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Welchen Einfluss hat(te) Latein auf die heutige Italienische Sprache?

Von Tobias, veröffentlicht am 05/10/2018 Blog > Sprachen > Italienisch > Latein Italienisch: Was steckt hinter dieser sprachlichen Entwicklung?

Wir wissen, dass im altem Rom Latein gesprochen wurde. Wir wissen außerdem, dass die Römer die Vorfahren der heutigen Italiener sind.

Betrachtet man die beiden Sprachen aber etwas genauer, so wird man feststellen, dass es doch erhebliche Unterschiede zwischen Latein und Italienisch gibt.

Welchen Einfluss hatte Latein auf Italienisch?

Was hat dazu geführt, dass aus Latein das moderne Italienisch wurde?

Dieser Text gibt Euch Antworten auf alle Fragen, die Ihr Euch zu diesem Thema schon einmal gestellt habt.

Geschichte des Lateins: Die Ursprünge der lateinischen Sprache

Ursprünglich kommt Latein aus der Familie der italischen Sprachen.

Als italische Sprachen bezeichnet man jene indogermanischen Sprachen, die auf der italienischen Halbinsel gesprochen wurden oder werden.

Latein war damals aber nicht die einzige Sprache in der Region. Das Land war unterteilt in verschiedene Regionen, die von jeweils unterschiedlichen Gruppierungen bevölkert wurden.

Wir befinden uns im 6. Jahrhundert vor Christus.

Die italischen Völker befinden sich zu dieser Zeit im Zentrum sowie im Süden von Italien.

Diese Region wird auch das Latium genannt und existiert unter diesem Namen noch heute.

Julius Caeser ist der wohl berühmteste römische Kaiser Die römischen Kaiser sprachen eine andere Sprache als ihre Untertanen | Quelle: Pixabay

Zu den indogermanischen Sprachen zählen neben dem Latein auch Sprachen, die heute vollständig verschwunden sind, aber auch alle romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Rumänisch).

Übrigens sind die ersten Sprecher der italienischen Sprache gar keine Italiener!

Laut Historikern stammen die Einwohner Italiens aus dem Balkan und sind erst 1500 v. Chr. Übergesiedelt. Davor halten es Spezialisten für wahrscheinlich, dass die Liguren das frühe Italien besiedelten.

Man spricht hierbei von italo-keltischen Volksstämmen.

Noch vor der Gründung Roms im Jahre 753 v. Chr. Scheint es erwiesen, dass die italienischen Sprachen stark vom Griechischen und Etruskischen beeinflusst wurden, sprachlichen Nachbarn.
Als Rom dann gegründet wurde, hatte es großen Einfluss auf die Verbreitung der lateinischen Sprache in der gesamten Region.

Latein hat sich dabei 6 der möglichen 8 grammatikalischen Fälle der indogermanischen Sprachen einverleibt.

Diese sind:

  • Der Genitiv: gibt den Besitz oder die Beziehung zu einem anderen Wort an
  • Der Vokativ: Unter dem Vokativ versteht man eine direkte Anrede an eine Person (Anredefall).
  • Der Akkusativ: kommt als Objekt eines Verbs (direktes Objekt) oder mit Akkusativ verlangender Präposition vor.
  • Der Dativ: Der Dativ kommt als Richtung oder Empfänger im Dativobjekt (indirektes Objekt) vor
  • Der Ablativ: Der Ablativ kommt als adverbiale Bestimmung alleine oder mit einer den Ablativ verlangenden Präposition vor.
  • Der Nominativ: Im Nominativ ist das Subjekt eines Satzes anzugeben.

Klassisches Latein und Vulgärlatein

Bevor wir uns mit den Unterschieden zwischen klassischem Latein und dem Latein der kleinen Bürger beschäftigen, sollten wir zunächst einmal das alte Latein näher betrachten.

Dies bezeichnet die Sprache, die im 1. Jh. v. Chr. In Italien gesprochen wurde.

Alt-Latein und seine Weiterentwicklung

Nach der Gründung Roms und der schnellen Expansion der Stadt nahm Latein immer mehr Einzug in die besetzten Gebiete.

Das reichte sogar bis nach Westeuropa, Kleinasien und Nordafrika!

Schon im 3. Jahrhundert vor Christus war Latein die offizielle Amtssprache des römischen Reichs.

Die Sprache wurde in der Administration, aber auch in der Politik und in der Religion verwendet.

Auch wenn Dialekte und andere Sprachen wie Griechisch weiterhin existierten, war Latein zu dieser Zeit dennoch die vorherrschende Sprache.

Um die Verbreitung der Sprache voranzutreiben, wurde den Menschen in den von Rom besetzten Gebieten verboten, ihre Muttersprache zu sprechen.

Das alte Latein durchlebte in der Zeit von 75 vor bis 14 nach Christus ein goldenes Zeitalter, bis die Pest dem ein jähes Ende setzte.

Auch lateinische Literatur spielte dabei eine wichtige Rolle.

Die römische Kultur ist noch heute schön anzuschauen Kunst, Kultur und Sprache waren im alten Rom eng miteinander verbunden | Quelle: Pixabay

Danach folgten zwei Jahrhunderte, die als „silbernes Zeitalter“ der römischen Sprache bekannt wurden.

Mit dem Aufstieg Lateins, der mit dem Aufstieg des römischen Imperiums einherging, erfolgte schließlich mit dem Fall Roms auch der Niedergang Lateins.

Vom klassischen Latein zum Vulgärlatein

Mit der Ankunft der Hunnen aus den Steppen Asiens wurden viele Stämme gezwungen, von Osteuropa nach Westen umzusiedeln. Das destabilisierte das mächtige römische Reich.

Im 5. Jahrhundert ließen sich dann germanische Stämme auf römischem Gebiet nieder, was schließlich zum Untergang Westroms führte. Das oströmische Reich überstand diese Phase, wurde aber immer mehr durch griechische Einflüsse geprägt.

Auf die Stellung der Lateinischen Sprache in Europa hatte das jedoch nur wenig Auswirkungen.

Anstatt dass es ausstarb, vermischte es sich mit anderen, hauptsächlich germanischen Sprachen. Außerdem war das klassische Altlatein die Sprache der Gelehrten und Führer des Reichs. Gewöhnliche Bürger und Soldaten sprachen Vulgärlatein, das „Latein des Volks“.

Aus dem Vulgärlatein entstanden die romanischen Sprachen, die noch heute in Europa gesprochen werden. Darunter auch Italienisch.

Während das klassische Altlatein ab dem 2. Jahrhundert zu verschwinden beginnt, wird sein Platz vom Vulgärlatein im römischen Reich eingenommen.

Ab dem Moment, an dem Schriftsteller und Kleriker ihre Texte auf Vulgärlatein verfassten, hatte die Sprache über ihren Vorgänger die Oberhand gewonnen.

Die Beziehungen zwischen Rom und den anderen italienischen Städten waren oftmals schwierig, was auch dazu führte, dass sich regionale Sprachen immer mehr durchsetzten.

Aufgrund der Tatsache, dass die Römer ein extrem durchdachtes Alphabet und eine feste Grammatik etabliert hatten, blieb die lateinische Sprache jedoch erhalten.

Entwicklung von Latein zu Italienisch

Durch die Ankunft immer neuer Völker auf der italienischen Halbinsel veränderte sich die lateinische Sprache nach und nach.

Im 5. Jahrhundert wurde Italien von den Ostgoten überfallen. Im 6. Jahrhundert kamen dann die Lombarden, gefolgt von den Franken unter Karl dem Großen im 8. Jahrhundert.

Während dieser Zeit war der Süden Italiens aufgeteilt unter Byzantinern und muslimischen Völkern aus Nordafrika.

Dieses zerrissene Italien der vielen Kulturen sorgte für eine ständige Weiterentwicklung der italienischen Sprache.

Florenz, Zentrum von Kultur und Sprache Italiens Florenz war eine wichtige Metropole zu Zeiten der Renaissance | Quelle: Pixabay

Die Entwicklung des Lateinischen ab dem 9. Jahrhundert

Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert sprechen Historiker vom mittelalterlichen Latein.

Obwohl sich die Sprache immer weniger Beliebtheit erfreut wird sie zu dieser Zeit immer noch von Priestern und anderen Geistlichen gesprochen. Dabei bedienten sie sich auch vieler Wörter aus dem Griechischen und Hebräischen Sprachgebrauch.

Während der Renaissance (15. bis 16. Jahrhundert) wurde eine Sprache gesprochen, die später als „humanistisches Latein“ bezeichnet wurde.

Die humanistische Bewegung wurde in Europa sehr populär. Man fing damit an, Texte von Platon und anderen griechischen Philosophen ins Lateinische zu übersetzen.

Mit der Erfindung des Buchdrucks wurde außerdem die Bibel für jedermann zugänglich. Auch sie war auf Latein verfasst.

Nach und nach wurde Latein eher zur Sprache der Kirche, als zu der der Menschen.

Ab dem 16. Jahrhundert spricht man vom Neolatein. Diese Form der Sprache wurde bis heute beibehalten und wird an Schulen und Universitäten auf der ganzen Welt gelehrt.

Heute wird Latein nur noch in Vatikanstadt als offizielle Sprache gesprochen.

Immer mehr Menschen auf der Welt können Latein lesen oder gar schreiben. Inzwischen zählt Latein zu den „toten Sprachen“ und ist mehr eine Sprache der Kultur als eine wirkliche Kommunikationsform.

Ab wann wurde aus Latein Italienisch?

Man sieht klar und deutlich, dass das heutige Italienisch viele Spuren von Latein ins ich trägt.

Der Übergang von Latein zum Italienischen fand hauptsächlich während der Renaissance und dank großer Künstler und Schriftsteller wie Dante, Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio.

Da Vinci und Co. sind Mitbegründer der italienischen Sprache Die italienischen Künstler der Renaissance läuteten eine neue Ära ein | Quelle: Pixabay

Mit seiner „göttlichen Komödie“ wurde Dante zum Begründer der italienischen Sprache.

Der Schriftsteller wollte nämlich von jedermann verstanden werden – und nicht nur von der Elite, die Latein sprach.

So schrieb er in einer Form des Toskanischen, dem Florentinischen, und übernahm Wörter aus verschiedenen Dialekten der italienischen Halbinsel (darunter auch Latein, Französisch, Lombardisch oder Provenzalisch).

Sein Ziel war es zu zeigen, dass die Sprache des Volkes genauso nobel ist wie das Latein der Eliten.

Viele Poeten taten es ihm gleich und Dantes Wette ging auf, denn das Florentinische wurde zum Symbol der Einigkeit Italiens.

Dadurch, dass Florentinisch am ehesten der lateinischen Sprache glich, wurde es von einem Großteil der Bevölkerung übernommen, vom reichsten bis zum ärmsten Bürger.

So entstand durch die Weiterentwicklung einer vom lateinischen abstammenden Sprache das heutige, moderne Italienisch.

Beispiele von Wörtern, die sich in Latein und Italienisch ähneln

Auch heute hat Latein noch einen großen Einfluss auf das italienische Vokabular.

Um das unter Beweis zu stellen, haben wir Euch einige Wörter herausgesucht, die sich auf beiden Sprachen stark ähneln (inklusive deutscher Übersetzung!):

  • Accelerare – accelerare: beschleunigen;
  • Biblioteca — bibliotheca: Bibliothek;
  • Calamità – calamitas: Unglück;
  • Diploma – diploma: Diplom;
  • Encyclopaedia – enciclopedia: Enzyklopädie;
  • Fondamentale – fundamentalis: Grundlegend, fundamental;
  • Gladiatore – gladiator: Gladiator;
  • Indeterminato – indeterminatus: Unbestimmt;
  • Lacrima — lacrima: Träne;
  • Maggiordomo — major domus: Hausmeister;
  • Negoziatore – negotiator: Verhandlungsführer;
  • Occasionare – occasionari: verursachen;
  • Pacificazione – pacificatio: Befriedung;
  • Querimonia – querimonia: Klage;
  • Radiazone – radiatio: Strahlung;
  • Selezione — selectio: Auswahl;
  • Taciturno – taciturnus:  schweigsam;
  • Umiliazione – humiliatio: humiliation;
  • Verificare – verificare: überprüfen;
  • Zodiaco – zodiacus: Der Tierkreis.

Wenn Ihr die italienische Kultur und Küche liebt und motiviert seid, die Sprache Dantes zu erlernen, dann solltet Ihr jetzt wissen, dass Latein dafür eine exzellente Grundlage bietet.

Ihr werdet die Grammatik besser durchschauen und lernt auch gleichzeitig viel über:

  • die Geschichte der italienischen Halbinsel,
  • die Antike,
  • die italienische Grammatik (und die französische, spanische …),
  • die Syntax,
  • die Herkunft der Wörter …

Außerdem trainiert Ihr durch Latein Lernen Eure Konjugier-Fähigkeiten, was dazu führt, dass Ihr auch im Italienischen weniger Schwierigkeiten mit verschiedenen Verbformen haben werdet.

Auch könnt Ihr Latein immer wieder auch unabhängig von anderen romanischen Sprachen anwenden, zum Beispiel in der Medizin oder der Biologie.

Natürlich kann man den Schritt, Latein zu lernen, auch überspringen und direkt mit dem Italienischlernen anfangen. Die Wahl liegt am Ende bei Euch!

Wir wünschen Euch in jedem Fall viel Erfolg beim Latein bzw. Italienisch lernen!

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