Japanisch zu lesen wirkt auf viele erst einmal geheimnisvoll und genau das macht die Sprache so faszinierend. Anders als im Deutschen gibt es im Japanischen nicht nur ein Alphabet, sondern gleich mehrere Schriftsysteme, die im Alltag zusammen verwendet werden: Kanji, Hiragana und Katakana. Ergänzend kommen auch lateinische Buchstaben, die sogenannten Rōmaji, zum Einsatz.
Doch wie ist dieses komplexe Schriftsystem eigentlich entstanden, wofür werden die einzelnen Schriften verwendet und warum wirkt Japanisch auf den ersten Blick so ungewohnt?
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Überblick über die japanischen Schriftsysteme
Die japanische Schrift wirkt auf den ersten Blick komplex – und das aus gutem Grund: Statt eines einzelnen Alphabets werden mehrere Schriftsysteme parallel verwendet. Jedes davon erfüllt eine eigene Funktion, und erst im Zusammenspiel ergibt sich das vollständige Schriftbild der japanischen Sprache.
🈶 Kanji – Bedeutungsträger
Komplexe Schriftzeichen chinesischen Ursprungs, die meist ganze Wörter oder Wortstämme darstellen und die eigentliche Bedeutung eines Begriffs tragen.
🔤 Hiragana – Grundlegende Silbenschrift
Runde, geschwungene Zeichen, die für grammatikalische Endungen, Partikel und japanische Wörter ohne Kanji verwendet werden.
🔠 Katakana – Silbenschrift für Fremdes
Eckige Zeichen, die vor allem für Fremdwörter, Namen, wissenschaftliche Begriffe und Lautmalerei genutzt werden.
🌍 Rōmaji – Lateinische Buchstaben
Die Umschrift des Japanischen mit unserem Alphabet, die vor allem Lernenden und internationalen Kontexten dient (z. B. auf Schildern oder in Lehrbüchern).
Kanji
Die Kanji sind ursprünglich chinesische Schriftzeichen. Sie haben jeweils die Bedeutung eines ganzen Begriffs oder Wortes und sind damit sinntragend.1 Sie werden verwendet, um einen Teil der japanischen Sprache abzubilden, insbesondere Wortstämme. Das Besondere an den Kanji ist also, dass sie – im Gegensatz zu vielen anderen Schriften – keine einzelnen Laute oder Silben darstellen, sondern komplette Begriffe.

Im Laufe der Zeit wurden die Zeichen vereinfacht und auch anders ausgesprochen. Sie stimmen daher nicht mehr vollständig mit den in China verwendeten Schriftzeichen, deren Bedeutung und Aussprache überein.
Die Kanji haben außerdem zwei Lesarten:
- Die On-Lesung (on-yomi) ist die an das Chinesische angelehnte Aussprache.
- Die Kun-Lesung (kun-yomi) bezeichnet die japanische Lesung.
Manche Kanji haben nur eine Lesart, viele jedoch mehrere. Es gibt keine festen Regeln, wann welche Lesung verwendet wird – das macht das Lernen anspruchsvoll.
Insgesamt gibt es im Japanischen rund 2.000 gebräuchliche Kanji (die sogenannten Jōyō-Kanji). Um jedoch im Alltag zurechtzukommen, reichen oft schon etwa 200–300 Zeichen aus.
Die japanische Sprache und Kultur ist heutzutage omnipräsent! In unserem Artikel schauen wir uns einmal genauer an, wie weit die Strahlkraft der Kultur Japans reicht.
Hiragana
Neben diesen komplexen Zeichen entwickelten sich später einfachere Schriftsysteme. Die Hiragana ermöglichen es, die japanische Sprache eindeutig niederzuschreiben. Jedes Zeichen steht für einen Vokal oder eine Silbe, die aus einem Konsonanten und einem Vokal besteht.
Hiragana werden vor allem für grammatikalische Elemente wie Endungen und Partikel verwendet, aber auch für Wörter, für die kein Kanji genutzt wird oder die bewusst vereinfacht dargestellt werden sollen. Deshalb sind sie besonders wichtig für den Einstieg ins Japanische und werden auch zuerst gelernt.
Historisch entwickelten sich die Hiragana aus vereinfachten chinesischen Schriftzeichen und wurden vor allem in informellen Kontexten verwendet. Heute sind sie fester Bestandteil des Schriftsystems.
Eine wichtige Funktion haben Hiragana auch als sogenannte Furigana: Kleine Hiragana-Zeichen, die neben oder über Kanji stehen und deren Aussprache anzeigen.
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Katakana
Die Katakana sind ebenfalls eine Silbenschrift, bei der jedes Zeichen für eine Silbe steht. Im Gegensatz zu den eher geschwungenen Hiragana wirken Katakana kantiger und klarer.
Sie werden hauptsächlich verwendet, um fremdsprachige Wörter, ausländische Namen, wissenschaftliche Begriffe sowie Onomatopöien (lautmalerische Wörter) darzustellen.

Wie die Hiragana sind auch die Katakana phonetisch aufgebaut und können daher ähnlich wie ein Alphabet gelernt werden.
Rōmaji
Rōmaji ist einfach der japanische Name für lateinische Buchstaben. Diese kommen zu den drei japanischen Schriftsystemen hinzu und werden verwendet, um Ausländern japanische Wörter zugänglich zu machen (so, wie wir in diesem Artikel eben auch japanische Wörter wie „Hiragana“, „Katakana“ usw. in lateinischen Buchstaben schreiben).
So konnte sich das Japanische auch über Japan hinaus verbreiten und für nicht Muttersprachler ist es dadurch einfacher, das gesprochene Japanisch zu lernen.
Willst du noch mehr darüber erfahren, wie sich die japanische Sprache entwickelt hat? Welchen Stellenwert die japanische Sprache außerdem im internationalen Kontext hat, klären wir hier!
Geschichte der japanischen Schriftzeichen
Die japanische Schrift hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt und anders als bei vielen anderen Sprachen entstand sie nicht „von selbst“, sondern wurde stark von außen beeinflusst.
bis 4. Jh. n. Chr.
Keine Schrift
In Japan existierte lange Zeit nur eine mündliche Sprache ohne eigenes Schriftsystem.
4.–5. Jh. n. Chr.
Einfluss aus China
Mit kulturellem Austausch gelangen chinesische Schriftzeichen (Kanji) nach Japan und werden übernommen.
Yamato-Zeit (ca. 300–710)
Anpassung der Kanji
Die übernommenen Schriftzeichen werden schrittweise an die japanische Sprache angepasst.
7.–8. Jh.
Man’yōgana
Kanji werden nun vor allem nach ihrem Klang verwendet, um japanische Wörter phonetisch darzustellen.
ab 9. Jh.
Entstehung von Hiragana und Katakana
Aus vereinfachten Kanji entwickeln sich zwei eigenständige Silbenschriften für Alltag und Grammatik.
heute
Kombination der Schriftsysteme
Japanisch wird mit einer Mischung aus Kanji, Hiragana und Katakana geschrieben.
Am Anfang stand nämlich etwas Überraschendes: Japan hatte ursprünglich gar keine eigene Schrift.
Den spannenden historischen Weg der japanischen Schrift zeichnet Superprof übrigens in einem weiteren Artikel noch genauer nach!
Von der mündlichen Sprache zur Schrift
Bis etwa ins 4. Jahrhundert n. Chr. wurde in Japan ausschließlich gesprochen, aber nicht geschrieben.2 Erst durch den Kontakt mit China und Korea kamen schriftliche Systeme ins Land.
Mit diesen kulturellen Einflüssen wurden auch die chinesischen Schriftzeichen (Kanji) übernommen. Diese waren jedoch ursprünglich nicht für die japanische Sprache gemacht, was zu einigen Herausforderungen führte.
Anpassung der chinesischen Schrift
Die japanische Sprache unterscheidet sich stark vom Chinesischen, vor allem in Grammatik und Satzbau. Deshalb konnten die Kanji nicht einfach eins zu eins übernommen werden.
In der sogenannten Yamato-Zeit begann man, die Zeichen an die eigene Sprache anzupassen. Dabei nutzte man Kanji zunächst sowohl für ihre Bedeutung als auch für ihren Klang.
Ein wichtiger Zwischenschritt war das sogenannte Man’yōgana: Hier wurden chinesische Zeichen ausschließlich nach ihrem Lautwert verwendet, um japanische Wörter zu schreiben. Das System war jedoch kompliziert und wenig übersichtlich.
Entstehung von Hiragana und Katakana
Aus dem Man’yōgana entwickelten sich schließlich zwei vereinfachte Schriftsysteme:
- Hiragana entstanden aus fließend geschriebenen, stark vereinfachten Kanji
- Katakana wurden aus einzelnen Bestandteilen von Kanji zusammengesetzt
Diese beiden Silbenschriften machten das Schreiben deutlich einfacher und flexibler. Während Kanji weiterhin für Bedeutungen genutzt wurden, übernahmen Hiragana und Katakana die Darstellung von Lauten und grammatischen Strukturen.
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Schreibweise und Schreibrichtung im Japanischen
Die japanische Schrift unterscheidet sich nicht nur durch ihre Zeichen, sondern auch durch die Art, wie sie geschrieben wird. Dabei gibt es zwei Schreibrichtungen, die bis heute parallel verwendet werden.
✍️ Wenn du japanische Zeichen (besonders Kanji) schreibst, gibt es feste Strichregeln, die dir helfen, sauber und korrekt zu schreiben:
➖ Horizontal vor vertikal – Erst waagerechte, dann senkrechte Striche
↙️ Links vor rechts – Linke Elemente werden vor rechten geschrieben
⬇️ Von oben nach unten – Zeichen werden schrittweise nach unten aufgebaut
➡️ Von links nach rechts – Auch innerhalb eines Zeichens gilt diese Reihenfolge
⭕ Außen vor innen – Zuerst der äußere Rahmen, dann der Inhalt
🔒 Innen vor Abschluss – Innen fertigstellen, bevor der Rahmen geschlossen wird
➕ Mitte vor Seiten – Erst der mittlere Strich, dann links und rechts
🔴 Punkte zuletzt – Kleine abschließende Striche kommen ganz am Ende
Schreibrichtungen
Im Japanischen gibt es zwei typische Schreibweisen:
- Vertikal (traditionell):
Die Schrift verläuft von oben nach unten, die Spalten werden von rechts nach links angeordnet. Diese Form findet man häufig in Büchern, Zeitungen oder literarischen Texten. - Horizontal (modern):
Die Schrift verläuft – wie bei uns – von links nach rechts. Diese Schreibweise wird heute vor allem in digitalen Texten, Lehrbüchern oder im Alltag verwendet.
Besonderheiten der japanischen Schrift
Ein auffälliger Unterschied zu vielen europäischen Sprachen:
👉 Im Japanischen gibt es keine Leerzeichen zwischen Wörtern.
Stattdessen helfen die verschiedenen Schriftsysteme (Kanji, Hiragana, Katakana), Wörter und Satzteile zu erkennen.
Außerdem folgt die Schrift einem klaren visuellen Prinzip:
👉 Jedes Zeichen steht in einem gedachten Quadrat.
Das sorgt für ein gleichmäßiges Schriftbild und hilft dabei, die komplexen Zeichen sauber und lesbar zu schreiben.
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Die Kunst der japanischen Kalligraphie
Die japanische Kalligraphie wird Shodō genannt und ist eine aus China übernommene Kunstform. Der Begriff bedeutet wörtlich „Weg des Schreibens“3 und zeigt schon: Es geht nicht nur darum, Zeichen schön zu schreiben, sondern auch um Konzentration, Ausdruck und persönliche Entwicklung.
In Japan hat Shodō einen hohen kulturellen Stellenwert und wird oft mit anderen traditionellen Künsten wie Malerei oder Bildhauerei gleichgesetzt. Viele Menschen üben Kalligraphie nicht nur als Hobby, sondern auch als Form der Achtsamkeit und künstlerischen Selbstentfaltung.
Das Besondere an Shodō ist die Art des Schreibens:
Ein Schriftzeichen wird in einem fließenden Ablauf mit dem Pinsel geschrieben ohne Pause und ohne Korrekturmöglichkeit. Dabei ist nicht nur die Hand beteiligt, sondern der gesamte Körper. Haltung, Atmung und Bewegung beeinflussen das Ergebnis, wodurch jedes Zeichen zu einem einzigartigen Ausdruck wird.
Mehr über Grammatik, Satzbau und Höflichkeitsformen im Japanischen erfährst du übrigens hier!
📌 Grundausstattung für Shodō:
- 🖌️ Der Pinsel
Wird traditionell aus Tierhaar (z. B. Ziege, Pferd oder Dachs) hergestellt und ermöglicht flexible, lebendige Striche. - 🖤 Die Tinte (Tusche)
Besteht aus einer Mischung aus Holzruß, tierischem Klebstoff und Wasser und wird oft aus einem festen Stäbchen angerührt. - 🪨 Der Tintenstein (Reibstein)
Dient zum Anmischen der Tusche und gleichzeitig als kleine Farbpalette. - 📄 Das Papier
Besitzt eine saugfähige Seite, die die Tinte aufnimmt und den charakteristischen Verlauf der Striche sichtbar macht.
Auch heute ist Shodō in Japan sehr beliebt. Es gibt zahlreiche Vereine und Kurse, und besonders unter jungen Menschen erlebt die Kalligraphie eine Art Comeback.
Ein echtes Highlight sind sogar Schulmeisterschaften in Kalligraphie, bei denen Teams auf riesigen Papierflächen schreiben. Oft werden sie dabei von Musik und choreografierten Bewegungen begleitet. Shodō ist also nicht nur Schreiben, sondern eine Verbindung aus Kunst, Bewegung und Ausdruck.
Referenzen
- Lewin, B., Müller-Yokota, W., & Fujiwara, M. (1990). Einführung in die japanische Sprache. Otto Harrassowitz Verlag.
- TRANS Nr. 13: Naoji Kimura (Tokio/Regensburg): Die chinesischen Schriftzeichen als das kulturelle Band in Ostasien. (n.d.). https://www.inst.at/trans/13Nr/kimura13.htm
- Balve, M. (2026, February 9). Die Schönheit von Japans traditioneller Kunst der Kalligraphie. Go! Go! Nihon. https://gogonihon.com/de/blog/shodo-die-kunst-der-japanischen-kalligraphie/
Mit KI zusammenfassen:









