„Ich gehe, wohin meine Gitarre mich führt.“ Angus Young

In Deutschland haben 15,9 Prozent der Menschen, die ein Instrument spielen, die Gitarre gewählt. Sie ist damit nach wie vor das beliebteste aller Musikinstrumente. Ein Großteil der Gitarrist*innen spielt neben der akustischen auch E-Gitarre, andere haben sich für die eine oder andere Version entschieden.

In der Regel stehen Gitarrenanfänger*innen erstmal vor einer grundlegenden Entscheidung: Akustik- oder E-Gitarre? Wenn Du vor allem Hard Rock oder Metal spielen willst, wirst Du Dir diese Frage nicht stellen müssen. Für den typischen Metal und Hard Rock Sound brauchst Du eine elektrische Gitarre.

Danach wirst Du aber wie alle anderen angehenden Gitarrist*innen auch nicht ums Üben und Lernen herumkommen. Akkorde, Riffs, Wechselschlag, Palm Muting sind neben dem Einsatz von Effekten die Grundlage, um Deiner Gitarre Heavy Metal Klänge zu entlocken.

Fangen wir aber ganz von vorne an. So kommst Du Schritt für Schritt Deinen Idolen von AC/DC und Metallica etwas näher.

Hard Rock – ein Erbe des Blues

Hard Rock taucht in der Musikgeschichte ab den 1960er Jahren auf. Er entwickelte sich aus der Blues und Rock `n Roll Bewegung heraus, wobei die Hardrock Bands sich mit schnelleren, härteren Gitarrenriffs und kraftvollem Schlagzeug von den Vorgängern abgrenzten. Wiederum ist Heavy Metal eine Weiterentwicklung dieses Stils, wodurch sie nicht immer klar voneinander zu unterschieden sind.

Die Rockmusik im Allgemeinen, und damit auch Hard Rock und Heavy Metal, hat sich von den Shuffle Rhythmen des Blues verabschiedet. Die Achtelnoten werden binär, das heißt gerade, gespielt.

Den Höhepunkt seines Erfolgs erlebte der Hard Rock in den 1980er Jahren. Bis heute gehören einige der damals bekannt gewordenen Acts zu den bekanntesten und beliebtesten Rockbands überhaupt. Man denke nur an AC/DC, Aerosmith, Bon Jovi, Alice Cooper oder Kiss.

Die Power Chords

Die Power Chords gehören für Rockgitarristen zu den absoluten Grundlagen, die von Anfang an gelernt werden. Sie klingen besonders voll und kräftig und selbst bei starker Verzerrung noch stimmig. Und das Beste ist: sie sind sehr einfach zu spielen!

Du musst nur die Griffe für die zwei gängigen Formen kennen und schon kannst Du nach Belieben über Dein ganzes Gitarrengriffbrett hinweg rocken.

Poxer Chords werden in allen Arten von Rock Musik oft verwendet.
Mit Power Chords erreichst Du einen vollen Sound.

Die Powerchords bestehen nur aus zwei verschiedenen Tönen: dem Grundton und der Quinte. Der dritte Ton ist die Oktave und somit wieder derselbe Ton wie der Grundton. Da die Terz fehlt, können sie, anders als Dreiklänge, keinem Tongeschlecht zugeordnet werden. Das heißt: wenn wir Power Chords spielen, müssen wir nicht über Moll oder Dur nachdenken.

Mit diesen beiden Griffmustern kannst Du alle beliebigen Power Chords spielen. Du musst nur die Töne auf den zwei tiefsten Gitarrensaiten kennen und das Griffmuster auf den richtigen Grundton verschieben.

So kannst Du alle Powerchords auf dem Griffbrett finden.
Um den G5 Powerchord zu finden, musst Du den F5 Griff um zwei Bünde verschieben.

Damit hast Du schon die wichtigsten Grundlagen für die linke Hand, um in Deiner Rockband begleiten zu können.

Hard Rock und Metal Gitarren Soli

Auch wenn es ums Gitarren Solo Spielen geht, kann man im Hard Rock und Metal die Verwandtschaft zum Blues erkennen. Denn auch sie verwenden häufig die Moll-Pentatonik für die Improvisationen.

Die Pentatonische Tonleiter besteht aus fünf unterschiedlichen Tönen. In der Moll-Pentatonik sind das folgende: Grundton, kleine Terz, Quart, Quinte, kleine Septime.

Die Töne und Griffbilder für die wichtigsten pentatonischen Tonleitern.
Der dunkle Punkt markiert den Grundton der pentatonischen Tonleiter.

Wenn Du diese Tonleiter zum Improvisieren benutzt und einen stark verzerrten Sound einstellst, wird Dein Solo schon schnell nach Heavy Metal klingen. Probiere mit der linken Hand, verschiedene Techniken aus, um Dein Solo interessanter zu gestalten: Bending, Slides, Hammer On und Pull Off.

Eine häufig verwendete Technik im Metal ist das Slurring: die schnelle Wiederholung von Hammer Ons oder Pull Offs.

In Metal Solos geht es oft, um eine hohe Geschwindigkeit. Trainiere also mit beiden Händen das Spielen von schnellen Sechzehntelnoten. Damit Dein Solo interessant und gefühlvoll wird, ist es am Ende aber auch wichtig, mal ein Ton etwas länger klingen zu lassen; das Gitarrenspiel zu phrasieren.

Eines der legendärsten Gitarrensoli aller Zeit ist zweifelsohne „Eruption“ von Eddie Van Halen.

Hard Rock Spieltechnik für die rechte Hand

Verzerrungen, Power Chords greifen zu können und die Pentatonische Tonleiter zu kennen, sind eine gute Ausgangslage, um Hard Rock und Metal zu spielen. Nicht weniger wichtig ist aber die Technik der rechten Hand.

Metal Riffs leben von einem kraftvollen Sound und einem treibenden, schnellen Rhythmus. Um das während eines ganzen Konzerts durchhalten zu können, braucht es also einiges an Ausdauer.

Hard Rock hat nichts mit den feinen und oft komplexen Harmonien des Jazz auf der Gitarre zu tun. Spiele mit einem Plektrum, um den richtigen Sound zu erhalten.

Downstrokes

Bei den Downstrokes (Deutsch: Abschläge) werden die Gitarrensaiten nur von oben angespielt. Das Plektrum kehrt also immer in die Ausgangsposition zurück, ohne die Saite noch einmal anzuschlagen. Downstrokes werden im „harten“ Rock sehr gerne in Soli und Riffs eingesetzt, da sie voll und hart klingen.

Achtel werden in der Regel ausschließlich mit Downstrokes gespielt. Sechzehntel, wann immer möglich, auch. Bei einer sehr hohen Geschwindigkeit, kann das aber sehr anstrengend werden. Um die Präzision aufrecht erhalten zu können, wird in diesen Fällen auch schon mal zum Wechselschlag übergegangen.

Alternate Picking

Bei Alternate Picking handelt es sich um den sogenannten Wechselschlag. Die Saite wird dabei in beide Richtungen angespielt. Du kannst damit also doppelt so schnell spielen wie mit Downstrokes.

Achte dabei immer darauf, ganz präzise und gleichmäßig zu spielen. Wie immer solltest Du beim Üben ein Metronom zu Hilfe nehmen, sehr langsam anfangen und das Tempo schrittweise steigern.

Wenn Du sehr schnell spielst, egal ob Alternate oder Down Picking, besteht immer die Gefahr, dass die Hand verkrampft. Beobachte Dich deshalb selbst sehr genau und mach, wenn nötig, eine kurze Pause, um die Hand zu lockern.

Sweep Picking

Noch schneller als mit Alternate Picking geht’s mit Sweeping. Das ist immer dann möglich, wenn man die aufeinanderfolgenden Töne auf unterschiedlichen Saiten spielen kann. Das Plektrum wird dann in einer Ab- oder Aufwärtsbewegung über mehrere Saiten gezogen und bringt jede Saite einzeln zum Erklingen.

Das hört sich erstmal recht einfach an, braucht aber auch einiges an Training, um zu der gewünschten Präzision zu kommen. Die Bewegung muss sehr kontrolliert ablaufen, damit jede Saite im richtigen Moment getroffen wird und im richtigen Moment gestoppt oder die Sweep Richtung geändert werden kann.

Palm Mute

Palm Muting bedeutet, dass Du mit Hilfe des Handballens der Schlaghand die Saiten abdämpfst. Dazu wird die Hand (die Verlängerung des kleinen Fingers) erstmal ganz gerade auf den Steg gelegt. Wenn Du sie nun in Richtung Gitarrenhals verschiebst, wirst Du merken, dass je nach Position, die Saiten mehr oder weniger gedämpft werden.

Mit dieser Technik kannst Du die Dynamik Deines Riffs oder Solos verändern. Besonders interessant ist Palm Mute im Rhythmusbereich. Wenn Deine Hand sehr nah am Tonabnehmer liegt, klingen die einzelnen Noten nur noch sehr kurz und perkussiv.

Probiere verschiedene Positionen aus, um die unterschiedlichen Klangeffekte kennenzulernen. Später kannst Du dann zwischen allen Varianten abwechseln, um zu einem ganz eigenen, dynamischen Sound zu kommen.

Gitarre spielen lernen: Bekannte Hard Rock und Heavy Metal Songs

Du hast keine Lust mehr auf die immer gleichen trockenen Übungen und willst lieber gleich losspielen? Kein Problem. Einige der bekanntesten Songs, können auch schon von Anfängern nachgespielt werden.

Einen Song zu üben, macht nicht nur Spaß, sondern bringt Dich ganz allgemein beim Gitarrespielen weiter. Du wirst dazu aufgefordert, verschiedene Techniken zu üben, Akkorde und Griffe kennenzulernen und den Song Aufbau zu verstehen

Deep Purple - Smoke On The Water

Fangen wir an mit einem der großen Klassiker der Musikgeschichte. Das Riff besteht aus zweistimmigen Quarten (die oft fälschlicherweise für Power Chords gehalten werden).

Du brauchst dafür nur zwei Finger, die auch immer auf den gleichen Saiten bleiben. Auch der Rhythmus ist nicht besonders kompliziert.

 

Das Riff von Smoke on the Water auf der Gitarre spielen lernen.
Übe das Riff erstmal langsam, damit Du rhythmisch genau spielst.

AC/DC – Highway To Hell

Auch das ist wieder ein Gitarrenriff, das zum Standartrepertoire eines jeden Rockgitarristen gehört. Den Song spielst Du am besten mit offenen Akkorden (also nicht Powerchords oder Barré-Griffen). Für den gesamten Song brauchst Du nur vier einfache Akkorde, die alle nicht schwer zu greifen sind.

Das berühmte Riff kommt sogar nur mit drei Akkorden aus. Auch der Rhythmus ist nicht besonders schwer. Wichtig ist, dass Du in den Pausen die Saiten sofort abdämpfst und nicht ausklingen lässt.

Die Gitarren Tabs und Noten von Highway to Hell.
Dieses Hard Rock Riff gehört zu den bekanntesten überhaupt.

Weitere Songs für Anfänger

Auch bei anderen bekannten Bands kannst Du Songs finden, an die sich schon Anfänger heranwagen können. Ich gebe Dir hier eine kleine Auswahl. Im Internet kannst Du ganz einfach die dazugehörigen Tabs oder YouTube Tutorials finden.

  • Metallica: Nothing Else Matters, Seek & Destroy, Enter Sandman
  • Blur: Song 2
  • Black Sabbath: Iron Man, Paranoid
  • The White Stripes: Seven Nation Army
  • Nirvana: Come As You Are
  • Rammstein
  • ZZ Top: La Grange
  • Iron Maiden: Wickerman, Number Of The Beast, Run To The Hills

Mit dieser Auswahl hast Du ein schönes Stück Arbeit vor Dir. Vielleicht inspirieren sie Dich ja auch dazu, eigene Songs für die Gitarre zu komponieren. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Definitionen „Metal Gitarre“

Egal für welchen Musikstil auf der Gitarre Du Dich entscheidest, um Gitarre spielen lernen zu können, muss man sein Instrument und das Zubehör kennen und richtig einzusetzen wissen.

Was ist ein Stimmgerät?

Ein Stimmgerät wird ganz einfach dazu benutzt, die Gitarre zu stimmen. Neben den klassischen Stimmgeräten gibt es mittlerweile viele gratis Smartphone Apps, die ihren Zweck sehr gut erfüllen.

Wozu benutzt man einen Kapodaster?

Der Kapodaster, kurz Capo, erlaubt Dir Songs zu transponieren (auf einer anderen Tonhöhe zu spielen), ohne die Akkorde verändern zu müssen. Der Capo wird neben dem Bundstäbchen so angebracht, dass er alle Saiten fest herunterdrückt.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.