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Japanische Kalligraphie – so viel mehr als nur eine Schönschrift

Von Anna, veröffentlicht am 17/03/2019 Blog > Sprachen > Japanisch > Shodō: Die Kunst der japanischen Kalligraphie

Japanisch zu lernen, heißt nicht nur, Vokabeln zu büffeln, Japanisch zu lesen und schreiben – es kann noch viel weiter gehen und ganz andere Bereiche touchieren – z. B. die Kunst!

Hast Du schonmal von der japanischen Kalligraphie – dem Shodō – gehört?

Ist Shodo für Japaner wichtig? Die Kunst der Kalligraphie hat in Japan nach wie vor einen hohen Stellenwert. | Quelle: Pixabay

 

Während eines Shodō-Kurses wirst Du nicht nur lernen, wie Du die japanischen Schriftzeichen schön zeichnest, sondern auch:

  • Konzentration und Selbstbeherrschung
  • Entspannung und Meditation
  • Kreativität
  • Japanische Traditionen
  • Japanische Vokabeln und Begriffe

In Japan zählt die Kunst der Kalligraphie genauso viel wie andere traditionelle Kunstformen wie Malerei oder Bildhauerei. Japanische Kalligraphie ist und bleibt in Japan sehr beliebt und hat sogar eine Art Revival erfahren, wodurch es wieder mehr in Mode gekommen ist. Viele Japaner kommen von klein auf damit in Kontakt. Sie fühlen sich so ihrer Sprache noch stärker verbunden und können Tradition und Kreativität verbinden.

Aber auch für Ausländer ist die japanische Kalligraphie eine gute Möglichkeit, eine Bindung zum Japanischen aufzubauen und gleichzeitig die Schriftzeichen besser und schneller zu lernen.

Wir haben in diesem Artikel die wichtigsten Informationen zur japanischen Schönschrift, dem Shodō, zusammengetragen. Viel Spaß!

Die ersten Spuren japanischer Kalligraphie

Kalligraphie wird in Japan schon Schulkindern beigebracht und es gibt ganze Meisterschaften darin. Shodō ist ein wichtiger Bestandteil der japanischen Kultur und eine Möglichkeit, japanische Traditionen weiter zu pflegen.

Inzwischen ist die japanische Kalligraphiekunst auch weltweit beliebt – als kreative Tätigkeit, in Tattoo-Studios oder einfach als eine Art Entspannung und Meditation.

Doch wie entstand diese Kunstform überhaupt?

Die Kunst der Kalligraphie stammt ursprünglich aus China. Um 710 wurde sie nach Japan getragen. Wenn man genau ist, ist das die Zeitperiode, in der die chinesische Schrift nach Japan kam. Man sieht also: Chinesische Schriftzeichen und Kalligraphie sind unzertrennlich miteinander verwoben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die chinesische Schrift eher kleinen Zeichnungen als einfachen Buchstaben gleicht …

In Japan wurde diese Schrift- und Kunstform damals zunächst am kaiserlichen Hof praktiziert. Ab dem 10. Jahrhundert dann – während der Heian-Zeit (794-1185) – begannen japanische Kalligraphen eigene japanische Stile und Formen aus der chinesischen Kalligraphie zu entwickeln.

Was genau ist japanische Kalligraphie und was braucht es dafür?

Die Kunst der japanischen Kalligraphie – also der Schönschrift in Japan – besteht darin, die einzelnen Schriftzeichen (Kanji oder Kana) mit einem Kalligraphiepinsel und schwarzer Tinte so präzise und schön wie möglich zu zeichnen. Ein Kalligraphiekünstler zeichnet sein Werk in nur einem Schwung, ohne die Möglichkeit, noch einmal zurückzugehen und einzelne Striche zu verbessern.

Was braucht man fürs Shodo? Eins der wichtigsten Utensilien für die Kalligraphie ist der Pinsel. | Quelle: Unsplash

Die vier Grundzeichenutensilien, die man fürs Shodō braucht, werden auch „die vier Schätze des Gelehrten“ genannt. Es handelt sich dabei um das Papier, den Pinsel, die Tinte und den Reibestein.

Insgesamt kann man aber natürlich noch etwas mehr aufzählen:

  • Shitajiki: eine weiche (oft schwarze) Zeichenunterlage, die das Arbeiten angenehmer macht
  • Bunchin: ein Papierbeschwerer und eine Pinselablage aus Metall
  • Hanshi: ein besonderes, dünnes Papier für Kalligraphiekunst
  • Fude: Besondere Pinsel, die in der Kalligraphie, aber auch zum Zeichnen von Mangas verwendet werden
  • Suzuri: Besonderes Behältnis aus Stein, ein sogenannter „Reibestein“,  in dem die Tinte angemischt und dort dann auch zum Zeichnen entnommen wird

Jetzt hat man also die nötige Ausrüstung, und dann?

Dann muss man natürlich wissen, wie man die japanischen Schriftzeichen zeichnet (es gibt eine ganz besondere Reihenfolge, wie man die Striche setzt) und muss es auch verstehen, die richtige Körperhaltung einzunehmen und seine ganze Energie und Konzentration ins Shodō zu lenken.

Kleiner Tipp: Versuche, während des Zeichnens eine möglichst aufrechte und stabile Körperhaltung einzunehmen und lege Deine linke Hand auf dem Papier ab, um es in der richtigen Position zu halten.

Und was, wenn ich Linkshänder bin? Pech gehabt! Die Zeichen Kanji und Kana sind so konzipiert, dass sie mit der rechten Hand geschrieben werden müssen. D. h., auch Linkshänder sollten den Pinsel in die rechte Hand nehmen!

Ästhetik, Emotionen, Disziplin – die Tugenden des Shodō

Bei der japanischen Kalligraphie geht es nicht nur darum, die japanischen Schriftzeichen zu vermitteln und auf künstlerische Art und Weise schön zu schreiben, sondern auch darum, bestimmte Werte und Tugenden zu vermitteln. Deshalb wir das Shodō auch in Schulen unterrichtet!

Japanische Kalligraphie zu praktizieren, lehrt einen nämlich auch:

  • Sich und seine Emotionen besser wahrzunehmen
  • Loszulassen
  • Richtig und bewusst zu atmen
  • Sich zu konzentrieren
  • Aber gleichzeitig: zu entspannen
  • Geduldig zu sein
  • Eine gewisse Spiritualität zu empfinden
  • Sich der japanischen Kultur und Tradition nahe zu fühlen

Wenn man weiß, wie wichtig die Zen-Philosophie für die Japaner ist, wundert es einen auch nicht mehr, dass ihnen Kalligraphie so wichtig ist. Sie steckt in jedem Zeichen, ja in jedem Strich und wie bei vielen künstlerischen Tätigkeiten kommt man wunderbar runter und entspannt sich.

Schaut man sich die Liste dieser Werte und Fähigkeiten an, stellt man auch fest, dass Shodō eine gute Alternative zur japanischen Kampfkunst ist. Der Effekt ist annähernd der gleiche, aber die Form ist weniger anstrengend und insgesamt sanfter.


Abgesehen von der Tugend der Geduld lehrt einen die japanische Kalligraphie, sein eigenes Tempo zu finden und anzupassen.


Wenn Du schon etwas geübter bist, wirst Du auch feststellen, dass sich Deine Zeichnungen unterscheiden werden, je nachdem, wie Du an dem jeweiligen drauf bist – selbst, wenn es das gleiche Zeichen ist! Diese emotionale Kunst spiegelt auf eine gewisse Art Deine Stimmung wieder.

So kannst Du diese Kunstform auch aktiv nutzen, um Deine Stimmungsschwankungen in den Griff zu bekommen bzw. gewisse Dinge zu verarbeiten. Oder auch einfach, um vom stressigen Alltag abzuschalten …

Dass Shodō eine sehr emotionale Angelegenheit ist, sieht man auch daran, dass bis zum heutigen Tag bei wichtigen Dokumenten und Zeremonien, wie Hochzeiten und Trauerfeiern, Pinsel und Tinte statt normalen Stiften verwendet werden.

Japanische vs. chinesische oder koreanische Kalligraphie

Wie unterscheiden sich die asiatischen Schriften? Es ist gar nicht so einfach, die verschiedenen Schriftsysteme Asiens auseinanderzuhalten. | Quelle: Pexels

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass eine große Mehrheit der Deutschen komplett aufgeschmissen wäre, wenn es darum ginge, japanische, chinesische und koreanische Schriftzeichen voneinander zu unterscheiden (zumal es teilweise ja Überschneidungen gibt).

Das ist aber auch kein Wunder, schließlich sind uns die asiatischen Kulturen und ihre Schriften recht fremd, die Länder weit von Deutschland entfernt. Es ist aber tatsächlich einfacher, als man auf den ersten Blick vielleicht denkt …

Nehmen wir als Beispiel den Ausgangssatz: „Ich mag Vanille“.

Auf Koreanisch lautet die Übersetzung: 난 바닐라 좋아. Die Schriftzeichen bestehen aus relativ wenigen Strichen, sehen recht eckig aus und wirken so im Allgemeinen recht gerade und klar.

Es gibt in diesem Satz nur eine Ausnahme: das fünfte Zeichen; es ist etwas komplexer. Der Grund? Du hast es sicher schon geahnt: Dabei handelt es sich um ein chinesisches Schriftzeichen.

Im Koreanischen und Chinesischen wurde die Schreibrichtung in den meisten Fällen an den westlichen Standard angepasst, also von links nach rechts und von oben nach unten. Im Gegensatz dazu schreibt im Japanischen noch öfter von rechts nach links oder von oben nach unten.

Im Japanischen schreibt sich unser Ausgangssatz wie folgt: 私はバニラのよう. Die meisten Schriftzeichen bestehen aus 1-2 Strichen und sehen sehr fließend aus.

Wieder gibt es eine Ausnahme: das erste Zeichen. Viele Vokabeln im Japanischen stammen ursprünglich aus dem Chinesischen. Für manche Wörter werden auch immer noch die chinesischen Schriftzeichen, die sogenannten Kanji, verwendet. Im Gegensatz dazu stehen die einfacheren, japanischen Zeichen, die Kana (Hiragana und Katakana).

Schauen wir uns den Satz schließlich auf Chinesisch an: 我喜欢香草. Man sieht auf den ersten Blick, dass die chinesischen Schriftzeichen komplexer sind und aus mehr Strichen bestehen. Auch sie wirken eher eckig und weniger fließend.

Das Besondere an den chinesischen Schriftzeichen ist, dass sie Ideogramme sind. Das bedeutet, dass sie ganze Wörter/Begriffe darstellen. Im Japanischen ist es dagegen so, dass die Kana für einzelne Laute oder Silben stehen (sogenannte Phonogramme).

Solltest Du Dich dazu entschließen, einen Kalligraphiekurs oder Japanischkurs (z. B. Japanischkurs in München) zu machen, kann Dir Dein Lehrer sicher noch genauer die Unterschiede zwischen den verschiedenen Schriftsystemen erklären.

Die verschiedenen Kategorien der japanischen Kalligraphie

Eigentlich gibt es gar nicht die japanische Kalligraphie – es gibt viele verschiedene Kategorien, Techniken und Stile. Einige davon wollen wir hier vorstellen.

Die chinesischen Kanji

Die bekannteste Form der japanischen Kalligraphie ist die, bei der man chinesische Schriftzeichen verwendet, die Kanji. Sie ähnelt somit sehr der chinesischen Kalligraphie, die ja auch der Ursprung des Shodō ist.

Die japanischen Kana

Wie Du hier erfahren kannst, löste sich die japanische Schrift nach und nach vom Chinesischen und wurde zu einer eigenen Schrift mit eigenen Zeichen: Den Kana. Diese bestehen aus zwei verschiedenen Schriftsystemen, den Hiragana und den Katakana.

Auch diese japanischen Schriftzeichen werden verwendet, um kalligraphisch tätig zu werden und bilden somit eine eigene Kategorie der japanischen Kalligraphie.

Kindai Shibunsho

Diese Kategorie des Shodō verbindet Kana und Kanji. Da im Alltag auch mit allen drei Schriftsystemen geschrieben wird, liegt diese Vorgehensweise nahe. So können Texte in der Kalligraphie „ganz normal“ geschrieben werden (aber eben in einem Schwung und schöner) und auch von mehr Menschen verstanden werden (nicht alle Japaner beherrschen nämlich alle Kanji, sondern nur die gängigsten).

Diese Art von Kalligraphie wird auch verwendet, wenn Ausländer bestimmte Sprüche in der Japanischen Übersetzung geschrieben haben wollen, z. B. für eine Tätowierung.

Natürlich gibt es noch weitere Kategorien und auch verschiedene Techniken der japanischen Kalligraphie (z. B. das Ritzen in einen Stein, mit dem dann Negativabdrücke erstellt werden), aber auf alle hier einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Falls Du Dich aber dafür interessierst, findest Du hier weitere Informationen. Oder Du machst selbst einen Shodō-Kurs …

Wo kann man Shodo lernen? Oder wie wäre es mit einem Kalligraphiekurs in Japan – am besten zur Kirchblütenzeit? | Quelle: Visualhunt

Shodō lernen in Deutschland

Na, hast auch Du Lust bekommen, Shodō auszuprobieren? Auch in Deutschland gibt es dafür zahlreiche Angebote – entweder in extra Kalligraphie-Vereinen oder in japanischen Kulturzentren usw.

Am besten Du suchst einfach mal im Internet nach „Shodō lernen“ und Deinem Ort, vielleicht wirst Du ja fündig. Und lass Dich nicht abschrecken, nur weil Du in einem kleineren Ort wohnst – wir haben auch Treffer für kleinere Orte wie Bad Säckingen oder Nidderau gefunden!

Ganz zu schweigen von größeren Städten wie München, Düsseldorf oder Weimar …

Und was kostet der Spaß? Das ist ganz unterschiedlich.

Im Ekō-Haus in Düsseldorf kosten 10 Sitzungen à 1,5 Stunden 150 € bzw. 12 Sitzungen 180 € (zzgl. Materialkosten). In Weimar geht ein Workshop über 3 Stunden (+ 1 Stunde Mittagspause) und kostet 40 €, falls alle fünf Workshops eines Zyklus gebucht werden (also insgesamt 200 € für 15 Stunden). Dabei sind alle Vorlagen der Künstlerin inklusive. Ein einzelner Workshop (1x 3 Stunden) kostet dort 50 €.

Am besten informierst Du Dich vorher beim Anbieter und fragst auch gleich nach, wie es mit dem Material aussieht und mit welchen Kosten dafür noch zu rechnen ist. So vermeidest Du böse Überraschungen und kannst Dich voll und ganz auf die Kunst konzentrieren.

Leg jetzt los und schlag zwei Fliegen mit einer Klappe: Verbessere Deine Kenntnisse über japanische Schriftzeichen und sei dabei auf entspannende Weise kreativ!

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