Privatunterricht Sprachen Nachhilfe Musik Sport Kunst & Freizeit
Teilen

Die Grundlagen der japanischen Schrift(en)

Von Anna, veröffentlicht am 14/03/2019 Blog > Sprachen > Japanisch > Der Ursprung des japanischen Schriftsystems

Die Schreibweise des Japanischen besteht eigentlich aus drei verschiedenen Schriftsystemen bzw. Alphabeten: Hiragana, Katakana und Kanji. Du hattest Angst, Japanisch wird zu einfach? Jetzt weißt Du, was die erste Herausforderung sein wird!

Wir erklären Dir, wie es zu diesen drei Schriften kam und wie sie heutzutage verwendet werden. Mit diesem Vorwissen kannst Du in Deiner ersten Japanischlektion richtig auftrumpfen!

Ein Überblick: Welche Schriftsysteme gibt es im Japanischen?

Die Kanji

Die Kanji sind ursprünglich chinesische Schriftzeichen. Sie haben jeweils die Bedeutung eines ganzen Begriffs/Worts und sind damit sinntragend. Sie werden verwendet, um einen Teil der japanischen Sprache (bestimmte Wörter) abzubilden. Das Besondere an den Kanji ist also, dass sie im Vergleich zu anderen (auch europäischen Schriften) keine Silben oder einzelnen Laute abbilden, sondern eben komplette Begriffe.

Was macht die japanische Schrift so schwierig? Das Japanische arbeitet mit drei Schriftsystemen – gar nicht so einfach! | Quelle: Pixabay

Im Laufe der Zeit wurden sie vereinfacht und auch anders ausgesprochen, sie stimmen also nicht mehr komplett mit den in China verwendeten Schriftzeichen, deren Bedeutung(en) und Aussprache überein. (Auch in China wurden die Zeichen mit der Zeit vereinfacht, es gab mehrere Rechtschreibreformen. China und Japan haben sich darüber allerdings nicht abgestimmt, weshalb die Änderungen nicht parallel verliefen).

Die Kanji haben deshalb auch zwei Lesarten:

  1. Die On-Lesung (on-yomi) ist die chinesische(n) Lesart(en) und damit Aussprachemöglichkeit(en).
  2. Die Kun-Lesung (kun-yomi) bezeichnet die japanische Aussprache und Lesung.

Manche Kanji haben nur eine einzige Lesart. Leider gibt es keine allgemein gültigen Regeln, mithilfe derer man wüsste, wann man welche Lesart verwenden soll. Da hast Du also viel vor Dir, wenn Du Japanisch lernen willst!

Insgesamt gibt es im Japanischen fast 2.000 Kanji (Laut japanischem Bildungsministerium 1945, um genau zu sein), doch man muss sie nicht alle können, um Japanisch schreiben zu lernen.

Die ersten 200-300 Kanjis reichen locker aus, um im Alltag durchzukommen – das klingt doch schon besser, oder?

Die Hiragana

Die Hiragana ermöglichen es, die japanische Sprache ohne Doppeldeutigkeiten zu transkribieren, also niederzuschreiben. Jedes Hiragana-Zeichen entspricht einem alleinstehenden Vokal oder einem Konsonanten, der von einem Vokal gefolgt wird.

Als Deutsche(r) oder allgemein Person, der eine Sprache mit lateinischer Schrift näher ist, kann man bestimmte Tabellen nutzen, in denen die Kanas (also Hiraganas und Katakanas) mit der jeweiligen Transkribierung in Rōmaji (lateinische Buchstaben) nach der Hepburn-Methode stehen. Diese Methode ist die am meisten genutzte, um Japanisch in lateinischen Buchstaben darzustellen.

Woher weiß ich, wie man Japanisch ausspricht? So eine Tabelle kann dabei helfen, das japanische Alphabet zu lernen. | Quelle: japanisch-lernen.info

Die Katakana

Die Katakana sind Zeichen, die jeweils einer Silbe entsprechen. Sie werden im Japanischen hauptsächlich dazu verwendet, fremdsprachige Wörter, fremde Eigennamen, wissenschaftliche Bezeichnungen sowie japanische Onomatopöien zu schreiben.

Die Hiragana und Katakana kann man also wie Buchstaben (also ein für unser Verständnis „normales“ Alphabet) lernen, da sie phonetisch sind.

Die Rōmaji

Rōmaji ist einfach der japanische Name für lateinische Buchstaben. Diese kommen zu den drei japanischen Schriftsystemen hinzu und werden verwendet, um Ausländern japanische Wörter zugänglich zu machen (so, wie wir in diesem Artikel eben auch japanische Wörter wie „Hiragana“, „Katakana“ usw. in lateinischen Buchstaben schreiben).

So konnte sich das Japanische auch über Japan hinaus verbreiten und für Ausländer ist es dadurch einfacher, das gesprochene Japanisch zu lernen.

Die ersten Spuren der japanischen Schriften

Bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. hatten die Japaner keine Schrift; die Sprache existierte nur in ihrer mündlichen Form.

Wenn sie etwas schreiben wollten, verwendeten sie danach die chinesischen Schriftzeichen. Man erzählt, dass während der Yamato-Zeit die ersten japanischen Dokumente am kaiserlichen Hof geschrieben wurden – von zweisprachigen Emissären, die außer Japanisch auch noch Koreanisch oder Chinesisch beherrschten.

Zwischen 710 und 784, während der Nara-Zeit, begannen die Japaner dann, chinesische Ideogramme zu verwenden, um die japanische Sprache abzubilden.

Das Besondere dabei ist, dass sie die chinesischen Schriftzeichen nicht in ihrer ursprünglichen Bedeutung verwendeten, sondern sozusagen zweckentfremdet wurden, um japanische Laute abzubilden. Diese Verwendung der Schrift nannte sich Man’yōgana. Sie existiert nicht mehr in dieser Form, sondern entwickelte sich durch Abkürzung und Vereinfachung weiter zum Hiragana-System, das sich in der ersten Hälfte des 10. Jh. durchsetzte.

In welche Richtung wird Japanisch geschrieben?

Wikipedia erklärt dazu:

„Im traditionellen Japanisch wird, wie auch im klassischen Chinesisch, von oben nach unten geschrieben, wobei die Spalten von rechts nach links aneinandergereiht werden. Diese Schreibrichtung findet heutzutage bei literarischen Texten, Zeitungsartikeln und Manga Anwendung. (Sach-) Texte, die viele Rōmaji (lateinische Zeichen) enthalten, sowie (waagerechte) Hinweisschilder werden heutzutage meist nach westlichem Vorbild in horizontalen Zeilen von links nach rechts geschrieben – nur bei historischer Namensbeschilderung von alten Gebäuden o. Ä. sieht man heute gelegentlich noch die traditionelle horizontale Schreibung von rechts nach links. Fahrzeuge und Schiffe sind mitunter auf der rechten Seite linksläufig und auf der linken rechtsläufig beschriftet. In Zeitungen kommt sowohl die horizontale als auch die vertikale Schreibrichtung vor, teils auch gemischt.“

Außerdem gibt es keine Leerzeichen zwischen den Wörtern und Zeichen. Jedes Zeichen hat ein Quadrat Platz und so werden die Zeichen aneinandergereiht. Wenn ein Zeichen also schmaler ist, ist drum herum noch „Platz übrig in der quadratischen Box“ sozusagen.

Wir erinnern nochmal daran: Die Kanji bestehen aus mehreren Strichen, die eine ganz genaue Anordnung haben. Sie haben jeweils eine oder mehrere Bedeutung(en), stehen also nicht nur für Silben, sondern ganze Wörter/Begriffe.

Es gibt bestimmte Regeln bezüglich der japanischen Schrift, die es zu beachten gilt, wenn man Japanisch lernt:

  • Horizontaler Strich vor vertikalem Strich
  • Linker Bogen vor rechtem Bogen
  • Von oben nach unten
  • Von links nach rechts
  • Außen vor innen
  • Innen fertigstellen, bevor man den Rahmen schließt
  • Erst der Strich in der Mitte, dann die linke Seite, dann die rechte Seite
  • Der Punkt als letztes

Die japanische Kalligraphie

Shodō nennt man die aus China nach Japan übernommene Kalligraphie (aus dem Griechischen „Schönschrift“). Diese Kunstform ist in Japan sehr beliebt und gilt als eine Art, sich weiterzubilden bzw. künstlerisch tätig zu sein. In Japan steht diese Art der Kunst traditionellen Formen wie Malerei oder Bildhauerei in nichts nach.

Ist japanische Kalligraphie beliebt? Die Kunst der Kalligraphie erfreut sich in Japan großer Beliebtheit. | Quelle: Pixabay

Die japanische Kalligraphie wird in einem Schwung vollzogen und ist fast schon eine Form von Performance-Kunst, bei der der ganze Körper mitmacht.

Wir finden diese Beschreibung der Seite Japonismus (übersetzt) sehr bezeichnend:

„In der Kalligraphie, sei sie chinesisch oder japanisch, wird ein Schriftzeichen in einem Schwung geschrieben, also in nur wenigen Sekunden und ohne die Möglichkeit, etwas zu verändern oder zu verbessern. Der gesamte Körper ist an dieser Energiebündelung, die in die Pinselspitze geleitet wird, beteiligt. Die verschiedenen Striche eines Schriftzeichens werden durch diesen Energiefluss fast zum Leben erweckt.“

Um sich erfolgreich in der Kunst der Kalligraphie zu üben, braucht man eine gewisse Grundausrüstung, bestehend aus mindestens vier Gegenständen:

  1. Der Pinsel. Dieser muss aus echtem Tierhaar gefertigt sein (Ziege, Pferd, Dachs …).
  2. Die Tinte. Sie wird au seiner Mischung aus Holzruß, einem Klebstoff auf tierischer Basis und ein wenig Wasser gewonnen (das Wasser lässt die Tinte erst flüssig werden, die Hauptbestandteile liegen in der Regel trocken in Form eines festen Stäbchens vor).
  3. Der Tintenstein. (Auch „Reibstein“ genannt.) In ihm wird die Tinte/Tusche angemischt und er dient auch als Farbpalette, denn aus der kleinen Vertiefung kann man die Farbe während des Zeichnens gut mit dem Pinsel aufnehmen.
  4. Das Papier. Es hat eine glänzende und eine absorbierende (saugfähige) Seite, auf der geschrieben wird.

Im Land der aufgehenden Sonne gibt es verschiedene Organisationen und Vereine für Shodō – manche rein als künstlerische Einrichtungen, manche mit pädagogischem Hintergrund. Kalligraphie kommt anscheinend wieder in Mode unter den jungen Leuten in Japan, man spürt eine Art Revival. Wäre das nicht auch etwas für Dich?

Die japanischen Schulmeisterschaften in Shodō sind ein Großereignis, das Jahr für Jahr Tausende von Zuschauern anzieht. Im Rahmen dieses Wettbewerbs treten verschiedene Teams gegeneinander an, um die schönste Kalligraphiekunst aufs Papier zu bringen. Diese Zeichnungen werden auf riesigen Blättern im Format 4 auf 6 m angefertigt und gleichzeitig tanzen und klatschen die Teams im Rhythmus der Musik.

Sowohl die Kalligraphie als auch der Auftritt werden von der Jury für die Bewertung herangezogen. Das ist unser ganz spezieller Veranstaltungstipp, solltest Du mal nach Japan reisen (zum Beispiel im Rahmen eines Sprachaufenthalts). Es lohnt sich wirklich!

Willst Du noch mehr darüber erfahren, wie sich die japanische Sprache entwickelt hat?

Das lateinische Alphabet im Japanischen

Wie bereits erwähnt, verwenden die Japaner den Begriff Rōmaji zur Bezeichnung lateinischer Buchstaben.

Die Rōmaji ergänzen so die anderen drei Schriftsysteme des Japanischen: die Kanji, die Katakana und die Hiragana (Genaueres zu diesen Alphabeten haben wir ja bereits oben behandelt).

Das lateinische Alphabet findet immer mehr Verwendung im modernen Japanisch, insbesondere:

  • Wenn die traditionellen Zeichen nicht verwendet werden können (für URLs und E-Mail-Adressen z. B.)
  • Um Japanische Texte auf einer Tastatur mit lateinischen Buchstaben zu schreiben
  • Um japanische Eigennamen für Nicht-Japaner niederzuschreiben
  • Für bestimmte Abkürzungen, mathematische Formeln usw.

Aussprachetabellen helfen dabei, die lateinischen Buchstaben japanisch auszusprechen. Und natürlich kann man in einem Wörterbuch online sehen, wie die Wörter transkribiert werden und sich dann die Aussprache vorsprechen lassen.

Willst Du einen Sprachtest für eine Japanreise machen? Na, hast Du auch Lust, nach Japan zu reisen? | Quelle: Pexels

Wenn Deine Muttersprache eine indoeuropäische Sprache ist (wie das Deutsche, Französische, Englische …), dann wirst Du vermutlich etwas länger brauchen, um die japanische Schrift zu erlernen – schließlich handelt es sich im Vergleich zu den westlichen Sprachen um ein ganz anderes System bzw. ganz andere Systeme – im Plural! – und gefühlt eher um kleine Zeichnungen als Buchstaben …

Auf Superprof kannst Du Japanischlehrerinnen und -lehrer finden, mit denen Du diese faszinierende Sprache lernen und üben kannst. Dafür ist auch ein gutes Deutsch-Japanisch-Wörterbuch notwendig. Wir empfehlen für den Anfang das Online-Wörterbuch https://www.wadoku.de/.

Wenn Du ein entsprechendes Niveau erreicht hast, kannst Du Dir Deine Kenntnisse auch bescheinigen lassen, indem du einen Sprachtest machst. Zum Beispiel den JPLT (Japanese Language Proficiency Test). Das ist ein offizieller Test, der jedes Jahr im Juli und im Dezember durchgeführt wird und Nicht-Muttersprachlern ihr Japanisch-Niveau attestiert.

Eine gute Möglichkeit, Deine Sprachfähigkeiten zu belegen (macht sich immer gut im Lebenslauf) oder wenn Du vielleicht sogar für längere Zeit in Japan leben willst. So weißt Du, dass die Basics auf jeden Fall sitzen und Du Dich dort gut durchschlagen könntest.

Worauf wartest Du noch?

Teilen

Wir freuen uns über Feedback von unseren Lesern
Enthält dieser Artikel die Informationen, nach denen Du gesucht hast?

Dieser Artikel war totaler Käse? Wirklich?Okay, beim nächsten Mal wird's besserNur Durchschnitt? Was fehlte Dir konkret?Danke Dir! Stelle verbliebene Fragen gerne untenWir freuen uns, dass wir Dir helfen konnten :) (Aktuell gibt es hierzu noch keine Bewertung)
Loading...

Einen Kommentar posten

avatar