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Japanischkurs: Grammatik, Syntax und Höflichkeitsformen

Von Anna, veröffentlicht am 14/03/2019 Blog > Sprachen > Japanisch > Grammatik, Syntax und Keigo: die Besonderheiten der japanischen Sprache

Von der Kultur zur Lebensart, von der Geschichte zur Sprache: Japan hat uns viel zu bieten!

Wenn Du also nach Japan reisen willst oder einfach nur so Japanisch lernen willst, sei unbesorgt: Mit ein bisschen Talent und genug Übung ist alles möglich!

Auch wenn Japanisch eher als schwierige Sprache gilt, wirst Du in diesem Artikel entdecken, dass es viele Möglichkeiten gibt, sich dieser zu nähern und sie Schritt für Schritt zu lernen.

Und, kleiner Bonus für uns als (wahrscheinlich größtenteils) Deutsch-Muttersprachler: Die japanische Grammatik ist einfacher als die deutsche! Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ ade!

Also, bist Du bereit für diese neue Herausforderung? Los geht’s!

Die grammatikalischen Grundlagen des Japanischen lernen

Eine Einteilung der UNESCO hat eine Liste der Top 10 schwierigsten Sprachen der Welt ergeben. Japanisch steht dabei an 5. Stelle!


„Die große Schwierigkeit dieser Sprache liegt am Unterschied zwischen der geschriebenen und der gesprochenen Sprache, aber auch an einer Grammatik, in der unzählige Höflichkeitsformen und sprachliche Formalitäten enthalten sind. Nicht zu vergessen die zahlreichen chinesischen Schriftzeichen, die es sich zu merken gilt.“


Um also die japanische Geschichte und Sprache zu lernen, musst Du dich (zumindest teilweise) vom lateinischen Alphabet verabschieden und neue Schriftsysteme (ja, im Plural!) lernen …

Warum ist Japanisch für Deutsche so schwer? Eine der größten Herausforderungen für Japanischlernende ist die Schrift. | Quelle: Unsplash

Die grundlegende Schrift des Japanischen besteht aus zwei Alphabeten, den Zeichensystemen Hiragana und Katakana. Diese bestehen aus ca. 50 „Buchstaben“. Diese Buchstaben sind ursprünglich chinesische Zeichen, die aber umfunktioniert und vereinfacht wurden und nun als phonetische Alphabete verwendet werden:

  • Die Hiragana-Zeichen: Dies ist das phonetische Alphabet, das am meisten Anwendung findet. Es wird vor allem zum Bilden grammatikalischer Formen genutzt.
  • Die Katakana-Zeichen: Diese Alphabet wird in der Regel dazu verwendet, fremdsprachige bzw. Entlehnte Wörter zu schreiben.

Zusätzlich zu diesen zwei japanischen Alphabeten werden auch noch einige chinesische Schriftzeichen in ihrer ursprünglichen Bedeutung benutzt. Das sind Zeichen, die jeweils für ein ganzes Wort/einen ganzen Begriff stehen und nicht nur für einzelne Laute oder Silben. Diese ursprünglich chinesischen Zeichen heißen im Japanischen Kanji.

Zum Transkribieren von japanischen Wörtern für Ausländer und für manche fremdsprachigen Begriffe sowie E-Mail-Adressen usw. verwenden die Japaner auch lateinische Buchstaben. Sie nennen sie Rōmaji.

Alles klar?

Dann schauen wir uns jetzt einmal einige Grammatikregeln des Japanischen an:

  • Im Japanischen steht das Verb immer am Ende.
  • Das Subjekt wird stets von wa (は) gefolgt.
  • Das direkte Objekt wird immer von o (を) gefolgt und das indirekte Objekt von ni (に): Diese kleinen „Wörtchen“ sind Partikel. Diese sind in der japanischen Grammatik sehr weit verbreitet.
  • Im Japanischen gibt es ein drittes Hilfsverb: das Desu (です). Es steht immer am Ende des Satzes. Es wird mit dem Hilfsverb „sein“ übersetzt, allerdings nur in bestimmten Fällen: Es entspricht den Ausdrücken „entsprechen“, „gleichzusetzen mit“. Es dient außerdem dazu, zu markieren, dass man sich höflich an den Gesprächspartner wendet, ähnlich wie bei uns das Siezen. Eine mögliche Übersetzung könnte sein: „Ich verkünde Ihnen, dass …“. (Mehr zu den Höflichkeitsformen weiter unten im Artikel.)
  • Um eine Frage zu stellen, bildet man einen ganz normalen Aussagesatz nach den normalen Regeln der Grammatik und hängt dann einfach den Fragepartikel ka hinten dran.
  • Die Verben und Adjektive werden nicht an das Nomen angepasst, also nicht konjugiert bzw. dekliniert. Sie verändern sich auch nicht nach Person, Genus und Numerus.

Um erfolgreich Japanisch zu lernen, musst Du Dich so gut wie möglich vom Deutschen lösen. Das Japanische verfolgt eine ganz eigene Logik, die nicht 1:1 aus dem Deutschen übertragen werden kann (wie das bis zu einem gewissen Grad z. B. mit Englisch der Fall ist).

Die japanische Grammatik online lernen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die japanische Grammatik zu lernen bzw. zu perfektionieren:

  • Indem man Bücher und Comics liest, z. B. Mangas
  • Indem man Privatunterricht nimmt
  • Indem man einen Japanischkurs an einer Volkshochschule oder Universität macht
  • Indem man sich mit Japanisch-Muttersprachlern unterhält
  • Indem man nach Japan reist

Doch für den Anfang kannst Du auch erstmal gemütlich zu Hause sitzen bleiben und den Computer anschalten. Denn es gibt zahlreiche Videos, Tutorials und Webseiten, in denen Dir Tipps, Tricks & Übungen zum Erlernen der japanischen Sprache an die Hand gegeben werden.

Über so einen Japanischkurs online für Anfänger kannst Du erst einmal reinschnuppern und die Grundlagen lernen, ohne Geld auszugeben und ohne feste zeitliche und örtliche Verpflichtung. Der Großteil der Videos und des Zusatzmaterials ist kostenlos zugänglich.

Hier einige Seiten, auf denen Du die Japanisch-Basics lernen kannst:

  • Multimedia Sprachkurse24 – Dieser YouTube-Kanal bietet ein paar wenige Videos zum Thema „Kennenlernen und Begrüßung“ und verschiedene Reihen zu japanischen Vokabeln. Die Aufmachung sieht nicht besonders professionell aus, aber für den Anfang kann man mal einen Blick reinwerfen – kost ja nix!

Einen etwas systematischeren Überblick bekommst Du hier:

  • Japanischlernen.eu – Hier findest Du grundlegende Informationen zur japanischen Sprache und Tipps &Tricks, wie Du diese am besten lernen kannst. Auch sehr hilfreich: Es wird ein Überblick gegeben, wie viel Zeit man für welches Niveau einplanen sollte und auch, wie lange es jeweils dauert, die japanischen Schriftsysteme und die Kanji zu lernen.
  • Book2 des Goethe-Verlags – Hier kannst Du Dir ein Sprachpaket herunterladen und auch mit der kostenlosen App (für Android und iOS) arbeiten. Für alle, die gerne noch etwas Handfestes vor sich haben, gibt es zusätzlich ein gedrucktes Handbuch zu kaufen.

Und natürlich gibt es auf YouTube auch zahlreiche Einzelvideos und Kanäle (auf Deutsch oder Englisch) zum Erlernen der Basics oder ganz bestimmter Grammatikthemen. Klick Dich am besten einfach mal durch und schau, was Dich anspricht.

Durch solche Videos und Seiten bekommst Du sicherlich einen guten ersten Eindruck, worauf Du Dich einlässt. Wenn es Dir dann wirklich viel Spaß macht und Du noch effizienter und professioneller lernen willst, kannst Du Dich immer noch für einen kostenpflichtigen Online-Kurs oder Privatunterricht in Japanisch entscheiden …

Syntax: modernes Japanisch vs. Klassischjapanisch

Im Japanischen gibt es im Bereich der Syntax Unterschiede. So existieren zwei Formen, das moderne (heutige Standard-) Japanisch und das Klassischjapanisch.

Die klassische und literarische Sprache nennt man Bungo (文語). Im Gegensatz dazu steht das Kōgo, die aktuelle geschriebene Sprache, die sich an der gesprochenen Sprache orientiert.

Zwischen den beiden Formen gibt es auch lexikalische Unterschiede:

  • Im modernen Japanisch gibt es weniger Wörter als im Klassischjapanisch.
  • Andere Wörter haben hingegen ihre Bedeutung geändert.
  • Einige Ausdrücke des modernen Japanisch wurden aus dem Chinesischen entlehnt.

Das Bungo galt in Japan bis Ende der 1940er-Jahre als die Hauptform der geschriebenen Sprache. Heutzutage finden sich noch zahlreiche Ausdrücke des Bungo im modernen Japanisch und es wird auch immer noch an den Schulen unterrichtet.

Was ist Klassischjapanisch? Die klassische Form des Japanischen, Bungo, hat die Jahrhunderte überdauert. | Quelle: Pixabay

 

Das Klassischjapanische entstand im 10. Jahrhundert und hat die Jahrhunderte mehr oder weniger unbeschadet überdauert. Im Vergleich zu anderen Sprachen hat es sich nicht stark weiterentwickelt. (Man denke nur an die starke Entwicklung des Althochdeutschen oder des Mittelenglischen.)

Heutzutage dominiert aber wie gesagt das moderne Japanisch, Kōgo: sowohl im Mündlichen als auch im Schriftlichen. In der Grammatik und im Vokabular kommt allerdings noch manchmal das Bungo durch – entweder als stilistisches Mittel oder um eine Doppeldeutigkeit auszuräumen, die durch das Kōgo nicht zu vermeiden ist.

Welche Elemente der japanischen Sprache fallen Deutschen leicht?

Im Gegensatz zur chinesischen Aussprache ist die japanische Aussprache für Deutsche relativ einfach. Sie ist auf Silben aufgebaut und die Tonhöhe/Melodie spielt im Gegensatz zum Chinesischen keine große Rolle.

Außerdem ist die japanische Grammatik ziemlich einfach aufgebaut im Vergleich zur deutschen Grammatik!

Während wir im Deutschen sechs Personalpronomen (ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie/Sie) mit den jeweiligen Verbkonjugationen haben, gibt es im Japanischen nur eine einzige Form für alles. Super easy, oder?

Und das Gleiche gilt für die verschiedenen Zeiten. Während sich Deutschschüler mit Präsens, Perfekt, Imperfekt, Plusquamperfekt, Futur I und II rumschlagen, gibt es im Japanischen nur eine Gegenwarts- und eine Vergangenheitsform – das war’s! Du fragst Dich, wie man dann im Japanischen etwas Zukünftiges ausdrückt? Ganz einfach: Man verwendet das Präsens und hängt einfach ein Partikel für die Zukunft an. Gewusst, wie!

Außerdem gibt es nicht wirklich Konjugationen, wie wir sie im Deutschen verstehen. Vielmehr verwendet man eine Reihe an relativ einfachen Anpassungen, die sich an der zeitlichen Struktur und dem Sprachregister orientieren.

Hier ein Beispiel:

  • Ich esse: 食べる「たべる」– taberu 
  • Ich werde essen: 明日食べる「あしたたべる」– ashita taberu (= „Morgen ich esse.“)

Ist Japanisch schwierig auszusprechen? Die japanische Aussprache ist für Deutsche in der Regel kein Problem. | Quelle: Pexels

Im Gegensatz zu anderen asiatischen Sprachen ist Japanisch keine Tonsprache. Deshalb ist sie für Deutsche relativ einfach auszusprechen. Es gibt nur ein paar Laute, die wir im Standard-Deutschen nicht kennen (wie z. B. das gerollte „r“ und das weiche „sch“ wie in „Journal“). Aber solche „undeutschen Laute“ finden sich auch im Spanischen, Italienisch oder Französischen – daran sollte es also nicht scheitern.

Was allerdings noch etwas verwirren kann, ist, abgesehen von der für uns fremdartigen Schrift allgemein, dass es zwischen den Wörtern keine Leerzeichen gibt und das traditionellerweise von rechts nach links oder von oben nach unten gelesen wird. Aber auch in diesem Bereich hat ein Wandel stattgefunden.

Finde hier heraus, wie die japanischen Schriftsysteme entstanden sind.

Japanisch und seine Höflichkeitsformen

Die japanische Höflichkeit – für Deutsche ein Buch mit sieben Siegeln!

In der japanischen Kultur ist Höflichkeit so wichtig, dass es dafür sogar eine eigene Sprache gibt, das Keigo (敬語)!

Dieses System wird im Deutschen einfach „Japanische Höflichkeitssprache“ genannt. Im Gegensatz zu westlichen Sprachen, in denen sich die Höflichkeit meist über Du-/Sie-Formen und eine etwas höflichere Wortwahl ausdrückt (z. B. im Deutschen mehr Konjunktiv als Indikativ: „Ich hätte gerne/möchte“ statt „Ich will/mag“) verfügt das Japanische über ein ganz eigenes grammatikalisches und lexikalisches System, um Höflichkeit zu demonstrieren.

Die Höflichkeit im Japanischen lässt sich generell in drei Kategorien einteilen:

  1. Teineigo (丁寧語): normale Höflichkeitsform zwischen Unbekannten ohne besondere Hierarchie (z. B. im Geschäft, auf der Straße, Nachrichtensprecher)
  2. Sonkeigo (尊敬語): respektvolle Sprache (z. B. gegenüber Vorgesetzten, Professoren oder Geschäftspartnern)
  3. Kenjōgo (謙譲語): bescheidene Sprache (das Gegenstück zum Sonkeigo, z. B. wenn man sich auf sich selbst oder die eigene Familie/Firma bezieht)

Die einzelnen Systeme sind geprägt von bestimmten höflichen Verben, Anreden, Höflichkeitspartikeln, einer passiven Form usw.

Diese Höflichkeitssprache hat in Japan noch einen sehr hohen Stellenwert. In den Medien, unter älteren Personen und Sprachbegeisterten wird sich oft darüber echauffiert, dass junge Menschen in Japan diese Formen nicht mehr richtig einzusetzen wissen. Die junge Generation lernt das Keigo nicht mehr so, wie es in den Augen der älteren Generation sein sollte und es wird sich regelmäßig beschwert, wenn in Handbüchern und Ähnlichem diese Formen falsch angewandt werden.

Ob das nun eine Schande oder der normale Lauf der Dinge und der Sprachentwicklung ist, sei jedem selbst überlassen. Wobei ich zugeben muss, dass sich mir auch die Fußnägel aufrollen, wenn ich höre: „Geb das dem Student.“ Ich fauche dann immer: „-en!“ (mal ganz abgesehen von der falschen Imperativform).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Japanisch vielleicht nicht objektiv „schwer“, sondern eher „komplex“ ist. Besonders die Schriftzeichen und die ausgeprägten Höflichkeitsformen sind der deutschen Sprache sehr fern und somit für Deutsche erst einmal schwer zu greifen.

Warum sind Japaner so höflich? Im Land des Lächelns ist Höflichkeit enorm wichtig – das zeigt sich auch in der Sprache. | Quelle: Pexels

Es ist aber alles eine Frage der Übung und Folgendes kann helfen, bestimmte Ausdrücke und Formen zu verinnerlichen:

  • Mangas auf Japanisch lesen
  • Japanisch Lieder singen (am besten als Karaoke)
  • Japanische Zeitschriften lesen (am besten zu einem Thema, das Dich besonders interessiert)
  • Auf japanischen Internetseifen surfen (Websites zu bestimmten Themen oder von Nachrichtensendern)
  • Einen japanischen Konversationspartner (Tandempartner) oder Brieffreund finden
  • Einen Japanischclub oder ein Kulturzentrum Japanisch finden

So viele Möglichkeiten und so wenig Zeit … Leg also am besten gleich los!

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