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Der Aufstieg von Verhaltensökonomik im 21. Jahrhundert

Von Yeliz, veröffentlicht am 20/09/2019 Blog > Wirtschaft > Verhaltensökonomik: Wie verhalten sich Menschen in wirtschaftlichen Situationen?

Die Verhaltensökonomik, auf Englisch behavioral economics genannt, ist ein relativ neues Feld in der Ökonomie und wird oft mit den eher etablierten Bereichen, wie der neoklassischen Wirtschaftstheorie oder post-keynesianischen Theorie, verglichen.

Die Verhaltensökonomik steht im Gegensatz zu der klassischen Ökonomie – denn die Verhaltensökonomik basiert durch eine Kombination aus Psychologie und Ökonomie auf der Annahme, dass Menschen, wenn sie mit wirtschaftlichen Entscheidungen konfrontiert werden, nicht immer die rationale Option wählen.

Verhaltensökonomen würden damit argumentieren, dass sich der Einzelne nicht immer von seinen Emotionen distanzieren kann, wenn es um wirtschaftliche Entscheidungen geht – manchmal steht eben das Herz über den Kopf.

Klassische und neoklassische Wirtschaftsschulen würden hingegen glauben, dass Individuen:

  • rationale Wirtschaftsakteure sind.
  • …in der Lage sind, die Vor- und Nachteile einer Entscheidung objektiv abzuwägen.
  • neue Informationen bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen.

Bis vor kurzem stand die neoklassische Theorie in der Ökonomie nahezu unberührt an erster Stelle – die keynesianische Wirtschaftstheorie kam stellenweise mal heran, aber übernahm nie Überhand.

Mit dem Aufkommen globaler Ereignisse, wie der Finanzkrise 2008, die nicht mit der traditionellen neoklassischen Theorie erklärt werden konnte, gewannen auch andere Varianten des ökonomischen Denkens an Bedeutung.

Die Verhaltensökonomik, oder auch behavioral economics, genießt eine Phase, in der sie höhere Aufmerksamkeit bekommt – und es ist leicht zu verstehen, warum das so ist.

Mit einer Reihe von Nobelpreisträgern auf diesem Gebiet und der Tatsache, dass die Verhaltensökonomik verstärkt dazu beiträgt, Entscheidungen, die wir treffen, besser zu erklären, gewinnt dieses relativ neue und wachsende Gebiet mehr und mehr an Bedeutung.

Dieser Artikel beschreibt einige Schlüsselbereiche der Verhaltensökonomik und nennt einige wichtige Personen, die mit ihrer jeweiligen Arbeit hervorzuheben sind.

Verhaltensfinanzierung (behavioral finance)

Die Verhaltensfinanzierung, oder auf Englisch auch behavioral finance, ist ein Teilgebiet der Verhaltensökonomik, die versucht, die Prinzipien der Verhaltensökonomik, inklusive der Psychologie, anzuwenden, um das Verhalten der Finanzmärkte zu erklären.

Manchmal bewegen uns unsere Emotionen zu Entscheidungen – das ist Verhaltensökonomik. | Quelle: Pixabay

Das Feld basiert auf dem gleichen Feld wie die Verhaltensökonomik: Das Individuum ist kein rationaler Entscheidungsträger und handelt nicht immer auf eine Weise, die sein persönliches Vermögen maximiert – wie bisher angenommen.

Die Verhaltensfinanzierung richtet sich also nicht nach der effizienten Markthypothese mit der Vorstellung, dass die Preise von Waren und Dienstleistungen alle verfügbaren Informationen widerspiegeln.

Mit diesen Prinzipien versucht die Verhaltensfinanzierung zu erklären, warum Marktanomalien auftreten:

  • Dramatischer Anstieg der Aktienwerte, einschließlich Marktblasen
  • Drastische Kurseinbrüche an den Aktienmärkten

Es gibt viele Vorteile, mehr über die Verhaltensfinanzierung zu erfahren und zu verstehen.

Beispielsweise haben Fondsmanager ein persönliches Interesse daran, zu verstehen, wie sich die Verhaltensfinanzierung auf die von ihnen getroffenen Anlageentscheidungen auswirken kann, indem sie wissen, welche unbewussten Verzerrungen dazu beigetragen haben, eine Entscheidung zum Kauf oder Verkauf einer Anlage zu beeinflussen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Konzepte der Verhaltensfinanzierung erklärt.

Bestätigungsverzerrung

Die Bestätigungsverzerrung, auf Englisch auch confirmation bias, ist eine Möglichkeit, durch die Individuen dazu tendieren, Informationen verzerrt wahrzunehmen.

Dies geschieht, weil der Einzelne dazu neigt, Beweise anzuerkennen, die seine eigenen Interpretationen und Überzeugungen stützen, und eben die zu ignorieren, die ihnen widersprechen.

Herdenverhalten

Die Idee hinter dem Herdenverhalten ist die Tendenz der Menschen, den Handlungen anderer zu folgen, ohne viel darüber nachzudenken, ob sie es wirklich tun sollten.

Mit diesem Verhalten kann man Veränderungen an der Börse gut erklären, wie zum Beispiel die Dotcom-Blase in den 90er Jahren und große Aktienverkäufe.

Verlustaversion

Die Verlustaversion ist eine der wichtigsten Einsichten der Verhaltensökonomik, die besagt, dass der Einzelne Verluste höher gewichtet als Gewinne. Man will also unbedingt Verluste vermeiden.

Selbstwertdienliche Verzerrung

Die selbstwertdienliche Verzerrung, auf Englisch self-serving bias, beschreibt die Tendenz des Einzelnen, positive Ergebnisse seinen eigenen Fähigkeiten und Kenntnissen zuzuschreiben.

Negative Ergebnisse hingegen werden Ereignissen zugeordnet, die außerhalb der Kontrolle des Einzelnen stehen. Das Konzept wurde in der Psychologie sehr genau untersucht.

Die Verhaltensfinanzierung erklärt mit verschiedenen Konzepten, warum Marktanomalien auftreten. | Quelle: Pixabay

Kennzahlen der Verhaltensökonomik

Über die Jahre haben sich eine Menge Ökonomen und Psychologen zu bedeutenden Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Verhaltensökonomik entwickelt.

Wir stellen Dir nachfolgend einige der Pioniere vor, obwohl Du noch viele weitere finden wirst, wenn Du Dich näher mit der Verhaltensökonomik beschäftigst.

Daniel Kahneman und Amos Tversky

Kahnemann und Tversky gelten in einigen Kreisen als Gründungsmitglieder auf dem Gebiet der Verhaltensökonomik.

Obwohl Daniel Kahnemann viel im Bereich Verhaltensökonomik beigetragen hat, ist er selbst gar kein Ökonom, sondern Psychologe.

Er arbeitete mit seinem bereits verstorbenen Freund Tversky an einer Reihe von Projekten in einer Zeitspanne, die sich über Jahrzehnte erstreckte.

Im Jahr 2002 erhielt Daniel Kahnemann den Wirtschafts-Nobelpreis – Tversky konnte die Auszeichnung leider nicht erhalten, da er 1996 verstarb und der Nobelpreis für gewöhnlich nicht posthum vergeben wird.

Einige ihrer wichtigsten Beiträge auf dem Gebiet der Verhaltensökonomik waren beispielsweise:

  • Die Verlustaversion
  • Die Prospect-Theorie, die davon ausgeht, dass Nettoverluste und -gewinne von Individuen unterschiedlich geschätzt und bewertet werden.

Richard Thaler

Richard Thaler hat in den letzten Jahren mit Sicherheit viel Aufmerksamkeit in den Medien erregt – und das zu Recht.

Mit dem Wirtschafts-Nobelpreis, der ihm 2017 verliehen wurde, wuchs das Interesse der Öffentlichkeit an der Verhaltensökonomik dadurch, dass Thalers Ideen an die Oberfläche gelangen.

Obwohl Thaler bereits mit Kahneman und Tversky zusammengearbeitet hat, ist er auch für seine eigenen Leistungen bekannt.

Am bekanntesten ist er wahrscheinlich für Theorien wie:

  • Begrenzte Rationalität (boundes reality)
  • Dem Einzelnen innewohnenden Mangel an Selbstbeherrschung (self-control)
  • Nudge-Theorie

Natürlich gibt es, wie in jedem Bereich des ökonomischen Denkens die, welche die Konzepte der Verhaltensökonomik unterstützen, und solche, die die Ideen kritisieren.

Die Hauptkritiker der Verhaltensökonomik sind Ökonomen, die an das Konzept eines effizienten Marktes glauben – und damit glauben sie quasi das Gegenteil von dem, was die Verhaltensökonomik in Bezug auf die Analyse und Vorhersage des Konsumentenverhaltens besagt.

So ist Eugene Fama, bekannt für seine Theorie der Markteffizienz, kein Befürworter der Verhaltensökonomik.

Eines seiner Hauptargumente: Die Markteffizienzhypothese ist zwar nicht perfekt, aber besser in der Vorhersage von wirtschaftlichen Trends und Verhaltensweisen im Vergleich zu dem, was die Verhaltesökonomik oder generell die Ökonomie kann.

Bücher im Bereich der Verhaltensökonomik

Hast Du vielleicht festgestellt, dass die Verhaltensökonomik ein Bereich ist, in dem Du Dich persönlich gern weiter fortbilden möchtest?

Dann kann es sich lohnen, ein paar bekannte Bücher auf dem Gebiet zu lesen!

Es gibt einige Bücher, die Dir das Gebiet der Verhaltensökonomik näher bringen. | Quelle: Pixabay

Die Werke sollten nicht nur einige der wichtigsten Konzepte hervorheben, sondern Dich mit den führenden Denkern in diesem Bereich vertraut machen – das wird Dir vor allem helfen, wenn Du ein Modul im Bereich der Verhaltensökonomik in Deinem Wirtschaftsstudium wählst.

Einige beliebte Werke sind:

  • „Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt”Richard Thaler und Cass Sunstein
  • „Das Lemmingprinzip: Warum auch clevere Leute im Umgang mit Geld schwere Fehler machen und wie man diese korrigiertGary Belsky und Thomas Gilovich
  • „Der unsichtbare Gorilla: Wie unser Gehirn sich täuschen lässt”Christopher Chabris und Daniel Simons
  • „Schnelles Denken, langsames Denken”Daniel Kahnemann
  • „Rebellen des Denkens: Wie Daniel Kahnemann und Amos Tversky die Psychologie revolutionierten”Michael Lewis

Du bist natürlich nicht fest an diese Liste gebunden, die längst nicht alle Bücher auf dem Gebiet der Verhaltensökonomik beinhaltet, und kannst jederzeit zu dem Buch greifen, das Dich am meisten anspricht und interessiert.

Wenn Du mehr über die Schlüsselkonzepte der Verhaltensökonomik erfahren möchtest, kannst Du Dich auch an einen privaten Lehrer wenden, der Dir zusätzlich seine Hilfe und Beratung anbietet.

Superprof hat zum Beispiel eine Reihe privater Lehrer in dem Bereich Wirtschaft.

Lass Deinen Ökonomie-Lehrer einfach im Voraus wissen, welche Bereiche der Verhaltensökonomik oder der Verhaltensfinanzierung Du genauer kennenlernen möchtest, damit er das entsprechende Lehrmaterial zusammenstellen kann.

So wird er das Beste aus Deinen Unterrichtseinheiten herausholen!

Bei Superprof kannst Du entscheiden, ob Du den Unterricht persönlich oder per Webcam absolvieren möchtest – es ist also für jede Zeitkapazität und für jedes Budget etwas dabei!

Gib einfach Deine Stadt ein und es werden Dir die passenden, verfügbaren Lehrer angezeigt! Und schon bald wirst Du mehr über die Verlustaversion von Kahnemann und Tversky oder die Nudge-Theorie von Thaler erfahren!

Ein privater Lehrer kann Dir dabei helfen, Dich auf dem Gebiet der Verhaltensökonomik fortzubilden. | Quelle: Pixabay

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