Für alle, die Deutsch lernen, sind die Artikel eine echte Herausforderung. Deutsche Substantive haben   drei verschiedene Geschlechter: männlich, weiblich und neutral. Französisch hat nur zwei (le / la), Portugiesisch ebenfalls (o oder a) und Englisch sogar nur einen. Auch bietet das Ende des Wortes im Deutschen keine einfachen Hinweise. Auf Italienisch oder Spanisch enden männliche Wörter überwiegend auf -o und weibliche auf -a f.

Eine falscher Artikel hat Konsequenzen für den unbestimmten Artikel (ein, eine, eines, einen, einem oder einer) oder den bestimmten Artikel (der, die, das, des, den, dem). Darüber hinaus haben deutsche Pronomen (er, seine, wessen, diese usw.) oder Determinatoren (wie "viele", "einige", "alle", "jede") alle Endungen, die auf das Geschlecht abgestimmt sind. Und natürlich sind auch die Adjektive auf das Geschlecht abgestimmt. Aber nur keine Panik!

Deutsch Artikel lernen mit diesen Tricks
Deutsch ist kein Hexenwerk, aber es gibt dennoch ein paar Tricks. | Quelle: Pixabay

Erstens bist Du mit Deinen Schwierigkeiten nicht allein. Und zweitens ist Deutsch bei weitem nicht so beängstigend, wie es aussieht! Wenn Du ein paar Tricks kennst, fällt das Lernen wesentlich leichter.

Kann ich die deutschen Artikel nicht einfach ignorieren?

Die Artikel einfach zu ignorieren, ist natürlich eine sehr verlockende Alternative. Jedenfalls solltest Du keine Angst vor Artikeln entwickeln, die Dich daran hindern könnte, zu sprechen. Schließlich ist Deutsch nicht Deine Muttersprache und niemand erwartet Perfektion. Außerdem wirst Du in der Praxis selten missverstanden, wenn Du den falschen Artikel benutzt. Also, ja, sprich einfach und mache Dir dabei keine Gedanken über den Artikel!

Aber wenn Du vom Anfänger zum Fortgeschrittenen gelangen möchtest, ist das Ignorieren der Artikel keine so gute Idee. Du musst irgendwann in der Lage sein, komplexere Ideen in längeren Sätzen auszudrücken. Und dafür solltest Du die Deklinationen irgendwann beherrschen. Mit Schummeln kommst Du da nicht weiter. Wie dann?

Strategien für das Lernen der Artikel im Deutschen

Wie wir bereits erwähnt haben, haben einige Sprachen wie Spanisch und Italienisch freundlicherweise Wörter, deren Endungen einen Hinweis auf das Geschlecht des Wortes geben. Deutsch jedoch nicht. Was tun? Einfach raten? Der deutsche Duden gibt an, dass 46% der deutschen Nomen weiblich, 34% männlich und 20% neutral sind. Diese Zahlen spiegeln jedoch nicht unbedingt die Häufigkeit von Wörtern wider, was die Sache zusätzlich erschwert. Alles, was man sagen kann, ist, wenn Du mal raten musst, lieber nicht neutral zu raten. Besser wäre allerdings, Du wendest eine andere Technik an!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Du alle ausprobieren kannst, um herauszufinden, welche am besten für Dich funktioniert.

Einen Farbcode verwenden

Die Methode erfreut sich großer Beliebtheit unter allen, die Deutsch lernen. Man erstelle Karteikarten mit männlichen Substantiven in Blau, Weiblichen in Rot (ich weiss, das ist etwas klassisch, es kann natürlich jede beliebige Farbe sein!) und den neutralen Substantiven in, zum Beispiel, Grün. Das hört sich hilfreich an, aber hilft es auch langfristig? Ich bin nicht sicher, ob eine Farbe ausreicht, damit der Artikel dauerhaft im Gedächtnis bleibt.

Bring Farbe in die Wörter! Manchen hilft es. | Quelle: Pixabay

Mentale Bilder 

Eine ausgefeiltere Version der Farbcodes besteht darin, drei einprägsame Bilder auszuwählen - ein neutrales, ein männliches und ein weibliches -, die jedem Wort des entsprechenden Geschlechts zugeordnet werden.

Zum Beispiel:

"Die Waage": Stelle Dir vor, das jedes weibliche Wort, das Du lernst, gewogen wird. Wiege das Wort, je nach Größe und Gewicht, entweder in der Hand, wie die Flöte, die Tasse, die Birne oder, wenn das Wort schwer ist, wie die Ziege, stelle Dir vor, Du stellst sie auf eine sehr grosse Waage.

"Der Hammer" ist männlich. Stelle Dir also vor, dass jedes männliche Wort mit einem Hammer zerschlagen wird. Siehst Du, wie dieser Hammer den Tisch, den Stuhl, den Apfel zerschlägt, dass die Teile in alle Richtungen fliegen?

"Das Wasser" ist neutral. Stelle Dir vor, Objekte wie ein Bett, ein Glas oder ein Buch werden in Stromschnellen weggetragen. Hörst Du das Rauschen? Oder nimm das Feuer und Du kannst Dir Objekte vorstellen, die verbrennen und langsam von Flammen verzehrt werden. Hörst Du das Knistern, riechst Du den Rauch?

Solche Methoden können sehr hilfreich sein, aber die Informationen werden vor allem im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert.

Die richtigen Artikel im Kontext lernen

Bei weitem die effektivste Methode ist, sich einfach auf den Kontext zu verlassen. Nutze Sprachbrocken, die Du bereits kennst und ermittele von dort aus den richtigen Artikel.

Nimm als Beispiel das Wort „Arm“. Wenn Du nicht weisst, ob es "der Arm", "das Arm" oder "die Arm" ist, hast Du vielleicht schon einmal die Redewendung "jemandem auf den Arm nehmen" gehört. Der Arm hat also einen männlichen Artikel. Voraussetzung ist natürlich, dass Du weisst, dass „den Arm“ der männliche singuläre Akkusativ ist. Dafür musst Du die Deklinationstabellen schon recht gut beherrschen.

Artikel Deutsch: Regeln, die du kennen musst
"Guten Tag!" Der Tag ist also männlich! | Quelle: Pixabay

Ein einfaches Beispiel für häufig vorkommende Redewendungen, mit denen Du vielleicht schon früh vertraut bist, ist „Guten Tag“ - das heisst "Ich wünsche Ihnen einen guten Tag". Folglich ist es "der Tag".

Je mehr Deutsch Du lernst, desto mehr „Krücken des Kontexts“ stehen Dir zur Verfügung!

Substantive, die zusammenhängen

Ein weiterer Ansatz, der wirklich hilft, besteht darin, sich bewusst zu werden, dass Gruppen von Substantiven das gleiche Geschlecht haben. Die Gruppen basieren entweder auf der Form - der Endung - oder auf ihrer Bedeutung. Dies ist eine äußerst nützliche Krücke. Es ist nicht kinderleicht, weil es immer eine kleine Gruppe von Außenseitern gibt. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Du kannst die Substantive nach Bedeutung gruppieren: Es gibt keine automatische Korrelation zwischen grammatikalischem Geschlecht und biologischem Geschlecht auf Deutsch, obwohl Artikel für Menschen und Tiere im Allgemeinen den Formen folgen, die man erwarten würde: "die Frau", "die Tochter", "die Kuh", "der Mann", "der Stier".

Junge Menschen und Tiere sind oft neutral: "das Baby", "das Kind", "das Kalb". "Mädchen" - ein Mädchen! - ist auch neutral. Es ist schon merkwürdig, seine Tochter als "es" zu bezeichnen, aber so ist es.

Darüber hinaus gibt es „Bedeutungsgruppen“. Weiblich sind die meisten Bäume und Blumen: "die Birke", "die Rose", "die Eiche" usw. Außerdem die meisten Flüsse in Deutschland: "die Spree", "die Donau" (aber "der Rhein" - schliesslich heisst es auch "Vater Rhein" - und "der Neckar"). Die meisten Flüsse, die nicht in Deutschland liegen, sind männlich: "der Jordan", "der Nil", "der Mississippi", aber auch hier gibt es Ausnahmen: "die Themse", "die Seine".

Flugzeuge, Schiffe und Motorräder sind in aller Regel weiblich: "die Boeing", "die Titanic", "die BMW".

Substantive von Anzahl und Größe sind zumeist weiblich: "die Eins", "die Zwei", "die Million", "die Länge", "die Breite".

Männlich sind Tage, Monate und Jahreszeiten: "der Donnerstag", "der Januar", "der Sommer". Kompasspunkte und Wetter: "Der Norden", "der Wind", "der Frost" (aber "die Brise", "das Eis" und "das Wetter" selbst). Steine ​​und Mineralien: "der Diamant", "Der Sand" (aber "die Kreide"!). Viele Getränke, vor allem Alkohol ("der Tee", "der Kaffee", "der Wein", "der Wodka", "der Sekt" - aber "das Bier") und Automarken: "der BMW", "der Audi"...

Bestimmter oder unbestimmter Artikel Deutsch?
Bringe Ordnung ins Chaos der deutschen Artikel! | Quelle: Pixabay

Neutral hingegen sind die meisten Städte, Länder und Kontinente: "das alte Berlin", "das moderne Europa", "das heutige Afrika" (aber "die Schweiz", "die Bretagne", "die Riviera", "der Iran", "der Libanon").

Hotels, Cafés, Restaurants und Kinos sind ebenfalls häufig neutral: "das Hilton", "das Ritz", "das Capitol"... Maßeinheiten: "das Kilo", "das Gramm"..., außerdem Teilchen "das Atom", "das Elektron", "das Neutron" sowie Metalle: "das Gold", "das Eisen", "das Kupfer" (aber "das Uran", "das Messing").

Farben sind neutral: "das Rote", "das Blau" und Sprachen: "das Englisch", "das Spanisch". Buchstaben des Alphabets sind ebenfalls neutral: "das A", "das B"….).

Deutsch Adjektive gruppiert nach Endung

Typische weibliche Endungen sind "-a" (die Firma), "-enz", "-anz" (die Intelligenz, die Arroganz), "-e" (die Lampe), "-ei" (die Bäckerei), "-ette" (die Zigarette), "-eit" (die Freiheit) oder "-keit" (die Fröhlichkeit), "-ie" (die Chemie), "-ik" (die Musik), "-in" (die Freundin), "-ion" (die Generation), "-schaft" (die Freundschaft), "-sis" (die Basis), "-tät" (die Fakultät), "-ung" (die Schulung) und "-ur" (die Kultur). Natürlich gibt es einige Ausnahmen wie "der Name",  "der Käse", "das Auge" oder "das Ende".

Typische männliche Endungen sind "-ant" oder  "-ent" (der Student), "-ast" (der Ast, der Palast), "-er", "-ich" (der Teppich, der Meerrettich), "-ig" (der Käfig, der Honig), "ling" (der Lehrling, der Flüchtling), "-ist" (der Pianist),  "-or" (der Traktor, der Motor) und "-us" (der Sozialismus, der Feminismus).

Typische neutrale Endungen sind "-chen" (das Mädchen), "-en" (Infinitive, die als Substantive wie "das Gehen", "das Kaffeetrinken" verwendet werden), "-ett" (das Tablett), "-icht" (das Licht), "-il" (das Wohnmobil aber der Stil), "-ma" (das Thema),  "-it" (das Dynamit), "-lein" (das Fräulein), "-ment" (das Appartement, das Medikament, das Testament aber der Zement), "-o" (das Büro, das Konto), "-tel" (das Drittel), "-tum" (das Wachstum) und "-um" (das Studium).

Die obigen Gruppen nach Endung sind ein zuverlässigerer Leitfaden als die Bedeutungsgruppen, die wir zuerst betrachtet haben.

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der, die oder das Kaffee? Keine Sorge! Du wirst auf jeden Fall verstanden! | Quelle: Piabay

Das Geschlecht einiger Wörter variiert je nach Bedeutung: "Der Band" (zum Beispiel eines Buches) und "das Band", "die See" (meint eigentlich das Meer) oder "der See" (wie der Bodensee), "der Kiefer" (im Mund) und "die Kiefer" (der Baum), "der Leiter" (Direktor) und "die Leiter", "die Steuer" (Steuergelder) und "das Steuer" (Steuer eines Autos oder Schiffes). Man nennt diese Wörter "Teekesselchen"!

Wenn man anfängt, eine neue Sprache zu lernen, steht man manchmal wie vor einem grossen Berg. Lass Dich nicht von den Schwierigkeiten, sich an den Artikel eines Substantives zu erinnern, daran hindern, das Lernen einer neuen Sprache zu genießen! Denke daran, dass Muttersprachler Dich normalerweise verstehen, auch wenn Du Fehler machst! Also trau Dich!

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.