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Hindernisse und Chancen bei der beruflichen Mobilität von Lehrern

Von Clara, veröffentlicht am 09/11/2018 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe geben > Inwiefern schränkt die Berufliche Mobilität Lehrer in Deutschland ein?

Heutzutage leben wir in einer immer schnelllebiger werdenden Welt.

Die Globalisierung macht auch vor dem Arbeitsmarkt nicht Halt und die Notwendigkeit oder Bereitschaft, Arbeitsort und -stelle zu wechseln oder sich gar beruflich ganz neu zu orientieren, steigt.

Mit anderen Worten: Berufliche Mobilität wird immer wichtiger. Der Duden definiert „Mobilität“ wie folgt:

„Beweglichkeit (in Bezug auf den Beruf, die soziale Stellung, den Wohnsitz)“

Für Pädagogen, die im deutschen Bildungssystem beschäftigt sind, ergeben sich somit folgende Arten von beruflicher Mobilität:

  • Geographische Mobilität: B. bei einem Wechsel der Hochschule, des Studienorts, des Bundeslandes, der Schule, an der man unterrichtet oder sogar ins Ausland
  • Inhaltliche Mobilität: B. bei einem Wechsel der Schulform oder der unterrichteten Fächer
  • Berufswechsel: z. B. Wechsel von einem Lehramtsstudium in ein nicht-pädagogisches Studium, Quer- oder Seiteneinstieg ins Referendariat bzw. in den Lehrerberuf, Wechsel in die Bildungsverwaltung

Doch wie steht es tatsächlich um die berufliche Mobilität von Lehrern in Deutschland?

Was für Hürden haben sie zu nehmen, wenn sie an einen anderen Ort oder in eine andere Schulart versetzt werden möchten?

Die kurze Antwort auf diese Frage lautet wohl: Vieles ist möglich, doch es gibt eine Menge Haken und viele „Aber“.

Im vorliegenden Artikel möchten wir detaillierter in das Thema einsteigen und auch der Frage nachgehen, inwiefern vielleicht privater Nachhilfeunterricht eine willkommene Abwechslung bzw. Alternative zum Beruf des Lehrers im Staatsdienst sein kann.

Geographische Mobilität von Lehrern mit Berufserfahrung

Schulwechsel innerhalb eines Bundeslands

Die Versetzung von Lehrern mit Berufserfahrung innerhalb eines Bundeslandes ist formal kein Problem, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab.

Wer aus persönlichen Gründen eine Versetzung an eine andere Schule anstrebt, kann dies bei der Schulleitung beantragen. Dabei sollte man unbedingt auf die vorgegebenen Fristen achten.

Ein Antrag auf einen Wechsel muss in Berlin beispielsweise nicht begründet werden, allerdings kann eine Begründung für die Entscheidungsträger hilfreich sein.

Für einen Schulwechsel ist ein schriftlicher Antrag von Nöten. Wer als Lehrer innerhalb eines Bundeslandes die Schule wechseln will, muss dies schriftlich beantragen. | Quelle: Pixabay

Der Haken: Lehrkräfte sind anfangs in ihrer Freizügigkeit eingeschränkt und müssen in der Regel mindestens drei Jahre an ihrem ersten Dienstort verbleiben, bevor sie eine Versetzung anstreben können.

Außerdem gibt es auch Fälle, bei denen Lehrer an eine andere Schule wechseln müssen, weil sich der Personalbedarf an ihrer Schule geändert hat. Nach verschiedenen Kriterien wird dann entschieden, welche Lehrer überhaupt für eine Versetzung in Frage kommen.

Hier zeigt sich ein Problem für Lehrkräfte, die vielleicht gar nicht wechseln wollen, aber notgedrungen dazu verpflichtet werden. Nur bestimmte Personengruppen (z. B. Lehrerrinnen im Mutterschutz) sind vor einer solchen Zwangsversetzung geschützt.

Wechsel in ein anderes Bundesland: Das Lehreraustauschverfahren

Für Lehrer, die bereits im Dienst eines Bundeslandes unbefristet beschäftigt oder verbeamtet sind und aus persönlichen bzw. sozialen Gründen (z. B. Familienzusammenführungen) in ein anderes Land wechseln möchten, gibt es bereits seit 1976 das sogenannte „Lehreraustauschverfahren“.

Das Lehreraustauschverfahren findet lehramts- und fächerübergreifend statt.

Ein Antrag auf Bundesland-Wechsel muss je nachdem in Papierform oder online, in jedem Fall aber spätestens sechs Monate vor dem gewünschten Wechsel eingereicht werden.

Eine Bedingung gibt es jedoch: Ein Wechsel kommt nur in Frage, wenn die Unterrichtskontinuität für Deine Schüler auch nach Deinem Weggang gewährleistet ist.

Die Anerkennung von Lehramtsabschlüssen zwischen den Bundesländern – ein Weg zu mehr Mobilität für junge Lehrer?

Das Thema Bildungspolitik ist in Deutschland Sache der einzelnen Länder. Das führt dazu, dass diesbezüglich in jedem Bundesland divergente Modelle existieren. Dies schlägt sich bereits im Bereich der Lehrerausbildung nieder, die

  • entweder schulform- oder schulstufenbezogen sein kann,
  • sich hinsichtlich der Abschlüsse (Master/Staatsexamen) unterscheidet,
  • unterschiedliche Studien- und Prüfungsordnungen aufweist,
  • an unterschiedlichen Hochschulen (z. B. Universität, Sporthochschule, Pädagogische Hochschule) stattfindet,
  • sich in den möglichen Kombinationen der Unterrichtsfächer unterscheidet
  • sowie ein unterschiedlich langes Referendariat (zwischen 12 und 24 Monate) erfordert.

Bis vor wenigen Jahren war der Wechsel von einem Bundesland in ein anderes für angehende Lehrer mit Master bzw. Staatsexamen oder abgeschlossenem Referendariat (auch „Vorbereitungsdienst“ genannt) aus oben genannten Gründen nicht nur kompliziert, sondern teilweise sogar unmöglich.

Nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz wechseln jährlich zwischen 6000 und 9000 junge Referendare bzw. Lehrer das Bundesland. Noch 2011/12 wurde etwa jeder Zehnte abgelehnt.

Erst 2013 einigten sich die Kultusminister der Länder auf eine gemeinsame Richtlinie, die jungen Lehrern die berufliche Mobilität garantieren soll. Konkret heißt das: Niemand darf mehr abgelehnt werden, weil er ein Abschlusszeugnis aus einem anderen Bundesland hat.

Seitdem ist es Absolventen möglich, nach dem Studium ihren Vorbereitungsdienst in einem anderen Bundesland zu leisten und junge Lehrer mit abgeschlossenem Referendariat können sich auch einfacher anderswo auf eine Lehrerstelle bewerben.

Die Anerkennung von Hochschulzeugnissen gibt jungen Lehrern mehr berufliche Mobilität. Die bundesweite Anerkennung von Lehramtsabschlüssen erleichtert jungen Lehrern einen Ortswechsel. | Quelle: Visualhunt

Das sind erst einmal gute Nachrichten. Doch es gibt eine Bedingung, die für manch einen nach wie vor zum Hindernis werden kann: Man muss eine Fächerkombination studiert haben, die auch in dem jeweils anderen Bundesland angeboten wird.

Daher empfiehlt es sich nach wie vor, sich vorab gründlich zu informieren, wenn man schon früh einen Wechsel in ein anderes Bundesland absehen kann.

Möglichkeiten der inhaltlichen Mobilität und beruflichen Neuorientierung

Wechsel der Schulart

Als Gymnasial- oder Oberstufenlehrer ist es theoretisch möglich, an anderen Schulformen (z. B. an einer Grundschule) zu unterrichten.

Gerade in den Bundesländern, in denen nach dem Bachelor-Master-Modell studiert wird, gibt es mancherorts sogenannte „polyvalente“ Bachelorstudiengänge.

Das bedeutet, dass Du die teilweise die gleichen Kurse belegst, wie Studenten ohne Lehramtsoption und Dich erst vor Beginn des Masterstudiums entscheiden musst, ob Du den Ausbildungsweg des Lehrers fortsetzen möchtest und manchmal sogar auch, an welcher Schulart (Grundschule, Oberschule/Realschule/Hauptschule, Gymnasium, etc.) Du unterrichten möchtest.

Faktisch entscheiden sich jedoch die meisten Studenten gleich zu Beginn des Bachelorstudiums für einen bestimmten Schultyp bzw. -form.

In Sachsen zum Beispiel wählten in den letzten Jahren die meisten das gymnasiale Lehramt. Die problematische Folge: In den nächsten Jahren werden besonders an Grund- und Oberschulen Lehrer fehlen.

Und das ist kein regionales Problem. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken gibt es in NRW die Möglichkeit für (junge) Gymnasiallehrer, einen Zeitlang an einer Grundschule zu unterrichten wenn, sie keine Stelle an einem Gymnasium gefunden haben.

Ein ähnliches Angebot existiert in Baden-Württemberg. Bedingung für eine Anstellung ist hier in der Regel, dass keine Grundschullehrer sich auf die Stelle beworben haben, dass man eine bestimmte Fächerkombination hat und dass man sein Studium mit einer bestimmten Mindestnote abgeschlossen hat.

Wer einmal so eine Stelle ergattert hat, muss während der Beschäftigung an der Grundschule berufsbegleitend eine Zusatzausbildung machen, um die Lehramtsbefähigung für die Grundschule zu erwerben.

Eine schlechte Nachricht gibt es jedoch für Grundschullehrer: Ein Wechsel von Grundschule zu einer höheren Schulart ist ohne ein zusätzliches Studium in der Regel nicht möglich.

Ein Wechsel der Schulform ist unter bestimmten Umständen möglich. Der Lehrermangel macht’s möglich: In einigen Ländern können Gymnasiallehrer nun auch Grundschüler unterrichten. | Quelle: Pixabay

Wechsel in die Verwaltung

Wer nicht mehr aktiv im Schulbetrieb tätig sein möchte, aber dennoch im Bildungssystem bleiben will, hat die Möglichkeit, eine Position im Bereich Verwaltung zu übernehmen.

Damit bleibst Du Angestellter im öffentlichen Dienst bzw. Beamter. Allerdings ist ein solcher Wechsel oft mit finanziellen Einbußen verbunden.

Wechsel an eine private Schuleinrichtung

Zu guter Letzt bleibt Lehrern auch die Möglichkeit, den Dienst an einer öffentlichen Schule zu quittieren, um an einer Privatschule zu unterrichten. Der Vorteil ist hier, dass Arbeitsbedingungen und Schulausstattung oft besser sind.

Gerade wenn man mit den Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs im Staatsdienst oder den Rentenbedingungen unzufrieden ist, kann das eine Alternative sein.

Wer die größtmögliche Unabhängigkeit möchte, für den kommt vielleicht statt einer Festanstellung eine freiberufliche Tätigkeit in Frage. So hast Du die Möglichkeit, an verschiedenen Bildungseinrichtungen parallel zu unterrichten: z. B. Berufsschulen, Volkshochschulen, etc.

Dabei solltest Du jedoch die Einkommensunterschiede von Lehrern im öffentlichen Dienst und Lehrern, die Privatunterricht geben, kennen.

Womit wir schon beim nächsten Thema wären: Kann ein Lehrer im Staatsdienst auch Nachhilfeunterricht geben?

Eine Alternative: Werde Dein eigener Chef, indem Du privat Nachhilfe gibst

So viele Vorteile und Sicherheiten der Lehrerberuf in Deutschland auch bieten mag: Das öffentliche Bildungssystem ist starr und bietet wenig Raum für Flexibilität und persönliche Entfaltung.

Wer eine höhere Stelle anstrebt, steht nicht selten vor dem Problem, dass es keine freien Posten mit Führungsverantwortung gibt.

Und obwohl sich das Problem der beruflichen Mobilität in den letzten Jahren verbessert hat, so dürfte in den vorangegangenen Abschnitten klar geworden sein, dass auch hier noch viele bürokratische Hürden bestehen.

Anders als in anderen Branchen kann man nicht ohne weiteres entscheiden, ob, wann und wohin man eine Versetzung genehmigt bekommt.

Angesichts dieser Abhängigkeit gibt es immer wieder Lehrer, für die zwar kein radikaler Berufswechsel in Frage kommt (denn schließlich ist der Lehrerberuf für die meisten auch eine Berufung!), die sich aber dennoch ein Stück „Freiheit“ dazugewinnen wollen. Und zwar, indem sie Nachhilfe Lehrer werden!

Sie entscheiden sich damit für eine selbstständige Tätigkeit (in der Regel gibt man Nachhilfe freiberuflich) und können – unabhängig von ihren „offiziellen Fächern“ – entscheiden, ob sie Spanisch unterrichten, in Mathe Kurse geben oder Chemie Nachhilfe geben. Vorausgesetzt natürlich, sie sind dazu in der Lage.

Besonders gefragt sind derzeit auch Lehrer, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten.

Wer private Nachhilfe geben will, unterrichtet normalerweise stundenweise. Der Vorteil: Du kannst wohnen wo Du möchtest und auch ein Umzug ist kein Problem.

Das einzige, was Du beachten musst sind ggf. die Höhe der Lebenshaltungskosten am neuen Wohnort sowie die Frage, wie Du Nachhilfeschüler finden kannst.

So wirst Du im wahrsten Sinne des Wortes Dein eigener Herr – sowohl was Deinen Arbeitsort betrifft, als auch, was Deine persönlichen Ziele und Gestaltungswünsche als Lehrer angeht.

Du bist somit völlig unabhängig von den Entscheidungen Vorgesetzter oder den Einschränkungen durch gesetzliche Vorgaben und Bedingungen zur Anerkennung von Lehramtsabschlüssen.

Eine selbstständige Tätigkeit erleichtert die berufliche Mobilität. Wer sein eigener Chef ist, verschafft sich ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit. | Quelle: Pixabay

Der Reiz für all jene, die Nachhilfe anbieten, unabhängiger und selbstbestimmter zu werden, ist groß, hat aber auch seine Kehrseiten. Der größte Nachteil durch diese Selbstständigkeit ist vermutlich der Verlust eines gesicherten Arbeitsplatzes.

Unter dem Strich ist vielleicht der Mittelweg die beste Lösung: Du könntest Dein Arbeitsverhältnis als Angestellter oder Beamter behalten, um die Vorzüge daraus zu ziehen, und parallel dazu im Nebenjob als Lehrer für private Nachhilfe arbeiten oder online Nachhilfe geben – hier bist Du in Deiner geographischen Mobilität nicht so eingeschränkt, wie im klassischen Lehrerberuf.

Außerdem ist Dir freigestellt, ob Du Grundschüler oder Gymnasiasten unterrichtest.

Und nicht zuletzt ist es eine attraktive Möglichkeit, Dir etwas dazuverdienen und Dir die Freiheiten, die Du im Schulalltag vielleicht vermisst, zurückzuholen, indem Du völlig frei bestimmst, wie Du Deinen Unterricht gestaltest.

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