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Die Geschichte Chinas über seine Kaiserreiche

Von Anna, veröffentlicht am 24/04/2019 Blog > Sprachen > Chinesisch > Die chinesischen Dynastien: Ein historischer Überblick

Wenn man in einem Chinesischkurs Mandarin lernen will, hilft es auch, sich für die chinesische Geschichte und Kultur zu interessieren. Zwischen Größe und Dekadenz hat das Land so einige Höhen und Tiefen erlebt, was den Einfluss auf den Rest der Welt angeht.

China wurde ein ums andere Mal zerstückelt, in verschiedene Reiche aufgeteilt, um sich dann doch wieder zu vereinen. Die innen- und außenpolitischen Konflikte waren und sind komplexer, als man meinen möchte.


„Ob du eilst oder langsam gehst, der Weg bleibt immer derselbe.“ (Chinesisches Sprichwort)


Chinesische Sprichwörter sind auch im Westen sehr beliebt, da sie gewisse Tatsachen präzise und manchmal mit einer humorvollen Note auf den Punkt bringen. Das obige Sprichwort zum Thema Geduld passt auch zu den verschiedenen Dynastien Chinas, die es verstanden, den richtigen Moment abzuwarten, um dann die Macht über ein riesiges Reich zu ergreifen.

Schauen wir uns also mal gemeinsam die chinesischen Dynastien an, die über einen langen Zeitraum hinweg über diesen großen Flecken Land, der sich „China“ nennt, herrschten.

Die Geschichte Chinas

Im Osten wie im Westen benennt man üblicherweise die verschiedenen Dynastien, wenn man über die Geschichte und bestimmte Zeitalter Chinas spricht. Doch ganz so einfach und reibungslos verlief der Übergang von einer zur nächsten Dynastie natürlich nicht.

Meistens kam die nächste Dynastie an die Macht, während sich die vorherige noch daran klammerte und selbst wenn sie diese verlor, starb sie deswegen natürlich nicht gleich aus, sondern existierte noch eine Zeit lang weiter und versuchte, das Verlorene wieder zurückzugewinnen.

Die Zeiten der chinesischen Dynastien sind nicht leicht festzulegen. Geschichtsexperten streiten sich, wann und wie lang genau welche Dynastie herrschte. | Quelle: Pixabay

Ein weiterer schwieriger Aspekt, wenn man über die Geschichte Chinas spricht, ist die Tatsache, dass das Land über mehrere längere Zeiträume hinweg geteilt war.

Die damaligen einzelnen Regionen hatten jeweils eine eigene Regierung. Die chinesische Bevölkerung insgesamt und die ethnische Zugehörigkeit innerhalb einer Region konnten stark variieren. China war also über lange Zeit eine Ansammlung unabhängiger Reiche ohne zentrale Regierung.

Insgesamt ist es auch sehr schwer zu sagen, von wann bis wann eine Dynastie genau dauerte, da es Überschneidungen gab und die Machtverhältnisse nicht immer eindeutig waren.

Ein Beispiel: Im Jahr 1644 wurde Peking von der mandschurischen Armee (später „Qing-Dynastie“) eingenommen. Doch die Dynastie der Qing besteht laut manchen Experten schon seit 1636 (anderen zufolge sogar 1616). Der vorherige Kaiser Ming wurde aber erst 1662 entthront (andere sagen, es sei erst 1683 gewesen). Man sieht also, wie schwer es ist, präzise Daten festzulegen.

Bis sich eine neue Dynastie etabliert hat, braucht es einige Zeit. Die Qings brauchten fast 20 Jahre, um das gesamte Gebiet zu erobern und ihre Autorität durchzusetzen. Deshalb kann man auch nicht aufs Jahr genau bestimmen, wann die Zeit der Qing-Dynastie begann. Aus Einfachheitsgründen legen sich die Geschichtsschreiber meistens trotzdem mehr oder weniger fest.

Die Herrscherdynastien vor Gründung des Chinesischen Kaiserreichs

Um sich in der Chronologie Chinas etwas besser zurechtzufinden und die berühmtesten chinesischen Monumente besser einordnen zu können, kann es hilfreich sein, die wichtigsten chinesischen Dynastien und die passenden Daten zu kennen.

Bevor die verschiedenen Reiche und Dynastien Chinas zu herrschen begannen, gab es der Erzählung nach Drei Souveräne und Fünf Kaiser (三皇五帝 Sān Huáng Wǔ Dì). Dies waren die sogenannten Urkaiser Chinas. Diese Zeit dauerte von 2070 v. Chr. bis 1600 v. Chr. (also 470 Jahre).

Darauf folgten die folgenden Dynastien mit den ungefähren Daten:

  • Die Xia-Dynastie (夏朝 – Xìa Cháo): ca. 2200-1800 v. Chr. Diese Dynastie stellte 17 Herrscher.
  • Die Shang-Dynastie (商朝 – Shāng Cháo): ca. 16.-11. Jahrhundert v. Chr. Anzahl der Herrscher: 29.
  • Die Westliche Zhou-Dynastie (西周 – Xī Zhōu): 1122/1045-770 v. Chr. (12 Könige)
  • Die Östliche Zhou-Dynastie (東周 – Dōng Zhōu): 770-256 v. Chr.
    Diese wird traditionell wieder in zwei Zeitalter eingeteilt: 

Der Bau der Chinesischen Mauer, wie wir sie heute kennen, begann im 3. Jahrhundert v. Chr. und zog sich bis ins 17. Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Die Grabbeigaben der Kaiser waren beachtlich. Das Mausoleum Qin Shihuangdis besteht aus Tausenden Terrakotta-Statuen. | Quelle: Pixabay

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Die Dynastien des Chinesischen Kaiserreichs

China hat in seiner Geschichte einige Unruhen erlebt. Schon lange vor der Kulturrevolution, dem Aufstreben der Kommunistischen Partei und vor dem Zweiten Weltkrieg lösten sich verschiedene Dynastien ab, und das meist nicht friedlich:

  • Die Qin-Dynastie (秦 – Qín Cháo): 221–207 v. Chr. Diese Dynastie stellte den ersten Kaiser Chinas, Qin Shihuangdi. Insgesamt zählte sie 4 Könige und 3 Kaiser.
  • Die Han-Dynastie (15 Kaiser): Erste Herrschaft: 206 v. Chr.-9 n. Chr.
  • Xin-Dynastie: 9-23 n. Chr. (Interregnum = Übergangsperiode zwischen den zwei Teilen der Han-Dynastie)
  • Zweite Herrschaft der Han-Dynastie: 23 n. Chr.-220 n. Chr.
  • Zeit der Drei Reiche (三國 – Sān Guó): 220–280
    • Das Reich der Wei: 6 Kaiser (220-265)
    • Das Reich der Shu: 4 Kaiser (221-263)
    • Das Reich der Wu: 2 Kaiser (222-280)

  • Die Jin-Dynastie (晉朝 – Jìn Cháo): 265-420
  • Die Zeit der Sechzehn Reiche (十六國 – Shíliù Guó): 304-439 (11 Kaiser)
  • Die Zeit der Südlichen und Nördlichen Dynastien (南北朝 –Nánběicháo): 420-581
  • Die Sui-Dynastie (隋 – Suí): 581-618 (5 Kaiser)
  • Die Tang-Dynastie (唐 – Táng): 618-907 (7 Kaiser)
  • Die Herrschaft der Wu Zetian (武則天 – Wǔ Zétiān): 690-705 (die einzige Frau, die jemals den Titel „Chinesischer Kaiser“ trug; unterbrach für einige Jahre die Herrschaft der Tang)
  • Die Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche (五代十國 – Wǔdài Shíguó): 907-979 (7 Kaiser und 10 Könige)
  • Die Liao-Dynastie (遼 – Liáo): 916-1125
  • Die Zweite Jin-Dynastie (金 – Jīn): 1125–1234
  • Die Song-Dynastie (宋 – Sòng): 960–1279
  • Die Yuan-Dynastie (元 Yuán) bzw. Mongolische Dynastie: 1279-1368 (15 Kaiser)
  • Die Ming-Dynastie (明 – Míng): 1368-1644 (16 Kaiser)
  • Die Qing-Dynastie (清 – Qīng) oder Mandschu-Dynastie: 1644-1912 (12 Kaiser)

Wie man sieht und wie bereits erwähnt, ist es nicht einfach, die Geschichte Chinas chronologisch klar den Dynastien zuzuordnen. Es gibt viele Überschneidungen, Unterbrechungen und vor allem auch Parallelentwicklungen im Norden und Süden bzw. Westen und Osten, auf die wir jetzt nicht im Detail eingegangen sind. Falls dich die einzelnen Abschnitte in der Tiefe interessieren, kannst Du Dich hier umschauen.

Fokus auf die chinesischen Dynastien Ming und Qing

Die letzten zwei Dynastien Chinas decken einen langen Zeitraum ab – 544 Jahre, um genau zu sein und hatten einen großen Einfluss auf unsere heute Wahrnehmung Chinas.

Die Ming-Dynastie

Die Bezeichnung Ming-Dynastie bezieht sich sowohl auf die Abstammung der 16 herrschenden Kaiser als auch auf die Zeit, die diese Herrschaft durch Sprachmissbrauch prägte. Sie wurde 1368 von der Familie Zhou gegründet. Das chinesische Symbol, mit dem diese Dynastie bezeichnet wird, bedeutet „Licht, Klarheit“: 明.

Die Ming-Dynastie folgte auf die Yuan-Dynastie, die direkt aus der Mongolei stammte. Nach über einem Jahrhundert unter fremder Herrschaft, holen sich die Chinesen ihre Macht zurück und es ist die Ming-Dynastie, die das Sagen auf chinesischen Gefilden hat. In der Geschichtsschreibung ist diese Dynastie überaus bekannt.

Eine Bauernrevolte verdrängte die Yuan bis an die Grenze in der mongolischen Steppe, was es der Ming-Dynastie erlaubte, sich an die Spitze zu setzen.

Folgende Kaiser der Ming-Dynastie herrschten über China:

  1. Hongwu (1368-1398): Gründer der Dynastie
  2. Jianwen (1398-1402)
  3. Yongle (1402-1424)
  4. Hongxi (1424-1425)
  5. Xuande (1425-1435)
  6. Zhengtong (1435-1449 und 1457-1464)
  7. Jingtai (1449-1457)
  8. Chenghua (1464-1487)
  9. Hongzhi (1487-1505)
  10. Zhengde (1505-1521)
  11. Jiajing (1521-1566)
  12. Longqing (1567-1572)
  13. Wanli (1572-1620)
  14. Taichang (1620)
  15. Tianqi (1620-1627)
  16. Chongzhen (1627-1644)

Während der Herrschaft der Ming wurde China als das fortschrittlichste Land der Welt angesehen. Eine kulturelle Renaissance findet statt, die Künste entwickeln sich weiter und unter dieser Herrschaft entstehen die ersten Porzellanwerke.

Was macht die Ming-Dynastie besonders? Das berühmte chinesische Porzellan fand unter den Ming seinen Anfang. | Quelle: Visualhunt

Man bemerkt den Einfluss auch daran, dass sich der Handel über den gesamten indischen Ozean und bis nach Afrika ausstreckte. Diese Periode war enorm wichtig für den Handel, sollte diesen aber auch wieder einschränken.

Traditionell waren die Konfuzianer nämlich gegen Handel und Händler, sie wurden als zu profan verachtet. Nach dem wirtschaftlichen Höhepunkt und der Expansion folgte unter den Ming eine geistige Wendung nach innen, die zu einer konservativeren Politik führte.

Ein Konflikt mit Japan trug außerdem dazu bei, dass man alle hochseetüchtigen Schiffe zerstörte, um den Schmuggel nach Japan zu unterbinden. Dies zeigte keine Wirkung, woraufhin der gesamte Außenhandel verboten wurde. Doch dies führte nur zu noch mehr Schmuggel und Piraterie.

Auch das Militär wuchs zu dieser Zeit und zählte rund 1 Million Männer. Jedes Jahr wurden mehr als 100.000 Tonnen Eisen produziert. Und im Übrigen war es auch unter den Ming, dass die ersten Bücher gedruckt und vertrieben wurden. Dies geschah mithilfe mobiler chinesischer Schriftzeichen.

Die Qing-Dynastie

Und schließlich stürzten die Qing die Ming und sollten so zur letzten Dynastie Chinas vor Gründung der Republik China werden. Die Qing waren mandschurischer Herkunft – eine ethnische Minderheit in China. Am Hofe der Qing wurde entsprechend Mandschurisch gesprochen.

Die Gründung der Qing-Dynastie geht auf Nurhaci zurück und war nach der mongolischen Yuan-Dynastie die zweite, die über ganz China herrschte und nicht von Han-Chinesen begründet worden war.

Obwohl Peking (eine der größten Städte Chinas) bereits 1644 eingenommen wurde, schafften es die Qing erst im Jahr 1683 ganz China unter ihre Herrschaft zu bringen.

Dies sind die letzten 12 Kaiser von China:

  1. Nurhaci (1616-1625): Stammesfürst der Minderheit der Jurchen und Begründer der Qing-Dynastie
  2. Huang Taiji (1625-1643)
  3. Shunzhi(1643-1661)
  4. Kangxi (1661-1722)
  5. Yongzheng (1722-1735)
  6. Qianlong (1735-1796)
  7. Jiaqing (1796-1820)
  8. Daoguang (1820-1850)
  9. Xianfeng (1850-1861)
  10. Tongzhi (1861-1875)
  11. Guangxu (1875-1908)
  12. Puyi (1908-1912): offiziell der letzte Kaiser von China; dankte im Alter von nur sechs Jahren ab

Unter Kaiser Kangxi, erfuhren die ländlichen Gebiete dank einer fördernden Politik einen Gewissen Aufschwung. Und allgemein verortet man die Blütezeit der Dynastie unter diesem Kaiser sowie Kaiser Qianlong. Beide förderten Kunst und Wissenschaft in besonderem Maße. Kein Wunder: Kaiser Qianlong galt selbst als bedeutender Dichter und Kalligraph und auch die berühmte Peking-Oper wurde durch ihn bekannt.

Doch die Qing-Dynastie bescherte den Chinesen nicht nur rosige Zeiten. Nach Ende der Herrschaft Qianlongs bildeten sich Revolten aufgrund wachsender Unzufriedenheit. Diese wurden brutal niedergeschlagen. Man könnte dies als den Anfang vom Ende bezeichnen.

So viel Kunst in China. Viele der bedeutendsten Kunstwerke Chinas stammen aus der Kaiserzeit. | Quelle: Visualhunt

Hinzu kamen interne Konflikte, die die Qing-Dynastie nachhaltig schädigten. Und dabei war noch nicht einmal die internationale Gemeinschaft bedacht, die ihrerseits Druck auf die Herrscherfamilie ausübte. Die sogenannte Xinhai-Revolution führte 1911 schließlich zum Sturz der Dynastie und am 1.1.1912 wurde die Republik China, auch als „Nationalchina“ bekannt, ausgerufen.

Diese sollte bis 1949 bestehen und nach der Niederlage der Regierung im Bürgerkrieg (1927-1949) enden. Auf dem chinesischen Festland etablierte sich anschließend die Volksrepublik China unter Mao Zedong.

Über diese Ära ließe sich ein ganzer eigener Artikel schreiben. Den Überblick über die verschiedenen chinesischen Dynastien werden wir aber hiermit beenden. Wir hoffen, dass er Dir geholfen hat, die chinesische Geschichte bis Anfang des 20. Jahrhunderts etwas besser zu verstehen.

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