Das Erlernen deutscher Zeitformen ist für alle, die Deutsch lernen, am Anfang nicht einfach, aber es führt kein Weg daran vorbei.

Wir machen es Dir so leicht wie möglich!

In der deutschen Sprache haben wir insgesamt sechs verschiedene Zeitformen:

  • Das Präsens drückt eine in der Gegenwart stattfindende Handlung aus.
  • Das Perfekt bezeichnet eine in der Vergangenheit abgeschlossene Handlung.
  • Das Präteritum drückt eine Handlung oder einen Zustand in der Vergangenheit aus.
  • Das Plusquamperfekt beschreibt eine Handlung, die bereits vor einem früheren Zeitpunkt stattgefunden hat.
  • Das Futur I drückt eine Vermutung über die Zukunft oder eine Absicht aus.
  • Das Futur II beschreibt eine Handlung in der Zukunft, die bis zu einem noch späteren Zeitpunkt abgeschlossen sein wird.

Wann genau Du welche Zeitform verwendest, erklären wir Dir in diesem Artikel.

Hier sind sie also: Die sechs deutschen Zeitformen!

Wann verwendet man welche Zeitform?
Die Zeit rinnt dahin - aber wie drückt man sie aus? | Quelle: Unsplash

Das Präsens - gleich mehrere Einsatzmöglichkeiten!

Die einfache Gegenwartsform auf Deutsch besteht aus einer sehr einfachen Modifikation des Verbstamms und bezieht sich auf Aktionen, die im Moment der Rede stattfinden. Diese deutsche Zeitform erledigt übrigens die Arbeit zweier englischer Zeitformen! Auf Englisch sind „I am playing the guitar“ und „I play the guitar“ zwei verschiedene Zeitformen und haben verschiedene Bedeutungen.
Auf Deutsch bedeutet das Äquivalent - "Ich spiele Gitarre" - beides! Wenn Du dem Satz ein Zeitwort hinzufügst, macht der Kontext deutlich, was gemeint ist: "Ich spiele gerade Gitarre".
"Ich spiele jeden Montag Gitarre". Beachte, wie diese Verben genau gleich konjugiert sind, aber unterschiedliche Bedeutungen haben.

Wann ist der Präsens nicht die Gegenwart?

Es gibt zwei weitere Verwendungen der deutschen Gegenwart, die Du verstehen must.

Das Präsens wird zum Beispiel ebenfalls für die Zukunft benutzt! Dies geschieht, wenn Du einen Zeitausdruck wie einen Wochentag hinzufügen, jedoch ohne das Wort "jeden". Also:

  • "Ich treffe ihn Dienstag".

oder

  • "Ich treffe ihn nächsten Dienstag".

Alternativ kannst Du auch andere Wörter benutzen, die auf die Zukunft verweisen wie:

  • "Ich spiele morgen Tennis".
  • "Ich fahre nächsten Montag in die Ferien."

Wozu braucht man dann überhaupt noch eine Zukunftsform, fragst Du Dich? Keine Sorge! Das verraten wir Dir später.

Du kannst die deutsche Gegenwart auch mit dem Wort "seit" verwenden, um über etwas zu sprechen, das in der Vergangenheit begonnen hat und noch andauert. Also:

  • "Ich hasse Schokolade seit ich fünf bin".
  • "Ich bin Vegetarier seit 3 Jahren."

Die deutsche Gegenwart umfasst also mehrere Zeitformen. Wie praktisch! Bevor Du Dich jetzt allerdings entspannt zurücklehnst, lass uns gemeinsam in die Vergangenheit eintauchen.

Das Imperfekt, die einfache Vergangenheit

Das Imperfekt ist im Deutschen die einfache Vergangenheitsform. Man gebraucht sie, um über Ereignisse zu sprechen, die in der Vergangenheit begonnen und geendet haben. Das konjugierte Verb endet normalerweise auf "-t" oder "-te". Beispielsweise:

  • Er malt - er malte
  • Sie kocht - sie kochte

Unregelmässige Verben ändern ihre Vokale in der Vergangenheitsform:

  • Er rennt - er rannte
  • Sie schwimmt - sie schwamm
Was drückt man mit dem Präteritum aus?
Das Präteritum wird häufig nur in geschriebenem Deutsch verwenden. | Quelle Unsplash

Die deutsche einfache Vergangenheit wird meist nur für geschriebenes Deutsch verwendet. Sie ist im gesprochenen Deutsch selbst in formellen Situationen in Ungnade gefallen. Es würde sehr seltsam klingen, die ganze Zeit mit der einfachen Vergangenheit zu sprechen. Es gibt einige Ausnahmen, einschließlich einiger sehr gebräuchlicher Verben, die in der einfachen Vergangenheit im gesprochenen Deutsch verwendet werden. Zum Beispiel werden in der einfachen Vergangenheit häufig die Wörter "denken", "haben", "sein" und "wollen" verwendet.

  • "Das wollte ich nicht!"
  • "Ich dachte, er kommt morgen erst".
  • "Ich hatte Kopfschmerzen".
  • "Ich war beim Bäcker".

Das Perfekt, die häufigste Vergangenheitsform

Wenden wir uns nun der Vergangenheitsform zu, die im gesprochenen Deutsch am häufigsten verwendet wird: Dem Perfekt, der zusammengesetzten Vergangenheitsform. Es wird erstellt, indem in der Gegenwart "haben" als Hilfsverb konjugiert und dann das Partizip Perfekt des tatsächlichen Verbs hinzugefügt wird.

  • "Die Freunde haben zusammen gelacht".

Das Hilfsverb kann auch "sein" sein, insbesondere für Verben, die Bewegung ausdrücken. Beispielsweise:

  • "Ich bin gerannt".
  • "Du bist gelaufen".
  • "Sie ist gesprungen".
  • "Wir sind geschwommen".
  • "Sie sind gestolpert".
  • "Ihr seid gefallen".

Wie Du siehst, wird "haben" oder "sein" konjugiert und dann das Partizip am Ende des Satzes angehängt.

Wenn es um die Vergangenheit geht, ist es bereits die halbe Miete, die richtigen Endungen der Vergangenheit zu kennen. Immer wenn Du am Ende eines Satzes ein Wort mit "ge - en" oder "ge - t" siehst, weisst Du bereits, dass es sich um die Vergangenheit handelt. Die Endungen der Vergangenheit sind jedoch manchmal unregelmäßig:

  • Präsens: "Ich schreibe." - Perfekt: "Ich habe geschrieben."
  • Präsens: "Du riechst." - Perfekt: "Du hast gerochen."
  • Präsens: "Er schiesst." - Perfekt: "Er hat geschossen."
wann nutzt man das Perfekt?
Das Perfekt wird in Gesprächen viel verwendet. | Quelle Unsplash

Das Plusquamperfekt, die Vergangenheit in der Vergangenheit

Das Plusquamperfekt wird nie allein verwendet, sondern immer nur in Verbindung mit dem Präteritum oder Perfekt. Und zwar immer dann, wenn etwas in der Vergangenheit erzählt wird und im gleichen Satz ein Nebensatz noch weiter in die Vergangenheit zurückreicht als das, was im Hauptsatz erzählt wird, der schon in einer Vergangenheitsform steht. Das klingt komplizierter als es ist, deshalb hier zwei Beispiele:

  • "Ich hatte gegessen, als sie anrief."
  • "Sie hatten einen Spaziergang gemacht, als sie ihn trafen."

Die erste Aktion hat vor der zweiten Aktion stattgefunden. Dafür konjugierst Du "haben" in der Vergangenheitsform und fügst das Partizip Perfekt hinzu.

Das Futur 1, für Hoffnungen und Prognosen

Das Futur 1 drückt die Zukunft aus und wird ähnlich gebildet wie das Perfekt und das Plusquamperfekt. Das Hilfsverb "werden" wird im Präsens konjugiert und das eigentliche Verb, um das es geht, steht im Infinitiv am Satzende. Beispiel:

  • Präsens: "Ich habe Hunger". - Futur 1: "Ich werde Hunger haben".

Das Hilfsverb “werden” ist ein unregelmäßiges Verb, das seinen Stammvokal ändert, wenn es konjugiert wird:

SingularPlural
Ich werdewir werden
Du wirstsie werden
Er/sie/es wirdihr werdet

Das Futur 1 wird im Deutschen selten benutzt, um über die Zukunft zu sprechen. Im Alltag wird in der Regel einfach das Präsens verwendet.

Beispiel: "Ich gehe morgen Eis essen". Niemand sagt je: "Ich werde morgen Eis essen gehen".

Wenn das Futur 1 für die Zukunft zum Einsatz kommt, dann bei Prognosen, Vermutungen oder Hoffnungen:

  • "In 50 Jahren wird die Welt eine andere sein".
  • "In Deutschland wird es bald keine Atomkraft mehr geben".
  • "Ich denke, er wird kommen".
  • "Es wird schon gut gehen".
Wozu braucht man Futur 1?
Was wird die Zukunft bringen? Für Deine Hoffnungen und Prognosen brauchst Du Futur 1. | Quelle: Unsplash

Das Futur 2, die vollendete Zukunft

Die Bildung des Futur 2 ist nicht ganz einfach, da zwei grammatischen Zeiten miteinander kombiniert werden. Es wird auch als “vollendete Zukunft” bezeichnet. Das Futur 2 ist nichts anderes als Perfekt + Futur 1. Aber schauen wir uns die Bildung des Futur 2 Schritt für Schritt an!

Beispiel:

  • Präsens: “Ich koche das Abendessen."

In einem ersten Schritt formen wir unseren Beispielsatz in das Perfekt um:

  • "Ich habe das Abendessen gekocht".

Jetzt müssen wir nur noch von diesem Perfekt-Satz das Futur 1 bilden. Wie machen wir das?

Das grammatisch umzuformende Verb steht immer auf Position 2. Wenn der Satz schon im Perfekt steht, kommt auf Position 2 ein Hilfsverb, in dem Fall das Hilfsverb “haben”. Und das musst Du dann ins Futur 1 umformen. Das konjugierte Verb auf Position 2 nimmt die Form des Infinitivs an und wandert ans Satzende. Und auf die nun freie Position 2 kommt die konjugierte Form des Hilfsverbs “werden”:

  • Futur 2: "Ich werde das Abendessen gekocht haben".

Vergiss nicht, dass manche Verben das Perfekt nicht mit dem Hilfsverb “haben”, sondern mit dem Hilfsverb “sein” bilden. Für das Verb “laufen” wird zum Beispiel im Perfekt das Hilfsverb “sein” benutzt. Beispiel:

  • “Im Alter von 40 Jahren werde ich 90 000 Kilometer gelaufen sein!”

Wie Du siehst, steht am Ende nicht der Infinitiv von “haben”, sondern der Infinitiv von “sein”, weil das Verb “laufen” im Perfekt mit dem Hilfsverb “sein” gebildet wird.

Futur II wird in  ähnlichen Situationen gebraucht wie Futur I, also in Zukunftsvisionen oder Prognosen wie in dem Beispielssatz weiter oben. Weitere Beispiele sind:

  • "In zwei Jahren werde ich die Schule beendet haben."
  • "Wenn ich in Rente gehe, werde ich gut versorgt sein."

Oft braucht man das Futur 2 in Verbindung mit einer Negation, also “nicht", "nichts", "kein" usw und zwar besonders, wenn wir eine Hoffnung oder Vermutung  ausdrücken:

  • "Es wird schon nichts passiert sein!"
  • "Sie wird sich doch nicht verlaufen haben!"
  • "Er wird sicher nichts verbrochen haben!"

Also immer, wenn wir Sorge haben, dass etwas passiert sein könnte, brauchen wir das Futur II, um unsere Sorgen oder Vermutungen zum Ausdruck zu bringen.

So, Du hast es geschafft! Jetzt kannst Du auf die Vergangenheit und in die Zukunft blicken und so viele Prognosen, Vermutungen und Hoffnungen ausdrücken, wie Du willst!

Alle Zeitformen als Übersicht

PräsensDas Präsens ist die Gegenwart und wird gebraucht, um Handlungen zu beschreiben, die jetzt gerade stattfinden. Es kann auch verwendet werden, um zukünftige Handlungen oder Ereignisse auszudrücken.Beispiel:
"Ich fahre Fahrrad".
"Morgen gehe ich schwimmen".
PerfektDas Perfekt wird genutzt, um etwas, das in der Vergangenheit stattgefunden hat, zu beschreiben. Im Alltag ist es die üblichste Zeitform der Vergangenheit.Beispiel: "Ich habe geschlafen." "Er hat gelesen."
PräteriumDas Präteritum beschreibt abgeschlossene Handlungen oder Zustände, die in der Vergangenheit stattgefunden haben. Es wird schriftlich verwendet, jedoch selten in der Alltagssprache.Beispiel: "Sie ging nach Hause". "Er spielte Klavier".
PlusquamperfektDiese Zeitform wird verwendet, um Handlungen oder Ereignisse darzustellen, die einer anderen Sache in der Vergangenheit vorausgegangen sind.Beispiel: "Ich war ins Theater gegangen als sie nach Hause kam".
Futur 1Das Futur 1 wird gebraucht, um eine Intention oder eine Annahme für die Zukunft auszudrücken.Beispiel: "Ich werde es nicht schaffen". "Er wird morgen Zeit haben".
Futur 2Das Futur II wird meist dann verwendet, wenn eine Vermutung geäußert wird zu etwas, das zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft abgeschlossen sein wird. Manchmal wird es auch genutzt, um eine Annahme über eine Handlung, die in der Vergangenheit liegt, auszudrücken.Beispiel: "Morgen wird sie es geschafft haben". "Das wird fürchterliche Konsequenzen haben".
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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.