Sich für die arabische Sprache und Kultur zu interessieren, heißt auch zu verstehen, wie vielseitig und reich sie sind.

Arabisch, die heilige Sprache des Koran und des Islam, ist alt, sehr alt: die ältesten schriftlichen Dokumente stammen aus dem 600 Jahrhundert. Die Schrift fasziniert viele, die nicht damit vertraut sind.

Früher gab es den Beruf des Schreibers, der die Schriftzeichen gekonnt zu Papier brachte. Heute hat die Druckerei diese Aufgabe übernommen.

Die Aufgabe des Schreibers war nicht nur, den Inhalt festzuhalten, sondern auch die schöne Gestaltung der Schrift. Diese Kunst nennt man die „Kalligrafie“. Die Schriften der arabischen, chinesischen oder japanischen Sprachen tragen diese Qualität in sich; sie befinden zwischen Handschrift und Zeichnung.

Die arabische Schrift wurde seit ihrer Entstehung dazu genutzt, Gedichte nicht nur zu verewigen, sondern ihnen auch durch die Schönheit des Schriftbilds eine optisch ansprechende Form zu verleihen.

Die Kalligrafie kann Dir also durch ihren optischen Reiz einen Zugang zur arabischen Sprache verschaffen.

Die alte Kunst der arabischen Schrift erlernen

Stell Dir die Poesie einer Sprache vor, die sich nicht nur durch die Worte an sich, sondern auch durch das Schriftbild vermittelt. Es gibt nicht viele Sprachen, die das können. Die chinesische oder japanische Schrift, fallen einem dazu vielleicht als Erste ein – oder eben die arabische.

Die arabische Kalligrafie ist die Kunst der Präzision und einer unvergleichlichen Feinheit, in der es kaum Raum zur Improvisation gibt. Jeder arabische Buchstabe muss in einem klar festgelegten Ablauf gezogen werden. Der Pinsel (oder Qalam – ein Stift aus getrocknetem Schilf) wird an einem Punkt angesetzt und erst am Ende des Zeichens wieder abgesetzt.

Es versteht sich fast von selbst, dass die Geschichte einer so genauen Schrift wie der arabischen (oder orientalischen) sehr weit zurückreicht. Um die ersten arabischen Buchstaben zu finden, muss man weit in der Zeit zurückreisen. Genau gesagt ins Jahr 512 n.Chr., zur Inschrift von Zabad, die in der syrischen Wüste im Mittleren Osten gefunden wurde.

Arabisch als heilige Sprache des Propheten Allah und des Koran, stammt von der aramäischen und nabatäischen Sprache ab und wurde in erster Linie in schriftlicher Form angewandt. Es ist die Sprache der Poeten!

Hierbei handelt es sich um das sogenannte Hocharabisch, das sich deutlich von den unzähligen gesprochenen arabischen Dialekten unterscheidet.

Der Koran ist ein ein Meisterwerk der arabischen Zierschrift.
Die arabische Schrift wurde nicht zuletzt durch den Koran verbreitet. | Quelle: Khadeeja Yasser via Unsplash

Die Technik der Kalligrafie kann man heute in Kursen zu moderner Kalligrafie lernen und sie findet sich in der Kunst der Pergamentbeschriftung wieder.

Wenn Du Arabisch lernst, musst Du wissen, dass es eine Sprach ist, die hauptsächlich auf schriftlichem Weg weitergegeben wurde. Sie ist daher nicht nur außerordentlich literarisch, sondern hat eben auch eine schöne und ansprechende Schrift.

Die verschiedenen Schrifttypen

Gerade wenn Du, wie in alten Zeiten, mit einem Pinsel oder einem zugespitzten Schilfrohr arbeitest, wirst Du das Gefühl haben, eher zu zeichnen oder zu malen als tatsächlich zu schreiben. Damit kann es zu einer kreativen, meditativen oder fast mystischen Tätigkeit werden.

Wir sollten auch nicht vergessen, dass Hocharabisch die Schriftsprache des Koran ist und sich durch ihn verbreitet hat. Die Schrift zu lernen, kann also auch einen religiösen Hintergrund haben.

Du hast Dich entschieden nicht nur die arabische Sprache, sondern auch die Kunst der Schrift zu lernen? Bevor Du Dich ans Üben machst, musst Du wissen, dass es verschieden Schriftarten gibt, die zu unterschiedlichen Zwecken und Gelegenheiten eingesetzt werden. Die vier wichtigsten davon sind:

  • Kufi (oder Hiri): Diese Schriftart wird vor allem in Syrien und dem Irak verwendet. Die Buchtstaben sind sehr schlicht und vertikal. Für Anfänger*innen ist dieser Stil also recht zugänglich.
  • Diwani: Die Diwani-Schrift ist geschwungener und komplizierter. Sie wurde für die Erlasse des Sultans des osmanischen Reichs geschaffen.
  • Farsi: Die Farsi-Schriftart wurde von der persischen Schrift abgeleitet. Sie zeichnet sich durch das Weglassen von eckigen Zeichen aus und wirkt dadurch weicher.
  • Nastalik: Auch Nastalik ist eine persische Schrift, die aber das arabische Alphabet nutzt. Sie ist recht schwierig zu entziffern und vereint Eleganz mit einem archaischen Charakter.
Die Kunst der Kalligrafie wird oft auf Pergamentpapier verwirklicht.
Die arabische Zierschrift kennt verschiedene Stile. | Quelle: Jikatu via Visualhunt

Wenn Du Dich für einen Stil entschieden hat, kannst Du Dich auf die Suche nach einer Lernmethode machen. Wenn Du weder einen Gruppenkurs noch Arabisch Privatunterricht buchen möchtest, hast Du Möglichkeiten im Internet kostenlos zu lernen. Auf YouTube findest Du Erklärungen und Tutorials (meistens auf Englisch) zu den verschiedenen Schriftarten.

Kostenlos online arabisch schreiben lernen

Vielleicht hast Du bereits etwas recherchiert und Suchbegriffe wie „arabisch kostenlos“, „arabisch lernen“, „arabisch online“ oder „arabisch Anfänger“ eingegeben, um endlich einen Weg zu finden, mit Hilfe der Schrift Arabisch zu lernen (Grammatik, Pronomen, Verben, Wortschatz, Alphabet, Aussprache, Vornamen…)

Und wenn Du Dich einem*einer Kalligrafieexpert*in anvertraust? Ein*e muttersprachliche*r Arabisch Lehrer*in, der*die auf Hocharabisch spezialisiert ist? Eine Fremdsprache mit Hilfe professioneller Unterstützung zu lernen ist immer eine gute Lösung. Gleichzeitig wirst Du Deine guten Gründe haben, wenn Du Dich nach anderen Möglichkeiten umsiehst.

Kostenlos online arabisch zu lernen ist kein Ding der Unmöglichkeit! Du kannst im Internet Erklärungen, Bilder oder Videos finden, die Dir beim Lernen helfen.

Auf schriften-lernen.de kannst Du die unterschiedlichsten Schriften lesen und schreiben lernen; so natürlich auch die arabische. Für die klassischen kalligrafischen Zierschriften gibt es eine eigene Seite, auf der alles genau erklärt wird.

Wenn Du erstmal die Grundlagen der arabischen Handschrift kennenlernen willst, findest Du auf der Seite arabisch-online.de ein ganzes Kapitel zu diesem Thema.

Auf YouTube gibt es verschiedenste Videos zur arabischen Schrift im Allgemeinen und der Kalligrafie im Besonderen. Videos haben den Vorteil, dass Du nicht nur das Endergebnis siehst, sondern genau verfolgen kannst, wie ein Buchstabe gezeichnet wird.

Ganz besonders ans Herz legen kann ich Dir den YouTube-Kanal von Adel Ibrahim Sudany, der Lehrbeauftragter Kalligraph an der Universität Frankfurt ist. Sein Kanal heißt ganz einfach arabische Kalligraphie und Du kannst ihm in den Videos aus nächster Nähe bei der Arbeit zusehen.

Auch Daniel Reichenbach von der Website arbische-kalligrafie.ch lässt Dich auf YouTube an seiner Kunst teilhaben. Auf seiner Website selbst kannst Du einige Theorieseiten zur arabischen Schrift herunterladen.

Die Zierschrift wird auch für Inschriften an Gebäuden verwendet.
Auf einer Reise in eine arabischsprachige Region begegnet Dir die arabische Zierschrift an vielen Gebäuden. | Quelle: Verity Cridland via Visualhunt

Arabische Kalligraphie lernen, bedeutet nicht nur die Schrift einer der meistgesprochenen Sprachen der Welt zu lernen! Es ist eine künstlerische Tätigkeit, die eine lange Geschichte hat und tief in den Kulturen des arabischen Sprachraums verwurzelt ist.

Die kalligrafische Schrift findet sich in der Architektur und auf Keramiken. Wenn Du lernst, sie selbst zu zeichnen, wirst Du sie auf Deiner nächsten Reise bestimmt auch lesen können. Der eigene künstlerische Ausdruck verbindet sich also mit dem tieferen Verständnis für eine Kultur.

Zu guter Letzt möchte ich noch einen der international bekanntesten modernen Kalligrafen erwähnen: Ghani Alani. Er kommt aus dem Irak und steht in der Tradition der Kalligrafieschule von Bagdad. Seit vielen Jahren lebt und lehrt er in Frankreich. Im Jahr 2009 erhielt Ghani Alani den UNESCO-Scharjah-Preis für arabische Kultur.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.