Wenn man sich entschließt etwas Neues zu lernen, stellt sich wohl jede*r schon mal vor, wie es sein wird, wenn man es auch wirklich kann. Sofort taucht dann auch die Frage auf, wie viel Zeit bis dahin vergehen wird.

Das ist beim Klavier spielen lernen nicht anders als beim Sprachen lernen. Man fängt damit an, weil man es gerne können würde. Und das am Besten möglichst bald. Es verwundert also nicht, dass eine der meist gestellten Fragen von Klavier Anfänger*innen ist: wie lange dauert es bis ich Klavier spielen kann.

Die Methoden die schnelle Lernergebnisse versprechen, werden immer zahlreicher. Meist basieren sie auf alternativen Lernansätzen, wie zum Beispiel ganzheitliches Lernen. Das klingt sehr vielversprechend und es funktioniert auch oft sehr gut. Aber auch diese Lernmethoden sind keine Wundermittel, mit denen man im Schlaf Klavierspielen lernt.

Du hast es wahrscheinlich schon oft gehört und gelesen: Mit dem Klavier ist es wie mit vielem anderen - um weiterzukommen muss man üben! Und zwar am besten regelmäßig! Aber was heißt das genau? Wie oft ist regelmäßig und wie viel Zeit sollte man pro Übungseinheit investieren?

Bevor wir diese Fragen beantworten, müssen wir erstmal klären, was es überhaupt heißt, Klavier spielen zu können.

Klavier spielen lernen – realistische Ziele setzen

Viele Klavierschüler*innen, die das Klavierspielen nach kurzer Zeit wieder aufgeben, weil sie keine Fortschritte erkennen können und die Geduld verlieren, fehlt es an einer klaren Idee darüber, was Klavier spielen lernen bedeutet.

Jugendliche und Erwachsene sind in der Regel deutlich selbstkritischer als Kinder, die die Gabe haben, sich einfach über das zu freuen, was schon gut funktioniert. Sie würden am liebsten die ersten Unterrichtsstunden einfach überspringen und gleich anfangen, ihre Lieblingslieder genau so nachzuspielen, wie sie es von der Aufnahme kennen.

Diese Ungeduld kann jedoch schnell zu einem Hindernis werden. Wer die Grundlagen des Klavierspielens nicht gründlich gelernt hat, wird schnell an seine Grenzen stoßen, wenn kompliziertere Übungen und Songs gespielt werden sollen.

Es ist daher wichtig, genügend Zeit in die ersten Akkorde und Melodien zu investieren, um die Fingersätze zu verinnerlichen. Sei geduldig mit Dir, so kommst Du am schnellsten voran.

Um die Motivation aufrecht zu erhalten und fleißig zu arbeiten, ist es jedoch immer gut ein Ziel vor Augen zu haben. Träumen ist dabei erlaubt. Wenn es Dich zum Üben motiviert, wenn Du Dich bereits nach der ersten Klavierstunde auf der großen Konzertbühne siehst, darfst Du diese Gedankenspielerei ruhig zulassen.

Hole Dich dann aber selbst immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und mach Dir klar, dass es bis dahin noch ein sehr weiter Weg ist. Teile Dir diesen in kleine Etappen ein und setzte Dir Jahres- oder Monatsziele, die auch wirklich erreichbar sind.

Wie lange Klavier spielen lernen dauert, hängt auch davon ab, was Du lernen willst.
Was heißt für Dich "Klavier spielen können"? | Quelle: Olaf Smid via Unsplash

Dein längerfristiges Ziel definiert, was „Klavier spielen können“ für Dich bedeutet. Jemand, der Popsongs spielen können will, wird schneller das Gefühl haben, richtig Klavier spielen zu können, als jemand der sich zum Ziel gesetzt hat alle Werke von Bach bis Chopin perfekt zu interpretieren oder sogar ein professioneller Pianist werden möchte.

Wann kann man richtig Klavier spielen?

Wie bereits erwähnt, ist die Definition von „Klavier spielen können“ sehr vielfältig und individuell. Für die Einen bedeutet es, sich beim Singen am Klavier zu begleiten, andere möchten die großen Werke der Klassik nachspielen und die Dritten wollen improvisieren oder eigene Stücke am Klavier komponieren.

In einem ersten Schritt solltest Du Dir also selbst klar darüber klar werden, was es für Dich persönlich bedeutet und was Du genau lernen möchtest. Das wird Dir dabei helfen, die passende Lernmethode zu wählen und auch die Frage zu beantworten, wie lange es dauern wird, bis Du Klavier spielen kannst.

Erste einfache Lieder

Wenn Du regelmäßig übst, wirst Du schon nach ein paar Wochen die wichtigsten Akkorde kennen, sie korrekt greifen und dazu mit der anderen Hand einfache Melodien spielen. Das sollte Dich dazu motivieren weiter zu machen. Denn ab jetzt wird es immer spannender.

In den darauffolgenden Wochen und Monaten, wirst Du mehr Akkorde kennenlernen und immer kompliziertere Melodien einüben. Nach ungefähr einem halben Jahr, wirst Du schon einige einfachere Stücke souverän spielen können.

Ein absolut realistisches Ziel ist, nach zwei Jahren eine gute Grundlage zu haben, um sich auch an etwas schwierigere Menuette oder Popsongs zu wagen.

Damit es Dir nicht langweilig wird, gibt es auch die Möglichkeit, schwierige Klavierstücke zu vereinfachen.

Auswendigspielen lernen

Beim Auswendigspielen kommt es nicht darauf, wie lange man schon spielt, sondern ob man es von Anfang an regelmäßig übt. Wenn Du Dich immer nur an Deinen Noten festklammerst, wirst Du es auch nach mehreren Jahren Klavierunterricht nicht beherrschen.

Frei, ohne Noten zu spielen, lernt man nur indem man es probiert. Fange am besten gleich damit an. Nimm Dir auch hier nicht zu viel vor und sei geduldig mit Dir. Es geht darum, Dein Gehör zu schulen und die passende Taste zu jedem Ton zu finden, ohne ausprobieren zu müssen.

Auswendig Klavier spielen, kann man von Anfang an lernen.
Auch wenn Du mit Noten lernst, ist es gut, Dich ab und zu davon zu lösen. | Quelle: Zhiwei Liang via Unsplash

Eine Form des Auswendigspielens ist das Klavierspielen nach Gehör. Das bedeutet, dass Du überhaupt keine Klaviernoten hast und selbstständig alle Töne des Liedes suchst. Wie lange es dauert, bis man das wirklich gut kann, ist schwer zu sagen. Es hängt nicht nur davon ab, wie viel Du übst, sondern auch welche persönlichen Voraussetzungen Du dafür mitbringst.

Es gibt Menschen, die von Natur aus ein außerordentlich gut ausgebildetes musikalisches Gehör haben und in kürzester Zeit, die Akkorde und die Melodie eines Liedes heraushören und fehlerfrei nachspielen. Bei den meisten Menschen dauert das aber einige Jahre, in denen das Klavierspielen nach Gehör fleißig geübt werden muss.

Aber auch hier ist alles eine Frage des Schwierigkeitsgrades. Probiere doch einmal Alle meine Entchen oder Hänschen Klein zu spielen. Du wirst sehen, dass Du ziemlich schnell die richtigen Töne gefunden haben wirst und die Lieder auswendig spielen kannst. Das ist der erste Schritt für alles Weitere.

Auswendigspielen kann aber auch bedeuten, dass man ein Lied mit Hilfe von Noten gelernt hat, diese aber irgendwann nicht mehr braucht und weglegen kann. Auch hier hilft es Dir, ein gutes Gehör zu haben, Du kannst aber auch genau damit Dein Gehör trainieren.

Auch mit dem Auswendiglernen von Partituren kann man deshalb nicht früh genug anfangen. Wenn Du Dein erstes Stück schon gut nach Noten spielen kannst, ist die Zeit gekommen, es auswendig zu lernen.

Unterteile Dir dafür das Stück in kleine Abschnitte und probiere jeden einzelnen davon auswendig zu spielen. Am Anfang kannst Du das Notenheft noch aufgeschlagen lassen, um ab und zu rauf zu schielen. Das sollte aber immer seltener geschehen, bis Du sie schließlich ganz weglassen kannst.

Wenn Du das dann mit jedem Klavierstück, das Du lernst, so machst, wirst Du das Auswendigspielen automatisch mitlernen.

Vom Blatt spielen lernen

„Vom Blatt spielen“ macht man das nicht immer, wenn man Noten liest? Nein!

Wenn man ein neues Klavierstück zum ersten Mal übt, wird man es wahrscheinlich erstmal deutlich langsamer spielen, als es am Ende sein soll. Man muss erst die richtigen Töne finden, sich die Bewegungsabläufe einprägen und den Rhythmus verstehen.

Wenn man es schafft, alles ganz langsam, aber dafür richtig zu spielen, kann man das Tempo langsam steigern. Je schwieriger das Stück ist, umso länger dauert das.

„Vom Blatt spielen“ bedeutet, ein Stück dessen Noten man vorher noch nie gesehen hat, ohne zu üben gleich richtig nachzuspielen. Auf dem Klavier ist das deutlich schwieriger als auf einstimmigen Instrumenten, wie einer Trompete oder einem Saxofon. Du musst zwei Notenzeilen gleichzeitig lesen und auf der jeweils entsprechenden Hand umsetzen.

Vom Blatt spielen, bedeutet, dass man das Klavierstück vorher nicht geübt hat.
Auch wenn man gut Noten lesen kann, ist vom Blatt spielen nicht so einfach. | Quelle: Ivanna Blinova via Unsplash.

Um das „vom Blatt spielen“ wirklich gut zu beherrschen, muss man das über Jahre hinweg konkret üben. Um es zu lernen, wählt man ein Stück das technisch weniger anspruchsvoll ist, als alles, was man sonst gerade übt. Wenn Du die gelesenen Noten sofort auf den Tasten umsetzen willst, hast Du keine Zeit, Dich etwas rumzuschlagen, dass Du noch nicht perfekt beherrschst.

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Klassische Klavierstücke

Einer der wichtigsten Einsatzbereiche des Klaviers ist die klassische Musik. Das können sowohl Werke von Bach und Mozart, als auch etwas neuere Stücke von Chopin oder Satie, bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen sein.

Diese Art von Musik wird meistens nach Noten gespielt. Um eine mehrteilige Klaviersonate komplett auswendig zu lernen, muss man schon etwas mehr als ein*e fortgeschrittene*r Pianist*in sein.

Zu Beginn wirst Du natürlich erstmal die einfacheren Klavierstücke lernen und oft auch nicht das Ganze. Der erste Teil von Beethovens Für Elise ist auch für Anfänger*innen spielbar und in einigen Wochen zu erlernen. Der zweite Teil ist aber schon deutlich schwieriger und wird dann erst viel später im Klavierunterricht gelernt werden.

Wenn Du ein Stück fehlerfrei nachspielen kannst, das heißt, Du spielst die richtigen Töne und Akkorde im richtigen Rhythmus, ist das schonmal super, aber noch nicht alles. Du kannst jetzt noch lernen, das Werk zu interpretieren. Das bedeutet, dass Du einen eigenen Ausdruck in Dein Spiel bringst und nicht nur mechanisch nachspielst, was in den Klaviernoten steht.

Auch das Interpretieren liegt nicht allen Klavier Anfänger*innen von Anfang an gleich gut. Eine hilfreiche Methode, um es zu lernen, ist, sich genau anzuhören, wie verschiedene Pianist*innen dasselbe Stück spielen. Damit bekommst Du schon mal eine Vorstellung davon, worum es geht.

Improvisieren lernen

Auch in der Improvisation gibt es verschiedene Teildisziplinen. Zum einen geht es darum, über ein bekanntes Stück ein Solo zu spielen, zum anderen kann es bedeuten, komplett frei und ohne irgendeine vorgegebene Grundlage zu spielen.

Für beides ist es hilfreich einige grundlegende Kenntnisse der Musiktheorie zu haben. Diese werden Dir Ideen liefern, welche Akkorde Du wie aneinanderreihen kannst und welche Töne dazu passen.

Das komplett freie Spiel zu erlernen, fällt deutlich leichter, wenn man zuvor bereits das Improvisieren über bekannte Lieder gelernt hat. Sobald Du Dir die Basics der Harmonielehre angeeignet hast und die Dur-, Moll- und Pentatonischen Tonleitern kennst, kannst Du eigentlich schon damit anfangen.

Auf dem Klavier improvisieren lernen, kann man in kleinen Schritten.
Um zu improvisieren, muss man sich den Ton jeder Taste vorstellen können. | Quelle: Shaun Meintjes via Unsplash

Zu Beginn werden es auch hier nicht die komplexesten Jazz Standards sein, aber auch ein Blues kann schon mit einfachen Mittel richtig gut klingen. Auch hier gilt: erwarte keine Wunder. Du übst, um zu lernen und wenn Du musst ab und zu einen schiefen Ton treffen, um herauszufinden, was gut klingt. Auch das Improvisieren lernt man nur, indem man es tut.

Wie viel Üben ist notwendig?

Das Lernen spielt sich zu 80 oder 90 % der Zeit dann ab, wenn Du ganz alleine vor dem Klavier sitzt, neue Partituren entzifferst, Fingerübungen am Klavier machst und Noten liest. Piano spielen Lernen verlangt daher viel Autonomie von Seiten der Schüler*innen, selbst wenn sie Unterricht nehmen.

Auch Klavierlehrer*innen können Dir beim Üben nicht ständig über die Schulter schauen. Aber sie können eine effektive Lernmethode vermitteln und mit Dir gemeinsam einen Übungsplan ausarbeiten.

Ein*e gute*r Lehrer*in ist nicht nur eine Person, die hochwertige Klavierstunden gibt, sondern die Schüler*innen auch einschätzen kann und erkennt, wie sie am besten lernen. Die besten personalisierten Empfehlungen kannst Du also von direkt von Deiner Lehrperson bekommen.

Auch wenn Du Klavierunterricht nimmst und in besten Händen bist, kann es aber nicht schaden, Dir selbst einige Fragen zum Thema „Klavierüben“ zu stellen. Du wirst dadurch selbstständiger und kannst Deine Erkenntnisse auch mit Deinem*Deiner Lehrer*in teilen, damit die Ratschläge noch besser auf Dich zugeschnitten werden können.

Besonders relevant sind diese Fragen für alle, die selbst Klavier lernen. Sie müssen nicht nur eigenständig üben, sondern auch ihren Unterrichtsplan selbst zusammenstellen. Worauf man beim Klavierüben genau achten muss und wie eine ideale Übungseinheit aussehen kann, schauen wir uns im letzten Kapitel an.

Jetzt geht es erstmal um die so häufig gestellte Frage der Dauer und Regelmäßigkeit.

Die Zeitfrage beim Klavierlernen: Ein echtes oder ein selbstgemachtes Problem?

Wenn Menschen sich fragen, wann sie Klavier spielen sollten, dann auch deshalb, weil ihnen die Zeit fehlt. Egal, ob Du Schüler*in oder berufstätig bist, Deine Tage sind sicher bereits gut gefüllt. Der Zeitmangel entmutigt viele Menschen entmutigt und sie dazu bringt, das Klavierspiel recht schnell wieder aufzugeben oder gar nicht erst damit anzufangen.

Wie findet man also die Zeit, regelmäßig am Klavier zu arbeiten?

Oft ist der Zeitmangel auch nur eine Entschuldigung für einen Mangel an Willen und Motivation. Wenn Du wirklich leidenschaftlich gerne Piano spielen möchtest, wenn Du wirklich Fortschritte machen willst, dann wirst Du die Zeit dazu finden.

Teile Dir Deinen Tag ein, dann findest DU auch Zeit zum Klavier üben.
Schaffe Dir Zeit zum Klavierüben, bis es ganz selbstverständlich zu Deinem Tagesablauf gehört. | Quelle: Veri Ivanova via Unsplash

Klar, jeder Tag hat 24 Stunden und ein paar davon brauchen wir zum Schlafen, Arbeiten, Essen und alltägliche Besorgungen oder den Haushalt. Daneben finden aber fast alle von uns die Zeit einem Hobby nachzugehen, Freund*innen zu treffen und Serien zu gucken.

Es geht also darum Prioritäten zu setzen. Wenn Dir das Klavierspielen wirklich wichtig ist, wirst Du es schaffen, bei einer oder allen anderen Freizeitbeschäftigungen etwas Zeit abzuzwacken und sie ins Klavierüben zu investieren.

Sei in dieser Frage ehrlich mit Dir selbst. Nur so kannst Du herausfinden, ob Du auch wirklich die nötige Motivation zum Klavier lernen aufbringen kannst.

Probiere es doch einfach mal zwei Wochen lang aus. Du wirst sehen, Üben ist nicht nur lästige Pflicht. Schon die kleinsten Fortschritte können Glücksgefühle auslösen und dass Musik gut für die Gesundheit ist, ist längst kein Geheimnis mehr.

Natürlich haben nicht alle gleich viel Freizeit zur Verfügung. In manchen Jobs sind Überstunden an der Tagesordnung, bei anderen gibt es keine regelmäßigen Arbeitszeiten; Eltern müssen sich um ihre Kinder kümmern und so weiter.

Aber auch ein ausgefüllter Tagesplan, muss Dich nicht davon abhalten, ein Instrument zu erlernen. Deine Übungseinheiten werden vielleicht etwas kürzer und seltener sein, als bei anderen und es wird dementsprechend etwas länger dauern. Wenn Du das aber von Anfang an im Hinterkopf behältst, wirst Du Dich davon weniger schnell entmutigen lassen.

Wie lange und wie oft sollte ich Klavier üben?

Du bist bereit, Dich ins Abenteuer zu stürzen und einen Teil Deiner Freizeit mit Klavierspielen zu verbringen? Dann möchtest Du jetzt wahrscheinlich wissen, wie das genau aussehen soll.

Regelmäßig üben heißt erstmal, dass über einen längeren Zeitraum ein gleichmäßiger Rhythmus eingehalten wird. Wenn Du zwei Wochen lang täglich übst und dann zwei Wochen überhaupt nicht mehr, wird Dir das nicht viel bringen.

Im Idealfall übt man täglich. Wenn das nicht möglich ist, solltest Du probieren, Dich mindestens jeden zweiten Tag ans Klavier zu setzen. Nur an Wochenenden zu üben ist leider keine Ideallösung, da man zwischen den beiden Übetagen eine fünftägige Pause hat.

Beim Klavierlernen lernst Du neue Bewegungsabläufe, Deine Hände müssen sich daran gewöhnen, unabhängig aber trotzdem koordiniert zu arbeiten, Du schulst Dein Gehör und lernst wahrscheinlich das Notenlesen. Das ist ziemlich viel auf einmal.

Dein Gehirn und Dein Körper brauchen die Regelmäßigkeit, um alles zu verknüpfen und zu verinnerlichen (Du willst ja irgendwann flüssig spielen können, ohne viel nachzudenken). Andererseits bist Du an einem Tag auch nur begrenzt aufnahmefähig. Es gilt also ein Gleichgewicht zwischen Üben und Nichtüben zu finden.

Das heißt: es macht keinen Sinn, sich eine wöchentliche Stundenzahl vorzunehmen und diese aufzuteilen wie’s grad passt. Eine wöchentliche Sitzung, bei der Du drei Stunden lang durchspielst, wird Dir weniger bringen, als täglich eine Viertelstunde lang zu üben.

Wie gesagt: tägliches Üben ist am effektivsten; im besten Fall 20-40 Minuten lang. Bedenke, dass Du Dich erstmal warmspielen musst, bevor Du richtig anfangen kannst zu üben. Alles unter 20 Minuten ist daher sehr kurz. Sollte es einmal gar nicht anders gehen, sind aber auch 10 Minuten besser als nichts.

Die Frage ist nicht: wie viele Stunden pro Woche Klavier üben?
Üben bis das Klavier in Flammen steht? Teile Deine Zeit lieber in regelmäßige kürzere Einheiten ein. | Quelle: White Field Photo via Unsplash

Das wichtigste ist, das Klavierüben zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Am Anfang musst Du Dir natürlich ein Zeitfenster frei räumen und es ganz diszipliniert einhalten. Mit der Zeit wird es zu Deinem Tagesablauf gehören und Du wirst Dich ans Klavier setzen, ohne darüber nachzudenken.

Klavierspielen lernen - Wie übt man richtig?

Zu einer richtigen Übungsroutine gehört nicht nur die Regelmäßigkeit und die Dauer der Einheiten, sondern auch ihre Gestaltung. Auch regelmäßiges Spielen bringt nicht viel, wenn nicht wirklich geübt wird.

Üben bedeutet, sich ein konkretes Übungsziel zu setzen und ausgiebig daran zu arbeiten. Das kann zum Beispiel ein bestimmter Akkordwechsel sein, der noch nicht gut funktioniert, eine Melodielauf in der rechten Hand, das Trainieren von Tonleitern, ein bestimmter Rhythmus und vieles mehr.

Beim Klavierüben zerlegt man die Stücke, die man lernen will in kleine Teile, die man erstmal einzeln und langsam einübt. Wenn alles gut klappt, kann man sie zusammensetzen. Außerdem werden auch ausgiebig Fingerübungen gemacht, um eine bestimmte Technik zu erlernen.

Üben heißt vor allem auch wiederholen. Indem Du alles schnell einmal durchspielst, hast Du noch lange nicht geübt. Beobachte Dich beim Klavierspielen ganz genau, sodass Du auch mögliche Haltungsfehler sofort korrigieren kannst.

Überlege Dir jeden Tag genau, was Du heute üben möchtest. Deine durchschnittliche Übungseinheit kannst Du in vier Abschnitte einteilen:

  • Einspielen
  • Wiederholen: Spiele etwas, das Du in den letzten Tagen schon geübt hast, um es zu vertiefen und zu festigen.
  • Etwas Neues lernen: Widme Dich einer neuen Übung, Technik oder Akkordfolge und fange erstmal langsam an.
  • Spaß haben: Es ist nicht so, dass alles andere keinen Spaß machen würde, aber oft ist es doch gut, sich zum Schluss einer Arbeitseinheit noch etwa gehen zu lassen. Was Du hier spielst oder übst ist komplett Dir überlassen, Hauptsache Du amüsierst Dich.

Sorge dafür, dass Du konzentriert üben kannst. Wenn Du ständig abgelenkt bist, wirst Du nicht wirklich vorankommen. Der Fernseher sollte ausgeschaltet und am besten auch das Handy auf stumm geschaltet werden. Deine Übezeit gehört nur Dir und Deinem Klavier.

Wenn Du all diese Ratschläge befolgst, wirst Du schnell Fortschritte machen und schon nach kurzer Zeit einfache Lieder spielen können. Wie lange es dann wirklich dauert, bis Du von Dir behauptest Klavierspielen zu können, hängt von Deinen eigenen Erwartungen ab. 

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.