Laut dem Deutschen Musikinformationszentrum wächst die Zahl der Musikstudent*innen in Deutschland stetig an. Mehr als 2000 junge Menschen begannen 2016 ein Studium in Instrumental-, Orchester-, Jazz- oder Popularmusik. Im Fach Klavier gibt es pro Studienplatz durchschnittlich acht Bewerber*innen.

Das Interesse an der Musik und vor allem am Klavier ist also ungebrochen und führt eine lange musikalische Geschichte fort. Viele der heute noch bekannten Komponist*innen vergangener Jahrhunderte kamen aus dem deutschsprachigen Raum. Man denke nur an Beethoven, Mozart, Schubert und Wagner.

Über die Zeit und verschiedene Musikstile hinweg, haben es einige Pianist*innen aus Deutschland zu internationaler Bekanntheit gebracht. Ich werde Dir eine Auswahl der bekanntesten und interessantesten Künstler*innen vorstellen.

Clara Schumann

Clara Schumann war als Pianistin und Komponistin eine der prägenden Persönlichkeiten für die Musik des 19. Jahrhunderts.

Ihr erstes öffentliches Konzert spielte sie 1828 im Alter von neun Jahren. Zuvor hatte sie bereits durch private Auftritte eine gewisses Bekanntheit erlangt und galt als Wunderkind. Bereits mit 13 Jahren schrieb sie ihre erste eigene Komposition. Zur gleichen Zeit erregte sie als Pianistin internationales Aufsehen.

Bei ihren Konzerten spielte sie überwiegend Solowerke für Klavier, Kammermusik, Lieder und Klavierkonzerte. Ihre bevorzugten Komponisten waren Robert Schumann, Frédéric Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy und Ludwig van Beethoven.

Mit ihrer Literaturauswahl prägte sie das Konzertrepertoire ab dem späten 19. Jahrhundert.

Als Komponistin wurde sie in den 1960er Jahren wiederentdeckt und seither vermehrt aufgeführt. Sie schrieb vornehmlich Klavierstücke und Lieder aber auch einige Orchesterwerke. Zeitweise arbeitete sie in einer Künstlergemeinschaft mit ihrem Ehemann, dem Komponisten Robert Schumann.

Ob eigene Kompositionen oder Werke anderer Komponisten, Pianisten haben eine große Auswahl an Stücken.
Viele bekannte Pianisten und Pianistinnen komponieren auch selbst. | Quelle: Nahir Giorgio via Unsplash

Fanny Hensel

Fanny Hensel erhielt schon früh Klavierunterricht von berühmten Klavierlehrer*innen und komponierte ab ihrem 16. Lebensjahr. Heute sind weit über 450 Werke von ihr bekannt, viele weitere gelten als verschollen.

Als sie Anfang Zwanzig war, begann ihre Familie „Sonntagsmusiken“ zu veranstalten. Bei diesen halböffentlichen Konzerten trat sie regelmäßig selbst als Pianistin auf und spielte eigne Werke sowie Kompositionen von Bach, Gluck, Beethoven und zeitgenössischen Komponisten. Ab 1831 übernahm sie die alleinige Programmgestaltung der Sonntagskonzerte.

Fanny Hensels Familie verweigerte ihr die Möglichkeit einer großen Karriere als Pianistin und Komponistin. Bei einem ihrer wenigen öffentlichen Auftritte stellte sie ihre Virtuosität in einem Klavierkonzert ihres berühmteren Bruders Felix Mendelssohn Bartholdy unter Beweis.

Ihr pianistisches Talent zeigt sich in ihren Kompositionen für Klavier, von denen die meisten erst posthum veröffentlicht wurden.

Wilhelm Backhaus

Wilhelm Backhaus gilt als einer der bedeutendsten klassischen Pianisten des 20. Jahrhunderts. Er ist als Brahms- und Beethoveninterpret bekannt geworden. Insbesondere seine Fähigkeit, Werke mühelos zu transponieren, wird als außergewöhnlich angesehen.

Als erster Musiker überhaupt spielte Backhaus mit Griegs Klavierkonzert ein ganzes Konzertwerk ein. Er war auch der erste Pianist, der alle Chopin-Etüden aufnahm. Seine Schallplattenaufnahmen gelten bis heute als Meilensteine.

Seine Tourneen führten ihn nach dem Ersten Weltkrieg durch ganz Europa, nach Australien und in die USA. Obwohl er mit den Nationalsozialisten nicht nur kooperierte, sondern auch als Lieblingspianist Hitlers galt, konnte er nach dem Zweiten Weltkrieg seine Karriere unbehelligt fortsetzen.

Bis zu seinem Tod 1969 spielte er Konzerte und wurde in der Bundesrepublik und international als einer der großen Beethoven-Spieler gefeiert.

Fritz Schulz-Reichel

Schon als Kind entwickelte Fritz Schulz-Reichelt eine Spieltechnik, bei der er mit der linken Hand die Melodie und mit der rechten den Rhythmus spielte.

Nachdem er kurzzeitig als Konzertpianist tätig gewesen war, wechselte er zu der populären Tanz- und Jazzmusik. Bereits ab 1942 galt er im Ausland als bester deutscher Swing-Pianist.

In Deutschland wurde er zehn Jahre später als „der schräge Otto“ berühmt. Er spielte deutsche Evergreens im, zu der Zeit sehr populären, Ragtime-Rhythmus. Den für ihn typischen schrägen Klang erreichte er durch das Verstimmen der mittleren Saiten an seinem Klavier.

Im Panoptikum München ist seit 2013 eine in den 90er Jahren angefertigte Wachsfigur von Fritz Schulz-Reichel zu sehen.

Grete Sultan

Grete Sultan wurde 1906 in Berlin geboren und wuchs in einer jüdischen, großbürgerlichen Familie auf. Ab den 1920er Jahre war sie eine gefeierte Interpretin klassischer und Neuer Musik.

Nach Berufsverbot und wachsender Bedrohung gelang ihr 1941 in letztem Moment die Flucht in die USA. Dort setzte sie ihre Karriere als Pianistin und Klavierpädagogin fort. 1946 lernte sie den Komponisten John Cage kennen.

Zwischen den beiden entstand eine langjährige Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit. Cage widmete einige seiner größten Werke Grete Sultan, die diese bis ins hohe Alter selbst aufführte.  Auch der klassischen Musik blieb sie bis zuletzt treu. Vielen ist sie als große Bach-Interpretin in Erinnerung geblieben.

Das besondere Talent für das Klavierspiel zeigt sich oft schon in der Kindheit.
Viele berühmte Pianisten haben schon als Kinder angefangen Klavier zu spielen.| Quelle: Pixabay

Paul Kuhn

Die breite Öffentlichkeit kennt Paul „Paulchen“ Kuhn vor allem für Schlager wie „Der Mann am Klavier“ oder „Es gibt kein Bier auf Hawaii“. Als Leiter der SFB-Bigband begleitete er Showgrößen wie Peter Alexander, Harald Juhnke oder Peter Frankenfeld.

In den 90er Jahren kehrte er zu seiner Jugendliebe, dem Jazz, zurück und ging mit dem Paul Kuhn Trio auf Tournee. Bis zu seinem Tod 2013 im Alter von 85 Jahren gab Paul Kuhn Konzerte.

In Jazzkreisen wurde er als Pianist außerordentlich geschätzt. Manche sahen in ihm sogar den besten Jazzer Deutschlands überhaupt. Sein Stil war maßgeblich von Art Tatum, George Shearing und Hank Jones beeinflusst.

Dieter Zechlin

Er war einer der bekanntesten Pianisten der DDR, der auch einen großen kulturpolitischen Einfluss hatte. Dieter Zechlin war unter anderem Rektor der Berliner Musikhochschule, Vizepräsident der Deutschen Akademie der Künste in Berlin-Ost und Präsident des Musikrats der DDR.

Dank dieser Positionen genoss er Privilegien, konnte aber auch die ästhetische Weichenstellung bei Partei-Diskussionen beeinflussen.

Als Pianist bewies er mit Aufnahmen von Werken Beethovens und Schuberts sein Können und spielte Uraufführungen von zeitgenössischen Komponisten. Er wirkte bei Orchester-Konzerten und Kammermusikprogrammen mit, bei denen er Sänger*innen und Solist*innen begleitete.

Dieter Zechlin spielte Konzerte in ganz Europa, der Sowjetunion, in Japan und Lateinamerika.

Ulrich Gumpert

Ulrich Gumpert war einer der prägenden Jazzpianisten der DDR und ist bis heute als Solist und in verschiedene Formationen aktiv. Bereits zu DDR-Zeiten trat er regelmäßig im Westen auf.

Mit der Ulrich Gumpert Workshop Band und dem Zentralquartett spielte er radikalen Free-Jazz. Der internationale Erfolg führte zu der Anerkennung des Stils durch die DDR-Kulturpolitik.

Als Komponist, Pianist und Organist entwickelte er einen besonderen Stil, indem er Erfahrungen aus Jazz- und europäischer Musikgeschichte auf ganz eigene Art nutzt. Er ist auch ein hervorragender Improvisator.

Viel beachtet sind Ulrich Gumperts Interpretationen der Werke von Eric Satie.  Er spielt den großen französischen Komponisten sehr nüchtern und vor allem sehr langsam.

Joja Wendt

Joja Wendt, 1964 geboren, begann bereits mit vier Jahren Klavier zu spielen. Er ist einer der meistbeachteten zeitgenössischen deutschen Pianisten, den man bereits in der Carnegie Hall und beim Montreux Jazzfestival hören konnte.

Seine Spezialgebiete sind Jazz, Blues und Boogie-Woogie. Es gelingt ihm, mit Leichtigkeit zwischen den Stilen zu improvisieren und auch oft eine kabarettistische Note in seine Interpretationen einzubringen. Aber auch vor Klassik, Pop und Rock scheut er sich nicht.

Entdeckt und gefördert wurde Joja Wendt von dem Sänger Joe Cocker. Als Jazzpianist trat er mit internationalen Größen wie Chuck Berry und deutschen Gruppen wie Pur auf.

Zudem komponierte er zahlreiche Filmmusiken und engagiert sich musikpädagogisch im Bereich Früherziehung sowie digitale Instrumentallehre.

Michael Wollny

Nach einer klassischen Klavierausbildung wendete sich Michael Wollny dem Jazz zu. Seine Inspirationen sind vielseitig. Sie kommen genauso von Franz Schubert, Gustav Mahler und Alban Berg wie Björk, Kraftwerk und japanischen Gangsterfilmen.

Er arbeitet mit Musikern unterschiedlichster Richtungen zusammen und tritt mal in Gruppen, mal im Duo, mal solo auf.

Das Markenzeichen seines Klavierspiels ist das Unvorhersehbare, eine ständige Suche nach dem bisher Ungehörten; der Mut, sich dem Moment zu opfern. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt ihn als einen Musiker, der „aus jeder nur erdenklichen Musik ein Erlebnis machen kann, das einem den Atem nimmt.“

Insgesamt gilt Michael Wollny als einer der besten Jazzmusiker seiner Generation.

Michael Wollny spielt Konzerte in unterschiedlichen Formationen.
Michael Wollny gilt als einer der besten Jazzpianisten seiner Generation. | Quelle: FrankBoyd via Visualhunt / CC BY-NC-SA

Martin Stadtfeld

Martin Stadtfeld ist ein zeitgenössischer klassischer Pianist, der bereits mit neun Jahren sein Konzertdebüt gab. Ab dem 14. Lebensjahr studierte er an der Musikhochschule Frankfurt, im Klavierunterricht Frankfurt hast Du sicherlich schon von ihm gehört.

Bekannt sind insbesondere seine Bach-Interpretationen. Aber auch Beethoven, Chopin, Ravel und Prokofjew gehören zu seinem Repertoire. Seine Darbietungen sind keineswegs brav und klassisch. Sie stören und werfen grundlegende Fragen auf, wie: Was ist Interpretation? Was ist ein Stil?

Martin Stadtfeld wurden innerhalb von fünf Jahren vier Klassik-ECHOS verliehen. Darunter einer als Nachwuchskünstler des Jahres, einen für eine Konzert- und zwei für Soloeinspielungen.

Über das eigene Musizieren hinaus ist für Martin Stadtfeld das Heranführen von Kindern und Jugendlichen an die klassische Musik eine Herzensangelegenheit.

Seit September 2017 moderiert er einmal im Monat die Radiosendung „Martins Musik“ auf Klassik Radio. Jede Sendung hat ein eigenes Thema, zu dem Martin Stadtfeld mehr oder weniger bekannte klassische Werke vorstellt.

Alice Sara Ott

Auch Alice Sara Ott ist eine junge klassische Pianistin. Sie verfügt über eine beeindruckende Technik und eine tiefe Musikalität. Immer wieder werden die Intensität und Poesie ihres Spiels gelobt. Vergleiche mit den großen Virtuos*innen der Vergangenheit fallen im gleichen Atemzug.

Mit nur 7 Jahren gewann sie den Musikpreis Jugend musiziert. Darauf folgten zahlreiche renommierte internationale Preise und Zusammenarbeiten mit den führenden Dirigenten und Orchestern der Welt.

Bemerkenswert ist die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem isländischen Komponisten Ólafur Arnalds im Rahmen von „The Chopin Project“ 2015. Die Aufnahme war Nummer Eins in den offiziellen englischen Klassik-Charts. In 25 Länder stieg sie in die iTunes-Charts auf.

Alice Sara Otts jüngere Schwester Mona Asuka Ott ist ebenfalls professionelle Pianistin.

Na, Lust auf Klavierunterricht bekommen? Dann schaue Dich doch mal nach Klavierlehrern in Deiner Nähe um, zum Beispiel für Klavierunterricht Hannover.

Klavier Wortschatz

Was ist ein Kontrapunkt?

Als Kontrapunkt wird eine Technik des musikalischen Satzes bezeichnet, in der mehrere Stimmen gleichberechtigt nebeneinanderher geführt werden.

Was bedeutet rubato?

Rubato heißt „geraubt“, fei im Tempo. Es bezieht sich auf die Melodie, bei der einzelne Tonfolgen verzögert werden sollen.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.