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Welche Bedeutung hat Arabisch als Sakralsprache?

Von Nadine, veröffentlicht am 31/12/2018 Blog > Sprachen > Arabisch > Sprache des Islam: Warum wurde der Koran auf Arabisch offenbart

« Arabisch ist die von Allah gewählte Sprache. Er hat sein kostbares Buch (den Koran) auf Arabisch offenbart und Arabisch zur Sprache seines letzten Propheten gemacht. Aus diesem Grund ist es die Pflicht eines jeden, der dazu in der Lage ist, Arabisch zu lernen, denn Arabisch ist die erste Sprache. » Imam asch-Schafi’i (767-820)

Im Jahr 2014 gab es weltweit über 1,8 Milliarden Muslime. Damit ist der Islam heute nach dem Christentum, das ca. 2,2 Milliarden Anhänger zählt, die Weltreligion mit der zweitgrößten Mitgliederzahl.

Als chronologisch gesehen dritte monotheistische Religion wurde der Islam nach dem Judentum und dem Christentum gegründet.

Muslime bekennen sich zu Allah (اللّه auf Arabisch): Für sie gibt es nur diesen einzigen Gott, der die Menschen und die Welt erschaffen hat. Sie glauben, dass man einzig und allein von seinem Willen abhängig sei.

Dieser höchsten Gottheit, die als unteilbar gilt, weder gezeugt wurde noch Nachkommen besitzt, und dessen Aussehen man sich nicht vorstellen oder abbilden darf, müssen Gläubige sich vollständig und bedingungslos unterwerfen. الإسلام, Islam ist ein arabisches Wort, das übersetzt „Sich-Hingeben an Gott“ bedeutet.

Der Koran ist die Heilige Schrift der islamischen Religion, die durch den aus der Stadt Mekka (Saudi-Arabien) stammenden Propheten Mohammed (570 – 632) ins Leben gerufen wurde. Muslime betrachten diesen politischen, religiösen und militärischen Anführer als Allahs Gesandten.

Die Auslegung des Korans sowie die Erforschung seiner Entstehungsgeschichte haben innerhalb der Muslimischen Gemeinschaft und unter Koranwissenschaftlern eine neue Disziplin ins Leben gerufen und entfachen seit dem 19. Jahrhundert immer wieder Debatten unter Orientalisten.

  • Wie muss der Koran ausgelegt werden?
  • Weshalb wurde der heilige Koran auf Arabisch verfasst?
  • Bereitet das Erlernen des klassischen Arabisch mehr Kopfzerbrechen als andere Fremdsprachen?

In diesem Artikel sind wir von Superprof der Frage auf den Grund gegangen, wie das klassische Arabisch zur Sakralsprache wurde.

Allah, ein arabisches Wort semitischen Ursprungs, das nicht nur im Islam Verwendung findet

„Allah“ ist ein arabisches Wort, das – wie wir alle wissen – für den Gott des islamischen Glaubens steht.

Aber nehmen wir den Begriff einmal näher unter die Lupe:

Ob in der Koranschule oder im Arabisch Privatunterricht – natürlich steht auch immer die Bedeutung des Wortes „Allah“ auf dem Programm: der arabische Name Gottes setzt sich aus dem Artikel „al“ ( ال ) – zu Deutsch „der“ – und dem arabischen Wort für Gott „ʾilāh“ ( إله ) zusammen.

Wie wäre es mit einer Reise nach Saudi-Arabien? Für einen gläubigen Muslim ist es die Reise seines Lebens: Der Hadsch zieht jedes Jahr Millionen von Pilgern ins Saudi-Arabische Mekka. | Quelle: pixabay

Zusammengesetzt bilden diese beiden Bestandteile das Wort Allah (اللّٰه), das wörtlich übersetzt ganz einfach „der Gott“ bedeutet – beziehungsweise „DER Gott“. Da der Islam eine monotheistische Religion ist, wird im Koran die Einheit bzw. Einzigkeit Gottes betont, die auch als Tauhīd bezeichnet wird.

Was nicht jeder weiß: Das Wort „Allah“ beschränkt sich nicht nur auf die muslimische Religion.

Die Bezeichnung „Allah“ ist ein uraltes Wort, das in unterschiedlichen Formen in den semitischen Sprachen Aramäisch, Arabisch und Hebräisch verwendet wurde – und zwar lange bevor es den Koran sowie den Islam als monotheistische Religion gab:

Für Gott gibt es viele Namen. Die folgenden semitischen Bezeichnungen lassen sich auf dieselben vorislamischen Wurzeln zurückführen:

  • „Ilu“ wurde Gott im der Akkadischen Sprache genannt: diese semitische Sprache sprach man in Mesopotamien zwischen 4000 und 2000 v. Chr.
  • Eloim“ ist die Bezeichnung für Gott in der hebräischen Bibel und wird manchmal auch mit „Engel“ gleichgestellt. Noch heute bezeichnen manche Juden in den Maghreb-Ländern und im Nahen Osten ihren Gott als Allah.
  • In der Bibel wird Gott auf Aramäisch, der Muttersprache Jesus, „Alllaha“ genannt.
  • Auch die Christen Arabiens und Syriens, die im 3. Jahrhundert verfolgt wurden, nannten ihren Gott „Allah“.

Auch in Malta wird der christliche Gott „Allah“ genannt, da die maltesische Sprache aus dem arabischen Dialekt der nahegelegenen Maghreb-Länder entstanden ist.

Folgende Anekdote verdeutlicht, wie stark das Wort „Allah“ selbst heutzutage noch von Vorurteilen behaftet ist:

2009 verbot der oberste Gerichtshof Malaysias der christlichen Bevölkerung die Benutzung des Wortes „Allah“, da dies Muslimen vorbehalten sei. In diesem Sinne konfiszierte das islamische Religionsamt zahlreiche Exemplare des Al-Kitab, der in malaiischer Sprache verfassten Bibel.

Warum sollte der Koran auf Arabisch gelesen werden? In gewöhnlichen arabischen Texten werden die Vokale meist weggelassen und müssen beim Lesen gedanklich ergänzt werden. Wer lieber Texte mit Vokalen liest, kann Arabisch mit dem Koran oder mit Kinderbüchern üben. | Quelle: pixabay

Vor der Hedschra im Jahr 622 wurden neben Allah, dem vorislamischen Hauptgott, auch seine Söhne und Töchter als Gottheiten verehrt.

Für letztere, die im Heiligen Koran als Schicksalsgöttinnen al-Lāt, Manāt und al-Uzzā erwähnt wurden, wurden von den altarabischen Stämmen in Mekka, Aleppo und Palmyra zu vorislamischen Zeiten Opfergaben dargebracht. Des Weiteren wurden der Astralgott Hubal, dessen Abbild sich im Inneren der Kaaba befand, sowie diverse heilige Orte, Berge und Bäume verehrt.

Denn genau wie die alten Griechen und die Römer gingen die arabischen Volksstämme damals einem polytheistischen Glauben nach.

Mit der Verbreitung des Islams wurde Arabisch zur Sakralsprache

Es ist sehr schwierig, zuverlässige Quellen und wissenschaftliche Texte zu diesem Thema zu finden, insbesondere weil es sich bei Allah nicht um eine historische Persönlichkeit handelt. Daher können also nur Vermutungen angestellt werden.

Als der Islam im 7. Jahrhundert noch in seinen Kinderschuhen steckte, sahen Mohammed und seine Anhänger ihre Aufgabe darin, die polytheistischen Volksgruppen der arabischen Halbinsel zum monotheistischen Glauben (Tauhīd) zu bekehren.

Laut arabischer Überlieferung beginnt die Geschichte des Islams im Jahre 610, als Mohammed auf einem spirituellen Rückzug am Berg Hira seine erste Offenbarung erhielt und ihm durch den Engel Gabriel die Worte Gottes übermittelt wurden.

Bei seiner Rückkehr nach Mekka verbreitete Mohammed die neue Religion als Gesandter Gottes zunächst im familiären Umfeld, bevor er begann, die heilige Botschaft öffentlich zu predigen.

Dafür wurde er aus seiner Heimatstadt Mekka verbannt und floh nach Yathrib, das heutige Medina. Diese „Hedschra“ (هجرة), wortwörtlich Auswanderung oder Flucht des Propheten Mohammeds, ist ein Schlüsselmoment des Islams. Sie markiert den Beginn der muslimischen Zeitrechnung.

Mit Mohammed als Heeresführer gelang es diesen Muslimen, zunächst Mekka und anschließend weitreichende Gebiete zu erobern. Es begann das Zeitalter der  Islamischen Expansion, das bis ins 8. Jahrhundert andauerte.

Während sich das Persische und das Byzantinische Reich im Zeitraum zwischen 602 und 628 bittere Schlachten lieferten und von den andauernden Kriegen geschwächt waren, konnten die muslimischen Araber bis zu Mohammeds Tod im Jahr 632 die gesamte Arabische Halbinsel und bis 638 ganz Mesopotamien besetzen.

Aus welchem Grund hat Allah die arabische Sprache für die Offenbarung seiner Gesetze gewählt?

Mit Sicherheit, weil dies sowohl seine Muttersprache als auch die der vorislamischen Volksstämme war.

Aber genau wie es heutzutage eine Vielzahl an arabischen Dialekten gibt, unterschied sich die Sprache von einem Volksstamm zum anderen mitunter erheblich.

Es bedurfte also einer Dachsprache, um Allahs Botschaft für alle Menschen gleichermaßen zugänglich zu machen. Aus diesem Grund bediente sich Mohammed der altarabischen Hochsprache al-Fushā (الفصحى ), die damals unter Gelehrten und von Schriftkünstlern verwendet wurde und relativ leicht von Völkern unterschiedlicher Herkunft verstanden werden konnte. Das verlieh der Heiligen Botschaft einen besonders erhabenen, poetischen Klang.

Aber damit nicht genug. Seine eigens für die Niederschrift der Heiligen Botschaft entwickelte Reimprosa hat Mohammed den Spitznamen „der Dichter“ eingebracht. Die Koranverse eignen sich dadurch besonders gut zum Vortragen, gemeinsamen Rezitieren, auswendig Lernen und klangen in den Ohren der damaligen Anhänger wahrscheinlich wie segenbringende Zauberformeln.

Auf diese Weise prägt Arabisch den Islam, und der Islam prägt die arabische Sprache.

Möchtest Du Arabisch lernen, um den Koran zu verstehen? Als eine der fünf Säulen des Islams gehört das Gebet in Richtung Mekka selbst für die Jüngsten bereits zum Alltag. | Quelle: pixabay

Arabisch als Sprache des Islams und Bindeglied der Muslime

Zum Zeitpunkt der Hedschra im Jahr 622 – als Mohammed von Mekka nach Medina zog –  waren längst nicht alle Völker in Arabien monotheistisch. Neben jüdischen und christlichen Stämmen gab es noch zahlreiche Volksgruppen mit polytheistischen Religionen.

Wie weiter oben erwähnt ging die Ausbreitung des Islams im 7. Jahrhundert mit der Unterwerfung Ungläubiger und der Eroberung zahlreicher Gebiete einher. Die Verwendung einer gemeinsamen Hochsprache für alle arabischen Völker – mit dem Koran als zentrale Glaubensgrundlage – diente daher auch als politisches Mittel, um das Einflussgebiet des Islams auszuweiten.

Diese neue Gesellschaft stellte Europa lange Zeit durch ihren florierender Handel, ihre Kunst, ihre Dichtkunst, ihre Architektur sowie einen unermesslichen Reichtum an wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Schatten.

Gerade die arabische Poesie stand unter starkem Einfluss des Korans. Denn die arabische Sprache wurde und wird von Muslimen als vollkommene Sprache angesehen. Die arabische Sprache ist so subtil und komplex wie keine andere und kann unzählige Feinheiten ausdrücken. Kein Wunder, dass Poesie-Liebhaber Arabisch für die schönste Sprache der Welt halten!

Auch wenn sich im Laufe der Geschichte zahlreiche Linguisten darum bemüht haben, den Koran möglichst originalgetreu in andere Sprachen zu übersetzen, wird empfohlen, die Heilige Schrift in ihrer Originalfassung zu lesen.

Arabisch lernen, um den Islam zu praktizieren

« Mittels der arabischen Sprache wird der Inhalt des Korans verkündet und durch sie werden die islamischen Regeln übermittelt. Wer der arabischen nicht mächtig ist, kann den Islam nicht verstehen. »

Der Koran ist die Glaubensgrundlage aller Muslime.

Für Muslime und Islamistik-Studenten, die sich mit der authentischen heiligen Schrift und der Offenbarung Gottes an den Propheten Mohammed auseinandersetzen möchten, sind ausgezeichnete Arabischkenntnisse also unerlässlich.

Warum ist Arabisch nicht gleich Arabisch?

Die Sprache der arabischen Welt blickt auf fast 2000 Jahre Geschichte zurück.

Der Koran wurde wie weiter oben erwähnt im 7. Jahrhundert im klassischen Arabisch, der Literatursprache verfasst, die sich schon zur damaligen Zeit von der Alltagssprache unterschied.

Während sich die Umgangssprache im Laufe der Jahrhunderte ständig weiterentwickelte, gilt der Heilige Koran als unantastbar. Anders als die Bibel wurde er nie an eine modernere Sprache angepasst.

Im täglichen Leben wird in der arabischen Welt ausschließlich Dialekt gesprochen – und diese unterscheiden sich von Land zu Land erheblich, wobei es sowohl phonetische, lexikalische, morphologische als auch syntaktische Abweichungen gibt. So können beispielsweise die Menschen aus Syrien den Dialekt der Maghreb-Länder nur sehr schwer verstehen.

Da mehrere Jahrhunderte Geschichte zwischen der modernen Sprache und unveränderten Heiligen Koran liegen, kann man leicht nachvollziehen, dass selbst Menschen, deren Muttersprache Arabisch ist, die Worte des Korans nicht vollständig verstehen.

Aber für einen gläubigen Muslim ist es nicht so schlimm, den eigentlichen Sinn der Koranverse nicht zu erfassen. Streng genommen darf der Inhalt auch nicht erklärt oder zusammengefasst werden. Aber bereits durch das Rezitieren – oder in der heutigen Zeit durch CD- oder Videoaufnahmen der Koranrezitation kann ein Muslim den Segen Allahs erfahren.

Auch heute noch erlernen junge Muslime in Koranschulen beim sogenannten Tadschwid, der Kunst der Koranrezitation, den artistischen, subtilen Umgang mit der Sprache.

Wie kann ich die Arabische Schrift erlernen? Saudi-Arabien ist mit Abstand das konservativste aller islamischen Länder: Das muslimische Glaubensbekenntnis ziert als Schriftzug die saudischen Flagge und gilt als oberstes Gesetz. | Quelle: pixabay

Saudi-Arabien, das Herkunftsland Mohammeds, ist weltweit für seine extrem konservative Einstellung zum islamischen Religion bekannt. Der dort gesprochene Dialekt hat die größte Ähnlichkeit mit dem klassischen Arabisch des Korans und der Literatur.

Hocharabisch (Modernes Standard Arabisch) wird als Standardsprache in den Medien, im Schriftverkehr und in der Geschäftswelt gesprochen und ist dem klassischen Arabisch zumindest etwas näher als die einzelnen Dialekte.

Bevor Du Dich für einen Arabischkurs entscheidest, solltest Du Dir also genau überlegen, was Dein Ziel ist.

Egal ob du dich eher für den Koran, die arabische Literatur oder die Geschäftswelt im Nahen Osten interessierst, dich auf ein Arabistik-Studium vorbereiten oder in ein arabischsprachiges Land reisen möchtest – bei Superprof findest Du den perfekten Lehrer zum Arabisch lernen.

Unser Arabisch Unterricht kann Dir unter anderem dabei helfen:

  • das arabische Alphabet erlernen
  • arabisch lesen und schreiben lernen
  • das mündliche Ausdrucksvermögen verbessern
  • die Kunst des Tadschwid (Koranrezitation) zu erlernen
  • einen Einblick in die arabische Grammatik zu erhalten
  • ein besseres Verständnis für den Arabisch Wortschatz und arabische Lehnwörter entwickeln
  • alles über arabischen Kalligraphie erfahren
  • einen Einblick in Avicennas Werke und arabische Dichtkunst erhalten
  • den Koran und die Werte des Islams verstehen
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