisch begegnet sein. Dann kannst Du Dir schon vorstellen, wie Irisch klingt oder wie das Schriftbild aussieht; diese beiden Sprachen sind nämlich eng miteinander verwandt.

Falls Dir das alles noch vollkommen fremd ist, gebe ich Dir hier schonmal einen ersten Eindruck.

DeutschIrischEnglisch
Guten Tag, HalloDia dhuitHello
Guten MorgenMaidin mhaithGood Morning
WillkommenFáilteWelcome
Auf WiedersehenSlánGoodbye
Wie geht’s Dir?Conas atá tú? Goide mar atá tú?How are you?
Mir geht’s gutTá mé go maithI’m fine
Es tut mir leidTá brón ormI’m sorry
IrlandÉireIreland

Du siehst, Englisch und Irisch haben weder im Wortschatz oder der Aussprache, noch in der Grammatik viele Gemeinsamkeiten. Der Reichtum eines zwei- oder mehrsprachigen Landes besteht darin, dass die Sprachen gegenseitig aufeinander einwirken. Daher wirst Du in Irland ein Englisch hören, das sich anders anhört als in London, Sydney oder New York.

Während die englische Grammatik überall auf der Welt mehr oder weniger dieselbe ist, hat jede Region ihren spezifischen Wortschatz, eigene Sprichworte und einen wiedererkennbaren Akzent. Diese Merkmale stammen aus der Kultur und Geschichte des jeweiligen Landes und nicht zuletzt eben auch aus anderen Sprachen, die in der Region gesprochen werden.

Wie sich dieser Einfluss und Austausch im irischen Englisch zeigt, schauen wir uns jetzt an.

Die Eigenheiten des Irish English

Wie alle Varianten der englischen Sprachen, ob australisches Englisch, Amerikanisch oder Schottisch, kennt auch das irische Englisch lokale Besonderheiten, die durch Einflüsse aus der Geschichte, Kultur und anderen Sprachen entstanden sind. Sie zu kennen, hilft nicht nur dabei herauszufinden, woher ein*e Sprecher*in kommt, sondern auch selbst ein tieferes Verständnis für die Sprache zu entwickeln.

Dublin ist die Hauptstadt der Republik Irland.
In Dublin werden zwei verschiedene irische Akzente gesprochen. | Quelle: Lukas Kloeppel via Pexels

Das irische Englisch, auch Hiberno-Englisch genannt, unterscheidet sich vom britischen Standartenglisch hauptsächlich in der Aussprache; aber teilweise auch im Satzbau und dem typisch irischen Vokabular. Hiberno-Englisch ist ein Sammelbegriff für die zahlreichen Dialekte der irischen Insel, die alle gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen.

Der irische Akzent kennzeichnet sich dadurch, dass Vokale weicher und Konsonanten härter ausgesprochen werden. Der Buchstabe „a“ wird dementsprechend als „ah“ oder „aw“ ausgesprochen; „How are you“ klingt dann so: Ha ware ya? Der Laut „aye“ verwandelt sich in „oi“; Du befindest Dich also nicht in Ireland, sondern in Oireland.

Anders als beispielsweise im amerikanischen Englisch, werden alle Konsonanten, unabhängig von ihrer Position, ausgesprochen. Eine Ausnahme von dieser Regel ist das „g“ am Ende von Worten wie „morning“ oder „walking“; in diesen Fällen wird es nicht ausgesprochen.

Im Irish Accent wird „t“ zu „tch“ (tube → choob) und ein „d“ spricht sich wie das „j“ in Jane. In Irland musst Du keine Angst vor dem oft gefürchteten „th“ haben. Die meisten Sprecher*innen belassen es bei einem „t“ oder „d“: tink (think), dat (that).

Im Gegensatz zum britischen Standartenglisch hat der irische Akzent die Unterscheidung zwischen „w“ und „wh“ beibehalten. Bei Wörtern wie „what“ oder „when“ ist am Wortanfang ein „h“ zu hören.

Kommen wir nun zu einigen Ausdrücken und Wörtern, die Du in Irland oft hören wirst:

  • Cheers: In Irland wird dieses Wort nicht mehr nur zum Anstoßen benutzt, sondern in allen möglichen Alltagssituationen. Du kannst Dich damit bedanken, verabschieden oder jemanden grüßen.
  • Lad: Ein „lad“ ist eigentlich einfach irgendein Mann. In der irischen Umgangssprache bezeichnet man damit aber eher jemanden, den man gut kennt.
  • Right: Dieses Wort ist vielseitig einsetzbar und wird oft an den Satzanfang gestellt, um Aufmerksamkeit zu erlangen und die folgende Aussage zu bekräftigen.
  • Gas: lustig
  • Craic: Das bedeutet Spaß oder Scherz, wird aber oft in Sätzen wie „How ist the craic?“ (Was gibt’s Neues? / Wie ist die Stimmung?) oder „She’s good craic.“ (Sie ist echt witzig.) zu hören.

Im Allgemeinen wird irisches Englisch eher schnell, aber trotzdem deutlich gesprochen. Es kann aber nicht schaden, wenn Du bereits mit dem Akzent vertraut bist und einige charakteristische Wörter und Ausdrücke kennst, um Dich schnell einzuleben.

Dublin ist auch nachts sehenswert.
In Irland kann man sich schnelle zu Hause fühlen und auch an das Hiberno Englisch gewöhnt man sich mit der Zeit. | Quelle: Marco Ten Donkelaar via Unsplash

Damit Du Dich schon zu Hause auf Deinen Aufenthalt in Irland vorbereiten kannst, habe ich hier einige Tipps für Dich, wie Du mit dem Irish Accent vertraut werden kannst.

Hilfsmittel um irisches Englisch zu lernen

Um den Akzent zu verstehen, neue Wörter zu lernen und in die Kultur einzutauchen, nutzt man am besten lokale Medien und Quellen. Um die Vielseitigkeit der Kultur kennenzulernen und Dich an irische Namen zu gewöhnen, kannst Du beispielsweise den Fernseher einschalten (oder im Internet nach den Fernsehsendern suchen).

BBC Northern Ireland ist der Lokalsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks des Vereinigten Königreichs und der staatliche Sender von Nordirland. UTV (Ulster Television) ist ein bekannter freier Sender.

Die nationale Rundfunkanstalt der Republik Irland heißt RTÉ (Raidió Teilifís Éireann) und betreibt verschiedene Fernseh- und Radiosender. Ein beliebter freie Sender ist Virgin Media Ireland.

Neben dem Fernsehen und Radio sind auch Zeitungen, Bücher oder Musik gute Hilfsmittel, um sich einer Sprache, einem Land und einer Kultur anzunähern.

Wenn Du gerne liest, empfehle ich Dir, Dich mal bei bekannten irischen Autoren umzusehen: James Joyce und sein bekanntestes Werk Ulysses oder Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray könnten Dir gefallen, wenn Du gerne Romane liest. Bei Wilde kannst Du auch fündig werden, wenn Du Dich mehr für Theaterstücke interessierst (An Ideal Husband oder The Importance of Being Ernest).

Literatur kann Dir nicht nur die Sprache näherbringen, sondern erlaubt Dir auch eine Reise durch die Zeit. Ältere Werke lassen Dich in ihre Zeit eintauchen und öffnen Tür und Tor zum Verstehen der Geschichte und Kultur eines Landes.

Das Kleeblatt ist das inoffizielle Nationalsymbol Irlands.
Die irische Kultur hat mehr zu bieten als Kleeblätter und Irish English. | Quelle: Yan Ming via Unsplash

Manche kulturellen Einrichtungen bieten Podcasts zu verschiedenen Themen an. Du kannst Dir die Themen raussuchen, für die Du Dich auch sonst interessierst und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Podcasts bieten eine großartige Möglichkeit die verschiedenen Facetten der Alltagssprache kennenzulernen.

Bei anderen Anbietern wirst Du hauptsächlich Interviews mit bekannten Persönlichkeiten finden. So kannst Du ganz einfach und von zu Hause aus Bono, Colin Farrell oder Pierce Brosnan zu Deinen Irish English Lehrern machen. Vielleicht entdeckst Du dabei auch Schauspieler*innen oder Musiker*innen, die Du noch nicht kanntest und bekommst dadurch neue Ideen, welche irischen Filme oder Musikalben Du sehen und hören möchtest.

All das funktioniert natürlich auch mit Zeitungen. Versuche irgendwo eine Ausgabe von The Irish Times, Metro Herald, Sunday Independant oder Metro Éireann aufzutreiben. Darin wirst Du teilweise auch ganze Artikel in Irisch-Gälisch finden. Davon wirst Du wahrscheinlich nichts verstehen, aber Du kannst Dich so schonmal an das Schriftbild gewöhnen.

Wenn Du den schottischen Akzent selbst beherrschen oder Dich direkt mit schottischen Muttersprachlern austauschen möchtest, musst Du nicht einmal zwingend nach Schottland reisen, sondern kannst auch ganz entspannt von Deinem Sofa aus bei einem unserer Englischlehrer einen Online Englischkurs via Webcam belegen. Sprachkurse in Englisch mit einem Privatlehrer sind auch eine gute Möglichkeit, um sich zum Beispiel auf eine Reise nach Schottland vorzubereiten.

Das irische Englisch ist ein weiterer Beweis für die Vielseitigkeit der englischen Sprache und erlaubt Dir eine Reise in durch die reiche, unabhängige Kultur der grünen Insel.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.