„Wat de Bauer net kennt, dat frësst en net!“
Diesen Satz kennst du bestimmt auch in deinem Dialekt und genau das macht Luxemburgisch (Lëtzebuergesch) so interessant. Die Sprache klingt vertraut und gleichzeitig irgendwie anders.
Unser Nachbarland Luxemburg mag vielleicht ein wenig unter dem Radar sein, aber es gibt dort viel zu entdecken. Bemerkenswert ist vor allem seine Mehrsprachigkeit: Luxemburgisch ist die Nationalsprache, daneben sind Französisch und Standarddeutsch Amtssprachen.
Hier fühlt man sich schnell wie in mehreren Ländern zugleich und mittendrin hörst du immer wieder diesen „seltsamen Dialekt“, den man irgendwie versteht und der doch ganz eigen klingt. Wir folgen den Spuren des Lëtzebuergesch. Viil Spaass!
Was ist Luxemburgisch?
Luxemburgisch (Lëtzebuergesch) gehört zur westmitteldeutschen Sprachgruppe. Genauer gesagt zählt es zum Moselfränkischen und ist damit eng mit Dialekten aus der Region Trier, der Eifel oder dem Saarland verwandt.
🇱🇺 Im Großherzogtum Luxemburg
Hier ist Lëtzebuergesch die Nationalsprache und wird von einem Großteil der Bevölkerung im Alltag gesprochen.
🇧🇪 In Belgien (Areler Land)
Im Südosten Belgiens, rund um Arlon, wird ebenfalls Luxemburgisch gesprochen. Hier ist es als regionale Minderheitensprache anerkannt.
🇩🇪🇫🇷 In Deutschland und Frankreich (verwandte Dialekte)
In Grenzregionen wie der Eifel, dem Raum Trier, dem Saarland und Teilen Lothringens findet man eng verwandte moselfränkische Dialekte. Diese gelten meist als deutsche Dialekte, sind aber sprachlich sehr nah am Luxemburgischen.
🌍 Über Europa hinaus
Durch Auswanderung gibt es kleinere Gruppe vonn Deutschsprachigen in den USA. Auch hier sprechen einige Luxemburgisch.
Lange Zeit galt Luxemburgisch vor allem als Dialekt des Deutschen. Heute wird es jedoch als eigenständige Sprache betrachtet, vor allem aus soziolinguistischer Sicht. Das bedeutet: Nicht nur die sprachliche Struktur entscheidet, sondern auch die Rolle, die eine Sprache in Gesellschaft, Politik und Kultur spielt.
Sprache oder Dialekt?
Ganz eindeutig ist diese Frage bis heute nicht geklärt.
Sprachwissenschaftlich unterscheidet sich Luxemburgisch nicht grundlegend von anderen moselfränkischen Dialekten. Es gehört weiterhin zum sogenannten Dialektkontinuum, also zu einer Gruppe von Sprachvarietäten, die fließend ineinander übergehen.

Gleichzeitig wurde Luxemburgisch aber gezielt ausgebaut:
Es gibt eine standardisierte Rechtschreibung, eigene Wörterbücher und eine zunehmende Verwendung als Schriftsprache. Außerdem ist es ein zentraler Bestandteil der nationalen Identität Luxemburgs. Seit 1984 ist es die offizielle Amtssprache und seit 2023 in der Verfassung verankert.
Trotzdem spricht man von einer sogenannten Ausbausprache, also einer Sprache, die sich nicht durch große Unterschiede, sondern durch ihre gesellschaftliche Bedeutung und Standardisierung von Dialekten abhebt.
Österreichische Dialekte sind zum Beispiel alemannisch oder bairisch.
Luxemburgisch im Vergleich zu Deutsch
Viele Wörter im Luxemburgischen sind dem Deutschen sehr ähnlich, deshalb kannst du oft schon beim ersten Hören oder Lesen einiges verstehen. Gleichzeitig gibt es aber auch deutliche Unterschiede in Aussprache, Wortschatz und Grammatik.
Ein wichtiger Einfluss kommt aus dem Französischen:
Viele Alltagswörter wie Merci (Danke), Pardon (Entschuldigung) oder Gare (Bahnhof) stammen direkt aus dem Französischen und sind fester Bestandteil der Sprache.
Diese Mischung macht Luxemburgisch zu einer lebendigen und eigenständigen Sprache, die sowohl germanische als auch romanische Elemente verbindet.
Welche Rolle spielt Luxemburgisch in Luxemburg?
Luxemburgisch ist die Nationalsprache des Großherzogtums Luxemburg und damit ein zentraler Bestandteil der nationalen Identität. Daneben sind Französisch und Standarddeutsch Amtssprachen, die im Alltag, in der Verwaltung und im Bildungssystem eine wichtige Rolle spielen.

Luxemburg ist ein demokratisch strukturiertes Großherzogtum mit einer konstitutionellen Monarchie und gleichzeitig ein echtes Sprachlabor Europas. Auf engem Raum treffen hier mehrere Sprachen aufeinander: Luxemburgisch, Französisch und Deutsch begegnen im Alltag einer Vielzahl weiterer Sprachen wie Englisch, Portugiesisch oder Italienisch.
Welche Sprache gesprochen wird, hängt oft von der Situation ab. Während Luxemburgisch vor allem im Alltag und im persönlichen Umfeld verwendet wird, spielen Französisch und Deutsch in offiziellen und beruflichen Kontexten eine größere Rolle.
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Luxemburgisch, Deutsch und Französisch im Alltag
Die Hauptstadt Luxemburg und auch viele andere Städte des Landes sind ein echter „Melting Pot“ der Sprachen. Neben Luxemburgisch, Französisch und Deutsch sprechen viele Luxemburgerinnen und Luxemburger sehr gut Englisch.
Im Alltag wechseln die Menschen oft ganz selbstverständlich zwischen mehreren Sprachen. Dieses sogenannte Code-Switching gehört zum normalen Sprachgebrauch: Morgens bestellt man das Croissant auf Französisch, unterhält sich mittags auf Luxemburgisch und spricht abends vielleicht Englisch, je nachdem, mit wem man gerade spricht.
Mir wëlle bleiwe wat mir sinn.
Wir wollen bleiben, was wir sind.
Luxemburgisch ist dabei die Sprache des privaten Lebens und der Identität. Es wird in Familien gesprochen, im Freundeskreis verwendet und dient vielen Menschen als wichtiges Symbol ihrer kulturellen Zugehörigkeit.
Gerade für die luxemburgische Bevölkerung ist die Sprache ein zentraler Bestandteil ihrer Kultur, weshalb ihre Bedeutung bis heute kontinuierlich gestärkt wird.
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Amt, Politik und öffentliches Leben
Die Mehrsprachigkeit Luxemburgs ist auch gesetzlich geregelt. Seit dem Sprachengesetz von 1984 ist Luxemburgisch die Nationalsprache, während Luxemburgisch, Französisch und Deutsch als Verwaltungssprachen genutzt werden.
In der Praxis bedeutet das:
- Gesetze werden überwiegend auf Französisch verfasst, das rechtlich als maßgebende Sprache gilt.
- In Verwaltung und Justiz können Luxemburgisch, Deutsch oder Französisch verwendet werden. Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, sich in einer dieser Sprachen an Behörden zu wenden.
- Im politischen Leben, insbesondere im Parlament, wird heute überwiegend Luxemburgisch gesprochen, auch wenn Französisch in schriftlichen Dokumenten weiterhin eine wichtige Rolle spielt.
Luxemburgisch ist also die Sprache der Menschen und der Identität, während Französisch und Deutsch vor allem funktionale Rollen im Staat übernehmen.
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Entstehung und Geschichte des Luxemburgischen
Dialekte scheren sich nicht um Staatsgrenzen. Auch Luxemburgisch ist eng mit den deutschen Sprachvarietäten der Moselregion verwandt.
Du weißt ja schon: Es gehört zum Moselfränkischen und damit zum westmitteldeutschen Sprachraum. Ähnliche Dialekte findet man in Trier, der Eifel oder im Saarland, die Übergänge sind fließend.
bis ins 19. Jahrhundert
Luxemburgisch nur als Alltagssprache
Luxemburgisch ist vor allem eine gesprochene Alltagssprache, während Deutsch und Französisch dominieren.
1839
Teilung Luxemburgs
Die Sprache gewinnt an Bedeutung als Symbol der nationalen Identität.
19. Jahrhundert
Erste Literatur
Luxemburgisch wird erstmals als Schriftsprache genutzt.
1940–1944
Deutsche Besatzung
Luxemburgisch wird zum Zeichen des Widerstands.
1984
Nationalsprache
Luxemburgisch wird offiziell zur Landessprache erklärt.
2018
Sprachförderung
Gründung des Zenter fir d’Lëtzebuerger Sprooch.
Einflüsse aus verschiedenen Kulturen und Sprachen
Wie überall lässt sich die Geschichte auch an der Sprache ablesen. Luxemburgisch enthält Spuren aus der keltisch-gallischen Zeit, lateinische Einflüsse der Römer sowie einzelne jiddische Begriffe wie Zores oder Tacheles.
Stark ist jedoch der französische Einfluss. Viele Alltagswörter stammen direkt aus dem Französischen, zum Beispiel Merci, Pardon, Gare, Camion oder Frigo.
Vom Dialekt zur Nationalsprache
Lange Zeit war Luxemburgisch vor allem eine gesprochene Sprache, während Deutsch und Französisch als Schriftsprache dienten. Erst im 19. Jahrhundert entstanden erste Texte auf Luxemburgisch, und die Sprache entwickelte sich langsam weiter.
Ein wichtiger Schritt folgte 1984: Luxemburgisch wurde offiziell zur Nationalsprache erklärt. Seitdem wird sie gezielt gefördert, unter anderem durch Institutionen wie das Zenter fir d’Lëtzebuerger Sprooch.
Sprache und Identität
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein stärkeres nationales Bewusstsein, besonders nach der Teilung Luxemburgs im Jahr 1839. Luxemburgisch wurde dabei zu einem wichtigen Symbol der eigenen Identität.
Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gewann die Sprache zusätzlich an Bedeutung. Viele Menschen nutzten Luxemburgisch bewusst zur Abgrenzung: es wurde zu einem Zeichen des Zusammenhalts und des Widerstands.
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Ein paar Ausdrücke fürs Handgepäck
Wenn du dich mit der Sprache befasst, bemerkst du schnell, dass man im Lëtzebuergesch viele Ausdrücke aus dem Französischen findet. So nennt man den Bahnhof d’Gare und bedankt sich mit Merci.
Weitere Ausdrücke aus dem Französischen:
- Äddi a merci – Danke und auf Wiedersehen
- Valise – Koffer
- Camion – Lastwagen
- Frigo – Kühlschrank
- fëmmen – rauchen
- Enveloppe – Umschlag
- Forchette – Gabel
- Vakanz – Urlaub / Ferien
- prett – bereit
Einige Wörter und Redewendungen sind außerdem sehr nah am Niederländischen, zum Beispiel de Geck maachen (vgl. niederländisch gek doen).
Es gibt ä, ë, ü und é (ähnlich wie im Französischen)
Doppelte Vokale werden lang gesprochen (z. B. ii)
Das hochdeutsche ie entfällt
Wie im Schweizerdeutschen gibt es kein ß, sondern ss
Übrigens: Wikipedia hat eine interessante Karte zur geografischen Verbreitung von deutschen Dialekten bereitgestellt. Sie ist interaktiv und zeigt dir genau, wo welcher Dialekt gesprochen wird. Da erhält man einen guten Überblick, wo welche Dialektgruppe vertreten ist.
Erste Sätze auf Luxemburgisch
Über die Seite Luxembourg - let’s make it happen kannst du dir einen kleinen Wortschatz aneignen.
Hier ein paar einführende Sätze für die ersten Sprachversuche:
| Lëtzebuergisch | Deutsch |
|---|---|
| Jo | Ja |
| Nee | Nein |
| Wann ech glift. | Bitte |
| Wat gelift? | Wie bitte? |
| Gär geschitt! | Bitte schön! |
| Pardon | Entschuldigung |
| Moien | Guten Tag |
| Äddi | Auf Wiedersehen |
| Wéi geet et? | Wie geht's? |
| Wou ass... | Wo ist... |
| Wéivill kascht dat? | Wie viel kostet das? |
| Mäin Numm ass | Ich heisse... |
| Wie komme ich zum... | wéi kommen ech op.... |
| Ech hätt gären... | Ich hätte gerne.... |
| Ech studéieren zu Lëtzebuerg | Ich studiere in Luxemburg. |
Dir kommt die Sprache immer noch Spanisch vor? Audio ist manchmal besser als Schrift. Vielleicht hilft dir diese Video für Anfänger. Es ist ein super Aussprachetrainer!
Büchertipps
Einheimische Literatur gibt es in drei Sprachen: Hochdeutsch, Französisch und Luxemburgisch. Warum sich nicht vor einer Reise oder einem Aufenthalt ein Buch in Originalsprache vornehmen?
Empfehlungen:
- Nico Helminger: Die Tanzenden (Deutsch) / Kuerz Chronik vum Menn Malkowitsch sengen Deeg an der Loge (Luxemburgisch)
- Josiane Kartheiser: Déi nächst Etapp, Dem Jemp seng Uerdnung (Luxemburgisch)
- Jhemp Hoscheit: Tëschent den Zeilen
- Josi Braun: Armagnac
Jedes Buch kannst du problemlos auch in Deutschland bestellen.
Jetzt wünsche ich dir viel Spaß bei der Erforschung dieser faszinierenden Sprache und, falls du ein Auslandsemester in Lëtzebuerg planst, viel Erfolg! Solltest du Französisch oder Englisch können, ist das sicherlich ein Plus. Aber mache dir keine Sorgen: Know How über ein Land erlangt man erst richtig, wenn man dort ist.
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Referenzen
- Luxemburgisch – eine lebendige Sprache im Wandel der Zeit. (n.d.). Luxembourg. https://luxembourg.public.lu/de/gesellschaft-und-kultur/sprachen/luxemburgisch-sprache-geschichte.html
- Informations- und Presseamt der Luxemburger Regierung. (2021). Sprachen in Luxemburg. In Informations- Und Presseamt Der Luxemburger Regierung. https://sip.gouvernement.lu/dam-assets/publications/brochure-livre/minist-etat/sip/brochure/a-propos/A_propos_Langues/a-propos-langues-de.pdf
- Welche Sprachen spricht man in Luxemburg? (n.d.). Luxembourg. https://luxembourg.public.lu/de/gesellschaft-und-kultur/sprachen/welche-sprachen-luxemburg.html
Mit KI zusammenfassen:










Gibt es das Wort „Arret“ in der luxemburgischen Sprache, welches man mit „Haltestelle“ übersetzen könnte. Ich meine hier im deutschen Luxemburgisch?
Hallo Katrin,
im Lëtzebuergesch werden viele Wörter direkt oder leicht verändert aus dem Französischen übernommen. Das gilt auch für das Wort „arret“, das für „Haltestelle“ gebraucht werden kann.