Im Jurastudium müssen die Studentinnen und Studenten ja bekanntlich zahlreiche Klausuren und Hausarbeiten schreiben. Den Höhepunkt im Jurastudium bildet dann das Erste Juristische Staatsexamen.

Nach erfolgreich absolviertem Studium und Examen, geht es dann mit dem Referendariat weiter. Auch im Referendariat kommst Du um die ein oder andere Klausur nicht herum. Das krönende Ende findet die juristische Ausbildung dann im Zweiten Juristischen Examen.

Bei all den Klausuren und Hausarbeiten ist es deshalb extrem wichtig, nicht nur die Inhalte des Studiums, sondern auch das Klausuren Schreiben selbst zu trainieren. Nur mit der richtigen Klausurtechnik, wirst Du im Jurastudium Erfolg haben!

Dazu gehört nicht nur das Beherrschen des Gutachtenstils im Schlaf, sondern auch die richtige Darstellung juristischer Meinungsstreits.

Du weißt nicht was ein juristischer Meinungsstreit ist? Oder bist Dir einfach unsicher, wie Du solch juristische Streitstände ordentlich und richtig in Deine Klausur oder Hausarbeit integrieren sollst?

Genau aus diesem Grund haben wir von Superprof diesen Artikel geschrieben! In diesem Beitrag erfährst Du, was eigentlich ein juristischer Meinungsstreit ist und was Du bei der Darstellung beachten musst.

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Was ist ein juristischer Meinungsstreit?

Juristische Meinungsstreitigkeiten begegnen Dir in sämtlichen Rechtsgebieten, egal ob Zivilrecht, Öffentliches Recht oder Strafrecht.

Außerdem bildet der Meinungsstreit oft den Schwerpunkt der Klausur oder Hausarbeit. Hier kannst Du Dir die nötigen Punkte für eine gute bist sehr gute Note holen. Deshalb sollten juristische Streitstände gründlich und richtig dargestellt werden.

Aber was ist den nun ein juristischer Meinungsstreit?

Ein juristischer Meinungsstreit liegt vor, wenn ein rechtliches Problem keine eindeutige Lösung hat, es also unterschiedliche Beurteilungen und Auslegungen dazu gibt.

Der juristische Meinungsstreit hat großen Einfluss auf das Ergebnis im Fall.
Stößt Du in Deiner Klausur auf einen rechtlichen Streit, solltest Du diesen darlegen können. | Quelle: Unsplash

Meistens gibt es innerhalb solcher juristischer Streitstände eine herrschende Meinung, also eine Auslegung, der von den meisten Juristinnen und Juristen gefolgt wird.

Dennoch solltest Du in Klausuren und Hausarbeiten nicht einfach blind der herrschenden Meinung folgen, ohne den juristischen Streit und andere Ansichten darzulegen.

Den Prüfern und Prüferinnen geht es nämlich nicht darum zu sehen, wie gut die Studenten und Studentinnen die herrschende Meinung auswendig gelernt haben. Du sollst Dich vielmehr selbst kritisch mit dem rechtlichen Streit auseinandersetzen.

An dieser Stelle ist es deshalb auch sinnvoll die verschiedenen juristischen Auslegungsmethoden zu beherrschen!

Wie stelle ich juristische Streitstände richtig dar?

Entscheidend ist allerdings nicht nur, juristische Meinungsstreits zu erkennen, sondern den Streit auch innerhalb Deiner Subsumtion richtig darstellen zu können.

Im Folgenden zeigen wir Dir anhand des Beispiels der Heimtücke nach § 211 II StGB, was Du bei der Darstellung juristischer Streitstände beachten solltest und wie Du am besten vorgehst.

1. Den Meinungsstreit identifizieren und vorstellen

§ 211 II StGB beschreibt die Tatbestandsmerkmale beim Mord. Ein Mordmerkmal ist die sogenannte Heimtücke, die allgemein so definiert wird:

Heimtückisch handelt, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst zur Tat ausnutzt.

Diese Definition ist allerdings sehr weit und würde theoretisch jede überraschende Tötung zum Mord aus Heimtücke machen.

Deshalb ist hier eine restriktive Auslegung, also eine einschränkende Auslegung, des Mordmerkmals "Heimtücke" notwendig.

Wann Heimtücke des Täters vorliegt, ist strittig.
Wann ein Mord aus Heimtücke vorliegt, ist umstritten. | Quelle: Unsplash

Wie diese restriktive Auslegung auszusehen hat, ist allerdings umstritten.

Im ersten Schritt solltest Du eben dieses Problem identifizieren und vorstellen.

Das könnte zum Beispiel so aussehen:

"Ob hier ein Mord aus Heimtücke vorliegt, ist allerdings umstritten. Heimtückisch handelt, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst zur Tat ausnutzt. Da diese Definition allerdings zu weit ist, bedarf es einer restriktiven Auslegung. Zur Frage, wie das Mordmerkmal der Heimtücke einzuschränken ist, gibt es jedoch mehrere Ansichten."

2. Präsentation und Subsumtion der ersten Auffassung

Im nächsten Schritt solltest Du nun verschiedene Ansichten präsentieren und unter den Sachverhalt subsumieren.

Natürlich ist es wenig sinnvoll nun zehn verschiedene Meinungen darzustellen. Versuche Dich auf zwei bis zwei Meinungen zu beschränken.

Außerdem solltest Du Formulierungen wie "herrschende Meinung" oder "Mindermeinung" vermeiden. Stelle die erste Auffassung als "eine Ansicht" und jede weitere als "eine weitere Ansicht" oder "einen andere Ansicht" vor.

In Deiner Klausurlösung könntest Du beispielsweise schreiben:

"Eine Ansicht verlangt für den Mord aus Heimtücke das Vorliegen eines besonders verwerflichen Vertrauensbruchs. Es ist also ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Täter (T) und Opfer (O) erforderlich."

Die verschiedenen Meinungen müssen vorgestellt und subsumiert werden.
Stelle die verschiedenen Meinungen vor und vergiss nicht die Subsumtion unter den Fall! | Quelle: Pixabay

Dann musst Du das ganze noch unter den vorliegenden Sachverhalt subsumieren, also darstellen, wie die Rechtslage im vorliegenden Fall nach dieser Auffassung aussehen würde.

Das heißt, Du musst darlegen, ob ein solches besonderes Vertrauensverhältnis zwischen T und O vorlag oder nicht. Lag ein solches Vertrauensverhältnis vor, hat sich T nach § 211 II StGB strafbar gemacht, wenn nicht, wird der Mordtatbestand verneint und Du prüfst als nächstes den Totschlag nach § 212 I StGB.

3. Präsentation und Subsumtion der zweiten Auffassung

Im nächsten Schritt stellst Du nun eine weitere Meinung vor:

"Eine weitere Ansicht nimmt die Einschränkung des Mordmerkmals vor, indem der Definition die Formulierung 'in feindlicher Willensrichtung' hinzugefügt wird. Heimtückisch handelt demnach, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst und in feindlicher Willensrichtung zur Tat ausnutzt."

Auch diese Auffassung wird dann wiederum unter den vorliegenden Sachverhalt subsumiert:

"Im vorliegenden Fall hat T bewusst und in feindlicher Willensrichtung, und damit heimtückisch gehandelt. T hätte sich demnach nach § 211 II StGB wegen Mordes aus Heimtücke zum Nachteil des O strafbar gemacht."

4. Stellungnahme zu den verschiedenen Ansichten

Hast Du die verschiedenen Meinungen dargestellt und unter den Fall subsumiert, folgt Deine Stellungnahme.

Das bedeutet, dass Du zunächst einmal Argumente für und gegen die jeweiligen Meinungen vorbringst und Dich dann anschließend für eine Seite entscheidest.

Nutze für die Argumente Formulierungen wie:

  • "Für diese Ansicht spricht, dass ..."
  • "Für die erste Auffassung spricht ..."
  • "Für die zweite Auffassung spricht allerdings ..."
  • "Dafür spricht der Wortlaut ..."
  • "Dagegen spricht der Sinn und Zweck ..."
  • "Dagegen spricht aber, dass ..."
  • Etc.

In unserem Fall aus dem Strafrecht können wir die Argumente beispielsweise so formulieren:

"Für die erste Ansicht spricht, dass so Tötungen zum vermeintlich Besten des Opfers vom Tatbestand des § 211 II StGB ausgeschlossen werden. Gegen die zweite Auffassung spricht, dass der Begriff des 'besonderen Vertrauensverhältnisses' selbst wiederum einer Auslegung bedarf. Darüber hinaus würden Tötungen durch einen Auftragstäter aus dem Straftatbestand des § 211 II StGB herausfallen, da sich Täter und Opfer hier in keinerlei Vertrauensverhältnis befinden."

Anlehnend an Deine Argumente, solltest Du Dich nun in einer Stellungnahme für eine Seite entscheiden.

Deine Entscheidung des Streits hat direkten Einfluss auf das Ergebnis des Falles.
Kommen die Meinungen zu unterschiedlichen Ergebnissen, musst Du Dich für eine Seite entscheiden. | Quelle: Unsplash

Wie Du Dich entscheidest, ist grundsätzlich Dir überlassen. Du solltest allerdings immer im Hinterkopf behalten, dass sich Deine Entscheidung auch auf das Ergebnis des Falles auswirkt.

Wähle also am besten die Meinung, die Dein Gutachten zu einem für Dich passenden Ergebnis führt.

"Deshalb ist mit der ersten Ansicht davon auszugehen, dass hier ein Mord aus Heimtücke vorliegt."

Abschließende Subsumtion:

"Somit hat sich T des Mordes aus Heimtücke nach § 211 II StGB zum Nachteil des O strafbar gemacht."

Achtung: Die Stellungnahme ist natürlich nur notwendig, wenn die verschiedene Ansichten zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangen.

Kommen die verschiedenen Auffassungen zum gleichen Ergebnis, ist eine verkürzte Darstellung des Meinungsstreits ausreichend.

Hier findest Du noch weitere Beispiele für juristische Meinungsstreitigkeiten im Strafrecht.

Typische Fehler, die Du vermeiden solltest

Zum Abschluss möchten wir Dich noch auf ein paar typische Fehler hinweisen, die Dich unnötig Punkte kosten und die Du deshalb unbedingt vermeiden solltest:

  • Formulierungen wie "herrschende Meinung" oder "Mindermeinung": Wie bereits oben erwähnt solltest Du solche Formulierungen unbedingt vermeiden. Versuche neutrale Begriffe wie "eine Ansicht" und "einen andere Ansicht" oder "eine weitere Ansicht" zu verwenden.
  • Nicht-Einhalten der Reihenfolge der Darstellung: Die Reihenfolge der Darstellung der Meinungen solltest Du unbedingt einhalten. Außerdem ist es üblich, die Meinung, der Du im Ergebnis letztendlich folgen möchtest, als letztes vorzustellen.
  • Abstrakte Darstellung der Meinungen: Es reicht nicht, die verschiedenen Meinungen vorzustellen und Dich dann in der Stellungnahme direkt für eine zu entscheiden. Es ist wirklich essentiell, jede Meinung, die Du präsentierest unter den Fall zu subsumieren und Deine Entscheidung mit Argumenten zu stützen.
  • Argumente bereits in der Subsumtion: Außerdem solltest Du die Argumente nicht bereits in der Subsumtion der jeweiligen Meinung unter den Fall vorbringen. Erst wenn Du alle Meinungen subsumiert hast, geht es in die Argumentation.

Wir hoffen, wir konnten Dir in diesem Artikel ein paar allgemeine Hinweise und Tipps geben. Viel Erfolg für Deine nächste Klausur oder Hausarbeit!

Lies auch unseren Jura-Klausur-Leitfaden mit wertvollen Tipps und Tricks!

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Jana

Hoffnungslose Träumerin mit einer großen Liebe zum geschriebenen Wort, gutem Essen und Musik.