Im Jahr 1960 waren rund 2.500 türkische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt. Sechzig Jahre später ist die Zahl der türkeistämmigen Menschen in Gesamtdeutschland auf ungefähr 3 Millionen angestiegen.

Der entscheidende Auslöser für diese Entwicklung war das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei, das 1961 geschlossen wurde. Bevor wir uns die Hintergründe des Abkommens und seine Folgen genauer ansehen, wollen wir einige allgemeine Fragen beleuchten, die sich stellen, wenn man heute über türkeistämmige Menschen in Deutschland spricht.

In einem ersten Schritt definieren wir einige häufig benutze Begriffe und erklären die Unterschiede. Ausgehend davon lassen sich verschiedene Gruppen von türkeistämmigen Personen, die heute in Deutschland leben, ausmachen. Nachdem wir diese näher beleuchtet haben, widmen wir uns schließlich der Geschichte der türkischen Arbeitsmigration.

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Und los geht's

Begriffsklärung: Türken in Deutschland, Deutschtürken, Türkischstämmige oder Türkeistämmige?

In den Medien und dem alltäglichen Sprachgebrauch fallen oft Bezeichnungen wie „Türken in Deutschland“, „Deutschtürken“ oder „Türkischstämmige“. Sie werden nicht immer klar voneinander abgegrenzt und scheinen alle dasselbe zu meinen. Genau genommen, ist das aber falsch und kann Verwirrung stiften. Seit einiger Zeit wird vermehrt auch der Begriff „Türkeistämmige“ verwendet, der eine größere Gruppe von Menschen miteinschließt und somit in den meisten Kontexten korrekter ist.

Schauen wir uns also einmal genauer an, wie die einzelnen Formulierungen definiert werden und in welchem Kontext man sie verwenden kann.

Türken in Deutschland

Diese Bezeichnung wird in offiziellen Statistiken verwendet, um in Deutschland lebende türkische Staatsbürger*innen zu bezeichnen. Ist der Kontext jedoch nicht eindeutig, ist es auch die Bezeichnung nicht. Mit „Türken“ können sowohl Menschen gemeint sein, die die türkische Staatsbürgerschaft besitzen, als auch die Angehörigen des türkischen Volkes.

Wenn wir die Geschichte der Türkei betrachten, wird schnell klar, dass es auf dem heutigen Staatsgebiet auch andere autochthone ethnische Volksgruppen gibt und gleichzeitig das Hauptsiedlungsgebiet der ethnischen Türken weit über Anatolien hinaus. Sprechen wir von „Türken“, muss also klar sein, ob wir über die Staatsangehörigkeit oder die Ethnie sprechen.

Die Bezeichnung "Türken in Deutschland" ist uneindeutig und desintegrativ.
Mittlerweile leben viele Türkeistämmige bereits in der dritten oder vierten Generation in Deutschland. | Quelle: Rod Long via Unsplash

Deutschtürken

Auch der umgangssprachliche Begriff „Deutschtürken“ entzieht sich einer eindeutigen Definition, da er uneinheitlich verwendet wird. Je nach Kontext und Intention des*der Sprecher*in kann damit gemeint sein:

  • deutsche Staatsangehörige, deren Eltern aus der Türkei zugewandert sind, unabhängig von der Ethnie
  • alle in Deutschland lebenden ethnischen Türk*innen, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit

Die Bezeichnung bezieht sich also nicht, wie man meinen könnte, auf eine Doppelstaatsangehörigkeit oder eine zweifache ethnische Zugehörigkeit (ein deutscher und ein türkischer Elternteil), sondern betont einen nicht näher definierten Migrationshintergrund sowie einen derzeitigen Lebensmittelpunkt in Deutschland.

Die Wortschöpfung „Deutschtürke“ steht nicht nur wegen ihrer Uneindeutigkeit in der Kritik. Er wird von vielen Sozialwissenschaftler*innen als desintegrativ oder diskriminierend bewertet, da er suggeriert, dass türkeistämmige deutsche Staatsbürger*innen keine „wirklichen Deutschen“ seien.

Türkischstämmige

„Türkischstämmige“ ist eine weitere umgangssprachlich weitverbreitete Bezeichnung, um Personen mit einer Zuwanderungsgeschichte aus dem Staatsgebiet der Türkei zu benennen. Auch hier werden häufig, fälschlicherweise, Menschen miteingeschlossen, die einer anderen ethnischen und oder sprachlichen Gruppe angehören.

Die Formulierung ist korrekt, wenn sie sich auf Angehörige der türkischen Volksgruppe, unabhängig von ihrer geografischen Herkunft bezieht. Im allgemeinen Sprachgebrauch in Deutschland meinen wir aber meist eben über eine bestehende oder ehemalige türkische Staatsangehörigkeit der Person selbst oder ihrer Eltern, beziehungsweise Großeltern. Warum das genau so ist, erfährst Du im letzten Kapitel dieses Artikels.

Die Bezeichnung "Deutsch-Türke" sagt nichts darüber aus, welche Staatsbürgerschaft jemand besitzt.
Seit 2000 erhalten Kinder, die in Deutschland geboren werden automatisch den deutschen Pass. | Quelle: Barbara Maier via Unsplash

Türkeistämmige

Um der Problematik aller vorher aufgeführten Begriffe zu entgehen, wird heute oft der Neologismus „Türkeistämmige“ verwendet. Damit ist klar, dass Personen mit einer Zuwanderungsgeschichte aus dem Staatsgebiet der Türkei gemeint sind, ohne ethnische und sprachliche Minderheiten auszuschließen.

Dabei sind auch Menschen eingeschlossen, die in Deutschland geboren wurden und aufgewachsen sind, deren Eltern aber aus der Türkei nach Deutschland eingewandert sind. Auch diese Bezeichnung sollte nur dann verwendet werden, wenn es inhaltlich um die Thematik des Migrationshintergrundes geht. Ansonsten spielt die Familiengeschichte, Staatsangehörigkeit oder ethnische Zugehörigkeit eines Menschen keine Rolle.

Hier erfährst Du alles über Sport in der Türkei und die türkische Musik.

Wer sind die türkeistämmigen Menschen in Deutschland?

Bei der Erklärung der häufig verwendeten Begrifflichkeiten, wurde bereits deutlich, dass in Deutschland viele Menschen leben, die entweder selbst aus der Türkei eingewandert sind oder aber Nachfahren zugezogener (ehemals) türkischer Staatsangehöriger sind. Aufgrund dessen lassen sie sich grob in folgende Gruppen einteilen:

  • Personen, die im Zuge der Arbeitsmigration ab 1961 nach Deutschland zugewandert sind
  • deren Kinder, die in der Türkei geboren und im Kindes- oder Jugendalter von den Eltern nachgeholt wurden
  • weitere Generationen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind

Ungefähr die Hälfte der heute in Deutschland lebenden Türkeistämmigen, von denen mindestens ein Elternteil oder sie selbst aus der Türkei eingewandert sind, sind deutsche Staatsbürger*innen. Seit Anfang 2000 erhalten in Deutschland geborene Kinder, deren Eltern zwar keine deutsche Staatsbürger*innen sind aber einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben, automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. In den Ausländer-Statistiken tauchen sie dementsprechend nicht mehr auf.

Die Türken, die in den 60er Jahren nach Deutschland kamen, waren Gastarbeiter.
Die deutsche und die türkische Regierung schlossen 1961 ein Anwerbeabkommen, das zum Ziel hatte Arbeitskräfte aus der Türkei nach Deutschland zu schicken. | Quelle: Ibrahim Boran via Unsplash

Als Ausländer*innen gelten in der Statistik Menschen, die in Deutschland leben aber nicht deutsche Staatsangehörige sind. Von Migrationshintergrund spricht man, wenn die Person selbst oder mindestens ein Elternteil aus einem anderen Land zugewandert ist. Die Staatsbürgerschaft spielt dabei keine Rolle.

Gut ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Knapp Hälfte davon (12,7 Prozent der Bevölkerung) sind Ausländer*innen. Die rund anderthalb Millionen türkischen Staatsbürger*innen machen ungefähr 14 Prozent der in Deutschland lebenden Ausländer*innen aus und sind damit die größte Gruppe an nicht-deutschen Staatsangehörigen.

Ein Großteil der Türkeistämmigen in der Bundesrepublik sind ethnische Türken. Die aus der Türkei eingereisten Kurden stellen mit 500.000 bis 800.000 Personen die zweitgrößte Gruppe dar. Insgesamt sind in Deutschland 25 bis 30 aus der Türkei stammende Ethnien und Sprachgruppen vertreten. Darunter Jesiden, Zaza, Lasen, Tscherkessen sowie die christlichen Minderheiten der Armenier und Aramäer.

Warum leben so viele türkeistämmige Menschen in Deutschland?

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es in der Bundesrepublik Deutschland zu einem überraschend schnellen und nachhaltigen Wirtschaftswachstum; dem sogenannten Wirtschaftswunder. Mit dem Aufschwung sank zu Beginn der 1950er Jahre die Arbeitslosigkeit drastisch, sodass in manchen Teilgebieten der deutschen Wirtschaft wie der Landwirtschaft und dem Bergbau ein Mangel an Arbeitskräften herrschte.

Um das weitere Wachstum nicht zu gefährden, wurden ab 1955 Arbeitskräfte im Ausland angeworben, erst aus Italien, später auch aus Spanien und Griechenland. Dafür wurde mit den jeweiligen Staaten ein Abkommen geschlossen, in denen das Aufenthalts- und Arbeitsrecht bilateral geregelt wurde.

Die Gastarbeiter wurden für den Bergbau, die Landwirtschaft und Fabrikarbeit angeworben.
Insbesondere im Bergbau wurden dringend Arbeitskräfte benötigt. | Quelle: Clemens van Lay via Unsplash

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Die Lage verschärfte sich dennoch weiter, als mit dem Mauerbau 1961 die Zuwanderung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und die Übersiedlung aus der DDR nahezu zum Erliegen kam. Bereits einige Jahre zuvor hatte der türkische Staat Verhandlungen mit der BRD aufgenommen, um Gastarbeiter entsenden zu können. Zu dieser Zeit herrschte in der Türkei eine hohe Arbeitslosigkeit, die durch das rasante Wachstum der Bevölkerung weiter zunahm.

Am 30. Oktober 1961 wurde schließlich ein Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet. Zunächst war darin festgelegt, dass die Gastarbeiter für zwei Jahre einreisen und danach nach dem Rotationsprinzip ausgetauscht werden sollten. Ein Familiennachzug war in dem Vertrag nicht vorgesehen.

In der Praxis war dies jedoch nicht umsetzbar. Der Bedarf an ausländischen Arbeitskräften war weiterhin hoch und die Arbeitgeber weigerten sich, gerade angelernte Arbeiter nach zwei Jahren schon wieder ziehen zu lassen. Infolgedessen wurde ein 1964 ein neues Abkommen ausgehandelt, in dem das Rotationsprinzip abgeschafft und das Verbot des Familiennachzugs aufgehoben wurde.

Im Zuge der Ölkrise verfügte das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 1973 einen Anwerbestopp. Nach dem in den Jahren die Arbeitsmigration stetig zugenommen hatte, wurde sie mit dieser neuen Regelung unterbunden. Die rund 600.000 türkischen Gastarbeiter wurden vor die Wahl gestellt, dauerhaft in die Türkei zurück zu kehren oder in der BRD zu bleiben.

Die Mehrheit entschied sich für einen langfristigen Aufenthalt in Deutschland. Aus diesem Grund nahm ab diesem Zeitpunkt die Zuwanderung aus der Türkei durch Familiennachzug stark zu. Die Familien bauten sich in der Bundesrepublik ein neues Leben auf. Die in Deutschland geborenen Kinder aus Gastarbeiterfamilien gehören bereits zu der zweiten Generation türkeistämmiger Personen in Deutschland.

Zu Beginn der 1980er kamen hauptsächlich Asylsuchende aus der Türkei nach Deutschland. In den Jahren zuvor hatte sich die politische, soziale und wirtschaftliche Situation zunehmend verschärft, was am 12. September 1980 in einem Militärputsch mündete. Die neue Militärregierung verhängte Kriegsrecht, verbot alle politischen Parteien und ging rigoros gegen kurdischen Separatisten und linke Oppositionelle vor.

In der Folge verließen 30.000 Menschen als Flüchtlinge die Türkei. Bis ins Jahr 2005 waren es sogar 664.000 türkische Staatsangehörige, die in verschiedenen europäischen Ländern um Asyl baten. Nachdem die Zahl der jährlich gestellten Asylanträge ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre stetig gesunken war, stieg sie 2016 nach dem gescheiterten Putschversuch schlagartig wieder an.

Die Menschen, die in den letzten Jahren als Asylsuchende aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, besitzen mehrheitlich einen Hochschulabschluss. Viele unter ihnen sind Oppositionelle, Richter, hochrangige Militärangehörige, Intellektuelle, Akademiker, Journalisten oder Künstler.

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Chantal

Die Entdeckungsreise des Lebens führte mich von Bern über Berlin in die Bretagne. Theater und Musik sind mein Zuhause, Neugier und Leidenschaft mein Antrieb.