„Der Weg zur Hölle ist mit Adverbien gepflastert.“ —  Stephen King

Was sind Adverbien?

Adverbien sind Wörter, die Verben, Adjektive oder andere Adverbien modifizieren. Sie werden eingesetzt, um einen Ort, eine Zeit, eine Art und Weise oder eine Ursache anzugeben. Adverbien sind folglich in diese vier Hauptgruppen unterteilt:

  • Adverbien des Ortes
  • Adverbien der Zeit
  • Adverbien der Art und Weise
  • Adverbien des Grundes

Ein Adverb kann die Bedeutung eines ganzen Satzes ändern. Das macht sie so wichtig. Und aus genau diesem Grund wollen wir sie in diesem Artikel aus der Nähe betrachten. 

Adverbien - Freund oder Feind?

In der Welt der Literatur haben Adverbien den schlechten Ruf, unnötige Unordnung zu verursachen.

Wann sind Adverbien überflüssig?
Ein einfaches "Ich liebe Dich" reicht völlig aus. | Quelle: Unsplash

Das Wort "laufen" ist ein Verb und das Wort "schnell" ist ein Adverb. Setze sie zusammen und Du erhältst "schnell laufen". Eleganter wäre es allerdings, Du würdest statt "schnell laufen" lieber "sprinten" sagen. Es gibt viele solche Adverb-Verb-Kombinationen, die besser mit einem einzigen, aussagekräftigeren Verb ausgedrückt werden. 

Halte Dich von Adverbien fern, die überflüssig sind. Sage nicht: "Er schreit laut". Per Definition wird laut geschrien. Das Gleiche gilt für das Adverb "sehr". Nehmen wir als Beispiel den Satz: "Ich liebe Dich." Reicht doch oder? Gibt es hier jemanden, der lieber "Ich liebe Dich sehr" hören würde? Genau!

Sei nicht faul. Die Wahl des richtigen Wortes ist niemals Zeitverschwendung.

Manchmal sind Adverbien jedoch einfach notwendig, manchmal beleben sie einen Satz oder verstärken eine Beschreibung. Details sind wichtig. Das Timing ist wichtig. Und Bilder sind Dinge, die uns lange in Erinnerung bleiben.

Nachdem Du die Grundlagen der deutschen Sprache erlernt hast, solltest Du also Farbe in Deine Sprachkenntnisse bringen, indem Du Deinen Sätzen Adverbien hinzufügst!

Was ist bei deutschen Adverbien zu beachten?

Adverbien beschreiben also die genauen Umstände eines Geschehens. Deshalb nennt man sie auch „Umstandswörter“. Eine wichtige Sache, die Du bei der Verwendung von Adverbien beachten solltest, ist, dass sie auf Deutsch einem Muster von Zeit, Art, Ort und Grund (Wann? Wie? Wo? Warum?) folgen.

Auch muss eine bestimmte Reihenfolge berücksichtigt werden, wenn Du mehr als ein Adverb in einem Satz verwenden möchtest. Zum Beispiel sollten alle zeitbezogenen Adverbien in Deinem Satz vor den Adverbien platziert sein, die die Art und Weise beschreiben. Die Deutschen tun dies natürlich ohne nachzudenken. Das Befolgen der richtigen Wortreihenfolge (und anderer Grammatikregeln) in einer Fremdsprache macht den Unterschied aus zwischen einem Anfänger und jemandem, der Deutsch so spricht wie seine Muttersprache.

Verben werden im Deutschen (normalerweise) an zweiter Stelle platziert, wobei die Probanden meistens an erster Stelle stehen. Adverbien sollten relativ nahe an den Verben platziert werden. Achte beim Lesen der Beispielsätze in den folgenden Kapiteln darauf!

Das Beste an deutschen Adverbien ist übrigens, dass sie im Gegensatz zu Verben niemals konjugiert werden. (Hören wir gerade einen Seufzer der Erleichterung?)

Deutsche Adverbien von Zeit, Art, Ort und Grund

Wie wir bereits besprochen haben, fallen alle Adverbien auf Deutsch in eine von vier Kategorien:

ZeitWann hat etwas stattgefunden? Wie oft (Häufigkeit) ist etwas aufgetreten?
ArtAuf welche Weise hat etwas stattgefunden? Welche Emotionen wurden erzeugt?
OrtWo hat etwas stattgefunden?
GrundWarum hat etwas stattgefunden?
Wie beschreiben Adverbien Zeit und Umstände?
Eigentlich gehe ich montags immer ins Kino. | Quelle: Unsplash

Schauen wir uns einige Beispiele in jeder Kategorie genauer an. Achte beim Lesen der Beispiele auf die Wortreihenfolge. Du kannst Dir auch überlegen, was die Sätze verlieren würden, wenn Du das Adverb entfernen würdest. Schauen wir uns zum Beispiel den folgenden Satz an:

"Heute muss ich arbeiten, aber vielleicht können wir morgen ins Kino gehen.”

Was wäre, wenn wir die hervorgehobenen Wörter streichen würden? Der Satz würde die Bedeutung von Zeit und Möglichkeit verlieren. Wir würden nicht wissen, wann die Person einkaufen geht oder wann sie eventuell verfügbar ist, um ins Kino zu gehen. Die Möglichkeit, ins Kino zu gehen, würde nicht zum Ausdruck gebracht, wenn wir "vielleicht" streichen würden. Wie Du siehst, können Adverbien die alltägliche Sprache ganz entscheidend verändern. Überlege, wie wichtig diese Details sind, wenn Du etwas ausdrücken möchtest. 

Adverbien der Zeit

Adverbien der Zeit werden eingesetzt, um anzugeben, wann eine Aktion ausgeführt wird. Achte auch hier auf die Wortreihenfolge. Wie Du den fettgedruckten Wörtern entnehmen kannst, stehen diese Adverbien meistens am Anfang des Satzes.

  • immer
  • oft
  • manchmal
  • nie / nimmer
  • gestern
  • heute
  • morgen
  • morgens
  • nachmittags
  • abends
  • nachts

Beispiele:

  • Wir gehen oft ins Kino.
  • Oft backe ich sonntags einen Kuchen.

Wie Du siehst, kann oft im Satz entweder an erster Stelle oder an dritter Stelle stehen. Der Schwerpunkt der Aussage ist hier der bestimmende Faktor. Wenn ich sage "Wir gehen oft ins Kino" ist das eher eine allgemeine Aussage. Wenn man mich aber fragt, was ich sonntags so mache, dann lautet die Antwort eher: "Oft backe ich einen Kuchen". Je nach Kontext einer Konversation stellst Du Dein Adverb eher an den Satzanfang oder an dritter Stelle. Viele der folgenden Beispiele funktionieren auf die gleiche Weise.

  • Manchmal backe ich einen Kuchen, aber ich esse ihn nie.
  • Gestern war ich spazieren. Morgen muss ich arbeiten.
  • Heute kommt meine Mutter.
  • Nachmittags gehe ich in den Park, aber abends muss ich arbeiten.
  • Morgens gehe ich immer Schwimmen, dann gehe ich zur Arbeit.

Adverbien der Art und Weise

Egal, ob Du wütend isst oder faul auf dem Sofa liegst, Adverbien der Art und Weise helfen Dir, Emotionen oder Zustände auszudrücken.

Hier sind einige der häufigsten:

  • allein
  • zusammen
  • natürlich
  • freiwillig
  • langsam
  • sicher
  • zögerlich
  • widerwillig
  • wütend
  • gern (e)
  • hartnäckig
  • leichtsinnig
  • rücksichtslos
  • lieber
  • hoffentlich
  • eventuell
  • möglicherweise
  • zufällig
  • eher

Beispiele:

  • Wir fahren natürlich zusammen nach Venedig

In diesem Fall konnte das Adverb „natürlich“ die Absicht besser ausdrücken. Das Wort "natürlich" zeigt an, dass eine Aktion normalerweise nur so und nicht anders stattfinden würde (So wie in: "Natürlich müssen wir die Koffer packen, bevor wir eine Reise machen.").

Natürlich backe ich zu Deinem Geburtstag einen Kuchen. | Quelle: Unsplash
  • Langsam ging ich nach Hause. 
  • Sicher kommt sie später noch vorbei.  
  • Er macht gern seine Hausaufgaben, aber sie sitzt wütend daneben.
  • Lieber spreche ich mit ihm, als ihm aus dem Weg zu gehen.
  • Wir müssen ausserdem noch Gemüse kaufen.
  • Ich gehe ziemlich selten zum Sport.
  • Er würde es ebenso machen. 

Adverbien des Ortes

Richtung und Position sind ebenfalls wichtig, wenn Du Dich unterhalten möchtest und diese Adverbien sind genau das, was Du brauchst, um das auszudrücken.

  • links
  • rechts
  • oben
  • unten
  • voraus
  • vor
  • hinter
  • drinnen
  • drauβen
  • Nirgends - nirgendwo
  • irgendwo
  • überall
  • hier
  • da / dort

"Dort" gibt einen bestimmten Ort an. "Da" ist ein sehr vielseitiges Wort im Deutschen, das je nach Kontext viele Bedeutungen haben kann. Du kannst beispielsweise auf eine Karte zeigen und "da" sagen, was "dort" bedeutet. Oder Du könntest im Garten auf eine Stelle zeigen und "da" sagen und meinen: "Hier möchte ich einen Baum pflanzen." Du kannst auch sagen: "Ich wohne da". "Da ist mein Haus". (Dort ist mein Haus.)

  • drüben
  • weg
  • in der Nähe
  • nahe

Beipiele:

  • Ein Vogel fliegt über das Haus.
  • Du gehst zuerst rechts, dann links
  • Drauβen regnet es, aber irgendwo habe ich einen Regenschirm.
  • Warte hier, bis ich zurückkomme.
  • Mein Freund geht weg, aber wir sehen uns bald wieder.
Mein Auto steht vor dem Haus. Ohne Adverb würdest Du es nicht finden! | Quelle: Unsplash

Adverbien des Grundes

Diese Adverbien nennt man auch Kausaladverben:

  • darum
  • dadurch
  • damit
  • hiermit
  • dazu
  • trotzdem
  • jedenfalls
  • demnach
  • dennoch
  • dafür

Beispiele:

  • Er hat deshalb nicht angerufen.
  • Ich gehe früh schlafen, damit ich morgen fit bin.
  • Sie will trotzdem fahren. 
  • Wir haben jedenfalls morgen keine Zeit dafür.

Deutsche Adverbien erstellen

Im Deutschen kann man Adverbien sogar selbst erstellen! Hier sind einige Möglichkeiten:

Adverbien plus Präpositionen

Wenn Du Präpositionen mit den Adverbien wo, da oder hier kombinierst, erhältst Du sogenannte Präpositionaladverbien wie:

  • worauf
  • davor
  • hierum

Verben als Adverbien

Das Partizip Perfekt von Verben kann ebenfalls als Adverb stehen, wie zum Beispiel in:

  • Das gekochte Essen.
  • Der getrunkene Wein.

Adjektive als Adverbien

Manchmal dient ein Adjektiv als Adverb:

  • Ich fahre schnell auf meinem Fahrrad. 

Das Adjektiv „schnell“ beschreibt hier nicht den Gegenstand, mein Fahrrad, sondern den Umstand, wie ich damit fahre. Es handelt sich in diesem Fall also um ein Adverb.

Wenn Du das nächste Mal eine interessante Geschichte erlebst, dann versuche mal, sie auf Deutsch zu erzählen und Adverbien zu verwenden, um Deine Geschichte zum Leben zu erwecken! Viel Erfolg!

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.