Bündnisse der Großmächte

Zwischen den europäischen Großmächten und dem Deutschen Reich hatte es schon lange vor 1914 ein erhebliches Konfliktpotenzial gegeben. Frankreich und Großbritannien hatten durch den Erwerb von Kolonien ihren Einfluss politisch und wirtschaftlich vor allem auf dem afrikanischen Kontinent ausgebaut.

Warum gab es zu dieser Zeit so viele Konflikte auf dem Balkan und warum war die Lage so unübersichtlich? Wurden im Hintergrund durch Deutschland oder auch Russland die Strippen gezogen? Waren Serbien und Österreich nur Mittel zum Zweck, Interessen anderer durchzusetzen?

Fragen über Fragen, die wir hier aufklären. Solltest Du Interesse haben, Dein Wissen zu vertiefen oder Zusammenhänge besser verstehen zu können, bleib einfach dran . Viel Spass dabei!

Pulverfass Balkan

Kaiser Wilhelm II., wollte Weltmachtpolitik betreiben und ging zu einer aktiven Kolonialpolitik über, was die angespannten Fronten weiter verhärtete. Es bildete sich eine Allianz zwischen Frankreich, Großbritannien und Russland im Rahmen der Entente Cordiale und Triple Entente, während Bismarck schon 1879 mit Österreich den Zweibund geschlossen hatte. Mit den Mittelmächten und der Entente gab es nun zwei Machtblöcke in Europa.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Europa ein kochendes Pulverfass. Auf dem Balkan stritten sich Österreich-Ungarn und Russland schon lange um die Vorherrschaft. Während Österreich-Ungarn einige slawische Völker unter seine Vorherrschaft gebracht hatte, unterstützte Russland den Panslawismus und verstand sich als Schutzmacht der slawischen Balkanvölker.

Das schwächelnde Osmanische Reich hatte zuvor den Krieg gegen Russland verloren, dass auf einen Zugang zum Mittelmeer drängte. Auf dem Berliner Kongress moderierte der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck die Neuordnung des Balkans. Unter Bismarcks Regie durfte auch Österreich-Ungarn seine Interessenssphäre vergrößern.

Bosnien-Herzegowina sollte völkerrechtlich weiter zum Osmanischen Reich gehören, aber die austriakische Doppelmonarchie verwaltete künftig die Region. Es war auf lange Sicht eine schlechte Lösung , denn das Konstrukt sicherte die Stabilität nur drei Jahrzehnte.

Am 4. Oktober 1908 brach Österreichs Kaiser Franz Joseph I. eigenmächtig die Vereinbarung, indem er sich berechtigt sah, die Rechte seiner Souveränität auf Bosnien und Herzegowina und somit auch auf  Sarajevo, die Hauptstadt der beiden Länder Bosnien und Herzegowina, auszudehnen.

Die Annexion löste allenfalls geringe Empörung aus, aber sie legte die Machtlosigkeit des Osmanischen Reichs offen und weckte nationalistische Gefühle auf dem Balkan und den Territorial-Hunger Russlands. 1912 gründeten unter russischer Schirmherrschaft die Staaten Bulgarien, Serbien, Montenegro und Griechenland die "Balkanliga".

In dieser gespannten Gemengelage erklärte Montenegro 1912 dem Osmanischen Reich den Krieg und löste damit eine Serie von Kriegserklärungen aus, sodass sich das Osmanische Reich mit Bulgarien, Serbien und Griechenland im  Krieg befand.

Die Balkankriege von 1912 und 1913 zeigten die desaströse Wirkung moderner Waffen. Dem Kriegswillen tat dies keinen Abbruch. Die Feindschaften auf dem Balkan, die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden, reichen bis in die heutige Zeit.

Das brutal geführte Gemetzel wurde mit der Unterzeichnung des Londoner Vertrags am 30. Mai 1913 beendet. In der britischen Hauptstadt versuchten die europäischen Großmächte noch einmal, auf diplomatischem Wege die Lage auf dem Balkan zu stabilisieren.

Österreich pochte auf Eindämmung des Belgrader Einfluss. So wurde der Staat Albanien auch deshalb gegründet, damit Serbien keinen Zugang zum Mittelmeer erhielt, was ganz im Sinne Österreich-Ungarns war. Albanien wurde unabhängig, wenngleich große Teile seines Staatsgebietes sofort von Serben, Griechen und Montenegro besetzt wurden.

Das Attentat Sarajevo 28. Juni 1914

Am 28. Juni 1914 kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall bei einer offiziellen Visite Sarajevos.  Der  habsburgische Thronfolger Franz Ferdinand wollte mit dieser Visite die Reise auf dem Balkan abschließen. Er galt als Reformer und dachte über die Schaffung eines föderal organisierten Staatswesens nach. Diese prinzipielle Offenheit änderte nichts daran, dass er den Hass serbischer Nationalisten auf sich zog.

Prinz Ferdinand und Frau Sophie im Wagen | Quelle: Visualhunt
Prinz Ferdinand und Frau Sophie vor dem Attentat in Sarajevo. | Quelle: Visualhunt

Als die Kolonne des Thronfolgerpaares sich am 28. Juni näherte, gelang es einem der Verschwörer einen Sprengsatz zu zünden und auf die fahrenden Wagen zu werfen. Die Bombe detonierte glücklicherweise direkt hinter dem Wagen des Thronfolgerpaares. Sophie und Franz Ferdinand blieben unverletzt. Statt das Thronfolgerpaar in Sicherheit zu bringen wurde das Protokoll weiterverfolgt und das Glück somit  erneut herausgefordert.

Die nächste Panne ereignete sich, als der Wagen des Regenten falsch abbog. Ein weiterer Attentäter erkannte seine Chance und eröffnete aus der Menge heraus, ausgerüstet mit einer Bombe und einem Revolver etwa zweieinhalb Meter vom kaiserlichen Wagen entfernt, das Feuer.  Zwei Schüsse wurden auf das Thronfolgerpaar abgegeben. Das Kronprinzenpaar wurde tödlich verletzt.

Wer war der Attentäter? Gavrilo Princip war 19 Jahre alt, als er zum Mörder wurde. Er wurde in Bosnien geboren und hatte die letzten Jahre in Belgrad verbracht. Princip und seine Mitverschwörer verkehrten im Milieu der serbischen Geheimgesellschaft die Schwarze Hand und der bosnischen Untergrundorganisation Junges Bosnien. Beide Organisationen kämpften gegen die habsburgische Herrschaft auf dem Balkan.

Die Julikrise bezeichnete eine Phase, die durch Imperialismus, Nationalismus und Weltmachtpolitik entstand. Der Vorfall in Sarajevo brachte das Fass schließlich zum Überlaufen. Es erfolgte zunächst ein Ultimatum an Serbien, dass die Serben mit Russland als Schutzmacht im Rücken kaltlächelnd verstreichen ließen.

Frankreich war einer der Kriegsprotagonisten und mit dem deutschen Einmarsch in Belgien wurde auch Großbritannien aktiv und erklärte dem Deutschen Reich am 4. August den Krieg. Letztlich kam es zu Österreichs Kriegserklärung an Russland und der britischen Kriegserklärung an Österreich.

Gefechtsbatterie des 1. Weltkriegs im Einsatz | Quelle: visualhunt
Schwere Geschütze die erstmals im 1. Weltkrieg eingesetzt wurden. | Quelle: Visualhunt

Der 1. Weltkrieg beginnt 28. Juli 1914

Der Kriegsausbruch setzte in den beteiligten Ländern zunächst einen enormen Patriotismus frei. Kaiser Wilhelm II. propagierte einen Burgfrieden und sprach von einem nationalen „Präventivkrieg“, der dem Deutschen Reich aufgezwungen worden sei. Der Generalstab erarbeitete einen geheimen Schlieffen-Plan, mit dem schnelle militärische Erfolge erzielt werden sollten.

Die anfängliche Kriegsbegeisterung schwand aber bereits im September 1914. Der Krieg entwickelte sich zu einem Stellungs- und Grabenkrieg und erforderte hohe Opferzahlen. Neben Maschinengewehren, Flammenwerfern und Handgranaten kam auch Giftgas zum Einsatz.

Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen künftige Weltkriege ausgetragen werden, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen. |Albert Einstein

Im Jahr 1917 traten die USA in den Weltkrieg ein, nachdem das Deutsche Reich einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg entfesselt hatte. Im November 1918 verlor das Deutsche Reich den Krieg.

Der Versailler Friedensvertrag 28. Juni 1919

Der französische Ministerpräsident Georges Benjamin Clemenceau eröffnete am 28. Juni 1919 im Schloss von Versailles die Sitzung zur Unterzeichnung des Friedensvertrags. Im Friedensvertrag von Versailles musste die deutsche Regierung harte Friedensbedingungen hinnehmen. Die hohen Reparationszahlungen trieben die junge Weimarer Republik in eine politische und wirtschaftliche Krise

Die Bedingungen des  Friedensvertrags von Versailles wurden 1919 von den Mächten der Triple-Entente und ihren Verbündeten festgelegt. Die Kampfhandlungen wurden zwar bereits 1918 weitestgehend eingestellt, jedoch dauerte der erste Weltkrieg offiziell noch an. Die Deutschen unterzeichneten den Vertrag von Versailles am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Versailles.

Vertragsunterzeichnung des Friedensvertrag von Versailles | Quelle: Pixabay
Der Friedensvertrag wird im Spiegelsaal von Versailles unterzeichnet | Quelle: Pixabay

Die Mehrheit der Deutschen Gesandten empfanden den Vertrag, aufgrund seiner harten Bedingungen als demütigend und unterzeichneten ihn daher nur unter Protest. In Kraft trat der Vertrag am 10. Januar 1920. Im Zuge des ersten Weltkriegs entstanden überall auf der Welt Anti-Kriegs-Bewegungen. So zielten Abrüstungskonferenzen und der Völkerbund auf zukünftige, friedliche Konfliktregelungen ab.

Folgen des 1. Weltkriegs

Verluste und Untergang

Neben den millionenfachen Opferzahlen führte der Erste Weltkrieg eine veränderte politische Landkarte herbei. Europa war verwüstet und musste seine Rolle als Weltmacht an die USA abgeben. Die Verluste auf allen Seiten der Beteiligten des ersten Weltkriegs waren gewaltig. Fast neun Millionen Soldaten haben im ersten Weltkrieg ihr Leben gelassen.

Ein Soldatenfriedhof verdeutlicht die hohen Verluste | Quelle: visualhunt
Soldatenfriedhof - letzte Heimstatt für gefallene Soldaten. | Quelle: Visualhunt

Finanzieller Ruin der Sieger und Besiegten durch die Kosten des Krieges, sowie die Ausbeutung besiegter Länder waren weitere Folgen und . Die Kriegsfinanzierung über Kredite und Anleihen führte in Deutschland zu einer Inflation, die bis 1923 anhielt.

Aufstieg totalitärer Regime

Abschied von der Monarchie

Der erste Weltkrieg führte in Russland, Deutschland, Österreich und der Türkei zum Sturz der Monarchien. Der Abdankung des russischen Zaren 1917, folgte Wilhelm II mit seiner Abdankung 1917. Nachdem auch der österreichische Kaiser 1918 abdankte, wurde die türkische Monarchie 1922/1923 durch die Revolution der „Jungtürken“ gestürzt.

Deutschland wurde infolge der Novemberrevolution 1918 in eine demokratische Republik umgewandelt. 1921 löste sich Irland von Großbritannien. Finnland, Polen, Estland, Lettland und Litauen wurden unabhängig von Russland. Ungarn und die Tschechoslowakei wurden unabhängig von Österreich. Auf dem Gebiet des osmanischen Reiches entstanden 7 neue Länder.

Das wirtschaftliche und politische Chaos, welches der erste Weltkrieg nach sich zog, führte zum Aufstieg von totalitären Regimen. Russland stieg mit der russischen Revolution 1917 auf, 1922 dann Italien unter der Führung von Mussolini. Mit Ergreifung der Macht durch Hitler 1933 war auch Deutschlands  Schicksal besiegelt. Unter der Führung von Hitler folgte auf die Weimarer Republik Nazideutschland, dass den zweiten Weltkrieg verursachte.

1917 griffen die Vereinigten Staaten im Zuge des ersten Weltkriegs erstmals in europäisches Geschehen ein. Nach vorübergehendem Rückzug zeigen die USA auch nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Sieg gegen die Deutschen bis heute globale Präsenz und werden eine Weltmacht..

Historische Ereignisse wie Revolutionen sind von der Entstehung her keinem eindeutigen Muster zuzuordnen. Genauso wenig scheint vorhersehbar zu sein, welcher Ideologie, welcher Lösung die Menschen vertrauen. Die Ideologie kann einen demokratisch freiheitlichen Ansatz haben wie im Fall der Amerikanischen Revolution.

Genauso ist es möglich, dass Menschen von einer demokratischen Republik ausgehend, durch eine wirtschaftliche Depression einem autokratischen Ansatz wie Nazideutschland folgen und wissentlich für Morde und Krieg verantwortlich zeichnen.

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Karl Heinz

Hi, it`s me - Karl Heinz, not really new, but still active . My pasions are outdoor activities. I love the nature, riding the bike, hiking trough the mountains preferred with my wife and my dog . This are opportunities to let flow my thoughts and get inspiration for writing comments and blogs.