"Bildung lässt sich nicht downloaden.", Günther Jauch.

Der Computer und das Internet ermöglichen uns den Zugriff zu einem riesigen Wissensschatz. Allerdings gehören zur vollständigen Bildung auch die Erfahrung, der Kontakt mit anderen Menschen, Kulturen und Bildungssystemen.

Wenn man Bildung und Ausland in einem Satz sagt, denken die meisten sofort an ein Erasmus Studium. Und das Erasmus Studium ist tatsächlich ein sehr guter Weg, um im Ausland studieren.

Es gibt aber auch noch einen anderen Weg an eine ausländische Universität: das Lektorat! Lektoren*innen sind Menschen mit meist abgeschlossenem Hochschulstudium, die für ein Semester oder länger an eine ausländische Universität gehen, um dort zu unterrichten und sich selbst weiterzuentwickeln. Und besonders viele Angebote gibt es im DaF (Deutsch als Fremdsprache) Bereich. Perfekt, wenn Du Deutsch im Ausland unterrichten willst!

Hier gehst Du also schon einen Schritt weiter als bei einem Auslandsstudium: Du unterrichtest, Du verdienst Geld, Du bildest Deine eigenen Kompetenzen weiter aus und Du machst tolle Erfahrungen im Ausland.

DaF Lehrer*innen können viele unterschiedliche Berufe ausüben. Viele Menschen mit guter Qualifikation haben aber die Lektorats-Option nicht unbedingt auf dem Schirm. Deswegen stellen wir Dir hier vor, wie Du mit einer DaF Ausbildung Lektor*in im Ausland werden kannst.

Was macht so ein*e DaF Lektor*in im Ausland?

Warum gibst Du nicht auch DaF Unterricht in Berlin oder bietest einen Deutschkurs Stuttgart an?

Erasmus ist nicht die einzige Option, um im Rahmen des universitären Systems ins Ausland zu kommen. Du kannst auch Lektor*in werden!

Wie wäre es also, Du suchst Dir eine Lektorenstelle in einer ausländischen Universität?

Als DaF Lektor*in vermittelst Du die deutsche Sprache als Fremdsprache. Anders als ein*e Fremdsprachenassistent*in unterrichtest Du alleine. Du arbeitest im Schnitt 12-15 Stunden die Woche, das kann aber von Universität zu Universität variieren. Die finanzielle Unterstützung oder Bezahlung hängt vom Land und der Institution ab und gegebenenfalls von der Organisation, die Dich fördert. Das sind Informationen, die Du meistens dem Stellenangebot entnehmen kannst.

Hast Du Lust an der Uni zu unterrichten?
Als Lektor*in unterrichtest Du in der Regel Erwachsene! | Quelle: Pexels

Wie lange arbeitest Du als Lektor*in?

Es gibt kein Zeitlimit, aber meistens sind solche Stellen auf 1-4 Jahre begrenzt. Manchmal kann es auch passieren, dass die Universität bei der Du angestellt bist, Deinen Vertrag verlängern will. Darüber kannst Du dann zu gegebener Zeit verhandeln.

Oft wird von Dir verlangt, dass Du ein abgeschlossenes Hochschulstudium hast, das nicht allzu lange zurückliegt.

Was ist so toll am Lektorenjob für DaF?

  • Du vermittelst Dein Lieblingsfach: die deutsche Sprache als Fremdsprache,
  • Du machst wertvolle Unterrichtserfahrungen,
  • Du führst kulturpolitische Aufgaben aus, was Dein professionelles und akademisches Skillset erweitert,
  • Du verfeinerst Deine interkulturellen Kompetenzen,
  • Du tauchst ganz in eine andere Kultur ein und lernst eine neue Sprache,
  • Du verdienst Geld.

Was machst Du als DaF Lektor*in?

Als Lektor*in kannst Du die unterschiedlichsten Aufgaben erfüllen, das hängt ganz von der Universität ab, an der Du arbeitest. Du arbeitest etwa 12-15 Stunden. Ganz im Sinne des DaF Lehrer-Berufs ist Dein Hauptziel natürlich die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur.

Folgende Aufgaben können Dir anvertraut werden:

  • DaF Sprachkurse anbieten (z.B. auch einen Deutschkurs Online),
  • Erstellung von Prüfungsaufgaben und Durchführung von Prüfungen,
  • Lesetraining anbieten,
  • Didaktik und Methodik Deutsch als Fremdsprache unterrichten,
  • Deutschkurs für Konversation leiten,
  • Landeskunde unterrichten,
  • Spezifischere Kurse zur deutschen Sprache, Literatur oder Geschichte anbieten,
  • Sprechstunden für Deine Schüler*innen einrichten, sie über Studienmöglichkeiten und Stipendien in Deutschland beraten,
  • Mitarbeit bei der Studiengangsplanung,
  • Kulturelle Veranstaltungen innerhalb der Hochschule organisieren und mitwirken,
  • Die Kontakte zu deutschen Organisationen (DAAD, DFG, Goethe-Institut e.V. u. a.) pflegen,
  • Beteiligung an der Akademischen Selbstverwaltung und Wahrnehmung administrativer Aufgaben,
  • Beratung von Kollegen in Fachfragen und bei Publikationen, usw.

Wie Du siehst, ist Dein Aufgabenfeld breit und sehr divers angelegt. Ein DaF Lektorat ist die perfekte Möglichkeit, um viel zu lernen und sich für den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und anderen Ländern einzusetzen.

Was ist der Unterschied zwischen einem*r Lektor*in und einem*r Sprachassistent*in?

Als Sprachassistent führst Du auch Deutsch als Fremdsprache Unterricht durch, bist da aber meist nicht alleine. Des weiteren wirst Du oft von einem*r Lektor*in betreut.

Ein*e Lektor*in erhält normaler Weise mehr Geld als ein*e Sprachassistent*in.

Wohin soll es gehen?

Dir sind keine Grenzen gesetzt! Universitäten und Schulen auf aller Welt suchen nach DaF Lektoren*innen. Du kannst Dich direkt an den Universitäten bewerben oder über gewisse Mittlerorganisationen gehen, die Dir meist auch noch zusätzliche finanzielle Unterstützung anbieten.

Jede Universität der Welt kann im Grunde Lektorenstellen anbieten. Du brauchst Dich nur zu bewerben!

Hast Du Lust auf Reisen?
Dein Lektorat: eine gute Gelegenheit, um die Welt zu entdecken! | Quelle: Pexels

Dein Gehalt hängt natürlich auch vom Land und der Universität ab. Zusätzlich zu den Arbeitsbedingungen, der Unterstützung, die Dir zugesichert wird, den von Dir verlangten Aufgaben, kann das Gehalt natürlich bei Deiner Wahl auch eine große Rolle spielen. In Deutschland z.B. verdient ein*e Lektor*in in etwa 1500 €, bei 12-15 Unterrichtsstunden die Woche.

Da musst Du natürlich noch die Vorbereitungszeit hinzuzählen. Für einen Halbzeitjob ist die Bezahlung ganz ok, aber wie gesagt, das hängt natürlich immer vom Land, den Lebensunterhaltungskosten, usw. ab.

Die Länder, die am meisten Lektoratsstellen anbieten sind Großbritannien, Frankreich, die USA, Kanada und China.

Ein*e DaF Lektor*in erzählt von seiner*ihrer Erfahrung:

"Die mir zugewiesenen »Fächer« lauteten wie schon im Jahr zuvor Landeskunde und Konversation, ergänzt noch durch Hauslektüre. Da ich jede Gruppe viermal pro Woche sah, konnte sich ein sehr intensiver Kontakt zu den – hauptsächlich – Studentinnen entwickeln, was noch mehr als bei uns das »A und O« für eine gute Arbeitsatmosphäre bedeutet. Die Gruppen bestanden aus 12 bis 14 Studenten/-innen. Ihr Leistungsniveau war unterschiedlich. Allesamt waren sie sehr lebendig und sehr, sehr interessiert. Das Zusammenarbeiten mit ihnen machte mir ungeheuren Spaß, wie die Arbeit überhaupt den Punkt darstellt, der mich u.a. bislang doch immer wieder gerne in das Land zurückkehren ließ."

Wie bewirbst Du Dich auf eine DaF Lektorenstelle?

Wie bewirbst Du Dich eigentlich, um Lektor*in zu werden?

Die Bedingungen sind meist überall die gleichen: Du musst ein abgeschlossenes Hochschulstudium in DaF oder Germanistik haben, was meist mindestens einen Bachelor und einen ein oder zweijährigen Master bedeutet. Außerdem solltest Du Deutsch Muttersprachler*in sein.

Bei vielen Universitäten und vor allem dann, wenn Du Dich initiativ oder unabhängig von Mittlerorganisationen bewirbst, wird auch schon Unterrichtserfahrung vorausgesetzt.

Willst Du internationale Studenten*inn unterstützen, die an Deutschland interessiert sind?
Als Lektor*in kannst Du Studenten*innen auch bei ihrer Studienplatz- und Stipendiensuche in Deutschland unterstützen. | Quelle: Unsplash

Du solltest Dich auf jeden Fall erst einmal an den Fachbereich Deiner Universität wenden. Vielleicht hat Deine Uni Verträge mit internationalen Universitäten abgeschlossen, die den Lektorenaustausch fördern. Dann wirst Du auch meist logistisch und eventuell auch finanziell unterstützt, was natürlich hilfreich ist.

Du kannst Dich natürlich auch direkt an die Fachbereiche der Universitäten wenden, die Dich interessieren. Eine Initiativbewerbungen wird immer gerne gesehen!

Vor Deiner Initivativbewerbung solltest Du jedoch überprüfen, ob es auf der Webseite der Universität nicht einen Bereich mit Stellenausschreibungen gibt. Vielleicht wirst Du da ja fündig!

Für die Bewerbungen werden meist die üblichen Unterlagen verlangt:

  • Lebenslauf,
  • Motivationsschreiben,
  • Zeugniskopien,
  • Referenzen,
  • ev. Kopie des Ausweises,
  • ev. Nachweise über Lehrtätigkeiten.

Du kannst Dich auch auf der Seite www.deutsch-als-fremdsprache.de umschauen. Dort gibt es eine Jobbörse, in der immer wieder Stellenangebote gepostet werden.

Einer der letzten Stellengesuche wurde z.B. am 4.12.2019 vom Deutschkolleg der Tongji-Universität in Shanghai gepostet. Bei dieser Stelle müsstest Du 12 Stunden die Woche unterrichten, Du würdest 980 Euro pro Monat verdienen, eine kostenlose, möblierte Unterkunft und einen Flugzuschuss von bis zu 1120 Euro pro Semester erhalten und die Visa Kosten und die Behandlung im Krankenhaus der Universität würden ebenfalls übernommen werden. Gar nicht so schlecht, oder?

Du möchtest aber lieber über eine Organisation vermittelt werden? Dann haben wird genau das Richtige für Dich. Der DAAD und die Robert Bosch Stiftung haben nämlich spezifische Lektorenprogramme, die sehr attraktiv sind.

Du könntest natürlich auch freier unabhängiger DaF Dozent werden!

Was ist das Lektorenprogramm beim DAAD oder der Robert Bosch Stiftung?

Du willst unter besonders attraktiven Konditionen ein Lektorat im Ausland antreten? Dann solltest Du Dir überlegen, ob Du Dich nicht beim DAAD Lektorenprogramm oder bei der Robert Bosch Stiftung bewirbst.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Robert Bosch Stiftung vermitteln jedes Jahr hunderte von Lektorinnen und Lektoren vorrangig im Fach Germanistik / Deutsch als Fremdsprache an Hochschulen, die über die ganze Welt verteilt sind.

Willst Du Studenten*innen Dein Wissen weitergeben?
Als Lektor*in unterstützt Du Studenten*innen in den unterschiedlichsten Bereichen. | Quelle: Pexels

Bei diesen vermittelten Lektorenstellen hast Du neben der Unterrichtsverpflichtung auch weitere fachliche und kulturpolitische Aufgaben. Eine durch den DAAD oder die Robert Bosch Stiftung vermittelte Lektorenstellen dauert in der Regel maximal 4-5 Jahre.

Ziele dieses Austauschprogramm sind die persönliche wie auch die gesellschaftliche Weiterentwicklung. So werden Dir viele verschiedene Weiterbildungsangebote zugänglich gemacht, bei der Robert Bosch Stiftung kannst Du z.B. an einer Weiterbildung in Projektmanagement teilnehmen. Die Lektoren*innen bilden außerdem ein Netzwerk, das auch über das Lektorat hinaus bestehen bleibt. Das ist sehr nützlich, vor allem wenn Du vorhast, einmal selbständige*r DaF Lehrer*in zu werden.

Du erhältst ein reguläres Ortsgehalt von Deiner Gasthochschule, und zusätzlich dazu noch eine finanzielle Förderung des DAAD oder der Roberts Stiftung. Das bedeutet also, dass Du Dich während Deines Lektorats ganz stressfrei auf Deine Aufgaben und Deine Weiterentwicklung konzentrieren kannst.

Wie bewirbst Du Dich auf eine geförderte Lektorenstelle?

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Du gehst auf die Webseite der DAAD oder der Robert Bosch Stiftung. Wenn es eine Ausschreibung gibt, die Dich interessiert, reichst Du Deine Bewerbung ein. Folgende Dokumente werden benötigt:

  • Online-Bewerbungsformular,
  • Tabellarischer Lebenslauf,
  • Motivationsschreiben,
  • Abschlusszeugnis(se),
  • Ggf. Bescheinigungen über Lehr- und sonstige Berufserfahrung,
  • Oft auch ein aktuelles Gutachten einer Hochschullehrerin bzw. eines Hochschullehrers.

Bei fachlicher Eignung und überzeugender Bewerbung wirst für eine persönliche Vorstellung in der Auswahlkommission eingeladen. Wenn sich die Auswahlkommission für Dich entscheidet, wirst Du nominiert und dann muss nur noch auf die Zusage der Gasthochschule gewartet werden. Voilà!

Bist Du bereit, Dich auf eine Lektorenstelle im Ausland zu bewerben? Du weißt jetzt, was zu tun ist. Viel Erfolg!

Auf der Suche nach einer Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache (DaF)?

Dir gefällt unser Artikel?

5,00/5 - 1 vote(s)
Loading...

Florence

Meine Städte sind Berlin und Paris, aber mein Herz gehört der Welt, den Menschen und unterschiedlichen Kulturen: Ich reise und übersetze leidenschaftlich gerne. Meine Neugier und mein Wissensdurst kennen keine Grenzen!