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Was verdient man als Lehrer im öffentlichen Dienst im Vergleich zum Job als Privatlehrer?

Von Clara, veröffentlicht am 08/11/2018 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe geben > Wie viel verdient ein verbeamteter Lehrer gegenüber einem Privaten Nachhilfelehrer?

Schaut man sich die Anzeigen für privaten Nachhilfeunterricht an, so stellt man sehr bald fest, dass viele davon von Fachkräften aus dem Bildungsbereich inseriert werden.

Aber hast Du Dich schon einmal gefragt, warum das so ist?

Um das Konto gerade in den Monaten etwas aufzubessern, in denen Ebbe in der Kasse ist, geraten viele Lehrkräfte aus dem öffentlichen Dienst leicht in die Versuchung, online Nachhilfe geben zu wollen.

Eine solche Nebenbeschäftigung ist rechtlich erlaubt und auch zeitlich machbar. Um die 25 Pflichtstunden haben Lehrer in Deutschland zu leisten.

Selbst wenn hier die zahlreichen Stunden der Vorbereitungsarbeit und der Korrekturen nicht mit eingerechnet sind, ist es manchen Lehrern durchaus möglich, hier und da einige Stunden Privatunterricht zu erteilen.

Insbesondere, da letzteren der Ruf nacheilt, besonders lukrativ zu sein.

Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Fakten: Inwiefern unterscheidet sich die Bezahlung von Privatunterricht von den Gehältern als Lehrer im öffentlichen Dienst?

Lehrermangel in Deutschland – Finanzielle Anreize für neue Lehrer im öffentlichen Dienst

Tatsächlich werden deutsche Lehrer im internationalen Vergleich relativ gut bezahlt. Den Statistiken der OECD zufolge verdient eine Lehrkraft mit durchschnittlich 55.252 Euro (2018) mehr als der OECD-Durchschnitt.

Allerdings variiert das Gehalt eines Lehrers in Deutschland stark – je nach Schulform, Bundesland und Berufserfahrung sowie danach, ob man verbeamtet oder angestellt ist. Das führt auch immer mal wieder zu Frust und Unverständnis.

Aktuell beschäftigt außerdem ein weiteres Problem die deutsche Bildungspolitik: Hierzulande herrscht ein akuter Lehrermangel.

Zum Schuljahresbeginn 2018/19 fehlten insgesamt fast 40.000 (!) Lehrer.

Die wesentlichen Gründe dafür sind nicht in erster Linie ein Desinteresse für den Berufsweg als Lehrer. Ausschlaggebend sind vor allem die steigenden Geburtenraten und die Zuwanderung, auf die nicht ausreichend reagiert wurde.

Um dem Mangel an Lehrkräften entgegenzuwirken, haben sich die Bundesländer – die ja für das Thema Bildung zuständig sind – verschiedene Lösungen einfallen lassen, z. B. die Einstellung von Quer- und Seiteneinsteigern sowie Lehramtsstudenten oder das Zurückholen von pensionierten Lehrern.

Sachsen und Berlin, wo der Schuh besonders drückt, haben außerdem auf finanzielle Anreize gesetzt, um der Notlage entgegenzuwirken und den Beruf des Lehrers attraktiver zu machen.

Dem Lehrermangel wird mit finanziellen Anreizen entgegengewirkt. Berlin versucht durch finanzielle Anreize den Lehrerberuf attraktiver zu machen. | Quelle: Pixabay

So sollen Berliner Grundschullehrer ab 2018 ein Einstiegsgehalt von 5.300 Euro erhalten; dasselbe, was sonst Gymnasiallehrer verdienen. Zuvor war für die Einstufung in diese Gehaltsgruppe eine zehnjährige Arbeitserfahrung notwendig.

Lehrer an sogenannten „Brennpunktschulen“ sollen zusätzlich einen monatlichen Zuschlag von 300 Euro bekommen. Master-Studenten, die das Lehramtsstudium noch nicht abgeschlossen haben können außerdem als Lehrer 3.200 Euro verdienen und nebenher weiterstudieren.

Mehr zu den verschiedenen Gehalts- und Besoldungsstufen erfährst Du im nächsten Kapitel.

Doch kann ein Lehrer im öffentlichen Dienst Privatlehrer werden, um sein Gehalt aufzubessern?

Lehrerstatus und Gehaltstabellen

In Deutschland gilt aufgrund des föderalistischen Staatsaufbaus das Prinzip der sogenannten „Kulturhoheit der Bundesländer“. Das heißt, dass der Bereich der Gesetzgebung, Organisation und Verwaltung der Bildung nicht der Leitung des Bundes, sondern der einzelnen Länder untersteht.

Hierzulande gibt es neben verbeamteten Lehrern auch Lehrer als Angestellte im öffentlichen Dienst. Lehrkräfte sind Angestellte bzw. Beamte ihres jeweiligen Landes.

Die Verbeamtung wird von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt (in Sachsen und Berlin werden Lehrer sogar gar nicht mehr verbeamtet).

Gerade Beamte genießen gewisse Privilegien: Sie sind unkündbar, werden auch bei Ausfall weiter bezahlt, müssen keine Sozialabgaben leisten und sind im Alter abgesichert. Angestellte genießen diese Vorteile nicht.

Auch bei der Bezahlung muss man grundsätzlich zwischen Beamten und Angestellten unterscheiden. Beamte erhalten einen sogenannten „Sold“, Angestellte ein „Gehalt“.

Angestellte haben für gewöhnlich einen niedrigeren Nettoverdienst als Beamte, da letztere keine Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung leisten müssen.

Die Besoldung von Beamten variiert je nach Bundesland. Innerhalb einer Besoldungsgruppe gibt es wiederum unterschiedliche Erfahrungsstufen: Je mehr Berufserfahrung ein Lehrer hat, desto weiter oben wird er eingeordnet.

Der Einstieg erfolgt bei den Beamten zumeist in die Besoldungsgruppe A 12 Stufe 1, in einigen Ländern auch in die Stufe 3 oder 4. Die höchste Stufe ist in der Regel nach 28 Jahren erreicht.

Angestellte Lehrkräfte (mit Ausnahme von Hessen), werden einheitlich nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) bezahlt. Allerdings ist es den Ländern freigestellt, in welche Gehaltsgruppe und -stufe sie die Lehrer einordnen (abhängig von der Berufserfahrung oder der Schulart), weshalb auch hier keine Vergleichbarkeit besteht.

Außerdem hängt die Bezahlung auch vom Schultyp ab: So kritisieren Grundschullehrer häufig, dass sie schlechter bezahlt werden als Lehrkräfte an Gymnasien oder Berufsschulen und das, obwohl sie genauso lange studieren.

Als Grundschullehrer verdient man in Deutschland schlechter. Grundschullehrer werden in Deutschland schlechter bezahlt – Das sorgt schon mal für Frust. | Quelle: Pixabay

Ein verbeamteter bzw. angestellter Grundschullehrer verdiente 2017 bei Berufseinstieg zwischen 3.117 Euro (Rheinland-Pfalz) und 4.544 Euro brutto (Berlin), nach 20 Jahren zwischen 3.950 Euro (Rheinland-Pfalz) und 4.613 Euro brutto (Sachsen).

Ein verbeamteter Gymnasiallehrer erhielt 2017 im bundesweiten Durchschnitt 3.861 Euro brutto, und nach 20 Berufsjahren 4.658 Euro.

Die Vergütung von Lehrkräften – ein Grund zur Kündigung?

In Deutschland gab es laut den Zahlen von Statista im Schuljahr 2017/2018 insgesamt 763.304 voll- und teilzeitbeschäftigte sowie stundenweise Lehrer an allgemeinbildenden Schulen (u. a. Grundschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, Förderschulen, Realschulen, Hauptschulen).

Das ist also eine ganze Menge – und nur die wenigsten steigen aus finanziellen Gründen aus ihrem Beruf aus, denn wie bereits erwähnt verdienen deutsche Lehrkräfte insgesamt recht gut.

Das bedeutet nicht, dass nicht der ein oder andere Lehrer – angesichts der zunehmenden Arbeitsbelastung, der steigenden Klassengrößen oder aber aufgrund der mangelnden Aufstiegschancen in dem Beruf – auch schon einmal an eine berufliche Neuorientierung gedacht hätte.

Es stimmt zwar, dass das Gehalt eines Lehrers nicht mit demjenigen so manch eines Managers mithalten kann. Dafür bietet der Job aber eine gewisse Sicherheit, soziale Absicherung und die Gewissheit, im Laufe der Zeit mehr Geld zu verdienen.

Geld ist tatsächlich nur selten der Grund, weshalb Lehrer sich dazu entscheiden, ihren Beruf niederzulegen.

Häufiger hat dies mit Stress, Überforderung, mangelnder Wertschätzung und Perspektive sowie den verschlechterten Arbeitsbedingungen im Bildungsbereich zu tun.

Welches sind die finanziellen Vorteile von privatem Nachhilfeunterricht?

Wer Nachhilfe geben möchte tut dies in der Regel stundenweise. Man kann Nachhilfestunden recht einfach in den Terminkalender integrieren und erteilt sie in der Regel dann, wenn die Schüler verfügbar sind und keine schulische Verpflichtung haben.

Es kann sich daher als schwierig herausstellen, ausschließlich von dieser Tätigkeit zu leben, auch wenn sie bezahlt ist. Aber es handelt sich um eine hervorragende Möglichkeit, sein Einkommen zu ergänzen, wenn man bereits als Lehrer im öffentlichen Dienst tätig ist.

Die Berufserfahrung und die entsprechende Qualifikation, die damit einhergehen, sind ein Vorteil, mit dem Du bei neuen Kunden trumpfen kannst.

Die Ausübung einer solchen Nebentätigkeit ist gesetzlich gestattet – zum einen durch das Grundgesetz und zum anderen durch das Bundesbeamtengesetz. Voraussetzung ist, dass man sich den Nebenjob als Lehrer für private Nachhilfe bei der Schulleitung genehmigen lässt, was in der Regel kein Problem darstellt.

Wer Privatunterricht geben möchte, ist für gewöhnlich selbstständig tätig und wählt dabei in der Regel die Variante der „freiberuflichen Tätigkeit“ (kein Gewerbe).

Dabei musst Du natürlich einberechnen, dass Dein zusätzlicher Verdienst versteuert wird und Du ab einem bestimmten Umsatz (17.500 Euro jährlich) die Umsatzsteuer von 19% auf Deinen Rechnungen ausweisen und ans Finanzamt abführen musst.

Du kannst grundsätzlich so viel privaten Nachhilfeunterricht geben, wie Du kannst und möchtest, vorausgesetzt, die Tätigkeit beeinträchtigt nicht Deinen Hauptberuf als Lehrer und nimmt nicht mehr als ein Fünftel Deiner gesamten Arbeitszeit ein.

So kannst Du jeden Monat 50, 100, 200 Euro oder mehr einnehmen!

Der Markt für Nachhilfeunterricht ist groß und erfährt derzeit einen regelrechten Boom. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2016 geben deutsche Eltern jährlich knapp 900 Mio. Euro für Nachhilfe aus.

Auch viele Fachkräfte bieten Nachhilfe an. Unter den zahlreichen Mitbewerbern kannst Du Dich durch Deine professionelle Ausbildung abheben. | Quelle: Pixabay

Die Nachfrage ist riesig und für eine Fachkraft sollte es kein Problem sein, Kunden zu finden, sowohl über direkte Kontakte als auch über die ein oder andere Nachhilfe Plattform.

Was kostet Nachhilfeunterricht?

Musik, Deutsch, Physik, Sport, Kunst, moderne oder alte Sprachen: Nachhilfe anbieten kann man für alle Fächer, jedoch muss man sich auf unterschiedliche Preise einstellen.

Der Stundensatz für Lehrer, die private Nachhilfe geben, variiert je nach Stadt.

Es dürfte nicht überraschen, dass die Preise in Süddeutschland tendenziell höher liegen als im Rest der Bundesrepublik: München liegt auf Platz eins, gefolgt von Stuttgart und Freiburg.

Über Superprof kostet eine Mathe-Nachhilfestunde in München durchschnittlich 21 Euro, in Köln nur 17 Euro.

Das entspricht aber immer noch etwa der Hälfte des Preises, den so manch ein kommerzieller Nachhilfeanbieter (z. B. Schülerhilfe, Studienkreis…) verlangt, da hier für jede geleistete Unterrichtsstunde noch ein beträchtlicher Anteil einbehalten wird.

Natürlich umfasst dieser Durchschnitt auch Angebote von Studenten, Beschäftigten aus anderen Bereich oder auch Gymnasialschülern. Es liegt auf der Hand, dass ein ausgebildeter Lehrer eine höhere Vergütung verlangen wird – insbesondere, wenn er noch über Zusatzqualifikationen verfügt.

Die Webseite Schulkreis.de hat beispielsweise festgestellt, dass die Preise für ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer im Durchschnitt um 30% höher lagen als bei nicht ausgebildeten Lehrern!

Ein Stundensatz von 20-30 Euro ist dabei die Regel, wobei es nach oben keine Grenzen gibt. Man darf dabei nicht vergessen, dass auf diese Einkünfte auch Abgaben zu entrichten sind.

Es ist üblich, den Eltern vorzuschlagen, 10 Nachhilfestunden im Voraus zu bezahlen (die erste Stunde ist in der Regel eine kostenlose Probestunde) – gegen einen Rabatt von rund 15 %.

Laut Zahlen aus dem Jahr 2016 lag die wöchentliche Arbeitszeit eines Lehrers zwischen 39 und 41 Stunden pro Woche. Rechnet man den Nettostundenlohn aus, so liegt dieser – auch wenn es zwischen den Fächern Unterschiede gibt – bei einem Gymnasiallehrer bei unter 20 Euro.

Es gibt viele Möglichkeiten für Privatunterricht: Förderunterricht, Englisch Nachhilfe geben, Latein unterrichten, Nachhilfe in Mathe geben, Nachhilfeunterricht zu Hause, Deutsch online unterrichten, etc.

Wer sich etwas dazuverdienen möchte, kann als Nachhilfelehrer arbeiten. Private Nachhilfe ist eine gute Möglichkeit, die Kasse etwas aufzubessern. | Quelle: Pixabay

Nachhilfeunterricht mag – nach allen Steuern und Abzügen – nicht zwangsläufig lukrativer wirken… zumal man hier nicht die selben Karrieremöglichkeiten und die Absicherung hat, die einem ein fester Arbeitsplatz als verbeamteter oder angestellter Lehrer bieten.

Nichtsdestotrotz kann man durch zusätzlichen Privatunterricht sein monatliches Budget aufbessern und gleichzeitig zum schulischen Erfolg der Schüler beitragen.

Mehrere Einkommensquellen zu haben ist außerdem immer ein nicht zu vernachlässigender Vorteil.

Unter dem Strich ist die beste Wahl daher wohl die Kombination beider Unterrichtsvarianten, für ein höheres Einkommen, aber auch für eine größere berufliche Erfüllung.

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