"Bevor ich nach Frankreich kam, habe ich einen Schnellkurs „Elementares Französisch“ besucht. Nun bin ich in Frankreich und bin ziemlich erstaunt: Hier spricht offenbar keiner elementares Französisch."

– Sylvia Simmons

Mehr als ein Viertel der Mittelstufenschüler*innen in Deutschland lernen Französisch. Nach Englisch ist Französisch die am zweitmeisten gelernte Sprache an deutschen Schulen. Kein Wunder, denn Frankreich ist unser Nachbarland! Außerdem gibt es Vieles, dass Frankreich so verlockend macht: eine reiche Kultur, eine hohe Lebensqualität, interessante professionelle Chancen, und wunderschöne Landschaften und Städte.

Französisch spielt als Fremdsprache also eine wichtige Rolle an deutschen Schulen. Wie wird Französisch hier unterrichtet?

Im Grunde ist das von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Denn die Lehrpläne sind Ländersache.

Was jedoch alle Lehrpläne und Bundesländer miteinander verbindet sind die Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK), das Kompetenzmodell des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GeR) und die daraus resultierenden Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA).

Was bedeuten die ganzen Wörter? Keine Sorge, auch wir mussten uns das Schritt für Schritt aneignen. Vorweg: Es gibt bundesweite Anforderungen an den Fremdsprachenunterricht Französisch. Auf einer gewissen Ebene ähnelt sich der Französischunterricht in allen Bundesländern.

Wenn Du also bald Dein Französisch Abi vorbereiten musst, bist Du hier auch richtig. Was wird von Dir im Französischunterricht verlangt? Das erfährst Du jetzt. Solltest Du darüber hinaus noch weitere Unterstützung zur Vorbereitung auf Dein Französisch-Abi brauchen, könnte Französisch Nachhilfe online mit einem Privatlehrer via Webcam oder auch klassisch vor Ort die Lösung für Dich sein.

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen

Was ist das eigentlich, der Gemeinsame europäische Referenzrahmen (auch: GeR)?

Der Referenzrahmen wurde in den 1990er Jahren vom Europarat erarbeitet. Ziel war es die individuelle Vielsprachigkeit zu fördern und internationale Kommunikation und Vergleichbarkeit unter den europäischen Mitgliedstaaten zu intensivieren.

Heute ist der GeR vor allem als Bezugssystem für Sprachenlernende und Sprachlehrende bekannt.

Der GeR als Bezugssystem beschreibt, was Du auf welchem Sprachlevel schon können solltest. Anhand gewisser Kriterien können Dein Sprachlevel und Deine Fortschritte evaluiert werden. Die verschiedenen Sprachzertifikate beziehen sich auf das GeR und werden somit vergleichbar.

Wie gut jemand eine Sprache beherrscht, ist somit europaweit vergleichbar und transparent geworden.

Universitäten und Arbeitgeber*innen nutzen den GeR. Aber auch die Lernenden selbst können ihre Sprachkenntnisse nun besser beurteilen und sich auf das Studium oder einen Job adäquat vorbereiten.

Hat Dich Dein Französischunterricht auf ein Studium in Frankreich vorbereitet?
Wenn Du in Paris studieren willst, muss Dich Dein Französischunterricht darauf vorbereitet haben. | Quelle: Pexels

Wenn Du in Deinem Lebenslauf z.B. Deine Sprachkenntnisse angibst, macht es Sinn die Niveaustufe des GeR mit anzugeben. Du weißt nicht welche Niveaustufe Du hast? Dein Schulabschluss oder ein extern abgelegtes Sprachzertifikat sagt es Dir.

Wenn Du ein Französisch Abi machst, hast Du in der Regel das Niveau B2 in Französisch erreicht.

Wenn Du noch Großes vor hast, also z.B. in Frankreich leben und dort studieren oder arbeiten willst, macht es Sinn das DELF- oder DALF-Zertifikat zu machen.

Sprachen lernen: Die Niveaustufen A1 bis C2

Was sind die 6 Niveaustufen des GeR?

Wie gut sprichst Du Französisch? Deine Sprachkenntnis kann anhand objektiver Kriterien beurteilt werden. Es gibt drei Obergruppen: A, B und C. Jede dieser Obergruppen ist in jeweils zwei weitere Untergruppen unterteilt: Somit gibt es A1, A2, B1, B2, C1 und C2.

In der Schule werden Dir Schritt für Schritt Sprachkompetenzen vermittelt.

Als Anfänger*in fängst Du beim Niveau A1 an. Um das Niveau A2 zu erreichen, erarbeitest Du Dir dann im Unterricht grundlegende Kenntnisse wie das Verstehen von einfachen Sätzen und häufig gebrauchten Ausdrücken.

Dann geht es an die fortgeschrittene Sprachverwendung (B1) und die selbständige Sprachverwendung (B2). Für das Französischabitur solltest Du das B2 Niveau haben. Das heißt: Du kannst die Hauptinhalte von komplexen Texten zu konkreten und abstrakten Themen verstehen, Dich spontan und fließend verständigen, Deinen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben. Es gibt zahlreiche gute Websites und Bücher, die alte Abitur Französisch Aufgaben zur Verfügung stellen und Dich auf ein B2-Niveau im Französischen vorbereiten.

Das C1 Niveau, bei dem Du fachkundige Sprachkenntnisse vorweisen kannst und das C2 Niveau, bei dem Du Dich dem Niveau eines*r Muttersprachlers*in annäherst, kannst Du z.B. während eines Französisch- oder Romanistikstudiums erreichen.

Wenn Du in Frankreich leben oder studieren willst, reicht für den Anfang meist ein B2 Niveau aus.

Auf welchem Niveau befindest Du Dich gerade? Das hängt natürlich davon ab, seit wie vielen Jahren und wieviele Stunden pro Woche Du schon Französisch lernst. Und wie sehr es Dich interessiert!

Du kannst Deine*n Französischlehrer*in fragen, wie er*sie Dich einschätzt.

Wenn Du es ganz genau wissen willst, solltest Du einen offiziellen zertifizierten Test machen.

Hast Du eine Französisch-Lerngrupe?
Die Herausforderung Französisch-Abi besteht ihr am besten, wenn ihr zusammenhält. | Quelle: Pexels

Kompetenzen im Französischunterricht

Was solltest Du idealerweise im Französischunterricht lernen?

Das Ziel des Fremdsprachenunterrichts in der Oberstufe ist die Befähigung zum mündlichen und schriftlichen Diskurs. Diese sprachlich-kommunikativen Fähigkeiten dienen dazu, dass Du Dich später im Studium, in der Berufsausbildung und im Beruf zurechtfindest.

Damit das klappt, werden Dir im Fremdsprachenunterricht in Deutschland bestimmte Kompetenzen vermittelt. Es gibt fünf Kompetenzbereiche:

  • Funktionale kommunikative Kompetenz
  • Interkulturelle kommunikative Kompetenz
  • Text- und Medienkompetenz
  • Sprachbewusstheit
  • Sprachlernkompetenz

Im Bereich "funktional-kommunikative Kompetenzen" werden fünf Kompetenzen vermittelt: die rezeptiven Fertigkeiten Lesen und Hören, die produktiven Fertigkeiten Sprechen und Schreiben sowie eine weitere Kompetenz, die neu ergänzt wurde - die mündliche und schriftliche Sprachmittlung.

Idealerweise solltest Du in jeder Unterrichtsstunde eine Kompetenz etwas besser beherrschen. Stell Dir mal die Frage: Welche Kompetenz haben wir heute im Französischunterricht geübt? War es das Sprechen? Oder war es eher das Hören z.B.?

Nach dem Französisch Abi solltest Du in der Lage sein nach Frankreich zu gehen und Dich dort autonom mit Muttersprachlern*innen zu verständigen.

Diese Kompetenzen werden auf der Grundlage von bestimmten Themen vermittelt:

  • Themen, die fachlich, motivatorisch und gesellschaftlich relevant sind,
  • Themen der Lebens- und Erfahrungswelt Heranwachsender,
  • Themen des öffentlichen Lebens der Bezugskulturen,
  • Themen des Alltags und der Berufswelt,
  • Themen globaler Bedeutung.

In jedem Schuljahr bearbeitet ihr eine Reihe von thematischen Einheiten. Jede Einheit besteht ihrerseits aus vielen Unterrichtsstunden in denen der Fokus immer ein bisschen anders gelegt wird.

Kennst Du die französische Gesellschaft?
Im Französischunterricht werden auch gesellschaftliche Themen behandelt. | Quelle: Unsplash

Rückblick auf die Geschichte des Fremdsprachenunterrichts

Wie sind die Kompetenzen entstanden?

Früher haben sich Lehrer*innen die Frage gestellt:" Unterrichten wir die richtigen Sachen?" und: "Welches Wissen vermitteln wir?". Das war der inhaltsorientierte Lehrplan.

Heute stellen sich die Lehrer*innen die Frage: "Unterrichten wir die Sachen richtig? und: "Welche Kompetenzen (=Wissen und Können) vermitteln wir?". Das ist der kompetenzorientierte Unterricht, der nach dem sogenannten "PISA-Schock" im Jahr 2000 entwickelt wurde.

Ziel ist es, dass sich die Schüler*innen so vielseitig wie möglich entwickeln. Wer im Französischunterricht immer nur Texte gelesen hat, kann vielleicht gut Geschriebenes verstehen und analysieren, wird sich aber bei einer Begegnung mit einem*r Franzosen höchstwahrscheinlich mündlich nicht gut ausdrücken können.

In den 60er Jahren wurde die Grammatik-Übersetzungsmethode im Fremdsprachenunterricht Stück für Stück aufgegeben: Das war die "kommunikative Wende".

2001 wurde bei einer Sitzung zur Mehrsprachigkeit im Europarat das Kompetenzmodell vorgestellt. Sie gilt nun als Richtlinie für den europäischen Sprachenunterricht.

Französisch Grammatik und Wortschatz

Das heißt aber natürlich nicht, dass Grammatik und Wortschatz im Fremdsprachenunterricht keine Rolle mehr spielen!

Natürlich muss ein*e Französisch-Lernende auch die französische Grammatik beherrschen und viele französische Vokabeln kennen.

Allerdings werden die Grammatik und der Wortschatz dem Kompetenz-Lernen untergeordnet.

So lernst Du, wie man das Verb "porter" konjugiert, den Modus "conditionnel" und Kleidungsvokabular benutzt, um

...Dich in einem Kleidungsgeschäft zurechzufinden, Deine Wünsche zu äußern (Sprechen) oder Dich beraten zu lassen (Hören),

...einen Modekatalog selbst zu verstehen (Lesen) oder einer deutschsprachigen Freundin zu helfen, ihn zu verstehen (Sprachmittlung).

Sprachkönnen vs. Sprachwissen

Aber bisher sprechen wir nur über die rein sprachlichen Kompetenzen. Kommen die kulturellen Kompetenzen bei all dem nicht zu kurz? Die französische Kultur, Geschichte und Lebensweisen sind ebenfalls wichtig.

Hier geht es um die Frage: Sprachkönnen (=die Sprache beherrschen) vs. Sprachwissen (Wissen über die Sprache und das Land), was hat Vorrang?

Du kennst sicherlich schon die Antwort: keins der beiden!

Ohne Sprachwissen bist Du kulturell ignorant und wirst Dich in Frankreich nicht gut einleben können. Ohne Sprachkönnen ist Dein Wissen nicht anwendbar und Du kannst erst gar nicht mit französischen Muttersprachlern*innen in Kontakt treten.

Deswegen wird im Französischunterricht beides gelehrt: die Sprachkompetenzen, sowie Wissen zur Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Literatur der französischsprachigen Länder.

In wievielen Ländern der Welt wird Französisch gesprochen?
Weißt Du in wie vielen Ländern der Welt Französisch gesprochen wird? | Quelle: Pexels

Im Französischunterricht wirst Du auch etwas über andere französischsprachige Regionen und Länder wie Québec, Neukaledonien, Neukaledonien, Belgien, die Staaten des Maghreb, uvm. lernen.

Französische Muttersprachler*innen, wie Fremdsprachenassistenten*innen oder Tandempartner*innen können Dir dabei helfen Deinen französischen Akzent zu verfeinern. Das geht auch über Webcam!

Themenwahl im Französischunterricht

Eine zwölfte Klasse Klasse Berlin analysiert die Gilets Jaunes und vertieft ihren Wortschatz über die (Französische Revolution), während eine neunte Klasse im Französischunterricht die Jugendsprache und die Lebenswirklichkeit von französischen Jugendlichen durchnimmt.

Das sind ganz unterschiedliche Themen. Wer entscheidet darüber, welches Thema behandelt wird?

In Deutschland ist jedes Bundesland zwar verpflichtet nach dem Kompetenzmodell zu unterrichten; die Themenwahl wird den einzelnen Ländern frei überlassen.

Die Themenwahl wird im Grunde auch durch das benutzte Schulbuch vorgegeben. Jede Schule wählt einen Verlag und die für den Unterricht passende Lehrwerk-Reihe selbst.

Lehrer*innen haben natürlich auch einen kleinen Spielraum in dem sie entscheiden können, welches Thema zuerst dran kommt, welches sie durch ein anderes ersetzen möchten, usw.

Nun verstehst Du hoffentlich besser, warum Dein Französischunterricht so ist, wie er ist. Welche Kompetenzen Dir vermittelt werden und welche Ziele Du erreichen sollst. Alles macht Sinn. Bonne chance!

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Florence

Meine Städte sind Berlin und Paris, aber mein Herz gehört der Welt, den Menschen und unterschiedlichen Kulturen: Ich reise und übersetze leidenschaftlich gerne. Meine Neugier und mein Wissensdurst kennen keine Grenzen!