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Welchen Stellenwert hat Japanisch im internationalen Kontext?

Von Anna, veröffentlicht am 15/03/2019 Blog > Sprachen > Japanisch > Die japanische Sprache auf der ganzen Welt

Das Land der aufgehenden Sonne, 126,8 Millionen Einwohner (Stand 2017), eine Riesenmetropole und natürlich Mangas!

Japan – das asiatische Land hat eine große Strahlkraft, sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Und außerdem sprechen auch immer mehr Menschen außerhalb Japans Japanisch, sei es in Asien oder sogar in den USA. Auch wenn das Japanische den Ruf hat, eine nicht ganz einfache Sprache zu sein, findet es doch im Buchdruck, im internationalen Handel oder auch im Automobilsektor Anwendung.

Doch wenn Du Japanisch lernen möchtest, musst Du auch eine gute Portion Geduld mitbringen, denn die Sprache hat:

  • Drei verschiedene Schriftsysteme (+ die lateinischen Buchstaben für manche Anwendungsbereiche)
  • Zahlreiche Höflichkeitsfloskeln und -regeln
  • Eine besondere Aussprache im Rhythmus der Silben

Doch wenn Du diese Sprache erst einmal beherrscht, hast Du nicht nur Deinen Horizont erweitert, sondern auch einen echten Pluspunkt für Deinen Lebenslauf!

Schauen wir uns also einmal an, welchen Einfluss das Japanische im internationalen Kontext hat …

Wie viele Menschen auf der Welt sprechen Japanisch?

Stand 2017 zählt Japan 126,8 Millionen Einwohner. Laut Zahlen der japanischen Regierung ist Japan außerdem ein sehr homogenes Land: Fast 99 % der Einwohner haben Japanisch als Muttersprache. Zusammen mit den Japanern, die im Ausland leben, macht das rund 128 Mio. Menschen mit Japanisch als Muttersprache (geschätzt). Hinzu kommen etwa 1 Mio. Menschen, die Japanisch als Zweit- oder Fremdsprache sprechen.

Japanisch steht damit auf Platz 14 der meistgesprochenen Sprachen der Welt!

Die japanische Diaspora. Wusstest Du, dass viele Japaner in Lateinamerika leben? | Quelle: Pixabay

In der Geschichte Japans gab es immer wieder Auswanderungswellen, insbesondere nach Lateinamerika (vorrangig in Länder wie Brasilien oder Peru), mit denen auch die Sprache ins Ausland exportiert wurde. Laut Angaben der japanischen Regierung in Brasilien leben zwischen 1,3 und 1,5 Mio. Menschen mit japanischen Wurzeln in Brasilien, vor allem in São Paulo.

Doch kommen wir für einen Moment nach Japan zurück. Wusstest Du, dass allein innerhalb Japans mehrere Dutzend Dialekte existieren?

Der bekannteste ist der Kansai-Dialekt (Kansai-ben), auch Kinki-Dialekt genannt, der (wie der Name schon sagt) aus der Region Kansai bzw. Kinki (ca. 500 km südwestlich von Tokio) stammt. Er ist inzwischen so beliebt, dass sogar manche TV-Comedians so sprechen, um mehr Lacher und damit höhere Einschaltquoten zu erzielen (ungefähr so, wie wenn ein Berliner versucht, Bayerisch zu sprechen).

Hier einige Ausdrücke, die von Region zu Region variieren:

  • Guten Tag: Konnichiwa im Osten, Maido im Westen
  • Wie geht es Ihnen?: O genki desu ka im Osten, Moukarimaka im Westen
  • Mir geht es gut: Genki desu im Osten, Bochichidenna im Westen
  • Auf Wiedersehen: Sayonara im Osten, Hona im Westen

Der Einfluss der japanischen Kolonien auf die Sprache Japans

Die Geschichte Japans ist stark von Kolonialismus geprägt. Tatsächlich ist es so, dass Japan seine direkten Nachbarn über einen langen Zeitraum hinweg dominierte.

Im Jahr 1895, dem offiziellen Ende des Ersten Japanisch-Chinesischen Kriegs, tritt China die Insel Formosa (Taiwan) sowie die Halbinsel Liaodong (im Süden der Mandschurei) an Japan ab.

Einige Jahre später stellt die Eroberung Koreas einen weiteren wichtigen Schritt für den japanischen Kolonialismus dar. Zwischen 1910 und 1918 kontrollierte Japan das gesamte Gebiete Koreas und führte drakonische Verwaltungsreformen durch.

Wusstest Du, dass Japan eine Kolonialmacht in Asien war? Korea stand einige Zeit lag unter Japanischer Kontrolle. | Quelle: Visualhunt

Unter anderem auch sprachpolitische Maßnahmen: 1889 gründen die Japaner dort ein Ausbildungszentrum für Konversation „in der Landessprache“. Dieses Zentrum wird schnell zum Ausbildungszentrum für Japanischlehrer. Nach und nach setzt die Regierung die neue Landessprache Japanisch so auch in den Schulen durch.

Die Folge: In diesen Gebieten wird das Japanischlernen zur Norm. Japanisch wird auch zur offiziellen Sprache Taiwans: Der Schulunterricht findet auf Japanisch statt, die Städtenamen werden „japanisiert“ usw.

Im Jahr 1888 besagt Artikel 1 des Gesetzes zur öffentlichen Bildung:


„Die staatlichen Schulen sollen den taiwanischen Kindern moralische Prinzipien und praktische Kenntnisse beibringen sowie ihnen die Grundcharakteristika der japanischen Staatsbürgerschaft einprägen.“


Im Süden Chinas, in der Region „Mandschurei“, fährt die japanische Regierung eine weniger strenge Sprachpolitik. In dieser Region Chinas wollen die Japaner zwar auch ihre „Landessprache“ verbreiten, lassen aber lokale Sprachen bis zu einem gewissen Grad zu: Mandschurisch, Chinesisch, Mongolisch und Koreanisch.

Nach und nach wird Japanisch in den offiziellen Dokumenten der Lokalverwaltung eingeführt. In den Schulen sind die Lehrkräfte damals alle zweisprachig: Sie sprechen in der Regel Mandschurisch und Japanisch oder Mongolisch und Japanisch. Auch heute noch wird in Taiwan Japanisch gesprochen.

Die Seite Journey to Taiwan erklärt:

„Es gibt noch einige – wenn auch nicht mehr viele – Personen, meist in den 30er- oder 40er-Jahren geboren, die Japanisch quasi als Muttersprache haben und es nach wie vor verwenden. Bis zum heutigen Tag ist Japanisch eine der wichtigsten Sprachen im Fremdsprachenunterricht in den Schulen.“

Japanisch – eine Sprache, die weltweit von Menschen gelernt wird

Jedes Jahr fangen zahlreiche Menschen damit an, Japanisch zu lernen.

Die Gründe sind vielfältig:

  • In Japan arbeiten
  • In Japan leben
  • Mangas im Original lesen können
  • Animes im Original schauen können
  • Einfach so, weil Fremdsprachen toll sind 🙂

Im Durchschnitt braucht man als Muttersprachler einer indoeuropäischen Sprache etwa zweimal so lang für Japanisch wie für eine europäische Sprache. Man muss zunächst einmal die zwei phonetischen Alphabete, die Kana (Hiragana und Katakana), lernen, und dann auch noch die chinesischen Schriftzeichen, die in Japan noch in Verwendung sind, die Kanji. Mehr zur Entstehung und Verwendung der japanischen Schriftsysteme findest Du hier.

Was verbindet man mit Japan? Nicht nur Sushi essen ist in Europa super beleibt, auch die japanische Sprache fasziniert viele Europäer. | Quelle: Pixabay

In Deutschland sollen laut einer Schätzung von 2013 rund 12.000 Menschen Japanisch lernen, es scheint also doch eine recht beliebte Fremdsprache zu sein, wenn man bedenkt, wie weit Japan von Deutschland entfernt ist und dass es für Europäer wie gesagt schwieriger ist, eine asiatische Sprache zu lernen.

Die einfachste Möglichkeit, in Deutschland Japanisch zu lernen, ist vermutlich, es nebenbei an einer Volkshochschule oder in Form von Privatunterricht zu versuchen.

Man kann in Deutschland Japanisch aber natürlich auch an einer Hochschule studieren. In der Regel gibt es dafür zwei Möglichkeiten:

  1. Studienfach Japanologie
  2. Japanisch als eine der Sprachen im Rahmen eines Übersetzer-/Dolmetscherstudiums

Je nachdem, konzentriert man sich mehr auf die Geschichte, Kultur und Literatur (1.) oder die Kultur und praktische Anwendung in verschiedenen Bereichen (2.).

Das Studienfach Japanologie kann man an der Universität Leipzig, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Freien Universität Berlin, der Universität Hamburg, der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Trier, der Goethe-Universität Frankfurt, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg studieren.

Dolmetschen/Übersetzen mit Japanisch in der Sprachkombination wird an folgenden Hochschulen angeboten: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Und natürlich gibt es auch noch private Schulen und Hochschulen im In- und Ausland, an denen Japanisch unterrichtet wird. In den USA beispielsweise gibt es die Japanese Language School und viele weitere.

Bachelor- und Masterstudiengänge in Sprachen attestieren je nach Universität bereits ein gewisses Sprachniveau. Möchte man aber ganz sichergehen, dass die Sprachkenntnisse auch in Japan und international anerkannt werden, empfiehlt es sich, ein offizielles Sprachzertifikat zu machen, z. B. den JLPT (Japanese Language Proficiency Test), der vom japanischen Bildungsministerium durchgeführt wird.

Laut einer Zählung von 2006 gab es damals 85 Japanischinstitute auf der Welt (außerhalb Japans, versteht sich). (Leider konnten wir keine neueren Zahlen finden.) Und in Italien gibt es sogar die Europäische Akademie für Mangas! Die erste europäische Kunstakademie, die sich ausschließlich dieser japanischen Technik widmet. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Italien nach Frankreich der zweitgrößte Mangakonsument in Europa ist …

Japanisch – eine Handelssprache?

Japan, eine Insel mit einer Größe von 375.000 m2, hat eine strategische Position im internationalen Handel inne. Ein Grund dafür ist das riesige maritime Hoheitsgebiet des Landes – ein wichtiger Vorteil für internationale Handelsbeziehungen.

 

Welche Rolle spielt die Börse von Tokio? Tokio ist ein wichtiges internationales Handelszentrum. | Quelle: Pixabay

Der Außenhandel ist ein grundlegender Faktor für die wirtschaftliche Stärke Japans auf der Welt und insbesondere in Asien. Laut Moniteur du Commerce International finden 57 % der Importe und 48 % der Exporte des Staats zwischen Japan und anderen asiatischen Ländern statt. China ist der wichtigste Handelspartner, was natürlich auch an der Größe und geografischen Nähe des Landes liegt.

Japan ist gemessen am BIP die drittgrößte Wirtschaftsmacht hinter den Vereinigten Staaten und China!

Der Wirtschaftsriese hat in vielen Sektoren eine Vormachtstellung inne:

  • Automobilbranche
  • Robotik
  • Biotechnologie
  • Erneuerbare Energien

Im Jahr 2014 belegte Japan den 4. Platz als Import- und Exportnation von Waren in der Weltrangliste und der Handel macht 36 % des japanischen BIP aus. Man kann zurecht behaupten, dass Japan ein wichtiger Handelsknotenpunkt im asiatischen Raum ist. Ebenfalls auf Platz 4 ist Japan, wenn es um die Exportstärke geht: Nur China, Deutschland und die USA exportieren mehr.

Auch wenn es um das Vermögen geht, ist Japan vorne mit dabei: Laut einer Studie der Bank Credit Suisse aus dem Jahre 2017 lag Japan auf Rang 3 weltweit beim nationalen Gesamtvermögen. Der Gesamtbesitz an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 23.682 Milliarden US-Dollar!

Außerdem hat Japan natürlich die Börse von Tokio – auch das ein wichtiger Faktor, wenn man den wirtschaftlichen Einfluss der Nation bewerten will.

Aus all diesen Gründen kann es sehr vorteilhaft sein, Japanisch zu lernen. Gerade in Verbindung mit wichtigen europäischen Sprachen wie Englisch, Französisch und/oder Deutsch gibt es eine Vielzahl an Arbeitsplätzen in der Wirtschaftswelt, die einem dadurch offen stehen.

Falls Du etwas im wirtschaftlichen Bereich studierst oder studiert hast, kann Japanisch außerdem ein großes Plus für (potentielle) Arbeitgeber sein. Am besten machst Du dafür ein Sprachzertifikat (s.o.). So ist das Niveau festgelegt und nachvollziehbar und Du hast etwas, worauf Du hinarbeiten kannst. Vielleicht beteiligt sich ja sogar Dein Arbeitgeber an den Kosten für einen Japanischkurs? Fragen kostet nichts!

Der Einfluss der japanischen Kultur weltweit durch Animes und Mangas

Wer hat noch nie ein Manga oder Anime gelesen/geschaut oder zumindest schonmal jemand anderen dabei gesehen? Seit sie um 1970 das erste Mal in Europa in Erscheinung traten, faszinieren sie Alt und Jung gleichermaßen.

Hier einige Zahlen und Fakten:

  • Seit einigen Jahren machen Mangas gut ein Drittel aller Druckerzeugnisse in Japan aus.
  • Mangas machen in Deutschland bis zu 70 % der verkauften Comictitel aus.
  • Im Jahr 2005 lag der Manga-Bruttoumsatz in Deutschland bei 70 Millionen Euro.

Der Begriff Manga, der von Katsushika Hokusai erfunden wurde, bedeutet übersetzt „lächerliche Zeichnung“. In Japan verwendet man den Begriff Manga einfach allgemein für Comics, während er im Westen ausschließlich japanische (oder zumindest asiatische) Comics bezeichnet.

In Japan sind Mangas ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens: Sie machen 40 % aller verkauften Bücher aus! Schon die Kleinsten kommen damit in Kontakt, weil in den Grundschulen die Fächer Geschichte und Religion teilweise mithilfe von Mangas unterrichtet werden. Man findet Manga-Verkäufer außerdem auf der Straße, überall gibt es Werbeplakate und im Fernsehen laufen ununterbrochen Animes. Die Kultur ist entscheiden für dieses asiatische Land!

Was lieben Europäer an Japan? Mangas sind neben Automobilen und Elektrogeräten DER Exportschlager aus Japan. | Quelle: Pixabay

 

Übrigens: Wusstest Du, dass mit Manga-Heften kaum Umsatz erwirtschaftet wird? Sie werden in der Regel dazu genutzt, die Beliebtheit einer neuen Reihe zu testen. Erst in Form von Taschenbüchern und durch Folgeprodukte (Merchandising-Artikel usw.) lohnt sich dann die Vermarktung.

Abgesehen vom Konsum im eigenen Land sind Mangas auch ein wahrer Exportschlager und eine gute Möglichkeit, Ausländern die japanische Sprache und Kultur näher zu bringen.

Überall auf der Welt findet man Manga-Verrückte, die die bunten Comics entweder in der jeweiligen Übersetzung oder sogar im Original lesen. Aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht sind Mangas mit das profitabelste Exportgut, das Japan zu bieten hat.

Nordamerika ist ein riesiger Abnehmer der japanischen Comics: 2011 wurde dort beispielsweise ein Umsatz von geschätzt 300 Mio. $ erwirtschaftet. Weitere wichtige Märkte finden sich in Europa und Asien. Die Serie Pokemon aus dem Jahr 1996 ist ohne Zweifel eine der erfolgreichsten Mangaserien überhaupt, mit Einnahmen von über 150 Mrd. $!

Der deutsche Mangamarkt ist in Europa der drittgrößte nach Frankreich und Italien. Im Bereich der Comictitel machen Mangas hierzulande bis zu 70 % der verkauften Bücher/Hefte aus! Zum Vergleich: In Frankreich liegt der Anteil von Mangas am Comicmarkt nur bei 26 %. Deutschland ist also wie kein anderer Comicmarkt in Europa abhängig von Mangas.

Die Top-4-Verkaufsschlager in Deutschland (jeweils mehrere Millionen Exemplare verkauft):

  1. Dragon Ball
  2. Sailor Moon
  3. Inu Yasha
  4. Detektiv Conan

Eine sehr gute Möglichkeit, sich der japanischen Sprache und Kultur zu nähern! Bist Du bereit?

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