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Das chinesische Volk: die Entwicklung von früher bis heute

Von Anna, veröffentlicht am 18/04/2019 Blog > Sprachen > Chinesisch > Die Bevölkerungsentwicklung Chinas in den letzten Jahrhunderten: Ein Überblick

Das sogenannte Reich der Mitte ist das bevölkerungsreichste Land der Welt und diese Tatsache fasziniert uns „Westler“ seit jeher.

  • Wie schafft es ein Land, eine solch große Bevölkerung zu unterhalten?
  • Mithilfe welchen Systems wird die Bevölkerung Chinas reguliert, verwaltet, ja begrenzt?

Die Geschichte Chinas ist sehr ereignisreich und geht bis einige Jahrhunderte vor Christi Geburt zurück. Das Land der Morgenröte sah immer wieder interne Konflikte zwischen verschiedenen Dynastien. Vor seiner Vereinigung zu einem Kaiserreich im 3. Jh v. Chr. war es beispielsweise in drei Königreiche geteilt gewesen.

Die Kaiserzeit Chinas geht schließlich im Jahr 1912 mit der Qing-Dynastie zu Ende, um der Staatsform einer Republik zu weichen – ganz ähnlich, wie wir sie heute noch in China sehen.

Superprof hat für Dich alle wichtigen Informationen rund um die Bevölkerungsentwicklung Chinas in den letzten Jahrhunderten zusammengefasst und geht insbesondere auf die großen Reformen des 20. Jahrhunderts ein.

Mithilfe dieses Artikels wirst Du nachvollziehen können, wie sich dieses so besondere chinesische Volk entwickelt hat und was die demografischen Herausforderungen in China waren, sind und sein werden. Viel Spaß!

Die Bevölkerung Chinas: Stadt & Land

Die chinesische Bevölkerung ist schon seit einigen Jahrhunderten die zahlenstärkste auf diesem Planeten. Ein Grund dafür ist, dass sich schon sehr früh eine Agrartradition herausbildete, was dazu führte, dass es in den ländlichen Regionen zu einem zuvor nie dagewesenen Bevölkerungswachstum kam. Wenn man diesem Phänomen die Entwicklung von großen städtischen Gebieten hinzufügt, erhält man schnell eine beeindruckende Zahl.

Hat China viele Großstädte? China hat unglaublich viele Ballungszentren und ein großes Luftverschmutzungsproblem. | Quelle: Pexels

Nehmen wir als Beispiel die Stadt Kanton (oder heute eher unter dem Namen Guangzhou bekannt): Diese war bereits unter der Herrschaft der Song-Dynastie, also zwischen dem 10. und 13 Jh. eine große städtische Siedlung mit mehr Einwohnern und auch einer höheren Fruchtbarkeitsrate, als man das damals sonst auf der Welt kannte. Diese Stadt ist heute eine riesige Metropole, die zu den bevölkerungsreichsten Städten Chinas zählt.

Zahlreiche weitere Metropolen entwickeln sich nach und nach mit einem vergleichbaren Bevölkerungswachstum:

  • Hongkong
  • Nanjing
  • Shenyang
  • Hangzhou
  • Kunming

Und das in den verschiedenen Provinzen:

  • Guangdong
  • Hunan
  • Guizhou
  • Hainan
  • Mandschurei
  • Hebei

Im Allgemeinen waren chinesische Familien zu dieser Zeit sehr kinderreich, insbesondere in den ländlichen Gebieten. Und das, obwohl die Lebensbedingungen gerade auf dem Land sehr schlecht waren (Hungersnot, hohe Kindersterblichkeit, hohe Sterberate allgemein). Trotz dieser widrigen Umstände stieg die Geburtenrate weiter an! Unglaublich, oder?

Je mehr Zeit – in diesem Fall Jahrhunderte – verstrich, desto besser wurden die Lebensbedingungen und damit auch die Fruchtbarkeitsrate. Dieses stete Anwachsen der Bevölkerung – komme, was wolle – prägt die Geschichte und Bevölkerungsentwicklung Chinas wie kein anderes Land.

Das chinesische Volk: Maos „kleine Soldaten“

In den ersten Jahren unter der Herrschaft von Mao Zedong (1950er-Jahre) unternehmen die chinesischen Behörden absolut nichts gegen das weitere Wachsen der Bevölkerung. Im Gegenteil: Der chinesische Präsident ermutigt sein Volk geradezu, sich zu vermehren, um eine Armee von „kleinen Soldaten“ zu zeugen. So sollte die Zukunft des Regimes des Großen Vorsitzenden gesichert und eine neue Generation an aktiven Chinesen erschaffen werden.

Des Weiteren sank die Sterblichkeitsrate auf dem chinesischen Festland zu dieser Zeit weiter. So wuchs die Bevölkerung weiter stark an und erreichte eine Gesamtzahl von 600 Mio. Einwohnern.

Im Jahr 1953 verpasst eine Volkszählung der chinesischen Regierung einen regelrechten Schock, sodass diese sich dazu entschließt, bis 1958 eine Kampagne für Verhütungsmittel durchzuführen und so diese Überbevölkerung einzudämmen. Doch es halft alles nichts und man musste – fies gesagt – erst die Große Hungersnot von 1960 abwarten, um die Zahl einigermaßen in den Griff zu kriegen.


Nach Überwindung dieser schweren Zeit nimmt die Fruchtbarkeitsrate wieder an Fahrt auf – mit einer unglaublichen Zahl von 7 Kindern pro Frau!


Auch eine zweite Pro-Verhütung-Kampagne zeigt nicht den gewünschten Effekt. So wird die Lage Ende der 1960er-Jahre sehr kritisch. Hinzu kommt, dass die Kulturrevolution die Versuche, die hohe Geburtenrate einzudämmen, erst einmal auf Eis legt. Erst Anfang der 70er kommt es zu einem wirklichen Wandel, was das Vorhaben angeht, etwas gegen die Überbevölkerung zu unternehmen.

Das sind wichtige Meilensteine in der Geschichte Chinas, die es zu kennen gilt, wenn man einen Chinesischkurs machen, also Mandarin lernen will …

Chinas Kinder: Geburtenkontrolle

Gab es in China auch Ausnahmen von der Ein-Kind-Politik? Auf dem Land durften die Menschen teilweise zwei Kinder haben – als Hilfskräfte auf dem Feld! | Quelle: Unsplash

Ca. ab dem Jahr 1969 macht sich die Regierung bewusst, welche Gefahren das hohe Bevölkerungswachstum für die Wirtschaft und allgemeine Situation des Landes birgt. So entschließt man sich dazu, die Ordnung, also eine angemessene Bevölkerungsgröße wiederherzustellen, indem man gezielt politische Maßnahmen in diese Richtung ergreift und diese auch wesentlich strikter durchsetzt.

So sinkt die Zahl der Kinder pro Frau zwischen 1970 und 1978 von mehr als 5 auf etwas über 2. Eine extrem niedrige Zahl im Vergleich zur Zeit der Dynastien in China …

Und trotzdem bleibt die Geburtenrate relativ hoch, einfach, weil in den Jahren zuvor so viele Frauen in China geboren wurden, die nun im geschlechtsfähigen Alter sind. Um diese nicht einzudämmende, regelrechte Explosion der Bevölkerung in China aufzuhalten, wird Ende der 1970er-Jahre offiziell die berühmte Ein-Kind-Politik eingeführt.

In China diskutierte man über den Grund für diese ja doch radikale Maßnahme und kam auf zwei Lösungen: Die einen behaupten, der eigentliche Grund sei gewesen, dass man gegen die Übervölkerung in der Verbotenen Stadt selbst vorgehen wollte, die anderen wiederum sagen, der Grund sei einfach die wirtschaftliche Tragfähigkeit an sich. Wenn die Bevölkerungsanzahl abnimmt, gibt es weniger Mäuler zu stopfen, was das benötigte Budget pro Haushalt verringert.

Diese zweite Annahme wird so auch vom Staat bestätigt, als man im Jahr 1997 die Maßnahme verteidigt:


Die Familienplanung muss der zentralen Aufgabe der wirtschaftlichen Entwicklung dienen und hat sich dieser unterzuordnen.


Ab 1979 dürfen Chinesen also maximal ein Kind pro Paar haben. Einzige Ausnahme: die ethnische Minderheit der Zhuang. Außerdem wird 1970 das Mindestalter, ab dem man heiraten darf, angehoben: auf 22 für Männer und 20 für Frauen. So soll die fruchtbare Zeitspanne der Ehepaare eingegrenzt werden.

Die direkten Auswirkungen dieser Maßnahmen sind zahlreich und die Menschen in China spüren die Konsequenzen teilweise noch heute. Darunter:

  • Eine niedrigere Fruchtbarkeitsrate
  • Ein drastischer Anstieg von Abtreibungen
  • Sterilisationen und Zwangsabtreibungen
  • Verstecken von Kindern (sog. „schwarze Kinder“)
  • Ein Ungleichgewicht zwischen Jungen und Mädchen
  • Menschenhandel

Eine gewisse Aufweichung der Regel wird einigen Chinesen in ländlichen Gebieten genehmigt. Diese dürfen ggf. ein zweites Kind haben, um mehr Unterstützung bei der anstrengenden Feldarbeit zu erhalten. Letztendlich geht das Bevölkerungswachstum zwar ein wenig zurück, aber zum Preis einer stark autoritären Kontrolle durch den Staat.

Die Menschen in China: Entwicklungen im 21. Jahrhundert

Ab 2002 konnten Chinesen 5.000 Yuan (Stand April 2019: ca. 660 €) zahlen, um sich das Recht auf ein zweites Kind zu erkaufen. Doch das Durchschnittseinkommen in China lag in den 2000er-Jahren bei ca. 1.200 Yuan, was die Sache für die allermeisten Paare recht schwierig gestaltete. Diese eingrenzenden Maßnahmen zogen bei Nichteinhaltung auch Strafen nach sich, z. B. das Nicht-Aushändigen des Hukou (Familienbuch mit allen wichtigen Eintragungen), das zur Einschulung notwendig ist.

Im Jahr 2015 wurde die Ein-Kind-Politik offiziell beendet und auf zwei Kinder pro Haushalt ausgeweitet. Die Regierungsmaßnahmen und Durchsetzung in dieser Hinsicht sind weniger streng – es gibt viele Ausnahmen –, aber das Ziel, das Bevölkerungswachstum zu drosseln, bleibt weiterhin bestehen.

Wie viele Menschen sind in China? In China leben extrem viele Menschen – und viele Touristen gibt es auch! | Quelle: Pixabay

Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie es ist, so viele Menschen auf einem Flecken Erde zu haben? Dann besuch einfach mal die Chinesische Mauer oder eine andere berühmte Sehenswürdigkeit Chinas und Du wirst schon sehen …

Die chinesische Bevölkerung: in Richtung einer einwohnerreichen Zukunft

Wie Du sicherlich weißt, ist China heutzutage immer noch das einwohnerreichste Land der Welt: Laut einer Zählung von 2017 sollen es zu diesem Zeitpunkt ca. 1,39 Milliarden Menschen gewesen sein, was fast 20 % der Weltbevölkerung ausmachte! Doch im Gegensatz zu früher ist China damit nicht mehr einsame Spitze und mit seiner enormen Einwohnerzahl alleine auf der Welt. China dicht auf den Fersen ist Indien mit seinen ca. 1,34 Milliarden Einwohnern (2017), was ebenfalls über 15 % gemessen an der Gesamtzahl der Erdenbewohner ausmacht …

In China ist die Bevölkerung seit 1960 also um sage und schreibe 107 % gewachsen! Sie hat sich also mehr als verdoppelt! Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sich die medizinische Versorgung in China stark verbessert hat, was die Lebenserwartung logischerweise deutlich erhöht hat. Wie in vielen Teilen der Welt werden auch die Menschen in China immer älter …

Dieser demografische Wandel, die stete Veralterung der Bevölkerung, ist ein echtes Problem für die Volksrepublik, insbesondere aus wirtschaftlicher Sicht. Auch wenn das Ende der Ein-Kind-Politik zu mindestens 50 Mio. Geburten bis 2029 führen dürfte, wird dies nicht ausreichen, um die Gesamtbevölkerung genug zu verjüngen und das chinesische Wirtschaftswachstum wird gedrosselt werden, wenn nicht sogar rückläufig sein.

China wird also eine Lösung für diese umgedrehte Bevölkerungspyramide finden müssen, so wie das für die anderen entwickelten Länder ebenfalls der Fall ist. Gerade wir in Deutschland können dieses Probleme nun wirklich problemlos nachvollziehen, haben aber bisher auch keine Patentlösung zu bieten …

Die Bilanz der chinesischen Geschichte in Bezug auf ihre Bevölkerungsentwicklung ist also ironischerweise gescheitert. Man kann behaupten, dass es die Führungsriegen Chinas einfach nicht verstanden haben, die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt zu ergreifen. Das Ergebnis: Zuerst eine zu große Bevölkerung, jetzt eine zu alte Bevölkerung und zahllose menschliche Tragödien und herzzerreißende Einzelschicksale aufgrund einer autoritären, restriktiven Politik.

Die Lockerung der Politik in den letzten zwei Jahrzehnten haben zwar Fortschritte ermöglicht, doch es gibt noch immer viele Probleme, die nicht gelöst sind: das Altern der Bevölkerung, „Schattenkinder“ (oft ohne Papiere) sowie zutiefst traumatisierte Menschen, die noch immer mit den Folgen der Politik der 70er-Jahre zu kämpfen haben (Opfer von Zwangssterilisation/-abtreibungen, Opfer von Menschenhandel usw.).

So hat China trotz – und teilweise wegen – seines wirtschaftlichen Aufschwungs weiterhin enorme Probleme, was die Bevölkerung angeht. Wenn auch nicht mehr aufgrund der Zahl, so nun aufgrund der Struktur. Ob China und andere Länder mit ähnlichen Problemen eine Lösung bzw. ein geeignetes Lösungspaket werden schnüren können, steht in den Sternen.

Wie ist die aktuelle demografische Entwicklung in China? Wie in anderen Ländern auch wird die Bevölkerung Chinas immer älter. | Quelle: Unsplash

Wir hoffen, wir konnten Dir mit diesem Artikel einen guten Überblick verschaffen. Hast Du Lust auf mehr rund ums Thema China? Dann klick Dich doch mal durch unsere Seiten. Von den Top 10 Sehenswürdigkeiten über die bevölkerungsreichsten Städte bis hin zum Fokus „Chinesische Mauer“ ist alles mit dabei!

Oder willst Du vielleicht selbst nach China reisen? Dann finde hier heraus, wie Du am besten ein Visum beantragst, und was es sonst so Organisatorisches zu beachten gilt … Und natürlich kann dann auch ein Chinesischkurs nicht schaden! Finde auf Superprof die beste Lehrkraft zum Mandarin Lernen …

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