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Wie gebe ich „Schülern“ ab 60 Jahren Privatunterricht?

Von Anna, veröffentlicht am 27/07/2018 Blog > Privatunterricht > Nachhilfe geben > Privatunterricht Geben für Erwachsene & Senioren

Im Gegensatz zu den gängigen Klischees lernen Senioren (egal, ob am Ende ihrer Karriere oder schon in Rente) gerne Neues dazu.

Immer mehr Senioren nutzen Weiterbildungskurse oder Privatunterricht, um ihre Fähigkeiten zu perfektionieren, Kompetenzen aufzufrischen, Gelerntes zu vertiefen oder neue Dinge zu entdecken und zu erlernen.

In diesem Artikel stellen wir die Aspekte vor, die es als Privatlehrer für die Zielgruppe „Senioren“ zu beachten gilt.

Wenn Du ihre Erwartungen kennst, kannst Du auch besser auf ihre Bedürfnisse eingehen.

Diese Gruppe an etwas betagteren Erwachsenen könnte Deinen Kundenkreis erweitern und, wer weiß, vielleicht lernst Du selbst dabei auch noch etwas von der älteren Generation…

Die Unterschiede zwischen Privatunterricht für Senioren und Nachhilfe mit Kindern & Jugendlichen

Wenn man Kindern und Jugendlichen jeden Alters Privatunterricht geben kann, warum nicht auch Senioren?

Privatlehrer für Erwachsene und insbesondere Senioren zu sein, erfordert andere Kompetenzen und vielleicht auch eine ganz andere Herangehensweise.

Schüler der Sekundarstufe I, der Oberstufe oder gar Studenten brauchen vermutlich ein intensiveres Lerntempo, um sich auf Klassenarbeiten, das Abitur oder Uniprüfungen vorzubereiten.

Bei Erwachsenen und Senioren dagegen geht es nicht einfach nur um Nachhilfe als Begleitung zum Unterricht, sondern um personalisierten Privatunterricht im jeweiligen Bereich.

Die Methoden und Ansätze sind also ganz unterschiedlich.

Außerdem weiß man, dass die Fähigkeit, neue Dinge schnell zu lernen, mit dem Alter abnimmt.

Trotzdem können Erwachsene natürlich noch gut Neues erlernen, wenn sie möchten.

Generell wird der Prozess aber etwas länger dauern, was Dich als Nachhilfelehrer dazu bringt, genauer hinzusehen, was Dein „Schüler“ braucht und wie Du es am besten vermitteln kannst.

Senioren und insbesondere Rentner sind meist weniger gestresst und haben mehr Zeit als jüngere Personen.

Dies kannst Du Dir beim Nachhilfe Geben zunutze machen! Du kannst die Lektionen individueller gestalten und euch beiden Zeit lassen beim Lehren und Lernen.

Was ist der Reiz am Unterricht für Senioren? Beim Unterricht für Senioren ist man viel freier und kann alternative Ansätze ausprobieren. | Quelle: Pixabay

Wenn Du Senioren Privatunterricht geben willst (online oder „face-to-face“), achte darauf, dass sie ihren Unterricht selbst mitgestalten können.

Es geht im Gegensatz zu Schülern und Studenten nicht darum, ein vordefiniertes Programm durchzuziehen und bestimmte Lernstandards einzuhalten.

In diesen Fällen ist der Gestaltungsfreiraum natürlich etwas kleiner, da ein klar definiertes Ziel am Ende steht (zum Beispiel das Abitur zu bestehen).

Senioren Unterricht zu geben, erfordert einen flexibleren Ansatz, der in gewissem Sinne auch bereichernder für Dich als Nachhilfelehrer(in) ist.

Hier hast Du die Freiheit, alternative Methoden auszuprobieren, was mit jüngeren Schülern nicht immer möglich ist.

Außerdem können der Inhalt und die Vorgehensweise viel stärker mit den Senioren abgestimmt werden – es findet ein ständiger Austausch statt.

Auf Basis dieses Austausches ein Vertrauensverhältnis zu schaffen ist der Schlüssel zum Erfolg bei Privatstunden für Erwachsene fortgeschrittenen Alters.

Computerkurse für Rentner

Das Klischee, Rentner und Senioren seien hoffnungslos aufgeschmissen, wenn es um die Verwendung neuer Technologien geht, erweist sich immer mehr als falsch.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 nutzen knapp vier von zehn Senioren das Internet.

Die Quote der deutschen Internetnutzer ab 65 Jahren lag damals bei 38% und im Schnitt waren diese älteren Personen 51 Minuten pro Tag online.

Und laut dem jüngst veröffentlichten Social-Media-Atlas (s.o.) verwenden in Deutschland immer mehr Personen ab 60 – die sogenannten „Silver Surfers“ – Facebook.

Ihr Anteil ist um 23 Prozentpunkte gestiegen und 70% der Befragten aus dieser Altersgruppe verwenden Zuckerbergs Plattform.

Diese Entwicklung zeigt sich auch in der erhöhten Nachfrage nach Computerkursen für Senioren.

Familien sind immer mehr über ganz Deutschland verteilt oder sogar im Ausland wohnhaft, und für ältere Personen ist es wichtig, den Kontakt mit ihren Kindern und Enkelkindern zu halten.

Das Internet ist dabei eins der wichtigsten Mittel, um in Kontakt zu bleiben, im Übrigen auch mit Freunden und Bekannten.

Welche Aufgabe hat man als Privatlehrer für Senioren? Der private Nachhilfelehrer fungiert als eine Art Coach. | Quelle: Pexels

Bei solchen Kursen ist es wichtig, sich vorher einen Überblick zu verschaffen, was die Senioren schon können hinsichtlich moderner Kommunikationsmittel und was sie noch lernen wollen.

Meistens sind die zu vermittelnden Kompetenzen relativ einfach gehalten, wie:

  • Im Internet nach etwas suchen (vor allem Google)
  • E-Mails lesen und schreiben
  • Soziale Netzwerke verwenden
  • Sich im Computer zurechtfinden (Dateien, Programme etc.)
  • Office-Anwendungen bedienen (Powerpoint, Excel, Word, Outlook)
  • Sicheres Online-Shopping

Ein sinnvoller Ansatz und Geduld führen zum Erfolg!

Privatunterricht für ältere Angestellte: Eine letzte Herausforderung vor der Rente

Ältere Personen, die noch erwerbstätig sind, sind meistens auf der Suche nach spezielleren Weiterbildungen, denn sie wollen in ihrem Beruf noch vorankommen.

Bevor sie in Rente gehen, suchen manche Senioren noch eine letzte berufliche Challenge und konzentrieren sich auf spezialisiertere Bereiche, um im internationalen Umfeld und dem damit einhergehenden Konkurrenzdruck zu bestehen.

Ein Manager um die 60 beispielsweise, der in einem internationalen Unternehmen arbeitet, wird irgendwann Schwierigkeiten bekommen, wenn er sein Englisch nicht so aufpoliert, dass er effizient kommunizieren und geschäftskritische Informationen verstehen kann.

Im Gegensatz zu Erwachsenen fortgeschrittenen Alters, die bereits verrentet sind, ist für diese Gruppe von Erwachsenen vielleicht eher ein strukturierterer Lernplan notwendig, ähnlich wie für Schüler und Studenten.

Sprachunterricht – schwieriger für Schüler ab einem gewissen Alter?

Oft hört man von Senioren, dass sie sich nicht imstande fühlen, noch eine Fremdsprache zu lernen, dass sie zu alt sind, um sich dem Konjugieren unregelmäßiger Verben oder anderen grammatikalischen Aspekten einer Fremdsprache zu widmen.

Auch diesem Klischee wollen wir die Grundlage nehmen.

Ist es für ältere Personen schwieriger, Fremdsprachen zu lernen? Senioren lernen langsamer, gleichen Defizite im Lerntempo aber durch Erfahrung aus. | Quelle: Pexels

Doch zunächst einmal stimmt es schon, dass es jüngeren Menschen leichter fällt, eine Fremdsprache zu lernen, vor allem, was das Vokabular und die Phonetik angeht.

Der Zenit, was die phonetische Entwicklung angeht, ist mit ca. 10 Jahren erreicht, und danach ist es schwieriger, sich eine authentische Aussprache in einer Fremdsprache anzueignen.

Grund dafür ist, dass es einem laut Moreau und Richelle (1981) mit zunehmendem Alter schwerer falle, unterschiedliche Phoneme voneinander zu unterscheiden.

Trotzdem ist es für gewillte Senioren auf jeden Fall möglich, auch noch nach 60 Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch zu lernen oder ihre Kenntnisse in einer Sprache wieder aufzufrischen und zu vertiefen.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Senioren arbeiten viel eigenständiger als junge Leute.

Die Aufgabe von Nachhilfelehrern ist es also, die Eigenarbeit zu stärken und den Senioren Methoden zum selbständigen Lernen an die Hand zu geben.

Bedenke dabei, dass diese erfahrenen Personen schon ihr Leben lang lernen und nach dem besten Lernansatz für sich selbst suchen.

  • Im Gegensatz zu jüngeren Schülern wissen sie, wie man lernt, und können den leichten Nachteil (langsamere Reaktion, langsameres Aufnehmen von neuen Dingen) dadurch wettmachen, dass sie die Dinge direkter angehen.

Mit anderen Worten: Sie wissen, wie sie effizient lernen können, und auch wenn sie beim Lernen neuer Dinge einen kleinen Nachteil haben, können sie im Allgemeinen besser damit umgehen als junge Menschen und Vieles durch Erfahrung ausgleichen.

  • Außerdem freuen sich ältere Personen über die Herausforderungen und bleiben so stets motiviert!

Sich ein Ziel zu setzen, wie beispielsweise das Bestehen eines Sprachzertifikats wie TOEFL oder DALF, kann eine zusätzliche Motivation sein.

Vielleicht kommen manche Senioren genau deshalb auf die Idee, Sprachunterricht zu nehmen, weil sie ein Zertifikat oder eine Auslandsreise machen wollen – sprich mit Deinen Schülern über deren Motivation und Erwartungen.

Plus: Dies betrifft nicht nur Fremdsprachen!

So erfreut sich das Lernen der deutschen Sprache (DaF Deutsch als Fremdsprache) steigender Beliebtheit, weshalb Du als deutsche/r Muttersprachler/in problemlos auch Deutsch unterrichten kannst.

Senioren & Rentner: Vielleicht die wissensdurstigste Kundengruppe für Privatunterricht?

In einer Gesellschaft, die ständigem Wandel ausgesetzt ist, haben Senioren begriffen, dass sie am Ball bleiben müssen, um nicht von den jüngeren Generationen verdrängt zu werden.

Wann ist es zu spät, neue Dinge zu lernen? Menschen lernen ein Leben lang. | Quelle: Pixabay

Sei es aus reinem Privatvergnügen, wirtschaftlichen oder professionellen Gründen: Wenn es um die Lust am Lernen geht, stehen Senioren ihren jüngeren Mitbürgern in nichts nach.

Ein afrikanisches Sprichwort besagt: „Wenn eine alte Person stirbt, geht eine ganze Bibliothek in Flammen auf“.

Es ist niemals zu spät zum Lernen und der Großteil der Senioren behält sich den Wissensdurst bei oder verspürt diesen sogar noch stärker, wenn es auf die Rente zugeht.

Dies belegt auch die Tatsache, dass sogenannte „Universitäten des 3. Lebensalters“ (U3L) an vielen Orten Zuwachs erfahren.

So beispielsweise in Paris an der Sorbonne, aber auch hier in Deutschland, wie etwa die Goethe-Universität in Frankfurt. (Allerdings erhält man dadurch keinen offiziellen Studienabschluss.)

Zusammengefasst lässt sich sagen:

  • Der Privatunterricht für Senioren boomt.
  • Im Gegensatz zu der gängigen Meinung, dass Senioren an den Rand gedrängt werden und unfähig oder sogar unwillig sind, Unterricht zu erhalten, zeigen jüngere Studien, dass sich die Unterschiede zwischen jung und alt hinsichtlich der Lust am Lernen und technischer Kompetenzen (wie das Erlernen einer Fremdsprache oder das Bedienen technologischer Hilfsmittel) immer kleiner werden.
    Senioren sind genauso in der Lage, sich umzuorientieren und sich neues Wissen anzueignen.
  • Für Privatlehrer weicht der Ansatz allerdings etwas von den klassischen Methoden ab: eine größere Selbständigkeit der Kursteilnehmer, viel Austausch, Engagement und Geduld – das ist es, was zählt, wenn man Senioren Unterricht gibt.
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