Nördlich der Schweiz und südlich von Deutschland befindet sich ein kleiner Zipfel von Frankreich, der für seine schöne Landschaft und mittelalterlichen Dörfer bekannt ist: Das Elsass. 

Musst du mal raus aus der Stadt? Das Elsass erreichst du in einem Katzensprung! Und es eignet sich perfekt, um eine kleine Rundreise von ein paar Tagen zu unternehmen. Auf der beschaulichen Fläche von 8280 Quadratkilometern gibt es sehr viel zu entdecken! Und an vielen Ecken wirst du deutsche Referenzen finden, denn das Elsass war lange Zeit unter deutschsprachiger Herrschaft.

Red wie dir d'r Schnawel gewachse isch! 

Warum spricht man im Elsass Deutsch? Das ist tatsächlich eine lange Geschichte und beginnt im 17. Jahrhundert.

Nach vielen Jahrhunderten deutscher Zugehörigkeit, streckte nämlich 1681 der französische König seine Finger nach der kleinen Region aus. Erst fast zwei Jahrhunderte später wurde das Gebiet nach dem Krieg zwischen Frankreich und Preußen (1870-1871) erneut deutsch. Es wurde ans deutsche Kaiserreich abgetreten und zum „Reichsland Elsass-Lothringen“. Die französischen Straßennamen verschwanden wieder aus dem Stadtbild und bis zum ersten Weltkrieg hatten 94% der Bevölkerung Deutsch als Muttersprache.

Nach dem ersten Weltkrieg ging die Region Elsass- Lothringen wieder an Frankreich. Die zugezogenen deutschen Bürger und Bürgerinnen mussten das Land verlassen. Amtssprache wurde Französisch und Deutsch wurde in der Schule ungern gehört. Der Großteil der Bevölkerung behielt im Alltag aber ihre deutschen Dialekte bei. Im Elsass Alemannisch, in Lothringen weitgehend Moselfränkisch - das übrigens auch in Luxemburg gesprochen wird.

Sich wie im Mittelalter fühlen!

Das geschieht im Elsass wie von selbst und nicht nur wegen den unzähligen Burgen, die da und dort auf den Hügeln thronen. Eine Reise durchs Elsass ist wie eine Reise in die Vergangenheit.

Colmar und Strassburg sind wunderschöne Städte und verströmen mit ihren bunten Fachwerk-Häusern eine Atmosphäre von vergangenen Zeiten. Nicht nur wegen der romantischen Kulisse fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Das Elsässisch trägt seinen besonderen Teil dazu bei. Auch wenn nicht mehr so viele Leute den Dialekt sprechen: Auf deiner Reise wirst du auf jeden Fall das eine oder andere elsässische Wort aufschnappen!

Wer die Natur liebt, kommt im Elsass voll auf seine Kosten.

In der Rheinregion reihen sich auf sanften Hügeln Weinrebe an Weinrebe. Ein Netz von 500 Wanderwegen breitet sich über die Gegend aus. Traditionell wird Weisswein angebaut, in ein paar Dörfern Pinot Noir. Und wo Wein wächst, läßt es sich meistens gut essen. Das Elsass ist ein richtiger Hotspot für Feinschmecker (Gourmets). Die Küche ist von der französischen und deutschen Tradition beeinflußt, hat aber seine ganz eigene Raffinesse. Flammkuchen direkt aus dem Holzofen, Pasteten und viele weitere regionale Köstlichkeiten stehen auf dem Menukarte.

Ziehst du Wildnis dem Kulturland vor? In den östlichen Vogesen, die zur Region Elsass gehören, breiten sich unberührte Wälder, Wiesen, Seen und Täler aus. Die Vogesenkammstraße zum Gipfel Grand Ballon führt dich über 70 Kilometern an den höchsten Punkt des Elsass.

In diesem Artikel gebe ich dir eine kleine Einführung in die Sprache, ihre Geschichte, Besonderheit und den Umgang der Bevölkerung mit dem Elsässisch. Denn die Sprache ist Teil der Kultur und sollte unbedingt erhalten bleiben.

Blick von einem Hügel über eine grüne Flusslandschaft im Elsass.
In den Ostvogesen ist die Natur wild und unberührt und in den kleinen Dörfern wird elsässer Dialekt gesprochen. / Quelle: Emilien Muller_unsplash
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Und los geht's

Kulturelles Elsass

Das Elsass ist eine Region der französischen Provinz Grand Est und hat seine ganz eigene Kultur, nicht nur, aber auch durch seinen deutschen Dialekt.

Im Jahr 2021 wurde die Grenze des Elsass entlang der beiden Provinzen Ba-Rhin und Haut-Rhin festgelegt.

Die Hauptstadt Strasbourg (auf Elsässisch Schdroosburi) ist gleichzeitig die Hauptstadt Europas. Viele internationale Organisationen haben hier ihren Hauptsitz: Europarat, Europaparlament, Eurokorps und der europäische Gerichtshof. Das Stadt ist international geprägt. Nicht ganz 300’000 Menschen leben hier. Die Innenstadt ist wunderschön, mit viel Riegbau und pitoresken Kanälen.

Colmar liegt im Süden der Region und ist für ihren umwerfenden Weihnachtsmarkt bekannt.

Mulhouse ist nicht weit von der Grenze entfernt und hat ein beeindruckendes Kunst-und Kulturangebot. Das Filmfestival AUGENBLICK präsentiert dem Publikum jedes Jahr sehenswerte Filme aus dem deutschsprachigen Raum. Die Kunsthalle ist auf zeitgenößische Kunst spezialisiert, im Musée des Beaux Arts findet man Kunst aus verschiedenen Jahrhunderten und das Jazzfestival Météo lädt zu vielseitigen Musikerlebnissen ein.

Einen Besuch wert ist das Écomusée d’Alsace - dem regionalen Heimatmuseum - kann man auf den Spuren von vergangenen Zeiten wandeln.

Han ehr a Menü gschwasiert ? (Habt ihr ein Menu gewählt?)

Viele kulinarische Spezialitäten gibt es Elsass, zum Beispiel Roïgabrageldi (Kartoffeln mit Pastete), Sauerkraut mit Kartoffeln und Speck und Siaskas (Quark mit Kirschwasser). 

Weitere typische Gerichte sind:

  • Flammkuchen (Flammenkueche)
  • Backeoeffe (Eintopf mit Fleisch und Gemüse)
  • Munsterkäse (intensiver Käse aus Kuhmilch)

Viele Leckereien passen zu Gerichten, die wir auch in Österreich und Deutschand kennen, wie zum Beispiel Gugelhupf (Kougelhof) und Dampfnüedle (Germknödel in Österreich)

Andere Spezialitäten wie Foie Gras (Bitte auf Gütesiegel achten) und Terrine sind typisch französisch.

Ein elsässischer Töpfer bei der Arbeit am Tisch durch ein Fenster hinunter in seine Werkstatt fotografiert.
Altes elsässisches Handwerk wird hier noch gelebt. Für Geschichtsfans lohnt sich ein Besuch im elsässischen Heimatmuseum in Müllhausen. /Quelle: Thomas Hetzler_unsplash

Ein wenig Geschichte-Know How 

Die ersten Menschen müssen vor 700 000 Jahren in der Region aufgetaucht sein. Funde des Homo Sapiens wurden auf 50’000 Jahre datiert. Die Kelten besiedelten über 550 Jahre das Gebiet, bevor ungefähr 55 vor Christus die Römer das Gebiet übernahmen und über 500 Jahre dort blieben.

Unter römischer Herrschaft entwickelte sich eine gallorömische Gruppierung, später kamen die Alamannen. Ihnen folgten germanische Siedler. Sie machten Strassbourg zum Bischofssitz und schufen den Namen Elsass.

Im Jahr 842 kam es zu Reibereien zwischen drei Nachfahren des Karl des Großen, die alle die Region für sich beanspruchten. Die nach einer entscheidenen Schlacht verfassten Strassburger Eide (Serments de Strasbourg auf Französisch) ist ein Dokument, das die neue territoriale Aufteilung besiegelte. Bemerkenswert ist die Sprachform, in der es verfasst wurde: es ist zweisprachig in Althochdeutsch und Altfranzösisch geschrieben, wahrscheinlich sogar in einer Form des westgermanischischen Dialekts (alter fränkischer Dialekt).

Es folgten weitere unruhige Jahrhunderte mit verschiedenen Zugehörigkeiten. Kurz gehörte Mulhausen sogar zur alten Schweizer Eidgenossenschaft (1515 n. Ch.).

Nach der französischen Revolution wurden das Gebiet aufgeteilt in die beiden Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin. 1871 musste es ans Deutsche Kaiserreich abgetreten werden.

Nach dem ersten Weltkrieg ging es wieder an Frankreich. 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht die Region. Erst nach dem Krieg um 1945 wurde es von den Alllierten an Frankreich zurück gegeben.

Von da an bis in die 70er Jahre war Deutsch und Elsässisch verpönt und in der Schule verboten. 1949 beschloß der neue Europarat auf Grund der besonderen Position und der Geschichte des Elsass, Strassburg zum Hauptsitz zu machen.

Im 17. Jahrhundert lebten in dem Gebiet des Elsass Wiedertäufer, die von der reformierten Kirche verfolgt wurden. Sie flüchteten nach Pennsylvania in den USA und nahmen ihren Dialekt mit. Die Pennsylvania Dutch sprechen noch heute eine Sprache, die ihren Ursprung im alemannischen Raum hat.

Blick in den leeren Saal des Europaparlaments der fur das Friedensprojekt Europäische Union steht.
Im Europa-Parlament in Strassburg wird jede benötigte Sprache Wort für Wort von Dolmetschern übersetzt. / Quelle: Frederik Koberl_unsplash

Herkunft des Elsässisch und heutige Verbreitung

Früher gab es in Europa keine Nationalstaaten. Die Grenzen zwischen den Königreichen und Territorien entsprachen auch nicht unseren heutigen Landesgrenzen. So kommt es, dass sich heutige Sprachräume über verschiedene Länder ausbreiten. Ganz besonders zu beobachten ist das im deutschsprachigen Raum. Das Gebiet des Elsass wurde oft zwischen deutscher und französischer Herrschaft hin und her geschoben.

Heute gehört das Elsass zu Frankreich, aber der deutsche Dialekt und gewisse andere kulturelle Faktoren sind bestehen geblieben.

Frankreich wird zentralistisch regiert und auf die Förderung von Dialekten wird nicht besonders viel Wert gelegt. Die bleibt weitgehend den Regionen selbst überlassen. So kommt es, dass heute nur noch ungefähr 35% der Bevölkerung Elsässisch spricht und der Großteil von ihnen ist schon älter.

Doch es gibt Bestrebungen, die Sprache nicht aussterben zu lassen. Immer mehr junge Eltern entschließen sich bewusst, die Sprache ihrer Großeltern an die Kinder weiter zu geben. Denn der Unterrichtssprache in der Schule ist Französisch. 

Auch kulturell tut sich einiges. So gibt es beliebte elsässische Poetry-Slam-Abende in einer Kneipe in Strasbourg, Radiosendungen auf Elsässisch und das Amt für Sprache und Kultur im Elsass (Office pour la Langue et la Culture d’Alsace/Elsassisches Sprochàmt) ist sehr bemüht, die Sprache lebendig zu halten.

Die Jugend baut auch ganz gerne Wörter im Dialekt in ihren Slang ein.

Sprachliche Einordnung

Wenn auch nicht gleich Kauderwelsch, so kommt uns das Elsässisch schon ein klein wenig Spanisch vor. Es gibt Wörter, die Menschen aus dem alemannischen Sprachraum ganz gut verstehen und wiederum welche, bei denen man weder mit Deutsch noch Französisch auf des Rätsels Lösung kommt. Zum Beispiel beim Wort „moila“ für müde.

Elsässisch gehört zur niederalemannischen Sprachgruppe, wie auch der Basler Dialekt in der Schweiz.

Zwar ist das Elsass klein, aber auch hier gibt es einige Variationen des Dialekts. So spricht man im krummen Elsasss (an der Grenze zur Pfalz) lothringisch-fränkischen Dialekt.

Eine alte Brücke in einer elsässischen Stadt bei Nacht mit einer Wasserspiegelung der lila beleuchteten Brückenbögen.
Das Elsass hat nicht nur eine eigene Sprache, es hat auch architektonisch, kulinarisch und kulturell viel zu bieten. / Quelle: Andreas Fickl_unsplash

Ich habe dir hier ein kleines Wörterbuch zusammengestellt, damit du ein Gefühl für die Sprache kriegst. Mit einem Sprachführer von Reisen Know-How Kauderwelsch kannst du sie systematisch lernen.

ElsässischDeutsch
BuschurGuten Tag
Adie, me sahn is weder Morn !Auf Wiedersehen, wir sehen uns morgen!
Sàlü bisàmmeHallo allerseits
Sàlü, geht’s?Hallo, wie geht's?
Merci vielmolsVielen Dank
A güeter TàgEinen schönen Tag!
MìthììMittag
Ìch redd ElsassischIch spreche Elsässisch
BibbalaKüken
Ich bìn moilaIch bin müde
Elsassischa RezaptElsässisches Rezept
E gìckliga WihnàchtaFrohe Weihnachten
Esküse, ech ha das net gmeintEntschuldigung, so habe ich das nicht gemeint
Merci vielmols!Vielen Dank!
SerwissBitte
Ar esc Schalu ewer sim BrüederEr ist auf seinen Bruder eifersüchtig
Besch dü mabul?! Bist du verrückt?!
Amusiera'ni guet!Amüsiert euch gut!
Mer profitiera vum schen WatterWir profitieren vom schönen Wetter
Ech han a Bon gwunna fer a Reis umasunschtIch habe einen Preis für eine Gratis-Reise gewonnen
a Buschi lo brennaeine Kerze brennen lassen
a Transcha SpàckEine Scheibe Speck
Lauf uffem Trottoir, net en der Stross!Geh am Bürgersteig, nicht auf der Strasse!

Einige Wörter sind zwar alemannisch, haben es aber bis in die bairischen Dialekte Österreichs geschafft. Buscheli für Neugeborenes zum Beispiel. In Österreich nennt man die kleinen Kinder a Buschi oder a Buscherl. Einige Begriffe findet man übrigens in fast allen Deutschen Dialekten wieder.

Wenn du dich noch vertiefter mit der Sprache des Elsass auseinandersetzen möchtest, empfehle ich dir den Namen Edgar Zeidler.

Der in Colmar geborene Autor beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit dem Elsässisch, schreibt Bücher und unterrichtet die Sprache an der Universität des Oberelsass von Mulhouse. Er schreibt für die Zeitung "L'Alsace" die Leçons Alsaciens", die auch in Buchform erschienen sind.

Ich hoffe, dass ich dir einen kleinen Überblick über die Sprache des Elsass geben konnte und wünsche dir bei einer Reise oder beim Studium viel Vergnügen!

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Vera

Aus der Pädagogik komme ich, in Kunst und Kultur bin ich zu Hause, Europäerin bin ich, Sprache(n) liebe ich, Neugierde und Offenheit möchte ich immer behalten.