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Was erwartet der Staat vom Englischunterricht in Deutschland?

Von Katerina, veröffentlicht am 06/11/2017 Superprof Blog DE > Sprachen > Englisch > Schulenglisch: Bundesweite Anforderungen in den Lehrplänen 

„Im Jahr 2017 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren rund 9,43 Millionen Personen, die ihre eigenen Englischkenntnisse als sehr gut einschätzten.“ – Bericht im Rahmen der Studie der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse

Diese Statistik ist, unter anderem, damit zu begründen, dass der Englischunterricht in Deutschland verpflichtend und kommunikationsgerichtet ist.

Englisch, die Weltsprache, ist die erste Fremdsprache in (den meisten) deutschen Schulen.

Jedes Bundesland ist für sein Bildungssystem verantwortlich. Das Verfahren und die Lehrpläne unterscheiden sich von Land zu Land, jedoch ist ihr Ausgangspunkt identisch.

Die Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK), zum Beispiel das Kompetenzmodell des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GeR) und die daraus resultierenden Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA), sind deutschlandweit verbindlich.

In Folgenden wird erklärt, was hinter diesen langen Fachbegriffen steckt, in anderen Worten, was von allen deutschen Schülern im Englischunterricht erwartet wird.

Das Ziel: Schüler sollen verstehen, was bis zum Englisch Abitur von ihnen verlangt wird und wie sie sich optimal auf ihr Englisch Abi vorbereiten können.

Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen

Was ist der Gemeinsame europäische Referenzrahmen (kurz: GeR)?

Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen ist ein bildungspolitisches Instrument, das ursprünglich dafür geschaffen wurde, die Mehrsprachigkeit zu fördern.

Heute ist es vor allem als Bezugssystem für Sprachenlernende bekannt.

Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen zielt darauf ab die europäische Mehrsprachigkeit zu fördern. Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen eröffnet ein Fenster für die europäische Mehrsprachigkeit | Quelle: Visualhunt

Was ist ein Bezugssystem, fragst Du Dich vielleicht. Der GeR ist wie eine Karte oder ein Reiseführer, der beschreibt, was ein Sprachenlerner auf einem Sprachniveau in den verschiedenen Bereichen einer Sprache können soll.

Mithilfe der Vorgaben des Referenzrahmens ist Sprachkönnen europaweit transparenter und vergleichbarer geworden.

Dies ermöglicht Universitäten und Arbeitgebern, Menschen aus ganz Europa sprachlich besser zu beurteilen. Das wiederum erleichtert Dir die europaweite Jobsuche und Studium.

Dein Sprachniveau gibst Du im Lebenslauf an. Dieses kannst Du entweder anhand Deines Schulabschlusses oder extern abgelegter Sprachzertifikate belegen.

Wenn Du in Deutschland Dein Englisch Abitur erfolgreich ablegst, verfügst Du in aller Regel über Sprachkenntnisse auf dem Niveau C1 (dazu gleich mehr).

Manche Schulen bzw. Hochschulen bieten es außerdem an, einen TOEFL oder ein Cambridge Zertifikat direkt an der Schule abzulegen. Erkundige Dich, ob Deine Schule / Hochschule das auch anbietet!

Sprachen Lernen: Niveaustufen A1 bis C2

Wie funktionieren die Sprachniveaus?

In sechs Niveaustufen für jede Kompetenz weist der GeR möglichst objektive Kriterien zur Beurteilung sprachlichen Könnens aus. Die Niveaus werden mit drei Obergruppen A, B und C eingeteilt und jede davon in zwei Untergruppen 1 und 2 unterteilt.

Das Schulenglisch ist darauf ausgerichtet, Dein Können Schritt für Schritt aufzubauen.

Du fängst bei null an und der Englischunterricht ist dafür da, dich vom Anfängerniveau (A1) zu den grundlegenden Kenntnissen (A2) zu bringen.

Daraufhin soll Dich der Englischunterricht an der Schule so fördern, dass Du bis zur mittleren Schulreife / MSA den Schritt zum fortgeschrittenen (B1) oder gar zum selbstständigen Können (B2) schaffst.

Fachkundige Sprachkenntnisse (C1) erreichst du in der Regel mit dem Englisch Abitur.

Das Niveau, das dem eines Muttersprachlers ähnelt (C2), kannst Du erreichen, wenn Du Englisch studierst oder Dich für einen längeren Sprachaufenthalt in einem englischsprachigen Land entscheidest.

Meistens reicht ein B1-, B2- oder C1-Niveau, um in der jeweiligen Sprache im Ausland zu studieren oder professionell zu arbeiten.

Auf welchem Niveau Du Dich aktuell befindest, hängt davon ab, wie fleißig, seit wie vielen Jahren und wie viele Stunden pro Woche Du schon Englisch lernst.

Wenn Du ganz neugierig bist, wie Du aktuell stehst, frage einfach Deine/n Englischlehrer/in, wie er/sie Dich einschätzt, oder mache einen Test online.

Dies sind jedoch nur Schätzungen. Eine professionelle Beurteilung bekommst Du erst durch einen offiziell zertifizierten Test.

Steigere Dein Englischniveau Schritt für Schritt. Schritt für Schritt bist Du ein bisschen besser in Englisch | Quelle: Visual Hunt

Kompetenzen im Englischunterricht

Welche Bereiche der englischen Sprache muss ich beherrschen?

Das Kompetenzmodell für den Fremdsprachenunterricht unterscheidet zwischen fünf „funktional-kommunikativen Kompetenzen“: den rezeptiven Fertigkeiten Lesen und Hören, den produktiven Fertigkeiten Sprechen und Schreiben sowie einer weiteren Kompetenz, die neu ergänzt wurde – der mündlichen und schriftlichen Sprachmittlung.

Die Lehrpläne an deutschen Schulen bauen auf diesen Fertigkeiten auf. Global gesehen sind sie darauf ausgerichtet, Dich und andere Schüler entlang der vielseitigen Kompetenzen stufenweise des Englischen mächtig zu machen.

Das Ziel ist es, dass Du nach vielen Jahren Englischunterricht nach dem Abitur fähig bist, z.B. nach England zu gehen und Dich dort in den verschiedensten Situationen autonom zu verständigen.

Im Detail werden die Fertigkeiten anhand verschiedener Themen geschult. Ein Schuljahr beinhaltet eine Reihe thematischer Einheiten. Eine Einheit wiederum besteht aus vielen Unterrichtsstunden, jede davon hat einen Fokus.

Idealerweise ist jede Englischstunde darauf ausgerichtet, eine bestimmte Kompetenz zu schulen. 

Mache den Check: Überlege Dir nach einer Stunde Englischunterricht, ob Ihr heute am meisten Schreiben, Lesen, Sprechen, Hören oder Mediation geübt habt.

Natürlich kann es sein, dass in einer Stunde gleich mehrere Kompetenzen in Anspruch genommen werden, jedoch steht eine meist im Zentrum der Stunde.

So musst Du, um beispielsweise zu schreiben, gezwungenermaßen auch einen Ausgangstext, eine Aufgabenstellung oder Deinen eigenen Text lesen, jedoch ist die Schreibaktivität klar im Vordergrund.

Kommunikative Kompetenzen sind wichtig, um Englisch zu erlernen Sei kein Stormtrooper und lerne die kommunikativen Kompetenzen, um schnell Fortschritte beim Englischlernen zu machen. | Quelle: CD Hancock via Visualhunt

Rückblick in die Geschichte des Englischunterrichts

Wie sind die Kompetenzen entstanden?

Heute fördert der Lehrer abwechselnd die fünf Kernkompetenzen und stellt dadurch sicher, dass sein Unterricht die Schüler vielseitig entwickelt.

Das Gegenbeispiel wäre, im Unterricht nur Texte zu lesen und dann festzustellen, dass die Schüler zwar darin kompetent sind, Geschriebenes zu verstehen, zu analysieren, zu übersetzen und einem Text Informationen zu entnehmen, aber bei einer Begegnung mit einem Amerikaner komplett unfähig sind, sich in der Fremdsprache zu äußern.

Dieses Gegenbeispiel ist nicht aus der Luft, sondern aus der Realität gegriffen: Bis zu den 60er Jahren wurden Fremdsprachen in Deutschland und vielen anderen Ländern nach der Grammatik-Übersetzungsmethode unterrichtet, bis man eben feststellte, dass die Lerner sehr einseitige Kenntnisse erwerben.

Mit dieser Erkenntnis kam in der Wissenschaft des Sprachunterrichts, der Fremdsprachendidaktik, die sogenannte „kommunikative Wende“.

Seither wurde geforscht, wie man Fremdsprachen so unterrichten kann, dass die Lerner in verschiedenen Situationen fähig sind, die Sprache zu nutzen.

2001 wurde bei einer Sitzung zur Mehrsprachigkeit im Europarat das Kompetenzmodell vorgestellt und gilt nun als Richtlinie für den europäischen Sprachenunterricht.

Seit 2003 ist dieses Modell in den Bildungsstandards für moderne Fremdsprachen in Deutschland übernommen (vgl.: Decke-Cornill/Küster, 2014).

Englisch Grammatik und Wortschatz

Wo sind die Englische Grammatik und der englischsprachige Wortschatz geblieben? Braucht man sie nicht mehr?

Kompetenzen bestimmen den Schwerpunkt der Arbeitsweise einer Unterrichtsstunde. Sprachliche Mittel wie Grammatik und Wortschatz, aber auch Aussprache und Rechtschreibung sind ihnen untergeordnet.

Das heißt nicht, dass sie unwichtig sind. Im Gegenteil, ohne Vokabeln kann man sich überhaupt nicht verständigen.

Untergeordnet heißt, dass diese sprachlichen Mittel eine Art Diener der Kompetenzen sind. Man behandelt zum Beispiel das Verb „to wear“, die Zeitform „present progressive“ und Kleidungsvokabular, um zu lernen,

…sich in einem Kleidungsgeschäft zu äußern (Sprechen) oder beraten zu lassen (Hören),

…einen Katalog selbst zu verstehen (Lesen) oder einer deutschsprachigen Freundin zu helfen, ihn zu verstehen (Sprachmittlung).

Sprachkönnen vs. Sprachwissen

Warum braucht man überhaupt Kompetenzen? Ist der Englischunterricht nicht dazu da, über englischsprachige Länder, ihre Sehenswürdigkeiten, Kulturen und Geschichte zu lernen?

Diese Frage greift in den Konflikt von Sprachkönnen und Sprachwissen ein. Ist es wichtiger, im Sprachunterricht zu lernen, die Sprache zu beherrschen, oder Wissen über die Sprache und Länder zu lernen?

Nur Option A zu wählen führt zu kultureller Ignoranz; Option B allein macht Schüler zu passiven Fachidioten.

Beides ist unerwünscht, daher versuchen die Englischlehrer eine Brücke zwischen den beiden Polen zu schlagen.

Neben alltäglichen Kommunikationsthemen lernt man im Englischunterricht interkulturelle Inhalte: Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Literatur der englischsprachigen Länder.

Hast Du Dich schonmal gefragt, in wie vielen Ländern der Welt Englisch gesprochen wird? | Quelle: Visualhunt

Die Zeit des englischen Imperialismus ist längst vorbei. Eine geographische Offenheit, auch Pluralismus genannt, ist im Englischunterricht Priorität.

Die Lehrbücher stützen den Englischunterricht dabei, nicht nur England, sondern auch verschiedene andere englischsprachige Länder wie Neuseeland, USA und Australien in Tiefe zu behandeln.

Dabei helfen können Euch auch englische Muttersprachler, die gezielt mit Euch beispielsweise die englische Aussprache üben oder per Webcam Englische Konversation mit Euch betreiben, um Euren Akzent zu trainieren (Stichwort: Englisch Online Lernen).

Themenwahl im Englischunterricht

Eine neunte Klasse in Frankfurt lernt heute im Englischunterricht vielleicht etwas über die britische Hauptstadt London, während gleichaltrige Schüler in Hamburg sich mit der Kultur der Aborigines in Australien beschäftigen.

Woran liegt das und wer entscheidet über die Themen?

Der Grund dafür ist, dass jedes Bundesland verpflichtet ist, die Schüler nach dem Kompetenzmodell zu unterrichten; die Themenwahl hingegen ist den Ländern frei gelassen.

Meist werden die Themen von den Schulbuchverlagen vorgeschlagen. Dann wählt jede Schule einen Verlag und eine Lehrwerk-Reihe für den Englischunterricht.

Jedem Lehrer wiederum ist die Wahl überlassen, seinen Unterricht in gewissem Rahmen individuell zu gestalten: die Lektionen in ihrer Reihenfolge oder unabhängig davon zu behandeln, Themen zu ersetzen oder wegzulassen.

Wir hoffen nun, dass Du mithilfe dieses Einblickes hinter die Kulissen des Englischunterrichts besser nachvollziehen kannst, warum Dein Englischunterricht so verläuft, wie Du ihn kennst, und was für Gedanken dahinterstecken.

Wenn Du außerdem erfahren willst, wie Du Dein Englisch Abitur optimal vorbereiten kannst, lies hier weiter!

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