Auch die russische Revolution von 1917 hatte eine Vorgeschichte, und es fehlte nicht viel um einen Umsturz oder eine Rebellion anzuzetteln. Es schien so als wären alle Komponenten vorhanden und ein Funke könne das Ganze entzünden.

Es brauchte Herrscher, die schwach, hauptsächlich mit sich, ihrem Machthunger, ihrem Ehrgeiz, mit Intrigen oder Missgunst beschäftigt waren. Desweiteren ein Volk, das unverstanden und vernachlässigt, arm, entrechtet, geknechtet, wenig respektiert, in Konflikte gezogen wurde, die nicht Ihre waren.

Und es gab Personen, die über Charisma verfügten, eine Idee hatten, eine Ideologie verfolgten, mutig genug diese durchzusetzen, gegebenenfalls auch mit Gewalt. Ein Leben für alle Menschen, das besser und gerechter war. Ein Leben in Freiheit, geprägt durch Mitbestimmung, Frieden, Gleichbehandlung, Wohlstand ohne Krieg und ohne Korruption.

Waren das die Komponenten, die zur Oktoberrevolution in Russland führten?  Gab es die angesprochenen Probleme im Volk? Und waren da Frauen oder Männer am Start, die als charismatische Führer die russische Revolution anführten? Persönlichkeiten wie ein George Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg oder ein Verbrecher wie Adolf Hitler in Nazi Deutschland? Oder löste eine Begebenheit den 1.Weltkrieg aus.

Fragen, die hier und jetzt beantwortet werden sollten. Wichtige Ereignisse der Weltgeschichte, wie die große Depression , der 1.Weltkrieg und der 2. Weltkrieg komplettieren diesen Teil der Zeitgeschichte. Lies einfach weiter und viel Spaß bei weiteren interessanten Berichten!

Der Blutsonntag von 1905

Am 9. Januar 1905 zog eine riesige Menschenmenge in Petersburg friedlich zum Winterpalais, dem Sitz des Zaren, wo sie ihre Bittschrift übergeben wollten. Dort angekommen schossen die Wachmannschaften auf die Demonstranten und es kamen über 100 Menschen ums Leben. Dieser „Blutsonntag“ radikalisierte die Protestbewegung und die Revolution breitete sich über ganz Russland aus.

“ Wir sind verelendet, wir sind unterdrückt, über unsere Kraft mit Arbeit überlastet……Wir ersticken unter der Despotie und Rechtlosigkeit“  das russische Volk 1905

Die Proteste breiteten sich über das ganze Land aus und erfassten auch einen Teil der russischen Bauern. Vor allem in Zentralrussland kam es zu zahlreichen Übergriffen und Landbesetzungen gegen Großgrundbesitzer. Russland war durchtränkt von Aufruhr und es roch nach Revolution. Man war nicht weit entfernt von Anarchie und sozialem Chaos.

Menschen gehn in Petrograd auf die Strasse | Quelle. Pixabay
Die russische Revolution in Petrograd. | Quelle: Pixabay

Im neuen Parlament waren zarentreue Kräfte in der Mehrheit

Der Zar erfüllte eine Forderung der Demonstranten und erlaubte die Einberufung eines Parlamentes, der Duma. Damit kam er den liberalen und bürgerlichen Kräften entgegen und reagierte zugleich auf die Niederlage Russlands im Krieg gegen Japan, die die Kritik an der Regierung noch verstärkt hatte.

Die sozialen Forderungen der Arbeiter wurden dagegen nicht erfüllt, sodass es im Dezember 1905 einen Aufstand in Moskau gab, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wurde. Daraufhin löste der Zar die Duma auf und begünstigte durch eine Änderung des Wahlrechtes die Konservativen. So wurde die Duma bis 1916 weitgehend von zarentreuen Kräften beherrscht.

Alte Verhältnisse, neue Unzufriedenheit

Es gelang dem russischen Staat, seine Macht wieder zu stabilisieren, allerdings verstärkte sich die Unzufriedenheit in großen Teilen der Gesellschaft. Arbeiter, Intellektuelle , Teile des liberalen Bürgertums sowie viele Bauern forderten eine umfassende Neuverteilung des Landes.

„Ich kämpfe an zwei Fronten. Ich kämpfe gegen die Revolution, aber für die Reform“. - Premierminister Stolypin

Stolypin versuchte durch verschiedene Reformen einen bäuerlichen Mittelstand zu schaffen, stieß dabei aber auf massiven Widerstand. Trotzdem versuchte er die wachsende Unzufriedenheit der Bauern und eine erneute Revolution zu verhindern. Im September 1911 wurde er ermordet und die Reformbemühungen in Russland kamen zum Stillstand.

Parteienlandschaft zwischen Revolution und Weltkrieg

Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren  durch eine weiter stark voranschreitende Industrialisierung gekennzeichnet und teilweise konnte der wirtschaftlichte Rückstand gegenüber den anderen europäischen Staaten aufgeholt werden. Trotzdem verschlechterte der soziale Reformstau die Lage der russischen Arbeiter weiter.

Innerhalb des neuen Proletariats wuchs die Anhängerschaft zu den progressiven Parteien. Sowohl die Menschewisten als auch die Bolschewisten lehnten die Monarchie ab. Die sozialdemokratischen Menschewisten waren bereit mit liberalen und bürgerlichen Kräften zusammenzuarbeiten. Im Gegensatz dazu sahen sich die radikal-sozialistischen Bolschewisten als straff geführte Funktionärspartei.

Zunehmende Konflikte zwischen den europäischen Großmächten mündeten im Sommer 1914 im 1. Weltkrieg. Russland trat auf der Seite Frankreichs und Englands in den Krieg ein. Die Parteien, einschließlich der Mehrheit der Linken, unterstützen den Krieg des Zarenreiches gegen die Mittelmächte. Nur die Bolschewiki stellten sich von Anfang an entschieden gegen den Krieg.

Die Kriegsunterstützung schwindet

Die russische Armee  musste schwere Niederlagen gegen die Deutschen hinnehmen und die Versorgung der Bevölkerung verschlechterte sich immer mehr. Die Unterstützung in der Bevölkerung für den Krieg wurde schwächer, falls überhaupt vorhanden. Der Zar bagatellisierte die Situation, obwohl der russische Landwirtschaftsminister Kriwoschein die Stimmung in der Bevölkerung als dramatisch beurteilte.

Die  Menschen hungerten, Krankheit, Elend und Armut breiteten sich über ganz Russland aus. Es kam zu ersten Demonstrationen und Streiks der Arbeiter in den Städten. In der Duma wurde nun die Kritik an der autokratischen Zarenherrschaft immer deutlicher ausgesprochen, da die Unfähigkeit des Regimes, die Versorgung der Bevölkerung und die Unterstützung für die russische Armee effektiv zu organisieren, offensichtlich wurde.

Die Februarrevolution 1917

Die Demokraten scheiterten

Am 25. Februar 1917 wälzte sich ein Demonstrationszug von über hunderttausend Arbeiterinnen und Arbeitern aus den Vorstädten in die Petrograder Innenstadt. Auf Plakaten und in Sprechchören wurden Demokratie und der Rücktritt des Zaren gefordert. Als die Demonstranten in das Zentrum strömten, versuchte die Polizei sie mit Waffengewalt aufzuhalten.

Februar 1917 Demonstration gegen den Zar und für Demokratie |Quelle: Visualhunt
Hunderttausende Arbeiter demonstrieren im Februar 1917 in Petrograd gegen die Monarchie. | Quelle: Visualhunt

Es gab Dutzende von Toten, doch schon in den folgenden Tagen schwollen die Massendemonstrationen weiter an. Das Militär schloss sich den Aufständischen an und lieferte sich Gefechte mit der Polizei. Viele der Soldaten waren Bauern und Arbeiter und hatten Verständnis für die Forderungen der Demonstranten.

Der Zar dankt ab

Der Zar hatte lange das revolutionäre Potenzial der Proteste in Petrograd unterschätzt. Die zarentreuen Regimenter wurden an der Fahrt nach Petrograd gehindert, um die Demonstrationen niederzuschlagen. Die Revolutionäre gewannen die Kontrolle über die Stadt. Zur  gleichen Zeit kam es auch in Moskau zu Streiks und Demonstrationen gegen die Herrschaft Nikolais.

Am 2. März 1917 musste Zar Nikolai auf Druck der Armeeführung abdanken, da er nicht mehr an der Macht zu halten war. Zwar hatten die Militärs wenig Sympathie für die Demokratie, aber sie sorgten sich um die Verteidigungsfähigkeit Russlands, falls Nikolai mit Waffengewalt gegen die aufständischen Soldaten in Petersburg vorgehen sollte. Das Ende der Romanow Dynastie war nach 300 Jahren Herrschaft über Russland besiegelt.

Die Doppelherrschaft: Rat und Regierung existieren parallel

An die Stelle des Zaren trat ein neues politisches System. Die Macht lag  beim Petrograder Sowjet, dem Rat der Arbeiter- und Soldatendeputierten, der die Grundlinien der Politik festlegte. Der Sowjet übernahm nicht selbst die Regierung, sondern duldete eine bürgerlich liberal-konservative Regierung für die praktische politische Ausgestaltung.

Die Arbeiter- und Soldatenräte im Petrograder Sowjet vertraten anfangs überwiegend sozialdemokratische und gemäßigt linke Positionen. Die Bolschewisten befanden sich eindeutig in der Minderheit. Da es mit dem Petrograder Sowjet und der Regierung zwei Machtpole nach der Februarrevolution in Russland gab, spricht man in diesem Zusammenhang auch von der „Doppelherrschaft“.

Nach wie vor befand sich die Welt im Krieg. Da Russland den Krieg gegen die Mittelmächte fortsetzte, entfalteten die Bolschewisten eine rege Propaganda gegen die Regierung und ihre Kriegspolitik. Führer der Bolschewisten war Wladimir Iljitsch Lenin, der im April 1917 aus seinem Exil in der Schweiz nach Russland zurückgekehrt war

Lenin in Petrograd | Quelle: Visualhunt
Lenin - Vordenker der bolschewistischen Ideologie. | Quelle: Visualhunt

Lenin gab die ideologisch kompromisslose Marschrichtung der Partei mit den sogenannten Aprilthesen vor. Er  lehnte eine Unterstützung der provisorischen Regierung ab, forderte einen klaren Bruch mit den Menschewisten, ein sofortiges Kriegsende, die Bewaffnung der Arbeiter und die Umverteilung des Landes.

Der Juli Aufstand in Petrograd

Ein Aufstand gegen den Krieg

Im Juni 1917 ordnete der neue Kriegsminister Alexander Kerenski eine Offensive gegen die Mittelmächte an. Als die Offensive gegen die Österreicher und Deutschen ins Stocken kam, wollte Kerenski auch die Soldaten der Petrograder Garnison an die Front einberufen.

Daraufhin kam es im Juli 1917 zu einem Aufstand von Soldaten, Matrosen und Arbeitern in Petrograd. Die Erhebung wurde allerdings durch regierungstreue Regimenter niedergeschlagen.Unter den Historikern ist bis heute umstritten, ob die Bolschewiki den Aufstand aktiv unterstützt haben oder sogar den Sturz der Regierung und die eigene Machtübernahme planten. Der Aufstand fiel in sich zusammen.

Die Bolschewisten mussten fliehen

Lenin und andere führende Bolschewisten wurden von der Regierung als Verantwortliche für die Erhebung  gesehen und mussten erneut in die Illegalität abtauchen oder ins Exil fliehen. Die bolschewistische Partei wurde  verboten. Trotzdem wurden die Parolen der bolschewistischen Partei  unter den Soldaten immer populärer, vor allem die Forderung nach einem sofortigen Frieden.

Die ausgebliebene Landreform verstärkte die Unzufriedenheit unter den Bauern und ab dem Sommer 1917 kam es vermehrt zu gewaltsamen Enteignungen der Großgrundbesitzer. Zahlreiche Landeigner forderten die Regierung auf die nicht legalen Enteignungen zu stoppen, doch die war machtlos. Es gab kaum noch Armeeeinheiten in den ländlichen Provinzen, die die Gutsbesitzer schützen konnten.

Desertation war  zu diesem Zeitpunkt ein riesiges Thema. Die meisten Soldaten waren einfache Bauern und wollten bei der Neuverteilung des Landes durch Enteignungen vor Ort sein. Ganze Regimente setzten sich von der Front ab, sodass der Oberbefehlshaber Kornilov durch einen allerdings erfolglosen  Putschversuch versuchte die militärische Ordnung wieder herzustellen.

Die Regierung vertagte die wichtige Landfrage, was wiederum  den radikalen Anhängern Wladimir I. Lenins, den Bolschewiki, in den Arbeiter- und Soldatenräten in die Hände spielte. Ihre Anhängerschaft wuchs insbesondere nach der Rückkehr Lenins aus dem Exil im April 1917 durch das Versprechen, den Krieg sofort zu beenden, das Land an die Bauern und alle Macht den Räten zu übertragen.

Die Oktoberrevolution - Machtübernahme der Bolschewiki

In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober besetzten sogenannte Rote Garden und bolschewistisch gesinnte Truppenteile der Armee wichtige Punkte der Hauptstadt,  verhafteten Mitglieder der provisorischen Regierung und riefen eine Sozialistische Räterepublik aus. Lenin hatte diese militärische Aktion gegen den Widerstand seiner Parteigenossen durchgesetzt, die für eine legale und friedliche Übernahme der Regierungsgewalt  plädiert hatten.

Seine Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft hatten schließlich zu dem Beschluss des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei zugunsten der gewaltsamen Machtübernahme geführt. Während die Revolutionäre in der Hauptstadt Petrograd auf keinen nennenswerten Widerstand stießen, kam es in Moskau zu heftigen Kämpfen, bei denen mehrere hundert Menschen ums Leben kamen.

Zu den ersten Maßnahmen der neuen „Arbeiter und Bauernregierung“ gehörten der Austritt aus dem Krieg und die Übergabe des Landes an die Bauern. In einer Flut von Dekreten gingen die neuen Machthaber an die Zerschlagung des alten Staatsapparates.

Sie erfüllten ihre Versprechen und verstaatlichten die Banken, unterstellten Fabriken und Betriebe einer Arbeiterkontrolle, schafften alle militärischen und anderen Ränge ab, verfügten die Trennung von Staat und Kirche sowie die Gleichheit und Souveränität der Völker des Russischen Reiches.

Zugleich verordneten sie das Verbot der Presse, die Auflösung der alten Armee, die Abschaffung von Polizei und Justiz sowie die Verhaftung und Verfolgung ihrer Gegner durch die neu gebildete „Außerordentliche Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage“, die Tscheka.

Mit der Gründung der Russischen Sozialistischen Föderalistischen Sowjetrepublik (RSFSR) gaben sie der neuen Räteordnung eine verfassungsrechtliche Grundlage.

Der Bürgerkrieg -  Kampf um Russland

Mit der russischen Oktoberrevolution 1917 hatten die Bolschewiki zwar die Macht übernommen, sie mussten die Regierungsgewalt jedoch gegen den Widerstand der anderen politischen Parteien und auch großer Teile der Bevölkerung behaupten. Zu diesem Zweck begann die bolschewistische Führung unmittelbar mit der Zerstörung sämtlicher alter Strukturen und überführte die Revolution nahtlos in einen, von allen Seiten brutal geführten, Bürgerkrieg.

Während Wladimir I. Lenin und seine Anhänger mit Hilfe der neu aufgestellten Roten Armee den neuen Staat verteidigten, fehlte es der äußerst heterogenen Gruppe der Revolutionsgegner an einem gemeinsamen Ziel, auf das sich alle hatten verständigen können.

Gegen die „Roten“ kämpften zunächst die „Weißen“ unter Führung meist monarchistischer Generale. Sie erhielten Unterstützung durch die ehemaligen Verbündeten des russischen Imperiums. Eigene Interessen hatten die Sozialrevolutionäre, Bauern, Kosaken und die Kronstädter Matrosen.

Bürgerkrieg weiße Armee| Quelle: Visualhunt
Der russische Bürgerkrieg 1917: Die weiße Armee. | Quelle: Visualhunt

Für ihre nationale Unabhängigkeit kämpften außerdem zahlreiche nichtrussische Völker, von denen es den Polen, Finnen und baltischen Volksgruppen gelang, dauerhaft souveräne Staaten zu gründen. All diese verschiedenen, zeitweilig übermächtigen antibolschewistischen Kräfte konnten letztlich nicht verhindern, dass sich die Bolschewiki durchsetzten. Doch auch sie gingen geschwächt aus dem Bürgerkrieg hervor.

Mit etwa acht bis zehn Millionen Menschen hatte dieser weit mehr Opfer als der Erste Weltkrieg in Russland gekostet. Die Wirtschaft lag am Boden, 1921/22 erlebte das Land eine katastrophale Hungersnot. Das Ende der gesamten revolutionären Periode seit 1917 brachte schließlich die Gründung der Sowjetunion am 31. Dezember 1922.

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Karl Heinz

Hi, it`s me - Karl Heinz, not really new, but still active . My pasions are outdoor activities. I love the nature, riding the bike, hiking trough the mountains preferred with my wife and my dog . This are opportunities to let flow my thoughts and get inspiration for writing comments and blogs.