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Ursprung, Geschichte und Entwicklung der japanischen Sprache

Von Anna, veröffentlicht am 14/03/2019 Blog > Sprachen > Japanisch > Die große Geschichte der japanischen Sprache

Bevor man beginnt, Japanisch zu lernen, ist es interessant, sich die Entstehung dieser komplexen Sprache anzusehen.

Woher kommt die Sprache von Mishima Yukio? Wie weit reichen die ersten Spuren der japanischen Schrift zurück? Und inwiefern hat das Chinesische die japanische Sprache beeinflusst?

Bis hin zum Japanischen, wie man es heute spricht, war es ein langer Weg und Entwicklungsprozess, der sich im Land des Lächelns über mehrere Jahrhunderte hinweg vollzogen hat …

Superprof zeichnet diesen spannenden Weg der japanischen Schrift und Sprache nach. Absolutes Grundwissen für Japanischlehrerinnen und -lehrer und auch alle angehenden Japanischschülerinnen und -schüler, die etwas auf sich halten.

Die Entstehung des Japanischen in seiner mündlichen Form

Japanisch in seiner gesprochenen Form wird von etwa 129 Millionen Menschen weltweit gesprochen. Damit landet sie auf dem 14. Platz der meistgesprochenen Sprachen auf der Welt.

Das Japanische weist einen agglutinierenden Sprachbau auf. Was das heißt? Das bedeutet, dass die grammatische Funktion durch das Anbringen einzelner Affixe kenntlich gemacht wird.

Anstatt wie bei uns die Wortstellung zu ändern und ein Fragezeichen anzufügen, hängt man im Japanischen z. B. am Ende des Aussagesatzes einfach das Fragepartikel ka an, um eine Frage zu bilden.

Das ist aber natürlich nur eins von vielen Beispielen …

Wie viele Menschen sprachen Japanisch? Ca. 128 Millionen Menschen sprechen Japanisch als Muttersprache. | Quelle: Pexels

 

Weitere agglutinierende Sprachen sind:

  • Die Turksprachen (z. B. Türkisch)
  • Die finno-ugrischen Sprachen (z. B. Estnisch, Finnisch und Ungarisch),
  • Koreanisch
  • Baskisch

Die japanische und die chinesische Sprache ähneln sich überhaupt nicht, weisen in ihrem Bau auch keine Gemeinsamkeiten auf. Allerdings findet man im Japanischen einige Wörter, die aus dem Chinesischen entlehnt wurden.

Während der Edo-Zeit (1603-1868), auch Tokugawa-Zeit genannt, wurde die Basis der heutigen japanischen Sprache geschaffen. Während der darauffolgenden Ära, der Meiji-Zeit (1868-1912), kamen außerdem viele Wörter aus westlichen Sprachen in den japanischen Wortschatz.

Um Fremdwörter zu schreiben, verwendet man in der Regel die Schriftzeichen Katakana, während für ursprünglich japanische Wörter auch die Schrift Hiragana existiert. Außerdem gibt es noch ursprünglich chinesische Schriftzeichen, die Kanji. Insgesamt kennt das Japanische also drei Alphabete und gilt damit als schwierigstes Schriftsystem der Welt.

Die ersten Spuren japanischer Schrift

Es sei darauf hingewiesen, dass die verschiedenen Völker Japans nach heutigem Kenntnisstand bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. keine Schrift hatten. Diese hielt erst mit dem Eintreffen buddhistischer chinesischer Mönche Einzug.

Schriftzeichen, die aus dem Chinesischen übernommen wurden (oft Ideogramme), werden im Japanischen Kanji genannt. Ideogramme sind einfache Zeichensymbole, die abstrakte Begriffe darstellen. Die Schriftzeichen stammen zwar ursprünglich aus dem Chinesischen, haben aber ihren Eingang in die japanische Sprache gefunden und werden entsprechend auch anders ausgesprochen.

Diese Zeichen bildeten die Grundlage für die modernen japanischen Alphabete Katakana und Hiragana, wobei die Kanji auch noch weiter in ihrer ursprünglichen Form existieren.

Was sind Kanji im Japanischen? Kanji sind chinesische Schriftzeichen, die auch heute noch im Japanischen Verwendung finden. | Quelle: Unsplash

Hier eine kleine Übersicht über die drei Schriftzeichensysteme:

  • Die Kanji dienen dazu, ganze Wörter/Begriffe auszudrücken, sie haben eine eigene Semantik. Der Großteil der japanischen Kanji hat zwei oder mehr Lesarten: Die ursprüngliche chinesische(n) Lesart(en) und eine japanische Lesart.
  • Die Hiragana dienen hauptsächlich dazu, grammatikalische Morpheme (Partikel) zu schreiben (wie im Beispiel oben ka)
  • Die Katakana werden vorwiegend dazu verwendet, aus anderen Sprachen entlehnte Wörter zu schreiben (z. B. das Wort „Marathon“).

Hier findest Du weitere Infos und eine Aussprachetabelle zu den Hiragana.

Außerdem arbeitet die japanische Schrift auch noch mit sogenannten Furigana: Das sind Hiragana- oder Katakana-Schriftzeichen, die als Lesehilfe zur Aussprache von Kanji-Zeichen dienen. Denn letztere sind oft weniger bekannt oder kommen im Alltag selten vor. Auch in Kinderbüchern werden solche Hilfszeichen benutzt, weil die Kleinen oft noch keine Kanji-Zeichen kennen.

Ist das Wort horizontal geschrieben, stehen diese Hilfszeichen meist über dem Kanji, ist die Schrift vertikal, stehen sie rechts daneben.

Das älteste bekannte japanische Schriftstück heißt Kojiki. Es stammt aus dem Jahr 712 und ist in den damaligen chinesischen Schriftzeichen verfasst.

Das chinesische Erbe in der japanischen Sprache

Zwischen 710 und 784, in der sogenannten Nara-Zeit, beginnen die Japaner damit, chinesische Schriftzeichen zu verwenden.

So entsteht das historische Schriftsystem Man’yōgana. In diesem wurden chinesische Kanji-Schriftzeichen nicht mit ihrer eigentlich Bedeutung verwendet, sondern nur um die japanische Aussprache abzubilden. Es war somit größtenteils eine Silbenschrift und ist der Vorläufer der heute in Japan verwendeten Hiragana- und Katakana-Schriften.

Da in diesem System ein Zeichen nur einem Laut entsprach und nicht einem ganzen Begriff, brauchte man logischerweise auch mehrere Schriftzeichen, um ein Wort und entsprechend ganzen Text zu schreiben.

Im französischsprachigen Yokohama magazine ist ein interessanter Artikel zur Entstehung der japanischen Sprache erschienen, in dem es (übersetzt) heißt:


„Während der Heian-Zeit (784-1184) schrieben die Männer der gehobeneren Klassen zwei Arten von Texten: Texte auf Chinesisch und Texte auf Japanisch unter Verwendung chinesischer Schriftzeichen (kanashiki-wabun). Sie erfanden auch neue Schriftzeichen, indem sie ursprünglich chinesische Schriftzeichen für das Japanische anpassten. Um das Lesen chinesischer Texte zu erleichtern, versahen sie diese zwischen den Zeilen außerdem mit Anmerkungen in Man’yōgana. Manchmal, wenn der Platz nicht ausreichte, wurde ein Man’yōgana-Schriftzeichen abgekürzt, man schrieb nur einen Teil davon. So entstanden die Katakana. Der Name bedeutet nämlich „unvollständige Kana (Man’yōgana).“


Wie die Man’yōgana sind die Katakana Laute. Nach und nach begannen die Japaner, die Katakana zusammen mit chinesischen Schriftzeichen in schriftlichen Erzählungen zu verwenden. So entstand diese gemischte Schriftform aus Katakana und chinesischen Zeichen, die man auch heute noch verwendet.

Entstehung der Hiragana und ihr Einfluss auf die japanische Kultur

In der Folge entstehen die Hiragana, die eine Schreibschrift (Kursivschrift) des Man’yōgana-Systems sind. So konnte man schneller im Alltag schreiben, die offizielle Druckschrift wurde vereinfacht.

Dank dieser Schrift konnten die Japaner nun zum ersten Mal einfach so schreiben, wie sie sich im Alltag ausdrückten. Wir befinden uns übrigens in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts – zu dieser Zeit entstand also das Schriftsystem Hiragana. So wird diese Epoche zu einer entscheiden Zeit für japanische Schrifterzeugnisse wie Aufsätze, Erzählungen und Romane!

Doch es war so, dass die Hiragana als nicht geeignet erschienen, um abstrakte Texte oder Texte der Logik zu verfassen; dafür brauchte man dann die chinesischen Schriftzeichen. Während der Kamakura- und Muromachi-Zeiten (1185-1573) entfernt sich das geschriebene Japanisch wieder mehr von der gesprochenen Sprache.

Die Zeitschrift Yokohama erklärt dazu:


„Der Text wird logischer, da man nun den Partikel ‚ga’ nach dem Subjekt einfügt und auch dank der Verwendung von Konjunktionen, die den logischen Zusammenhang zwischen zwei Sätzen oder Satzteilen verdeutlichen. Des Weiteren verschwinden nach und nach zahlreiche Formen der Verbkonjugation, die man am Ende des Satzes vorfand. Die eleganten und emotionalen Ausdrücke der Aristokraten werden durch die klare und schlichte Ausdrucksweise der Samurai ersetzt.“


Doch man darf sich nicht täuschen lassen: Auch wenn es in der japanischen Schriftsprache viele Veränderungen gab und mit alten Traditionen gebrochen wurde, ist Japan doch nach wie vor ein Land, das viel Wert auf Traditionen legt. Das merkt man auch daran, dass die traditionelle japanische Kalligraphie noch immer einen hohen Stellenwert hat.

Die Schrift hat im Japanischen lange Tradition. Die traditionelle japanische Kalligraphie ist auch heute noch wichtig. | Quelle: Pexels

Die langsame Entwicklung hin zum modernen Japanisch

Wie bereits erwähnt, bildet sich die Grundlage für die heutige moderne Form des Japanischen während der Edo-Zeit heraus (1603-1868). Übrigens: Edo ist der ehemalige Name für Tokio. Die Stadt hatte sich schnell entwickelt und Kyoto und Osaka in ihrer Größe überholt. Die Menschen dort waren es insbesondere, die die gesprochene Form des Japanischen weiterentwickelten.

Viele Wörter, die man heutzutage auf Japanisch verwendet, gehen auf diese Zeit zurück. So gibt es beispielsweise noch viele Pronomen für die 1. und 2. Person sowie Höflichkeitsformen, die ihren Ursprung in dieser Zeit haben. (Dabei muss man allerdings sagen, dass Höflichkeitsformen im Japanischen fast schon eine eigene Sprache ausmachen, mit ganz eigenen Ausdrücken und Regeln).

Im Übrigen entfernen sich die gesprochene und die geschriebene Sprache zu dieser Zeit immer weiter voneinander und gehen fast schon eigene Wege.

Wie schon erwähnt, kommen dann während der Meiji-Zeit (1868-1912) viele Wörter aus westlichen Sprachen in den Wortschatz des Japanischen. So bilden sich neue Wörter und das Vokabular der Japaner vergrößert sich (wie das in allen Sprachen der Fall ist, wenn sie in Kontakt mit anderen Sprachen und Kulturen geraten – Stichwort: Gallizismen oder Anglizismen im Deutschen).

Im Jahr 1902 entschließt sich die Regierung dazu, eine Standardsprache festzulegen, die auf der gesprochenen Sprache der Mittelschicht in Tokio basieren soll.

Ein Jahr später, also 1903, wird das erste vom Staat anerkannte einheitliche Schulbuch für Grundschüler veröffentlicht. Dieses wird zur Grundlage des modernen gesprochenen Japanisch.


„Die Schriftform des Japanischen mit der gesprochenen Form in Übereinstimmung zu bringen, ist sehr schwierig. Es gibt zahlreiche Diskussionen und Vorschläge, unter anderem zur Abschaffung/Reduzierung chinesischer Schriftzeichen und insgesamt zu den Schriftsystemen. Viele Versuche scheitern letztlich, weil die herrschende Oberschicht schwierig zu schreibende und schwierig zu verstehende Texte vorzieht, und weil es schwierig ist, Pronomen, Hilfsverben und andere Bestandteile der gesprochenen Sprache, die von Sprecher zu Sprecher variieren, schriftlich wiederzugeben.“


 

Wie kann ich noch schneller Japanisch lernen? Ein Sprachaufenthalt in Japan ist natürlich eine gute Möglichkeit, Dein Japanisch zu verbessern. | Quelle: Pexels

Im Jahr 1945 gelang schließlich eine Einigung und die gesprochene Form des Japanischen wird ab da in offiziellen Dokumenten verwendet. Heutzutage kommt das Japanische immer mehr auch mit anderen Sprachen in Kontakt, wird auch in anderen Teilen der Welt gesprochen (hauptsächlich natürlich von ausgewanderten Japanern) und entwickelt sich stetig weiter.

Wenn auch Du Lust hast, diese spannende Sprache zu lernen, solltest Du Dir am besten mit einen Muttersprachler als Lehrer suchen oder zumindest jemanden, der zweisprachig mit Deutsch und Japanisch aufgewachsen ist (oder viele Jahre in Japan gelebt hat und die Sprache deshalb nahezu perfekt beherrscht).

Natürlich ist auch immer ein Sprachaufenthalt vor Ort zu empfehlen, wenn das für Dich infrage kommt. So kannst Du Deine Sprachkenntnisse täglich anwenden und verbessern und kommst auch mehr mit der wirklich gesprochenen Sprache der Menschen in Japan in Kontakt.

Oder vielleicht gibt es in Deiner Stadt Konversationskurse? Auch das ist eine super Möglichkeit, einzutauchen und diese schöne, komplexe Sprache nicht nur in der Theorie zu lernen.

Du siehst also: Es gibt viele Möglichkeiten, und sich mit der Geschichte und Kultur des Landes zu beschäftigen, ist sicherlich eine gute Option, um noch schneller voranzukommen!

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