Unter Religion versteht man eine Weltanschauung, die auf dem Glauben an überirdische, übernatürliche Kräfte gründet. Dabei kann es sich um die individuelle Religiosität einer einzelnen Person handeln oder eine kollektive Tradition, die durch eine bestimmte Lehre festgelegt ist. Wenn wir in diesem Artikel das Thema „Religion in der Türkei“ behandeln, meinen wir damit die kollektiven Glaubensrichtungen, denen eine Vielzahl von Menschen angehören.

Nach einem kurzen historischen Überblick, werden wir auf das Verhältnis vom türkischen Staat zur Religion eingehen und uns schließlich ansehen, welche Religionen in der Türkei vertreten sind.

Dabei ist anzumerken, dass eine Religionszugehörigkeit nicht immer bedeutet, dass jedes einzelne Mitglied der Gemeinschaft die Religion tatsächlich auch praktiziert. Da es im Islam kein von einer Institution festgehaltenes Einführungsritual gibt (wie beispielsweise die christliche Taufe), werden in türkischen Statistiken alle Menschen, die nicht ausdrücklich eine andere Religionszugehörigkeit angeben, automatisch als Muslime geführt.

Darüber hinaus gibt es auch in anderen Religionen zahlreiche Menschen, die zwar als Angehörige einer Glaubensrichtung gemeldet sind (zum Beispiel durch eine christliche Taufe oder per Geburt bei jüdischer Abstammung), sich selbst aber nicht als gläubig bezeichnen oder die Religion nicht aktiv praktizieren.

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Geschichtliche Hintergründe

Das Gebiet der heutigen Türkei hat eine bewegte Geschichte, bei der schon nur in den letzten 7000 Jahren verschiedene Kulturen und Religionen ihre Spuren hinterlassen haben. Das liegt einerseits daran, dass es Gegenden einschließt, die seit Jahrtausenden von verschiedenen Volksgruppen beständig besiedelt sind und die gleichzeitig immer wieder Schauplatz von Völkerwanderungen waren. Hinzu kommen Eroberungen durch wechselnde Großreiche sowie politische, wirtschaftliche und auch religiöse Auseinandersetzungen mit angrenzenden Mächten.

In vorchristlicher Zeit hatten sich in Kleinasien verschiedene, eigenständige Kulturen herausgebildet, die ab ungefähr 2000 v.Chr. im ersten Großreich Anatoliens unter den Hethitern zusammengefasst wurden. Die Hethiter brachten ihre Mythologie mit, die einen ausgeprägten Götterkult kannte.

Auf den Zerfall des hethitischen Reichs folgten unruhige Zeiten für Anatolien, mit der Aufspaltung in kleine Reiche, die häufig wechselnden Herrschaften und Eroberungen durch benachbarten Großreiche ausgesetzt war. Gegen Ende des 3. Jahrhunderts v.Chr. begann die Ausdehnung des Römischen Reiches über ganz Kleinasien. Nach der Reichsteilung im Jahr 395 gehörte das Gebiet zum Byzantinischen Reich (auch Oströmisches Reich).

Nachdem bereits zuvor erste christliche Gemeinden entstanden waren, erreichte das Christentum in Anatolien unter byzantinischer Herrschaft seinen Höhepunkt. Die Hauptstadt Konstantinopel (heute: Istanbul) war nicht nur das politische, sondern auch kulturelle und religiöse Zentrum des Großreiches.

Die byzantinische Herrschaft, und damit auch die Dominanz des Christentums, endete mit der zunehmenden Einnahme des Landes durch die Seldschuken ab dem 11. Jahrhundert. Die Seldschuken waren sunnitische Muslime und verbreiteten den Islam auf der anatolischen Halbinsel.

Heute ist der Islam die dominierende Religion in der Türkei.
Der Islam kam im 11. Jahrhundert mit den Seldschuken in die Türkei. | Quelle: Osman Köycü via Unsplash

In dem 1299 gegründeten Osmanischen Reich, wurde der Islam zur Staatsreligion ernannt. Mit der zunehmenden Ausdehnung des Reiches festigte sich auch die Stellung des Islam. Gleichzeitig wurden die anderen abrahamitischen Religionen, das Judentum und das Christentum, weitestgehend toleriert und konnten weiterhin ohne größere Einschränkungen praktiziert werden.

Mit der Gründung der Republik Türkei wurde der Laizismus in der Verfassung verankert. Nach türkischem Verständnis bedeutet dies aber nicht eine strikte Trennung von Staat und Religion, wie in Frankreich, sondern eine staatliche Kontrolle der Religion.

Die Scharia, das islamische Rechtssystem, wurde abgeschafft und im Zuge der „Kleiderreform“ wurden die Wallfahrten nach Mekka sowie Fes und Schleier in der Öffentlichkeit gesetzeswidrig. Verschieden Minderheiten wurde die Religionsfreiheit zugestanden, während die Sufi-Orden verboten wurde.

Verhältnis von Staat und Religion in der Republik Türkei

Bereits 1924 war von Mustafa Kemal Atatürk das Diyanet, eine staatliche Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten, eingeführt. Es ist unter anderem zuständig für die Verwaltung der Gebetsstätten und für die religiöse Aufklärung des Volkes. Auch die Freitagspredigten werden vom Diyanet herausgegeben und sind landesweit für alle Moscheen verbindlich. Das Diyanet vertritt den sunnitischen Islam, wodurch sich die religiösen Minderheiten durch das Amt nicht vertreten fühlen.

Unter dem Ministerpräsidenten Adnan Menderes wurden ab den 1950er Jahren einige von Atatürks Reformen rückgängig gemacht. Der Gebetsruf wurde wieder auf Arabisch ausgeführt, die Pilgerfahrten erlaubt und der Religionsunterricht in der Schule wieder eingeführt. Menderes sprach sich ausdrücklich für eine Rückkehr zum islamischen Staat aus.

Das Militär, das traditionell eine kemalistisch-laizistische Einstellung vertrat, putschte im Mai 1960 und übernahm die Macht. Die darauffolgenden Jahre waren gekennzeichnet von politischer Instabilität: schnell wechselnde Mehrheiten, Neuwahlen und Neugründungen oder Umstrukturierung von Parteien.

Die tanzenden Derwische gehören zum Mevlevi-Orden aus Istanbul.
Seit der Atatürk-Ära sind die Sema-Zeremonien der Sufi-Orden gesetzlich verboten. Sie werden nur noch als touristische Attraktion veranstaltet. | Quelle: svklimkin via Unsplash

Ab den 1970er Jahren gewann der konservativ-sunnitische Islam in Teilen der Bevölkerung zunehmend an Bedeutung und Einfluss. Diese Entwicklung spiegelte sich ab den 80er Jahren auch in der Politik wider. Der konservative Ministerpräsident Turgut Özal inszenierte seine Frömmigkeit medial, kurbelte den Moscheebau an und forderte die Hochschulen auf, den Zutritt mit Kopftuch zu gestatten.

Der Konflikt zwischen den laizistischen Grundsätzen des Staates und Tendenzen zur Islamisierung durch verschiedene hochrangige Politiker setzte sich auch in den folgenden Jahrzehnten, die von wechselnden Machtverhältnissen geprägt waren, fort. Insbesondere unter Necmettin Erbakan bildete sich ein politischer Islam heraus, der den Laizismus ablehnt.

Der derzeitige Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist ein Vertreter des politischen Islam und hat sich bereits in jungen Jahren gegen den Laizismus ausgesprochen. In seiner bisherigen Amtszeit hat er dazu beigetragen, dass hunderte von Koranschulen eröffnet wurden und der Islam wieder stärker im öffentlichen Leben sichtbar ist.

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Religionszugehörigkeit in der Türkei

In der Türkei ist die freie Religionswahl erlaubt. Jedoch ist obliegt es dem Staat, den Religionsgemeinschaften institutionelle Rechte zuzusprechen. So dürfen, beispielsweise, Kirchen ihr Personal nicht selber ausbilde. Nicht-sunnitisch-muslimische Glaubensrichtungen sind in der Türkei als Religionsgemeinschaften nicht anerkannt.

In der Geschichte der heutigen Türkei kam es immer wieder zu Verbrechen an religiösen Minderheiten. Dazu zu zählen sind unter anderem der Völkermord an den Armeniern, das Thrakien-Pogrom, das Pogrom von Istanbul sowie das Kahramanmaraş-Massaker.

Der Islam

Mehr als 98 Prozent der Bevölkerung der Türkei gelten offiziell als Muslime. Gut 70 Prozent davon sind den Sunniten zuzurechnen. Der sunnitische Islam wird von der Regierung unterstützt und vom Präsidium für Religionsangelegenheiten überwacht und organisiert. Es bezahlt die Moscheen, bildet Vorbeter, Prediger, Gebetsrufer und islamische Rechtsgelehrte aus und gibt den Inhalt der Predigten vor. Das Zuckerfest und das Opferfest sind gesetzliche türkische Feiertage.

Laut einer Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts Konda bezeichneten sich im Jahr 2019 jedoch nur 51 Prozent der Befragten selbst als Muslime. In den letzten Jahren bekennen sich zunehmend mehr Menschen zum Atheismus.

Im Islam gibt es verschiedene Glaubensrichtungen.
Nicht alle Menschen, die in den Statistiken als Muslime geführt werden, sind auch gläubig und praktizierend. | Quelle: Ali Burhan via Unsplash

Religiöse Minderheiten

Die größte unter den anerkannten Religiösen Minderheiten der Türkei ist das Christentum (ca. 0,2% der Gesamtbevölkerung). Über die Hälfte der in der Türkei lebenden Christen gehören der Armenischen Apostolischen Kirche und der Armenisch-Katholischen Kirche an. Mit jeweils etwa 2000 Gläubigen sind die griechisch-orthodoxe und die syrischen Konfessionen am zweithäufigsten vertreten.

Bereits in der Antike gab es auf dem heutigen Staatsgebiet der Türkei jüdische Gemeinden. Als bei der Spanischen Inquisition Ende des 15. Jahrhunderts bis zu 150.000 Juden von der iberischen Halbinsel vertrieben wurden, lud der amtierende Sultan sie ein, sich im Osmanischen Reich niederzulassen. Bis heute sind ungefähr 96% der türkischen Juden Sepharden (von der iberischen Halbinsel stammende Juden).

Ende des 19. Jahrhunderts lebte über eine Viertelmillion Juden in der Türkei. Diskriminierung und Verfolgungen während des Türkischen Befreiungskriegs führte zu einem drastischen Rückgang der jüdischen Bevölkerung. Die Zahl nahm seither stetig ab, was einerseits an einer Auswanderungswelle nach der Gründung des Staats Israel lag, andererseits aber auch an dem wachsenden Antisemitismus in der Republik Türkei. Heute wird die Zahl der in der Türkei lebenden Juden auf 17.000 geschätzt.

Schätzungsweise leben heute in der Türkei zwischen 10.000 und 20.000 Bah’i. Der Bahai-Glaube entstand im 19. Jahrhundert im Iran. Aufgrund staatlicher Verfolgung verließen viele Bah’i das Land und verteilten sich über große Teile der Welt. Heute ist das Zentrum des Bahaitum in Indien.

In Istanbul gibt es über 3000 Moscheen.
Auch die religiösen Minderheiten unterliegen der staatlichen Kontrolle | Quelle: Osman Koycu via Unsplash

Nichtanerkannte Religionen

Muslimische Glaubensrichtungen die nicht dem sunnitischen Islam zuzuordnen sind, sind in der Republik Türkei nicht anerkannt. Die größte Gemeinschaft unter den nicht-sunnitischen Muslimen bilden die Aleviten mit einem Bevölkerungsanteil von schätzungsweise 15-25 Prozent. Das Alevitentum hat sich aus dem schiitischen Islam entwickelt und wird heute von der Mehrheit der Gläubigen und Religionswissenschaftlern als eigenständige Konfession des Islams aufgefasst.

Die türkischen Aleviten wurden bereits im Osmanischen Reich teilweise blutig verfolgt und auch in der Republik Türkei kam es immer wieder zu Anschlägen durch islamische Fundamentalisten. Da sie offiziell zu den Muslimen gezählt werden, haben die Aleviten in der Türkei kein Anrecht auf ihre eigenen religiösen Institutionen und müssen in der Schule am sunnitisch geprägten Religionsunterricht teilnehmen. Die rechtliche Situation der Aleviten in der Türkei wurde vom europäischen Menschengerichtshof sowie verschiedenen Menschenrechtsorganisationen kritisiert.

Ebenfalls nicht anerkannt ist die Glaubensrichtung der Jesiden, von denen heute schätzungsweise nur noch 2000 in der Türkei leben. Die Jesiden werden teilweise als eigenständige Ethnie betrachtet oder aber auch zu den ethnischen Kurden gezählt. Das Jesidentum ist eine monotheistische Religion, die ihre Ursprünge wahrscheinlich in einer alt-iranischen Ur-Glaubenslehre hat. Die ursprünglichen Hauptsiedlungsgebiete der Jesiden liegen im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei. Aufgrund konsequenter und andauernder Verfolgung waren viele zur Flucht gezwungen. Die größte jesidische Diaspora findet sich heute in Deutschland.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.