Im Gegensatz zu einigen anderen Bewegungen der Kunst war der Expressionismus keine Gruppe von Künstlern, die sich alle an eine Reihe von Regeln hielten und ihre Werke innerhalb dieser Richtlinien produzierten - der Expressionismus war freier als das.

Vincent Van Gogh, der Symbolist Paul Gaugin, Maurice de Vlaminck und viele andere zeichnen sich durch sehr unterschiedliche Stile aus. Aber irgendwie kommen sie alle unter der Prämisse der Idee des Expressionismus zusammen.

Künstler des Expressionismus verfolgten den Grundgedanken, dass der Künstler das Recht hat, sich selbst und seine inneren Gefühle durch seine Kunst auszudrücken. Diese Kunstrichtung verwirft die Vorstellung, dass Künstler lediglich Ideen aus Kompositionen kopieren, die ihnen ohne Nachdenken vorgelegt werden.

Der Expressionismus hebt stattdessen hervor, dass es interessanter ist, wenn ein Künstler sich ausdrückt und teilt, wie er die Welt sieht. Perfektion und Genauigkeit wurden durch breite Pinselstriche ersetzt, die in übertriebener und ungenauer Komposition verwirbelt und geschichtet wurden. Unruhe und Stress wurden auf der Leinwand vermittelt, sodass gewollte Atmosphären geschaffen und Emotionen auf den Betrachter übertragen wurden.

Im Expressionismus geht es darum, Emotionen auf die Leinwand zu bringen.
Expressionistische Künstler wollten ihren Emotionen Ausdruck verleihen. (Quelle: Unsplash)

10 Merkmale und Ideen der Kunst des Expressionismus

  • Der Expressionismus ist eine modernistische Bewegung, die Bilder schafft, die eine verzerrte Sicht der Wirklichkeit projizieren. Diese verzerrte Sicht ist eine Mischung aus Realität und den inneren Gefühlen des Künstlers als Reaktion auf die besagte Realität.
  • Der Expressionismus stellte neue Maßstäbe für die Kunst und die Beurteilung von Kunst auf.
  • Der Expressionismus verlagerte die Vorstellung, dass Kunst durch die Neuerschaffung externer Medien geschaffen wird, und betonte die Idee, dass die Inspiration aus dem Inneren des Künstlers kommt.
  • Wie der Name schon sagt, ist der Expressionismus eine Widmung an den Ausdruck von Gefühlen auf der Leinwand. Aufgrund dieser weiten Interpretation des Stils haben Kunstwerke ein sehr ausgeprägtes Aussehen.
  • Pinselstriche sind unpräzise, wirbelnd, übertrieben, individuell und ausdrucksstark. Die Pinselstriche waren die Reaktion des Künstlers auf die Welt um ihn herum und auf die Komposition, die sie malten.
  • Der Expressionismus war mit den Theorien verwoben, die mit der Geburt der Psychoanalyse in den späten 1800er Jahren aufgestellt wurden. Das Unbewusste, die Bedeutung von Träumen und die inneren Kämpfe eines Menschen waren die Grundlagen, die in expressionistischen Gemälden zu sehen sind.
  • Viele der Künstler, die die expressionistische Bewegung schufen, waren Veteranen des Ersten Weltkriegs. Die inneren Kämpfe, denen sie sich bei der Rückkehr zum normalen Leben ausgesetzt sahen, waren auf ihren Gemälden zu sehen. Max Beckmann wird mit den Worten zitiert, der Krieg sei eine große Verletzung seiner Seele gewesen.
  • Expressionistische Maler waren besonders bekannt für ihren Gebrauch von Farbe und dramatisch verzerrten Körpern. Die Intention der Künstler war es, Gefühle auszudrücken, die durch Angst, Schock, Schmerz etc. verzerrt wurden.
  • Einige Künstler des Expressionismus behandelten Themen in ihren Kunstwerken, die in der Gesellschaft nicht allgemein akzeptiert waren. Sie malten so beispielsweise religiöse Szenen, die Schock und Kritik hervorriefen, wie ein Kardinal und eine Nonne, die sich küssen, Masturbation, Homosexualität und Pornographie.
  • Es gibt viele Arten des Expressionismus (1905 - 1933). Der abstrakte Expressionismus (1943 - 1965) beispielsweise bringt das Selbst in abstrakter Form zum Ausdruck. Der Neoexpressionismus (1970er - 1990er Jahre) hingegen wird als die Wiederauferstehung expressionistischer Konzepte mit einem rohen Stil definiert und zeichnet sich durch strukturelle expressive Pinselstriche und intensive Farbe aus.
Der Expressionismus ist von starken Maltechniken geprägt.
Der Expressionismus zeichnet sich durch starke Pinselstriche aus. (Quelle: Unsplash)

Die bekanntesten Künstler des Expressionismus

Vincent Van Gogh

Vincent van Gogh wurde 1853 in den Niederlanden geboren. Sein erster Berufswunsch war es, Priester zu werden und es dauerte viele Jahre, bis van Gogh seiner Leidenschaft für die Kunst folgte.

Er begann seine künstlerische Laufbahn in einer Kunstgalerie und hatte währenddessen die Möglichkeit zu reisen und Inspirationen zu sammeln. Über die Jahre hinweg beschäftigte er sich so fortlaufend mit Zeichnungen, der Malerei und verschiedenen Künstlern seiner Zeit. Später wurde er von seinem Bruder unterstützt, um der Karriere als Maler auf die Sprünge zu helfen.

Zu Beginn seiner Karriere bemühte sich Van Gogh, einen definierten Stil zu finden und experimentierte mit vielen Techniken aus verschiedenen Stilrichtungen. Betrachtet man heute sein Gesamtwerk, lassen sich diese verschiedenen Stile in seinen Kunstwerken wiederfinden.

Seinen letztendlichen Stil fand er jedoch erst in Paris. Hier begann sein Interesse an Farbe, ebenso wie sein Interesse an der japanischen Kunst, an Rubens, der Eichung und dem Malstil der Impressionisten.

In den darauffolgenden Jahren wurde van Gogh zunehmend geistig instabil, was wohl dazu führte, dass er sich in einer manischen Malsession ein Ohr abschnitt. Heute ist der Künstler berühmt für sein kurzes, aber faszinierendes Leben, das traurigerweise mit Selbstmord endete. Seine autobiografischen Werke sind heute weltbekannt und sein Stil der breiten Pinselstriche unverkennbar.

Vincent van Gogh gilt als einer der größten Künstler unserer Zeit. Zu Lebzeiten wurde sein Talent allerdings meist missverstanden und so verkaufte er aktiv nur ein Gemälde.

Ohne es zu wissen, leistete er nach seinem Tod Pionierarbeit im Expressionismus des 20. Jahrhunderts und prägte die Kunstwelt mit seinem expressiven Farbauftrag gesteuert von inneren Gefühlen. Durch sein ständiges Experimentieren, eine Verschmelzung der Stile und die Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, prägte und inspirierte er zudem den Fauvismus und den abstrakten Expressionismus.

  • Top Kunstwerke: Strand mit Figuren und Meer mit einem Schiff (1882), Bäuerin (1885), Montmartre. Paris (1886), Frau an einem Tisch im "Cafe du Tambourin" (1887), Selbstbildnis mit grauem Filzhut (1887), Porträt von Pere Tanguy (1887)
  • Geburtsort: Niederlande
  • Lebenszeit: 1853 - 1890
  • Kunststil: Post-Impressionismus und Frühexpressionismus
  • Kunstformen: Malerei

Edvard Munch

Edvard Munch wurde 1863 in Norwegen geboren und hatte eine große Familie, die von Krankheiten und geistiger Instabilität geprägt war. Diese Erfahrung gab Munch den Anstoß für seine Kunstwerke, weshalb er sich häufig auf Themen wie Tod, persönlichen Verlust und Krankheit konzentrierte.

Sein Stil unterschied sich von dem vieler anderer Künstler durch tiefgründige Düsterheit und überzeugte Kritiker nicht sofort, die seine Bilder häufig als unfertig beschrieben. Munch blieb seinem melancholischen Stil allerdings treu und verankerte weiterhin Themen des Todes in seinen Kunstwerken.

Besondere Anerkennung fand er mit seiner Serie "Der Tanz des Lebens", die von Leben, Liebe und dem Tod handelt.

  • Top Kunstwerke: Der Schrei (1893), Liebe und Schmerz (1893/4), Asche (1894), Madonna (1894/5), Pubertät (1995)
  • Geburtsort: Norwegen
  • Lebenszeit: 1863 - 1944
  • Kunststil: Expressionismus und Symbolismus
  • Kunstformen: Malerei
Ziel der Expressionisten war es, ihre Wahrnehmung der Realität auszudrücken.
Expressionisten legten Wert darauf, ihre Sicht auf die Welt zu teilen. (Quelle: Unsplash)

Bekannte Bilder des Expressionismus

Der Schrei

Der Schrei ist ein Gemälde, das der Künstler Edvard Munch in verschiedenen Medien reproduziert hat. Er schuf insgesamt 4-5 Versionen des Werkes: In Öl, Tempera und Pastell (1893), Pastell (1893), Pastell (1895), Tempera (1910), sowie als Lithographie für Reproduktionen.

Munch's Familie war von Krankheiten, Schwäche und geistiger Instabilität geprägt und so wird er mit den Worten zitiert, dass "Krankheit, Wahnsinn und Tod sein ganzes Leben lang über ihn wachten".

Der Schrei besteht aus 3 Hauptteilen, die durch Linien getrennt sind: die Linie des Geländers, die Linie des Horizonts und die Linie des Bodens. Tiefe wird durch drei Bildgruppen auf dem Bild geschaffen: der Schreiende, die Boote auf dem Meer und 2 Figuren, die im Hintergrund laufen.

Inspiration für das Gemälde fand Munch als er eines Abends spazieren ging und sich krank fühlte. Er sagte, er betrachtete in diesem Moment die Landschaft, die bei Sonnenuntergang vor Farbe und Emotionen zu schreien schien.

Gemalt ist das Bild mit unterschiedlich dicken, farbigen Pastelllinien, die das Motiv mit Energie füllen und die Erfahrung wieder spiegeln, die Munch in Moment seiner Inspiration erlebte.

Eines der Pastellbilder wurde bei einer Sotheby's-Auktion für fast 120 Millionen Dollar an einen Kunstsammler verkauft und ist bis heute eines der teuersten Gemälde.

  • Der Künstler: Edvard Munch
  • Erstellungsdatum: 1893
  • Größe: 91 x 73,5 cm
  • Medium: Öl, Tempera und Pastell auf Karton
Edvard Munch drückte in seinem Bild "Der Schrei" seine inneren Wahrnehmungen aus.
Das Bild "Der Schrei" von Edvard Munch lässt auf die Persönlichkeit des Künstlers schließen. (Quelle: Pixabay)

Weitere bekannte expressionistische Bilder

  • Andre Derain: Charing Cross Bridge
  • Wassily Kandinsky: Eisenbahn in Murnau
  • Georges Rouault: Der alte König
  • Wassily Kandinsky: Der blaue Reiter
  • Paul Klee: Schloss und Sonne
  • Henri Matisse: Harmonie in Rot
  • Franz Marc: Blaues Pferdchen
  • Edvard Munch: Angst
  • Ernst Ludwig: Berliner Straßenszene
  • August Macke: Dame in grüner Jacke

Im Expressionismus ging es um Freiheit in einer Zeit, in der viele der Künstler gerade aus dem Krieg zurückgekehrt waren. Er gab ihnen ein Ventil, um auszudrücken, was verbal vielleicht unaussprechlich gewesen wäre. Die Kunst des Expressionismus hatte einen doppelten Zweck: dem Künstler zu helfen, von seinen unausgesprochenen Emotionen zu reinigen und sie zugleich auf der Leinwand für andere auszustellen.

Diese Ängste, Sehnsüchte, Einschränkungen und Reaktionen auf die sich wandelnde moderne Welt befeuerten den Expressionismus. Es entstand eine Konfrontation zwischen dem Selbst und der Realität, die die Grenzen der Kunstbetrachtung bis zu diesem Zeitpunkt und darüber hinaus verwischte. Im Expressionismus ging es um das Öffnen neuer Türen zu wahrhaft freiem Ausdruck, künstlerischem Experiment und einer historischen Aufzeichnung der Konflikte der damaligen Zeit.

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Klara

Masterstudentin, die es liebt zu reisen, zu fotografieren, zu kochen und gemeinsam mit Freunden das Leben zu genießen.