Folgen des 1. Weltkrieges

Warum kann man den Ersten Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnen? Wäre das Dritte Reich denkbar gewesen unter anderen Umständen? Warum wurde die Weimarer Demokratie von einer schweren Krise erfasst und in dieser Phase von den monarchistisch und nationalistisch sozialisierten Eliten nicht entschieden unterstützt? Und wie konnte die NSDAP die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich bringen?

Vielleicht ist der verstärkte Antisemitismus ein Grund oder der von vielen Deutschen als ungerecht empfundene Friedensvertrag von Versailles? Die Instrumentalisierung der Stimmung gegen die Juden durch die Rechten könnte auch ursächlich gewesen sein? Fragen und Spekulationen, die wir hinterleuchten wollen, also bleib dran!

Die Kontzen

Joseph Kontzen, genannt Peppi, beschrieb seine Eltern und Brüder in seinen Erinnerungen als eine ganz normale Berliner Familie. Sein Selbstverständnis war während seines Erwachsenenlebens unreligiös. Er fühlte sich nicht als Jude, sondern er wurde zum Juden gemacht. Er litt zeitlebens unter diesem Stigma.

Vater Rafael, der im Krieg für sein Vaterland kämpfte, wie viele andere Juden auch, und Mutter Elsa führten ein Wäschegeschäft. Mit ihrer Heirat trat die protestantische Elsa 1914 zum Judentum über und beschäftigte sich eingehend mit der für sie neuen Religion.

In ihrer religiösen Ausrichtung war die Familie Kontzen liberal und feierte die wichtigsten Feste beider Religionen. Peppi erinnerte sich, dass er und seine Brüder lediglich in sehr jungen Jahren religiöse Phasen hatten. Er selbst fühlte sich nicht als deutscher Jude, sondern als kosmopolitischer Kommunist.

Unbeschwerte Jugend

Die vier Söhne, Peppi, Kurt, Erich und Ullrich, wuchsen unbeschwert im bürgerlichen Wilmersdorf auf. Sie waren begeisterte Sportler und spielten im Verein Hockey, Hand- und Fußball.

Peppi konnte sich an keine Besonderheiten im Umgang mit den Nachbarn erinnern. Die Familie Kontzen war bekannt und geschätzt. Peppi ging in den 1920er Jahren in Gera in die Lehre und engagierte sich in Gewerkschaften, während die Brüder in Berlin die Schulbank drückten.

Im persönlichen Umfeld merkten die Kontzens noch nichts von Feindseligkeit oder Abneigung. Peppi war ein politisch interessierter, kritischer Jugendlicher. Er trat dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bei, einem überparteilichen Bündnis, das die Republik gegen sich radikalisierende Kampfbünde schützen wollte.

Angesichts der drohenden Zerschlagung der Republik durch den Nationalsozialismus und nach dem Ende seiner Ausbildung, kehrte er nach Berlin zurück und trat der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) bei. Auch in der Kommunistischen Partei wurde er Mitglied.

Hitlers Machtergreifung

Die nach Deutschland übergreifende Große Depression und die damit verbundene, wachsende Massenarbeitslosigkeit waren wichtige Faktoren für den enormen Mandatszuwachs der NSDAP bei der Reichstagswahl 1930.

Lange weigerte sich  Reichspräsident Hindenburg, Hitler als Kanzler einzusetzen. Nach von Papens und Kurt von Schleichers Scheitern Koalitionen im Reichstag zu bilden, erfolgte zwangsläufig die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler.

Hitler und Hindenburg | Quelle: Visualhunt
Machtübernahme: Hitler und Hindenburg. | Quelle: Visualhunt

Am 4. Februar 1933 wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes erlassen, womit die KPD verboten und erste Notverordnungen erlassen wurden, die vor allem gegen Kommunisten und Sozialisten gerichtet waren und die Presse-, Meinungs- sowie Versammlungsfreiheit einschränkten.

Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 erließ Hindenburg eine weitere Verordnung, die diese Grundrechte der Verfassung noch stärker beschnitt. Viele Mitglieder der KPD und der SPD wurden aufgrund dieses Erlasses misshandelt und in Schutzhaft genommen.

Bei der von Unterdrückungsmaßnahmen begleiteten Reichstagswahl am 5. März 1933 verfehlte die NSDAP die absolute Mehrheit, was jedoch korrigiert wurde, indem man die von der KPD gewonnenen Sitze des neuen Reichstags annullierte. Das Ermächtigungsgesetz vom 23. März gab der Regierung uneingeschränkte Gesetzgebungsbefugnisse.

Mit dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 wurde die NSDAP die einzige zugelassene Partei in Deutschland. Dies markiert eindrücklich das Ende der Weimarer Demokratie. Nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 übernahm Hitler das Amt des Reichspräsidenten und gab sich den Titel Führer und Reichskanzler. Zudem ernannte er sich  zum Oberbefehlshaber der Reichswehr.

Für die Erreichung der selbstgesetzten Ziele hatte Hitler bereits in der Neugründungsphase der NSDAP 1925 hervorgehoben, den bestehenden Zustand zu zersetzen und eine neue Weltanschauung möglichst allen Menschen zu lehren und wenn nötig aufzuzwingen.

Arisierung und Zwangsarbeit

Antisemitismus wird zur offiziellen Politik

Sofort nach der Machtergreifung 1933 begannen die Nationalsozialisten, die wirtschaftliche Handlungsfreiheit der Juden in Deutschland systematisch einzuschränken und schließlich abzuschaffen. Die auf pseudowissenschaftlichen Rassentheorien des 19. Jahrhunderts und auf jahrhundertealten Vorurteilen und Unterstellungen basierende Judenfeindlichkeit wird mit der Machtübernahme Hitlers zur offiziellen Politik.

Bereits im April 1933 organisierte die SA Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte. Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurden missliebige Beamte aus dem Staatsdienst entfernt. Das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft zielte auf die Ausschaltung  jüdischer Rechtsanwälte ab.

Der darin enthaltene Arierparagraph war das erste rassistische Gesetz und betraf Menschen des jüdischen Glaubens oder vermuteter jüdischer Herkunft. Sie wurden zuerst aus dem öffentlichen Dienst, dann auch aus Vereinen, Berufsverbänden und evangelischen Landeskirchen entfernt.

Juden wurden auch gesetzlich aus allgemeinen Schulen und allmählich aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Auch Ärzte, Apotheker, Anwälte und Journalisten, Universitätsprofessoren und Künstler blieben nicht verschont und es folgte die Arisierung von Betrieben, Vermögensgegenständen, Wohnungen und Mobiliar.Dadurch kam eine gigantische Arbeitsplatz- und Vermögensumverteilung in Gang,

Die Nürnberger Rassengesetze

1935 wurden auf dem 7. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg die sogenannten "Nürnberger Rassegesetze" verkündet, die zum einen die Eheschließung sowie den außerehelichen Geschlechtsverkehr von Juden und Nichtjuden verboten und zum anderen Juden die Reichsbürgerschaft aberkannten.

Die Völkerwanderung der Juden werden wir in einem Jahr bestimmt fertig haben; dann wandert keiner mehr. Denn jetzt muss reiner Tisch gemacht werden. | Heinrich Himmler

In mehreren Verordnungen zu diesen Gesetzen wurde näher definiert, wer als Jude zu gelten hatte. 1938 setzte sich die systematische Entrechtung der deutschen Juden mit den Arisierungen fort, die durch zahlreiche Verordnungen juristisch untermauert wurden, z. B. der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben und der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens.

1933 - 1945 Antisemitismus in der Nazizeit | Quelle: Visualhunt
Antisemitismus in Nazi Deutschland. | Quelle: Visualhunt

Mit der Namensänderungsverordnung zur Führung eines zusätzlichen Vornamens, mit Kennkarten und Meldelisten wurden alle Juden erfasst. Während der reichsweiten Novemberpogrome 1938, bei denen die jüdische Kultur in ganz Deutschland und Österreich vernichtet wurde, wurden Zehntausende von „Aktionsjuden“ in Konzentrationslagern inhaftiert und mussten als Zwangsarbeiter für die NS-Machthaber schuften.

Ein Unterdrückungsapparat aus Gestapo, SS, SA und Sicherheitspolizei wurde aufgebaut. Zum Wesen der gewaltsamen Unterdrückung gehörten Inhaftierungen und die Einrichtung ungesetzlicher Konzentrationslager. Die Gestapo bekämpfte sogenannte staatsfeindliche Bestrebungen und erhielt dafür Unterstützung durch die vielen NS-Sympathisanten und Denunzianten.

Rechtswesen im Unrechtsstaat

Als neue Rechtsquelle trat neben Parlamentsgesetzen und Ministerialverordnungen der sogenannte Führererlass, von NS-Juristen als Rechtsquelle sui generis angesehen, die über allen anderen Rechtsquellen stand. Zur Umsetzung wurden Sondergerichte eingeführt.

Jeder Vertrag, der mit einem Homosexuellen oder Juden geschlossen wurde war sittenwidrig und damit nichtig. Im Vorfeld von Strafprozessen wurden durch die Gestapo, SA und SS  Zeugen und Angeklagte gezielt unter Druck gesetzt. Folter galt als legitimes Mittel der Beweiserhebung und die erpressten Schuldeingeständnisse dienten der Verkürzung des Verfahrens.

Spezielle Straftatbestände für Minderheiten oder Personengruppen wie Juden, Zwangsarbeiter, Ausländer wurden ins Strafrecht aufgenommen. Auch die Verfolgung der Homosexuellen verschärfte sich in der Zeit des Nationalsozialismus. Ab 1944 wurden im ganzen Reichsgebiet verstärkt Standgerichte eingesetzt, um Wehrkraftzersetzer und Deserteure abzuurteilen.

Gestapo Chef Heinrich Himmler
Gestapo Chef Himmler auf Visite. | Quelle: Visualhunt

Der Anschlag auf Ernst Eduard vom Rath diente den Nationalsozialisten dazu die Novemberpogrome zu inszenieren. SA und SS legten in zahlreichen Synagogen Feuer und ermordeten viele deutsche Juden vor den Augen der Polizei. Zehntausende Juden wurden in die KZs deportiert. Die sogenannte  „Judenbuße“ von über einer Milliarde Reichsmark wurde zur Finanzierung der Kriegsvorbereitung genutzt.

Familie Kontzen erlebte Ausgrenzung und Schikanen

Zu dieser Zeit musste Peppi tatenlos zusehen, wie paramilitärische Einheiten der Rechten immer gewalttätiger gegen Andersdenkende vorgingen und sich der Antisemitismus immer offener verbreitete.  Da die Kontzen Brüder nur ein jüdisches Elternteil hatten, wurden sie nach den Nürnberger Gesetzen als "Mischlinge ersten Grades" eingestuft.

Damit wären sie nicht allen Schikanen ausgesetzt gewesen. Doch "Mischlinge", die wie die Kontzens der jüdischen Glaubensgemeinde angehörten, wurden als "Geltungsjuden" den "Volljuden" gleichgestellt. Geltungsjuden wurden in der Regel in den Tod geschickt, doch oft ersetzten auch Willkür und Zufall eindeutige Bestimmungen.

Vater Rafael verlor seine Arbeit und Peppi wurde für zwei Wochen inhaftiert und danach ebenfalls arbeitslos. Mutter Elsa konnte nur noch mit besonderen Lebensmittelkarten zu besonderen Zeiten einkaufen.  Die Kontzens passten sich an, wo es unvermeidlich war, versuchten dabei aber ihre Würde zu wahren.

Erich und Ulli wurden gezwungen, noch vor dem Abitur von der Schule zu gehen. Während Erich und Bubi eine kaufmännische Ausbildung in der Textilbranche machten, begann Ullrich eine Lehre in der Baugewerkschule, wurde dann aber nicht zur Prüfung zugelassen.

Mut, kleine Freiheiten, Liebe und Ohnmacht

In der Weimarer Zeit gab es zwar separate Sportorganisationen, wie die der Kommunisten, der Sozialdemokraten, der Katholiken und der Protestanten, aber keine nationalsozialistischen. Das sollte sich ändern, denn ab dem Frühjahr 1933 wurden Juden und Demokraten aus den Vereinen und Verbänden herausgedrängt.

Nach dem Verbot jüdischer Vereine im November 1938 organisierten die Brüder illegale Fuß- und Handballturniere auf einem abgelegenen Gut. Es diente der Jüdischen Gemeinde zur landwirtschaftlichen Ausbildung jugendlicher Juden und zur Vorbereitung einer Auswanderung nach Palästina. Sie übertraten das Badeverbot, indem sie in abgelegenen Seen schwimmen gingen und unternahmen ausgiebige Radtouren im Umland.

Ab 1939 mußten Vater Rafael und alle vier Brüder Zwangsarbeit leisten. Obwohl Ausgrenzung und Demütigung täglich zunahmen, wollten sie sich der Ungerechtigkeit nicht einfach ergeben und nutzten jede Chance dem Alltag der Entwürdigungen wenigstens stundenweise zu entkommen.

Peppi und seine Freundin Bozka kannten sich schon seit 1928, beschlossen aber wegen Peppis politischer Tätigkeit, nicht zu heiraten. Im Laufe des Jahres 1941 heirateten die drei anderen Brüder. Ein Jahr später wurde die Familie auseinandergerissen. Vater Rafael stirbt im Januar 1942 an den Folgen der Zwangsarbeit.

Widerstand und Verhaftung

Elsa kämpft

Schon vor der Machtübernahme begann der Widerstand verschiedenster Gruppen gegen die Nationalsozialisten. In der Zeit des Nationalsozialismus selbst beschränkte sich der Widerstand, der immer mit Lebensgefahr verbunden war, auf eine verschwindend kleine Minderheit der deutschen Bevölkerung.

Der Widerstand von Privatpersonen, der sich eher im Stillen abspielte, reichte von der Versorgung mit Lebensmitteln für Zwangsarbeiter bis hin zum Verstecken von Juden. Peppi versuchte sofort nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten illegale Schriften der KPD zu verteilen.

Als Bubi und Ulli im Zuge der Vorbereitungen zur Deportation der Berliner Juden verhaftet wurden, versuchte Elsa ihre Söhne frei zu bekommen, was ihr auch mehrere Male gelang. Peppis Brüder wollten sich einer jüdisch kommunistischen Gruppe um Herbert Baum anschließen, was sie aber auf Peppis Rat unterließen. Die Gruppe verübte einen Brandanschlag, alle Gruppenmitglieder wurden verraten und in Konzentrationslagern ermordet.

Hunderte Menschen, zumeist Frauen, auch Elsa, demonstrierten Anfang März 1943 in der Nähe des Alexanderplatzes gegen die Verhaftung jüdischer Zwangsarbeiter und gaben auch nicht auf, als Schutzpolizei und SS Maschinengewehre aufstellten.

Nicht alle verschlossen ihre Augen

Der katholische Kardinal Clemens August Graf von Galen verurteilte öffentlich die Morde an den Behinderten, was dazu führte dass die Aktion T4 von den Nationalsozialisten eingestellt wurde. Pastor Martin Niemöller oder Dietrich Bonhoeffer schlossen sich nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Widerstandskreisen an.

Flugblätter Geschwister Scholl | Quelle: Visualhunt
Die Geschwister Scholl riefen mit Flugblättern zum Widerstand auf. | Quelle: Visualhunt

Der kommunistische Einzelkämpfer Georg Elser verübte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Hitler, dass er im April 1945 im KZ Dachau mit seinem Leben büßte. Die Widerstandsgruppe Weiße Rose um die Geschwister Hans und Sophie Scholl rief in mehreren Flugblättern zum Widerstand gegen das NS-Regime auf und wurden enthauptet, nachdem man sie denunziert hatte.

Im Kölner Raum traten die Edelweißpiraten auf, die im Lauf des Krieges konkrete Widerstandsaktionen und Sabotageakte unternahmen.Die Widerstandsgruppe Rote Kapelle agierte auf mehreren Ebenen gegen das Regime. Der von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg erfolglos durchgeführte Putschversuch Operation Walküre fiel schnell in sich zusammen und endete mit der Erschießung Stauffenbergs und seiner Verbündeten.

In Deutschland oder im Exil lebende Künstler leisteten Widerstand. Der regimekritische Schriftsteller und Dramatiker Bertolt Brecht wandte sich meist publizistisch gegen das NS-Regime. Neben dem Widerstand in Deutschland gab es auch im Ausland Aktivitäten wie die Polnische Heimatarmee oder die Résistance in Frankreich.

Der Holocaust

Viele Tausende Juden wurden in den besetzten Ostgebieten  von den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und von SS-Einheiten erschossen und anschließend in Massengräbern verscharrt. Die Zahl der im Holocaust insgesamt durch Erschießungen, Vergasungen, Hunger, Misshandlung, Zwangsarbeit und Krankheiten umgekommenen Juden wird auf ungefähr sechs Millionen geschätzt.

Ihr Besitz wurde enteignet und zu Reichseigentum erklärt. Wissenschaft und Forschung wurden instrumentalisiert. Hauptanliegen vieler nationalsozialistisch gesinnter Ärzte im Deutschen Reich war die Heranzüchtung kerngesunder Körper und die Ausmerzung der Schwachen und Kranken.

Die Kontzens werden auseinandergerissen

Peppi tauchte  mit Unterstützung seiner Freundin Bozka vorsichtshalber unter, konnte aber nach kurzer Zeit zu seiner  Mutter Elsa zurückkehren. Durch seine Arbeit bei der Bombenschädenbeseitigung war er vor einer willkürlichen Verhaftung halbwegs geschützt.  Zusätzlich half ihm, dass er nicht wie seine Brüder mit einer Jüdin verheiratet war.

Anders erging es Erich und seiner Frau Ilse. Sie wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert. 1942 hatte Ilse es noch geschafft einen Brief aus dem Ghetto zu schmuggeln. Durch diesen Brief erfuhren Mutter Elsa und Peppi von Erichs Tod. Auch Ilse starb im Ghetto.

Ende Juni 1943 wurden Bubi und Ulli mit ihren Frauen Lisa und Ruth nach Theresienstadt deportiert. Mutter Elsa und Peppi schickten trotz der schlechten Versorgungslage fast täglich Päckchen. Als die Brüder und Schwägerinnen im September und Oktober 1944  weitertransportiert wurden, konnten die Beiden nichts mehr tun.

Lisa wurde in Bergen-Belsen ermordet, Ulli und Bubi in Dachau. Im Juni 1945 kehrt Ruth, Ullis Ehefrau, nach Hause zurück. Sie wurde von Elsa und Peppi aufgenommen und umsorgt.

Vergangenheitsbewältigung

Die deutsche Bevölkerung wurde nach der Kapitulation durch die Alliierten gezwungen, sich den Naziverbrechen zu stellen, von denen sie jahrelang nichts gewusst haben wollten. Die meisten reagierten mit Gleichgültigkeit und Trotz, statt Scham oder Reue zu zeigen.

Das eigene Überleben schien den Deutschen wichtiger zu sein. Die Schatten der Vergangenheit waren für viele mit den Nürnberger Prozessen abgegolten. Überlebende Juden wurden minimal entschädigt, doch Gerechtigkeit durch Anerkennung individueller Schuld blieb ihnen verwehrt.

Peppi wurde 1946 Büroleiter der Entnazifizierungskommission und somit täglich mit Ausreden und Verharmlosungen der Mitläufer konfrontiert. Erst in den folgenden Jahren begann die deutsche Bevölkerung sich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander zu setzen und Verantwortung zu übernehmen.

Das Leben nach dem Holocaust

Die Trauer über den Verlust ihrer Söhne ließ Elsa nicht verbittern. Sie ertrug ihr Leid still für sich. Auch Ruth war traumatisiert und verließ Deutschland. In New York lernte sie einen neuen Mann kennen, ebenfalls ein Holocaust  Überlebender und gemeinsam gründeten sie eine neue Familie.

Peppi heiratete gleich nach Kriegsende seine große Liebe Bozka, die 1959 früh starb. Er selbst hat sich bei der Zwangsarbeit aufgerieben und musste mit 41 Jahren in Rente gehen. Er schrieb nach dem Tod seiner Mutter Elsa die Geschichte seiner Familie auf und sorgte dafür, dass die zahlreichen Bilder, Briefe und Dokumente als Zeugnisse und Mahnung dieser schrecklichen Zeit nicht verloren gingen.

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Karl Heinz

Hi, it's me - Karl Heinz, not really new, but still active. My passions are outdoor activities. I love the nature, riding the bike, hiking through the mountains, preferably with my wife and my dog. These are opportunities to let flow my thoughts and get inspiration for writing comments and blogs.