Nach dem 1. Weltkrieg gab es überall auf der Welt eine Aufbruchstimmung und die Menschen verspürten die Sehnsucht dem tristen Alltagsleben zu entfliehen. Konsum, Mobilität, Luxus, neuer Lifestyle waren Schlagwörter der damaligen Zeit und die Menschen hatten die Möglichkeit an diesen Verlockungen teilzuhaben? Aber wie  konnten die Menschen diesen Luxus finanzieren?

Und warum brach dann alles nach kurzer Zeit wieder zusammen? Gab es keine alarmierenden Vorzeichen und warum ergriff man keine geeigneten Gegenmaßnahmen, um die folgende Weltwirtschaftskrise in den USA und die daraus resultierende große Depression zu verhindern? Fragen, die sich die Menschen im Jahr 1929 rund um die Weltwirtschaftskrise in der USA stellten.

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Die Nachkriegszeit in den USA

Nach dem ersten Weltkrieg war die Zeit der bahnbrechenden Erfindungen. Konsumgüter wie Autos, Telefone aber auch Haushaltsartikel für die moderne Frau bereiteten den Menschen einen bescheidenen Wohlstand.  Kunst und Kultur nahmen einen breiten Raum in der öffentlichen Wahrnehmung ein. Daneben entwickelten sich völlig neue Medien, der Rundfunk, der Ton- und Farbfilm im Kino erreichten eine breite Öffentlichkeit.

Ein Cadillac Symbol des Wohlstandes | Quelle: Visualhunt
Cadillac: Symbol der goldenen 20er Jahre | Quelle: Visualhunt

Vor allem die Zeitungen spielten damals eine außerordentlich wichtige Rolle. Neben Morgenausgaben erschienen Blätter am Mittag und am Abend. Nachtausgaben und Extrablätter erreichten riesige Auflagen. Diese Zeit war euphorisch, eine große Depression war nicht in Sicht und eine Wirtschaftskrise in der USA kam einer Utopie gleich.

"In Amerika sind wir heute dem Sieg über die Armut näher als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes."  US-Präsident Herbert Hoover im Wahlkampf 1928.

Die wirtschaftliche Realität ?

Politiker verbreiteten die These, wer kontinuierlich Geld in Aktien anlegt, würde am Ende einen vielfachen Gewinn erzielen. Jeder sollte und könnte reich sein, lautete das allgemeine Credo. Niemand ahnte auch nur, dass die Weltwirtschaftskrise in den USA sich bereits 1929 anbahnte.

Eine wesentliche Rolle spielte der New Yorker Börsencrash und stand im engen Kontext zu der sogenannten "The Great Depression", ein Ausdruck, der plötzlich allerorts die Runde machte. Noch zwei Wochen vor dem Crash meinten bekannte Ökonomen dieser Zeit, dass Aktienkurse ein dauerhaft hohes Niveau erreicht hätten und eine Wirtschaftskrise in den USA so weit entfernt sei wie der Mond. Sie irrten mit dieser Einschätzung erheblich.

Die Harvard Economic Society erklärte noch 1929, dass eine ernstliche  große Depression außerhalb des denkbar Möglichen liege. Präsident Hoover versicherte im Dezember 1929, dass es die starke und gesicherte Situation der Banken sei, die das gesamte Kreditsystem ohne Schwächung des Kapitals sicher durch die Krise tragen würde.

John D. Rockefeller war einer der reichsten Männer seiner Zeit. Sein Riecher für Geschäfte war legendär, aber selbst einen Rockefeller hatte  das Gespür verlassen. Am Mittwoch, dem 30. Oktober 1929, sechs Tage nach Beginn des New Yorker Börsen-Crashs und im Glauben, dass die wirtschaftliche Situation des Landes gesund sei, kaufte er noch Stammaktien.

Den tatsächlichen Tiefpunkt erreichten die Aktienmärkte drei Jahre später und es sollte noch 22 Jahre dauern bis die Börse wieder das Niveau der Vorkriegszeit erreichte.Wie Rockefeller unterschätzten fast alle Zeitgenossen die Tiefe und vor allem die Dauer der Rezession, die sich bald zur Depression und zur Weltwirtschaftskrise auswachsen sollte.

Der Börsencrash

Panik an der Wall Street

Der Dow-Jones-Index, das wichtigste Aktienbarometer, hatte in den vorangegangenen Wochen deutlich nachgegeben. Am 24. Oktober 1929 gingen die Kurse an der New Yorker Börse in den Sturzflug. In der ersten Stunde an diesem Vormittag wurden schon 1,6 Millionen Aktien gehandelt, bei weiter stetig sinkenden Kursen.

Panik machte sich breit und bis zum Mittag sanken die Kurse so weit, dass nominelle Aktienwerte von vier Milliarden Dollar verpufften. Manche sprachen gar von 11,25 Milliarden. Der Grund war einfach wie gefährlich. Viele Investoren, vor allem kleine, aber durchaus auch Profis, hatten im trügerischen Vertrauen auf stetig steigende Kurse in den vergangenen Jahren Aktien auf Pump gekauft.

der Geldwert schrumpft | Quelle: Visualhunt
Millionen Dollar verpuffen. | Quelle: Visualhunt

Seit Anfang September verlangten die Banken von ihren Kreditnehmern als Sicherheit reales Geld. Viele hoffnungslos verschuldete Anleger hatten keinerlei liquide Mittel mehr, um dieser Forderung nach zu kommen. Sie mussten Aktienpakete verkaufen und das setzte eine Abwärtsspirale in Gang, die sich immer mehr beschleunigte.

Das Eingreifen der Banken dämpfte die Panik vorläufig. Dennoch wurden bis der offizielle Börsenhandel schloss, fast 13 Millionen Aktien gehandelt, viermal so viel wie an einem normalen Börsentag. Am 29. Oktober 1929 ging es im freien Fall nach unten. Der Dow Jones sank auf ein Rekordminus von 40 Prozent gegenüber dem Allzeithoch.

Börsenlärm lauter als Glockenläuten

Und schlimmer geht's immer. Mitte November 1929 brachen die ersten Banken zusammen. Die Werte befanden sich im freien Fall. Es begann 1929 die schlimmste Wirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts. Millionen Menschen verloren ihr Vermögen, ihren Arbeitsplatz, ihre Rente und den Glauben an die Marktwirtschaft.

"The Great Depression" oder "Die Große Depression" Anfang der dreißiger Jahre war für beinahe jeden, der sie erlebte, eine Grenzerfahrung, materiell wie psychologisch. Das Vertrauen in den Markt und in die Solidität der Banken war verloren gegangen. Unternehmen bemühten sich vergebens um Kredite und kämpfen ums Überleben.

Wohlstand auf Sand gebaut

Vom Tellerwäscher zum Millionär -  nur eine Illusion

Die Menschen, die das Leid und die Entbehrungen des Ersten Weltkriegs noch in frischer Erinnerung hatten, sehnten sich nach Frieden und Wohlstand. Sie waren fasziniert vom Fortschritt und den innovativen Produkten. Autos, Radiogeräte und Telefone all diese technischen Errungenschaften waren für sie realisierbar. Zwei Monatslöhne reichten einem Arbeiter aus, um sich beispielsweise einen Ford leisten zu können.

Es war aber auch eine wilde Zeit, in der Spekulationen und maßlose Verschuldung en Vogue waren und einen günstigen Nährboden für einen folgenden Crash darstellten. Der Zauber der Moderne übertrug sich auf die Aktienmärkte und erfasste Bürger aller Schichten, die begeistert ihre Ersparnisse in Aktien und Fonds anlegten.

Unglaubliche Geschichten kursierten, wie etwa die vom Kammerdiener, der an der Börse eine Viertelmillion Dollar gewonnen hatte, oder von der Krankenschwester, die dank eines Tipps um 30.000 Dollar reicher geworden war.

Ein US-Journalist beschrieb, wie sich die Amerikaner zu dieser Zeit dem Börsenrausch hingaben. Nachrichten über eine bedeutende Kursveränderung wurden von einem Chauffeur aufmerksam verfolgt um den Kursverlauf seiner Anteile zu beobachten. Oder ein Fensterputzer überprüfte während seiner Mittagspause den Börsenticker.

Viele spekulierten mit geliehenem Geld im festen Glauben durch Kursgewinne ihre Schulden tilgen zu können. Der Hang der Amerikaner, auf Pump einzukaufen, verfestigte sich zum Lebensstil. Mehr als die Hälfte aller Autos und drei Viertel aller Möbel waren mit einem Kredit finanziert.

Wohlstand auf Pump | Quelle: Visualhunt
„Alles auf Pump" bis die Blase platzt. | Quelle: Visualhunt

Viele Experten der Weltwirtschaftskrise beschrieben die damalige Dynamik der Märkte als sprunghaft und sehr schnell. Die Menschen wähnten sich in einer Scheinwelt, in der Spekulationsorgien einen breiten Raum einnahmen und begann bedenkliche Formen anzunehmen.

Moderne Unternehmen schienen gewaltige Potentiale in sich zu tragen. Die 1919 gegründete Radio Corporation of America beispielsweise konnte ihren Börsenwert vom Frühjahr 1928 bis zum Herbst 1929 um das Fünffache steigern, ohne je eine Dividende gezahlt zu haben.

Vom Aktienfieber ließen sich auch die Unternehmer anstecken. Sie nutzten ihre Gewinne selten für Investitionen, sondern spekulierten  mit ihren Gewinnen an der Börse, weil das weitaus lukrativer und obendrein müheloser erschien.

Deutschland im Aufschwung

Schwere Nachkriegsjahre

Im Herbst 1918 war der Erste Weltkrieg für Deutschland verloren. Im Zuge der Novemberrevolution ging das Deutsche Kaiserreich unter. Andererseits ergaben sich, bedingt durch die im Versailler Vertrag verfügten Reparationszahlungen, hohe Staatsschulden, die 1923 zur Hyperinflation führten.

Erst der US-amerikanische Dawes-Plan und die Rentenmark sorgten für einen wirtschaftlichen Aufschwung und leiteten die Ära der Goldenen 20er Jahre ein. Nachdem die Krisenjahre überstanden waren, konnte sich die wirtschaftliche Lage 1924 erholen. Durch die amerikanische Unterstützung wurden neue Kredite aufgenommen, die für Erleichterungen im Alltagsleben sorgten.

Die Goldenen 20er Jahre

Neben der wirtschaftlichen Entlastung konnte Deutschland durch die Außenpolitik Gustav Stresemanns wieder in die europäische Staatengemeinschaft integriert werden. Die Gesellschaft versuchte sich zunehmend aus konservativen Denkmustern des Kaiserreichs zu lösen. Frauen zeigten sich selbstbewusster in der Öffentlichkeit und trugen den sogenannten Bubikopf. In der Kunst verbreitete sich die Neue Sachlichkeit.

Das nach der Zeit von Krieg und Krise aufgestaute Lebens- und Unterhaltungsbedürfnis bricht sich überall massenhaft die Bahn. Die 20er und 30er Jahre brachten einen Ausdruck eines neuen Lebensgefühls. Diese Zeit trug entscheidend dazu bei Kunst und Kultur ihrer geheimnisvollen Aura zu berauben und für ein Massenpublikum zu öffnen.

Der Kulturmarkt wurde international und kommerziell. Es war die Zeit des Charleston, Foxtrott und Jazz. Hollywood wurde auch in Europa ein Begriff und amerikanische Schauspieler(innen) erreichten Kultstatus. Radrennen im Berliner Sportpalast oder Boxveranstaltungen waren riesige Spektakel vor großem Publikum.

Die Filmindustrie gewann in den 1920er Jahren große Popularität und entwickelte sich zum Massenmedium. Die Zeit zwischen 1924 und 1929 war geprägt von einer Abkehr der kaiserlichen Tradition. Im Mittelpunkt stand nun ein von der US-amerikanischen Kultur übernommener, freizügiger Lebensstil.

 Der Anfang vom Ende

Den Börsencrash in Amerika beobachtete man auch in Deutschland, ohne sich jedoch allzu große Sorgen zu machen. Der grundsätzliche Tenor lautete, man habe glänzende,  perspektivische Aussichten und  Grund zum Pessimismus sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht angebracht. Ganz im Gegenteil verbreitete das linksliberale Berliner Tageblatt die Nachricht: „US-Kapital wird seinen Weg nach Europa finden“.

Eine dramatische Fehleinschätzung. Denn statt weiteres Geld in Europa und vor allem in Deutschland zu investieren, zogen die reihenweise angeschlagenen US-Banken ihre kurzfristigen Mittel aus Europa ab. Unternehmen und Kommunen, die auf Pump investiert hatten, ging buchstäblich das Geld aus.

Deutschland und die Weltwirtschaftskrise

Eine neue Zeit bricht an

Ab Anfang 1930 wirkte sich das Wegbrechen der US-Konjunktur auch auf Deutschland aus. Die Zahl der Arbeitslosen stieg gegenüber 1929 um gleich 50 Prozent, von zwei auf drei Millionen. Gleichzeitig setzte die Reichsregierung auf ein radikales Sparprogramm, um die Krise zu bewältigen. Genau das falsche Rezept, was man allerdings erst im Nachhinein wusste.

Das Bruttosozialprodukt brach um 27 Prozent ein. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen wuchs  weiter und erreichte im Februar 1932 die unglaubliche Zahl von mehr als sechs Millionen Menschen und in Wahrheit waren es noch wesentlich mehr Deutsche. Das Volk verarmte, die Not war groß, das wirtschaftliche Leben lag am Boden.

Grauer Alltag; die Weltwirtschaftskrise hat begonnen | Quelle: Visualhunt
Die Weltwirtschaftskrise hat begonnen. | Quelle: Visualhunt

Diese politische und gesellschaftliche Atmosphäre  nutzte die rechtsextreme NSDAP und erzielte großen Zulauf. 1932 wurde die NSDAP die stärkste Fraktion im Reichstag. Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann die Ära der nationalsozialistischen Diktatur. Das freizügige Leben der Goldenen 20er Jahre war Geschichte.

Zeiten in denen es Menschen wirtschaftlich schlecht geht oder sich die Lebenssituation generell zum Schlechteren wendet, gelten als Umbruchzeiten. Die Ursachen scheinen irrelevant wie unterschiedlich zu sein. Eindeutige Muster, die zu diesen Historischen Ereignissen geführt haben, sind nicht erkennbar, wie die Russische Revolution oder auch  die Amerikanische Revolution zeigen.

Genauso wenig scheint unvorhersehbar zu sein, welcher Ideologie, zur Lösung ihrer Probleme, die Menschen vertrauen. Sie kann einen demokratisch freiheitlichen- oder auch einen autokratisch diktatorischen Ansatz haben, wie die Nazidiktatur zeigt.

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Karl Heinz

Hi, it`s me - Karl Heinz, not really new, but still active . My pasions are outdoor activities. I love the nature, riding the bike, hiking trough the mountains preferred with my wife and my dog . This are opportunities to let flow my thoughts and get inspiration for writing comments and blogs.