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Wie kann ich ein schwieriges Musikstück fürs Klavier vereinfachen?

Von Bertine, veröffentlicht am 17/07/2018 Blog > Musik > Klavier > Wie kann ich Klavierstücke vereinfachen und üben?

Wenn Du beim Klavierspielen ein gewisses technisches Niveau erreicht und genügend Erfahrung gesammelt hast, gibt es interessante Möglichkeiten, sein Klavierspiel origineller zu gestalten: Zum Beispiel das Komponieren eigener Musik oder das Spielen mit nur einer Hand.

Damit Dir auf dem Weg dorthin nicht langweilig wird, gibt es einen Trick, um eine komplexe Partitur zu entschlüsseln: Partituren lassen sich vereinfachen, um ein Ergebnis zu erzielen, das sich genauso gut anhört, aber viel einfacher zu spielen ist und daher auch für weniger erfahrene Pianisten geeignet ist.

Diese Information ist Musik in Deinen Ohren? Dann lies weiter, wir verraten Dir, wie das geht!

Ein Klavierstück vereinfachen – Warum?

Ein Klavierstück zu vereinfachen, kann völlig verschiedene Gründe haben: Es kann praktische Gründe haben oder sogar dem Stück guttun.

Einige Stücke sind schlicht zu lang und die Partitur zu kompliziert. Punkt.

Keiner kann bestreiten, dass einige Komponisten sich so richtig austoben, wenn sie eine Partitur schreiben…   

Das Ergebnis ist eine Abfolge komplizierter Akkorde mit (sehr) schnellem Rhythmus, mehrere Arpeggios, verschiedene Sequenzen, Hände, die über kreuz spielen müssen … Kurz: Manchmal ist es schlicht und einfach die Hölle!

Für diese Fälle eignet sich das Sprichwort „Warum einfach, wenn man es auch kompliziert machen kann?“…

Sieh Dir zum Beispiel eine Partition wie diese an.

Ein Stück spielen, das uns gefällt, aber zu schwierig ist

Der Wunsch, ein bestimmtes Stück spielen zu können, das uns richtig gut gefällt, motiviert ungemein! Wie alle Musiker sind wir sensibel für bestimmte Musikstücke und natürlich wünschen wir uns, sie selbst zu spielen. Umso frustrierender ist es, wenn das Niveau einfach noch zu hoch ist, besonders wenn wir uns in der Phase des Lernens befinden. 

Warum sollte man Partitionen vereinfachen? Partitionen zu vereinfachen, ist eine gute Methode, um Stücke zu spiele, die eigentlich noch zu schwer sind. | Quelle: Pexels

Alle Motivation der Welt ändert nichts daran: Manchmal klappt es auch dann nicht, wenn wir uns mit gutem Willen vor die Partitur setzen.

Das ist extrem entmutigend für jemanden, der das Klavierspiel liebt und hart an seiner musikalischen Lesefähigkeit und seiner Fingerfertigkeit am Klavier arbeitet.

In diesen Fällen ist es natürlich sehr hilfreich, wenn man das Stück vereinfachen kann.

Wenn das Stück vom Niveau her für Dich spielbar geworden ist, ist die Freude gross und die Motivation noch grösser. 

Wenn Du Klavierunterricht bei einem Lehrer nimmst, kann dieser Dir helfen, indem er ein Stück direkt vereinfacht. Ansonsten findest Du auch im Internet Tutorials, die Dir erklären, wie man das macht.

Sich auf YouTube-Tutorials zu verlassen, ist jedoch riskant. Du solltest schon über eine solide musikalische Basis verfügen, um dieses Werkzeug zu nutzen.

Berühmten Stücken seinen Stempel aufdrücken

Ein anderer Aspekt, den wir nicht unbedingt bedenken, wenn wir uns dazu entschliessen, ein Stück zu vereinfachen, ist, dass wir uns die Melodie auf diese Weise aneignen. Dieser Ansatz ist ein völlig anderer als die Vereinfachung, weil man schlicht nicht gut genug spielt, um das Stück in der Original-Version zu spielen.

In diesem Fall geht es darum, das Stück zu transformieren, die Tonlage zu ändern, eventuell den Rhythmus, Stil-Effekte (Arpeggien, zusätzliche Akkorde) hinzuzufügen… Dabei nähern wir uns dem Komponieren eines Klavierstücks.

Ein Stück abzuändern, macht es nicht nur einfacher zu spielen, sondern bietet gleichzeitig die Möglichkeit, ihm eine persönliche Note zu geben. Das ist auch das Prinzip einer Cover-Version.

Viele Künstler, wie beispielsweise Madilyn Bailey in den USA, sind auf diese Weise bekannt geworden.

Wenn man ein Stück neu interpretiert, ist der Ruhm vielleicht nicht mehr fern! Träumen ist auf jeden Fall erlaubt. Für Musiker ist Träumen sogar ein Muss!

Wie vereinfache ich ein Musikstück?

Eine Melodie zu ändern ist keine leichte Aufgabe. Sonst würde es jeder tun und die Arbeit der Komponisten würde abgewertet.

Es ist paradox, aber je besser wir werden, desto leichter fällt es uns, die Musik zu vereinfachen.

Zuerst musst Du die Melodie sehr genau kennen

Das scheint offensichtlich, aber man kann dennoch nicht oft genug betonen, dass man ein Stück bis in die kleinsten Details kennen sollte, bevor man es vereinfacht.

Die Struktur, die Melodie, die Sequenzen, sogar die Variationen und die technischen Effekte…

Da gibt es nur eine Möglichkeit: Gut zuhören.

Wie vereinfache ich ein Stück? Um ein Musikstück zu vereinfachen, muss man es gut kennen. | Quelle: Pexels

Höre Dir das Stück an. Am Morgen vor der Arbeit, auf dem Weg zur Arbeit und noch einmal im Büro. Zuhören ist unerlässlich.

Kleiner Tipp: Achte nicht nur auf die Melodie, sondern auch darauf, wie das Stück gespielt wird. Erklärung: Wenn Du die Musik hörst und dabei gleichzeitig schon die Akkorde des Stückes identifizierst, sparst Du später kostbare Zeit. Diese Methode bringt Dich auch beim Lernen weiter. 

Bevor Du mit dem Vereinfachen beginnst, solltest Du das Stück also perfekt kennen.

Das Prinzip ist einfach: Identifiziere zunächst die Hauptakkorde, sozusagen das Rückgrat des Stückes.

Bei ca. 80% der zeitgenössischen Musik macht die Identifizierung der 4 bis 5 Hauptakkorde bereits mehr als die Hälfte aus. Sobald diese Hauptakkorde identifiziert sind, musst Du ihre Sequenz beherrschen. Es ist schön und gut, zu wissen, wie man einen Akkord von F, G, H und C separat spielt – aber sie in der gewünschten Geschwindigkeit aneinanderzureihen, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn Du die Sequenz perfekt beherrschst,  kannst Du den Rest des Stückes bearbeiten. Womit geht es also weiter?

Man könnte meinen, dass man es schon geschafft hat, wenn man alle Hauptakkorde des Stückes kennt. Aber nein! Der Rest ist ebenso wichtig, aber nicht aus denselben Gründen.

Du fragst Dich, warum Du auch die Stileffekte und Nebenakkorde des Stücks lernen sollst, wenn Du es doch vereinfachen willst? Einfach deshalb, weil sie sich ebenfalls vereinfachen lassen.

Du kannst aus einem Akkord mit 4 Noten einen Akkord mit 3 Noten machen, ein Arpeggio abändern, überflüssige Akkorde entfernen …. Die Arbeit der Vereinfachung liegt zu einem grossen Teil in diesem Bereich.

Und die Rolle des Lehrers bei all dem?

Wenn Du Dich entscheidest, mit einem Klavierlehrer das Klavier Spielen zu lernen, wird dieser Dir beim Vereinfachungsprozess helfen. Er wird Dich führen, Dich beraten und dafür sorgen, dass Du Dich nicht verzettelst.

Dabei geht es um die Wahl des Stücks, die Art der Vereinfachung (kleine Vereinfachung, mittlere Vereinfachung oder sehr gründliche Vereinfachung) und natürlich die personalisierte Begleitung, angepasst an die Bedürfnisse und das Potenzial des Schülers.

Zögere nicht, Deinen Lehrer so viel wie möglich um Hilfe zu bitten. Er wird Dir guten Rat geben können. Ausserdem ist es eine Gelegenheit, eine besondere musikalische Komplizenschaft zu entwickeln. Und das ist für beide gut!

Immer alles vereinfachen – eine Falle?

Lasse die Vereinfachung nicht in Übervereinfachung ausarten. Vereinfache einfach die Stücke, die Dich motivieren oder die Du unter Zeitdruck lernen musst.

Verunglimpfe die Arbeit grosser Klavierkomponisten nicht! Ihre Arbeit ist Teil der Musikgeschichte.

Vereinfache sie, aber denken daran, dass Du nur Fortschritte machen wirst, indem Du die Stufen der Komplexität der Stücke erklimmst…

Auch wenn Du ein Stück vereinfachst, solltest Du dabei das Ziel vor Augen haben, ein schwieriges Stück spielen zu können, als ob Du selbst der Komponist dieses Stückes wärst.

Das ist die Grundlage des Lernens und wird Dich eines Tages zu einem versierten Pianisten machen.

Du gibst den Ton an!

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