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So steht es um die Alterssicherung von Lehrern

Von Clara, veröffentlicht am 09/11/2018 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe geben > Beamtenpension: Wie hoch ist die Rente für Lehrer?

Wenn man über das Altersgeld, das deutsche Lehrer im Ruhestand bekommen, spricht, muss man – wie auch beim Gehalt, das Lehrern hierzulande zusteht – grundsätzlich zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern unterscheiden.

Von den rund 800.000 Lehrern in Deutschland haben etwa 600.000 einen Beamtenstatus, das sind rund 80%.

Dabei gibt es Unterschiede von einem Bundesland zum anderen sowie zwischen verschiedenen Schulformen: Während in Berlin neu einzustellende Lehrer überhaupt nicht mehr verbeamtet werden, ist in Bremen und Hamburg die Chance auf einen Beamtenstatus am höchsten.

Besonders an Gymnasien gibt es viele Beamte, an Sonder- und Förderschulen sind es am wenigsten.

Doch welche Folgen hat dieses System für die Altersvorsorge von Pädagogen in Deutschland?

Wie ist das System aufgebaut, wie viel Geld steht einem als Lehrer im Alter zu und ab wann kann man in den Ruhestand gehen?

Welche Möglichkeiten gibt es, die Rente aufzubessern?

All diese Fragen beleuchten wir in diesem Artikel.

Wie funktioniert das System der Altersvorsorge für Lehrer in Deutschland?

Wenn ein Beamter in den Ruhestand geht, erhält er durch seinen Dienstherrn eine Pension.

Dieser Pensionsanspruch leitet sich aus dem Grundgesetz und dem Bundesbeamtengesetz (BBG) ab, wonach sich der Dienstherr ein Leben lang um das Wohl des Beamten und seiner Familie kümmern muss (man spricht von der sogenannten „Alimentationspflicht“), und zwar auch für die Zeit nach dem Dienstverhältnis.

Beamte müssen – anders als ihre angestellten Kollegen – während ihrer Berufstätigkeit keine Beiträge zur Altersvorsorge entrichten, denn ihr Ruhegeld finanziert sich aus den laufenden Steuereinnahmen von Bund und Ländern.

Für die Höhe der Pension ist nicht entscheidend, wie viel man im Berufsleben insgesamt verdient hat, sondern lediglich der Sold, den man in den letzten zwei Jahren vor dem Ruhestand bekommen hat.

Anspruch auf eine Pension haben alle Beamte mit einer gewissen Anzahl Dienstjahre und solche, die aus besonderen Gründen aus dem Dienst ausgeschieden sind (z. B. bei Krankheit). Für einen Anspruch auf Pension muss die Dienstzeit mindestens fünf Jahre betragen haben.

Keinen Anspruch hat, wer aus dem Dienst entlassen wurde und/oder wem der Beamtenstatus aberkannt wurde.

Lehrer, die nicht als Beamte, sondern als Angestellte im öffentlichen Dienst beschäftigt waren, erhalten im Alter keine Pension, sondern eine Altersrente.

Diese ergibt sich aus den Beiträgen, die im Laufe des Berufslebens an die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden.

Dieser Beitrag, der monatlich vom Arbeitgeber an die Rentenkasse abgeführt wird, beläuft sich auf knapp 20% des Lehrergehalts.

Lehrer zahlen Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Lehrer als Angestellte im öffentlichen Dienst müssen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. | Quelle: Pixabay

Anders als bei den Beamten gilt in der gesetzlichen Rentenversicherung das Äquivalenzprinzip. Mit anderen Worten: Wer viel und lange einzahlt, bekommt später eine höhere gesetzliche Rente.

Jedes einzelne Jahr der Erwerbstätigkeit wird gleichwertig in der Rentenrechnung mit berücksichtigt. Für die Zeit, in der man nicht berufstätig ist und entsprechend keine Rentenbeiträge zahlt, hat man folglich auch keinen Rentenanspruch.

Zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung gibt es für ehemals angestellte Lehrer die sogenannte „Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes“, die Nicht-Beamten den Zugang zu einer Altersvorsorge in Höhe der Beamtenpension ermöglichen soll. In diese müssen sie ebenfalls während ihrer Berufstätigkeit einzahlen.

Wie kann ich als Lehrer meine Pension oder Altersrente berechnen?

Wie bereits erwähnt ist für die Höhe der Beamtenpension der Verdienst in den letzten zwei Dienstjahren maßgeblich.

Die Pension wird anhand eines Punktesystems berechnet. Für jedes volle Dienstjahr eines Beamten wird diesem ein Wert von knapp 1,8 Prozentpunkten angerechnet.

Dabei kann maximal ein Wert von 71,75 Punkten erreicht werden. Das entspricht einer Dienstzeit von 40 vollen Dienstjahren.

Anders formuliert: Als Pension erhält ein Beamter maximal 71,75% des Bruttosolds, den er während der zwei Jahre vor dem Ruhestand bezogen hat.

Ein kurzes Rechenbeispiel:

Ein Grundschullehrer in Bayern in der Besoldungsgruppe A12 (Stufe 11) geht nach 40 Jahren in den Ruhestand und verdient zuletzt 4.576 Euro pro Monat.

Da pro Jahr knapp 1,8% des letzten Gehalts bzw. maximal 71,75% als Pension gezahlt werden, kommt er rein rechnerisch auf monatlich 3.283 Euro Ruhegehalt.

Geht ein Beamter infolge eines freiwilligen früheren Pensionseintritts vorzeitig in den Ruhestand, erhält auch er eine Pension, muss aber mit entsprechenden Abschlägen rechnen.

Tatsächlich können viele Lehrer im Staatsdienst aufgrund von Beurlaubung oder Teilzeitbeschäftigung weniger als 40 Dienstjahre vorweisen, wenn sie sich aus dem Berufsleben zurückziehen, weshalb das Pensionsniveau aktuell (2017) bei rund 68% liegt.

Wie hoch Dein Pensionsanspruch ist kannst Du mittels dieses Pensionsrechners errechnen.

Eine individuelle Berechnung des Anspruchs auf Ruhegehalt ist möglich. Wie hoch der persönliche Pensionsanspruch ist, lässt sich individuell berechnen. | Quelle: Pixabay

Auch die Rente von Angestellten im öffentlichen Dienst wird mithilfe eines Punktesystems ermittelt: Einen Rentenpunkt erhält, wer genau das von der gesetzlichen Rentenversicherung jährlich festgelegte Durchschnittsgehalt aller Arbeitnehmer in Deutschland verdient.

Liegt Dein jährliches Einkommen höher, so bekommst Du entsprechend mehr Rentenpunkte.

Zusätzlich steht Angestellten im öffentlichen Dienst wie gesagt eine Zusatzversorgung zu, die ihre Rente aufstocken und dafür sorgen soll, dass sie ihren verbeamteten Kollegen in Sachen Altersvorsorge nicht zu sehr hinterherhinken.

Die Zusatzversorgung hängt von Verdienst und Alter ab und errechnet sich durch die im Laufe des Berufslebens (von Arbeitnehmer und Arbeitgeber) eingezahlten Beiträge, und zwar ebenfalls nach einem Punktemodell.

Angestellte Lehrer können die Höhe ihrer gesetzlichen Rente und ihrer Zusatzversorgung übrigens auf dieser Webseite ermitteln.

Ab wann kann ich als Lehrer in den Ruhestand gehen?

Aufgrund des föderalen Systems in Deutschland regeln die Länder die Altersgrenzen für den Eintritt von Landesbeamten in den Ruhestand eigenständig.

In den meisten Ländern endet die Lebensarbeitszeit von Beamten mit Vollendung des 67. Lebensjahres (Ausnahmen sind Berlin, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt: 65 Jahre).

Für Beamte, die vor einem bestimmten Datum geboren wurden, gibt es meist Sonderregelungen.

Auch eine hohe Anzahl Dienstjahre (mind. 45), Zeiten der Kindererziehung sowie Schwerbehinderung werden mitberücksichtigt und können zu einem höheren Renteneintrittsalter berechtigen, ohne dass es dabei zu Pensionskürzungen kommt.

Ähnliche Regelungen gibt es auch für Angestellte im öffentlichen Dienst, wo im Normalfall ebenfalls ein Renteneintrittsalter von 67 gilt.

Das Renteneintrittsalter liegt regulär bei 67 Jahren. Das reguläre Alter für den Ruhestand sind 67 Jahre. | Quelle: Pixabay

Tatsächlich gehen Beamte im bundesweiten Durchschnitt früher in den Ruhestand als andere Arbeitnehmer: 2015 legten Bundesbeamten im Durchschnitt mit 62,5 Jahren ihre Arbeit nieder; „normale“ Arbeitnehmer erst mit 64.

Gerade Lehrer gehören zu den Berufsgruppen, in denen der Frühruhestand recht häufig ist. Sowohl für verbeamtete als auch für angestellte Lehrer kommt eine Frühpensionierung bzw. vorzeitige Altersrente in Frage.

Gründe für das verfrühte Ausscheiden aus dem Berufsleben sind unter anderem die hohe Arbeitsbelastung, der Leistungsdruck und der psychische Stress, den viele Lehrer durch ihren Beruf erleben.

Fast jeder dritte Lehrer scheidet aufgrund von psychischen Problemen oder Folgeerkrankungen vorzeitig aus seinem Beruf aus.

Übrigens: Wusstest Du, dass Du als Beamter auf Lebenszeit dem Staat gegenüber bis zum Tode zur besonderen Treue verpflichtet bist?

Das bedeutet theoretisch, dass man als pensionierter Beamter wieder verpflichtet werden kann – faktisch kommt dies jedoch sehr selten vor.

Wie kann ich meine Lehrerpension bzw. -rente aufbessern?

In der allgemeinen Diskussion werden Pensionen von Beamten oft als besonders lukrative oder gar unverschämt hohe Alterssicherung dargestellt. Das trifft aber nicht pauschal auf jeden Lehrer zu.

Oft wird vergessen, dass Pensionäre über 80% ihrer Pension versteuern müssen, Rentner hingegen nur 76%.

Hinzu kommt, dass Beamte in der Regel privat krankenversichert sind und im Alter oft höhere Versicherungsbeiträge zahlen müssen als ihre gesetzlich versicherten Kollegen.

Aber auch für ehemals Angestellte ist die Situation nicht immer rosig: Die Reform der Zusatzversorgung 2002 hat zu einer Verschlechterung der Alterssicherung gesorgt, weshalb häufig auch noch eine private Vorsorge von Nöten ist.

Wer erst spät ins Berufsleben eingestiegen ist oder in Teilzeit beschäftigt war, muss ebenfalls mit einer geringen Pension bzw. Rente rechen.

Und nicht zuletzt kann die vorzeitige Beendigung der Laufbahn als Lehrer an der Schule, die ja keine Seltenheit ist, zu Abschlägen bei der Altersversorgung führen.

Wer diese Versorgungslücke schließen möchte, kann zum Beispiel privat Nachhilfe geben.

Das kann entweder in Form einer Nebentätigkeit noch während der aktiven Berufstätigkeit sein oder aber durch einen Job als Nachhilfelehrer im Ruhestand.

Pensionierte Lehrer dürfen neben ihrer Pension ein weiteres Einkommen haben. Nur wenn die Summe aus Pension und Zuverdienst die letzte Besoldung vor dem Ruhestand übersteigt, gibt es Abzüge.

Mit Nachhilfeunterricht können Senioren ihre Alterssicherung aufbessern. Wer als Lehrer seine Rente aufbessern möchte, kann z. B. Nachhilfe geben. | Quelle: Pixabay

Man sollte sich davor allerdings die Einkommensunterschiede von Lehrern im Staatsdienst und Lehrern, die Nachhilfe anbieten, klarmachen.

Nachhilfelehrer werden kann theoretisch jeder. So gibt es zum Beispiel Nachhilfe von Studenten für Schüler.

Bei einem solchen Ergänzungs- bzw. Nebenjob für Lehrer kannst Du jedoch anders als viele andere bei den Nachhilfeschülern und ihren Eltern mit Deiner Qualifikation – also Deiner Ausbildung zur Lehrkraft – sowie Deiner Arbeitserfahrung punkten.

Dementsprechend kannst und solltest Du auch ohne Weiteres höhere Preise verlangen, als dies bei Nachhilfe von Schülern für Schüler der Fall ist.

Laut der Webseite Schulkreis.de liegen die Preise für ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer im Durchschnitt um 30% höher als bei Nachhilfelehrern ohne Qualifikation! Ein Stundensatz von 20-30 Euro ist dabei die Regel, wobei die Grenze nach oben hin offen ist.

Fachkräfte können durchaus auch 50 Euro als Stundensatz verlangen.

Wichtig ist: Verkaufe Dich und Dein Know-How niemals unter Wert! Und Du darfst nicht vergessen, dass Du dieses Einkommen auch versteuern musst und entsprechende Abzüge hast.

2016 lag die wöchentliche Arbeitszeit eines Lehrers zwischen 39 und 41 Stunden pro Woche. Rechnet man den Nettostundenlohn aus, so liegt dieser – auch wenn es abhängig von Arbeitserfahrung und Fächern Unterschiede gibt – bei einem Gymnasiallehrer bei unter 20 Euro.

Ein Nebenjob für Lehrer im Ruhestand kann sich also durchaus lohnen, zumal die Nachfrage ständig steigt.

Weitere Vorteile: Du musst keine Berge an Klassenarbeiten mehr korrigieren, kannst Dich persönlich um jeden Schüler kümmern und kannst Dein Programm und Pensum Deinen Vorstellungen anpassen.

Das Risiko einer Überarbeitung ist somit deutlich geringer als im klassischen Lehreralltag.

Außerdem musst Du Dir als Rentner oder Pensionär keine Gedanken mehr darüber machen, wie es mit der beruflichen Mobilität oder den Aufstiegschancen für Lehrer aussieht.

Nicht zuletzt kannst Du durch einen Job als Nachhilfelehrer im Alter nicht nur Deinen Kontostand aufbessern, sondern auch nach Deiner Zeit im regulären Berufsleben Deiner Passion nachgehen: Der Weitergabe von Wissen und der Bildung junger Menschen.

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