Um die lateinische Grammatik perfekt zu beherrschen, bleibt Dir nichts anderes übrig, als sie gründlich zu studieren, bis Du eine gute Vorstellung davon hast, wie Deklinationen funktionieren, die etwa neun Zehntel der lateinischen Grammatik ausmachen...

Latein hängt nicht von der Wortreihenfolge ab. Während es bestimmte Konventionen für die Wortreihenfolge gibt, die im Allgemeinen zutreffen (wie das Hauptverb, das in der Regel am Ende des Satzes steht), gibt nicht die Wortreihenfolge den Wörtern ihre Bedeutung, wie dies im Deutschen der Fall ist, sondern die Endungen. Die Verwendungen von verschiedenen Fällen, dem lateinischen Kasus, macht es möglich, durch eine bestimmte Endung die Funktion des Nomens im Satz und die Beziehung es zu den anderen Satzteilen zu bestimmen. 

Der Aufbau ist dem deutschen recht ähnlich und viele gebräuchliche lateinische Wörter haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den deutschen: "vallum" bedeutet "Wand" oder "vinum" bedeutet "Wein". Es ist deshalb relativ einfach, sich an lateinische Wörter zu erinnern. Das Erlernen des Wortschatzes ist also eher nicht das Problem.

Die Grammatik funktioniert jedoch etwas anders und deshalb muss man in diesem Bereich härter arbeiten – dieser Artikel soll Dir die Sache etwas erleichtern!

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Latein Fälle lernen leicht gemacht
Im Vatikan wird heute noch Latein gesprochen. | Quelle Unsplash

Die lateinische Verwendung von Wort-Endungen anstelle einer Wortreihenfolge zur Vermittlung der Bedeutung ist eigentlich ein einfaches System, das viel leichter zu erlernen ist als die komplexen Regeln für die Wortreihenfolge, die in vielen modernen romanischen Sprachen wie Französisch oder Italienisch verwendet werden. 

Das erste, was Du verstehen musst, ist, dass der Genus, also das Geschlecht, im Lateinischen sehr wichtig ist. Sprachen wie Finnisch, Ungarisch, Estnisch, Türkisch, Indonesisch und Vietnamesisch haben überhaupt keine grammatikalischen Geschlechter, die australische Sprache Ngan’gityemerri hat angeblich fünfzehn. Deutsch hat die gleichen Geschlechter wie Latein (weiblich, männlich und neutral). Unsere Welt ist genau wie die der Römer, in Dinge unterteilt, die "es", "er" oder "sie" sind. 

In einigen Sprachen, wie im Englischen oder auch im Tamilischen ist diese Einteilung in drei verschiedene Geschlechter ganz logisch: Männer (und männliche Götter) gehören zur männlichen Klasse, Frauen (und weibliche Götter) gehören zu der weiblichen und alles andere, einschließlich Tiere und Objekte, sind sachlich.

Die grundlegende Unterscheidung in der Welt der Römer ist dieselbe wie in einigen indianischen Sprachen die lebende oder „beseelte“ Dinge und nicht lebende oder "leblose" Dinge unterscheiden. Dinge, die leben, werden im Lateinischen entweder als männlich oder weiblich eingestuft, während Dinge, die nicht leben, eher als „neutral“ (also „nicht geschlechtsspezifisch“) eingestuft werden.

Lebewesen sind Tiere, Menschen und auch bestimmte Dinge, die, obwohl sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht wirklich „lebendig“ sind, im spirituellen Sinne für die Römer lebendig waren. Die Römer glaubten, dass es einen lebendigen Geist gibt, der die physische Welt auf der Spektralebene durchdringt, und dass sogar Dinge einen "Geist" oder eine "Seele" haben können. Und auch im Deutschen bezeichnet man schliesslich einen Tisch als „er“ und die Sonne als „sie“ - vielleicht aus demselben Grund?

Die Geschlechtszuordnung im Lateinischen stimmt in der Regel sehr gut mit der überein, die im Deutschen verwendet wird. Ja, „barca“, lateinisch für „Schiff“, ist in der Tat weiblich im lateinischen, genau wie im Deutschen.

Dinge wie Gebäude, Denkmäler und solche Dinge sind im Lateinischen normalerweise neutral - so wie wir diese Dinge im Deutschen ebenfalls als „es“ bezeichnen würden.

Lateinische Sprecher haben also, genau wie wir, die Welt in zwei Hauptkategorien unterteilt:

  • mit Seele (animate)
  • ohne Seele (ananimate)
Wir erklären den lateinischen Kasus!
Eindeutig männlich! | Quelle: Unsplash

Die Lateiner (wie alle indogermanischen Sprecher) gingen also davon aus, dass alle Wesen mit Seele auch geschlechtsspezifisch waren. Ein Berg (Mons) wurde als männlich und ein Tal (Vallis) als weiblich angesehen. Ein von Menschen geschaffenes Ding wie ein Wall oder eine befestigte Mauer, wurde als neutral angesehen und hatte keinen Geist, da es nicht aus der Natur geboren wurde. Das neutrale Geschlecht wird daher am besten als „keinen Geist oder keine Seele haben“ verstanden. Wie wir gesehen haben, gibt es Ausnahmen - auch Dinge können im Lateinischen wie im Deutschen "beseelt" sein und dementsprechend ein Geschlecht haben. 

Jetzt wollen wir uns ansehen, wie im Lateinischen Satzbau Endungen die Bedeutungen eines Satzes vermitteln und nicht wie im Deutschen der Satzbau.

Im Deutschen steht in den meisten Fällen der Handelnde (das Subjekt des Satzes) an erster Stelle. Das Verb mehr oder weniger an zweiter Stelle und das Objekt des Satzes nach dem Verb. Wir haben also drei Teile, aus denen die meisten Sätze bestehen, und alle drehen sich um das Verb - das Aktionswort, das erklärt, was passiert. Wer oder was auf wen oder was wirkt, sind die zweitwichtigsten Informationen. Auf Deutsch erhalten wir also diese Wortreihenfolge: Subjekt - Verb - Objekt.

Diese Wortfolge macht uns klar, wer auf wen einwirkt:

  • Der Hund beißt die Katze.

oder

  • Die Katze kratzt den Hund.

Wir können diesem Grundgerüst alle Arten von lateinischen Adjektiven und anderen Wörtern hinzufügen, aber das sind die wichtigsten Elemente, wobei das Verb natürlich am Wichtigsten ist. Der folgende Satz hat grundsätzlich die gleiche Bedeutung wie der letzte:

  • Die getigerte Katze mit dem gelben Schwanz, die oben auf der Mauer sitzt, kratzt den Hund, der vorbeilief, weil er eine andere Katze jagte, die zufällig der Bruder der ersten Katze war. 

Wie Du siehst, ist der wichtigste Punkt das Verb und wer was mit wem gemacht hat. Der Rest ist nur zusätzliche Information.

Wie bei allen Sprachen hat der Kontext des Gesagten viel Bedeutung. Du siehst, wie wahr das ist, wenn Du einen Satz wie "Ja, es stimmt wirklich!" betrachtest. Das ist ein vollständiger Satz, aber er macht keinen wirklichen Sinn, ohne den Kontext des Geschehens zu kennen. Wir wissen nicht, was wirklich stimmt oder warum es wichtig ist hervorzuheben, dass es „wirklich“ stimmt.

Den Kasus in Latein lernen ist mit unserer Hilfe kein Problem
Die Römer haben die Welt wie wir in männlich, weiblich und neutral aufgeteilt. | Quelle: Unsplash

Aufgrund des Kontexts, der Dir hilft, die Bedeutung der Wörter und die grammatikalische Struktur zu verstehen, sind die grammatikalischen Systeme der meisten Sprachen etwas verschwommen und manchmal gibt es Unklarheiten. Das ist im Lateinischen nicht anders. Du musst die Deklinationen unbedingt auswendig lernen, um Latein lesen oder schreiben zu können - es gibt keine Wahl - die lateinischen Deklinationen (Wortendungen) sind für den Sinn des Lateinischen ebenso wichtig wie die Wortreihenfolge für den Sinn des Deutschen. Es ist aber wirklich eigentlich viel einfacher als das Erlernen komplexer Regeln für die Wortreihenfolge. Du kannst Dich also freuen, dass Latein hauptsächlich mit Wortendungen und nicht mit Wortreihenfolge arbeitet! Und schliesslich verwendet auch Deutsch Deklinationen. 

  • In der lateinischen Terminologie verwendet das Subjekt des Satzes die Endung für den nomanitiven Fall.
  • Das Objekt verwendet die Endung für das Akkusativ.
  • Eine Sache, die eine andere besitzt, verwendet das Fallende für den Genetiv.
  • Wenn Du "zu" oder "für" sagen möchtest, verwendest Du den Dativ.
  • Wenn Du die Herkunft, den Ort, die Zeit oder ähnliches angibst, setzt Du den Ort in den Ablativen Fall ein.
  • Wenn Du die angeredete Person angeben willst, verwendest Du den Vokativen Fall.

Puh! Das klingt kompliziert, oder?  Aber es ist nicht so schlimm! Der Vokativ ist immer der gleiche wie der Nominativ, außer in einer Situation (2. Person Singular männlich) und der Lokativ sieht entweder genauso aus wie der Genitiv oder der Dativ derselben Deklinationsklasse, je nachdem, um welche Deklinationsklasse es sich handelt. Wir haben es also mit nur fünf Endungen zu tun, die sich wirklich voneinander unterscheiden.

SINGULAR1 - Feminin2- Masculin2 - Neutral3 - masculin/feminin3 - neutral4 - masculin4 - neutral5 - feminin
Nominativ-a-us-um-us-u-es
Genetiv-ae-i-i-is-is-us-us-ei
Dativ-ae-o-o-i-i-ui-u-ei
Akkusativ-am-um-um-em-um-u-em
Ablativ-a-o-o-e-e, -i-u-u-e
Lokativ-ae-i-i-i, -e-i, -e-i
Vokativ-a-e-um-us-u-es
PLURAL
Nominativ/Vocativ-ae-i-a-es-a-us-ua-es
Genetiv-arum-orum-orum-um-um-uum-uum-erum
Dativ/Abl./Lok.-is-is-is-ibus-ibus-ibus, -ubus-ibus-ebus
Akkusativ-as-os-a-es-a-us-ua-es

Du wirst Dir die Tabelle wie die Latein Vokabeln auch, merken müssen, aber Du siehst ja, wie viele Wiederholungen es gibt. Ausserdem gibt es einige Muster, die Du unbedingt beachten musst: Neutrale Wörter sind in Nominativ- und Akkusativfällen immer gleich - dies liegt wahrscheinlich daran, dass sie im Allgemeinen nicht leben und daher nicht dazu neigen, etwas zu „tun“ wie Nominativfälle, die Gegenstand des Satzes sind.
Wenn Du also den Akkusativ für ein Neutrum kennst, kennst Du dessen Nominativ!

  1. Der Buchstabe "m" sagt Dir in der Regel, dass der Fall ein Akkusativ-Singular ist, also Empfänger der Aktion. Lateiner achteten sehr sorgfältig auf den Buchstaben „m“ am Ende der Wörter, um herauszufinden, auf wen oder was reagiert wird.
  2. Der Buchstabe "s" zeigt tendenziell an, dass der Fall ein Akkusativplural ist und somit die Pluralversion des "m".
  3. Die Endung des Singular-Falls der 3. Deklination ist "-is", der Plural "es".
  4. Die Buchstaben "um" kommen in allen Genitivpluralformen vor.
  5. Die Buchstaben "is" kommen in allen Dativ- / Ablativpluralformen vor.
  6. Anders als Nominativ und Akkusativ sind die "Neutralen" identisch mit den "Masculinen" derselben Gruppe.
  7. Die neutralen Nominativ- und Akkusativ-Fallenden sehen aus wie der weibliche Singular-Nominativ. Dies ist ein Muster, das sich auch durch unregelmäßige Deklinationssätze zieht (wie in „haec“).
  8. Die Genitiv-Singular-Endungen sind entweder identisch oder fast identisch mit den Nominativ-Plural-Endungen in derselben Deklinationsklasse.

So, jetzt musst Du wirklich anfangen, Latein zu lesen, und diese abgespeicherten Fallenden verwenden, um den Text zu verstehen. Wenn Du auf eine 4. oder 5. Deklination stösst, sehen diese meistens genauso aus wie die 2. und 3. Deklination, und Du wirst Dich mit der Zeit daran gewöhnen.

Merke Dir:

  • Die wichtigsten Fallenden sind Nominativ und Akkusativ, da das Wichtigste zu wissen ist, wer oder was die Aktion ausführt und wer oder was die Aktion empfängt.
  • Der Nominativ ist mit der Verb-Endung - erfahre auch mehr zur lateinischen Verb Konjugation - verbunden. Beide arbeiten zusammen, um zu erklären, wer die Aktion ausführt. Das Nominativ-Fallende sagt Dir, ob etwas Singular oder Plural ist und welches Geschlecht es hat. Das Verb-Ende sagt Dir ebenfalls, ob es Singular oder Plural ist, aber es sagt dir auch, ob das Nominativ "ich, du oder er / sie / es" oder "wir, ihr, sie" ist.

Wie auch immer: Die einzige Möglichkeit, eine Sprache zu lernen, besteht darin, die Sprache wirklich zu verwenden. Mit diesen Grundlagen kannst Du also mit dem Lesen, Übersetzen, Sprechen und Schreiben anfangen!

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.