„Wenn ein Deutscher ein Adjektiv in die Hände kriegt, dekliniert er es und dekliniert es immer weiter, bis der gesunde Menschenverstand ganz und gar herausdekliniert ist.“

– Mark Twain

Alle, die Deutsch lernen, verstehen mehr als jeder andere das schöne Sprichwort: „Der Teufel steckt im Detail.“ 

Richtige Adjektivendungen im Deutschen scheinen nur ein Detail zu sein, doch der Teufel fühlt sich in der Deklination deutscher Adjektive pudelwohl!

Natürlich sind die korrekten deutschen Adjektivendungen sind nicht das Erste, worüber Du Dir Sorgen machen musst, wenn Du Deutsch lernst, sie sind jedoch für richtig gute Deutschkenntnisse von entscheidender Bedeutung.

Wenn Du gerade erst angefangen hast, Deutsch zu lernen, solltest Du Dich zuerst auf die grundlegenden deutschen Wörter konzentrieren. Dann gehst Du zu den nützlichsten deutschen Sätzen über.

Dabei trifft Du schnell auf die wichtigsten Pronomen. Dann baust Du Dir ein Adjektivvokabular auf und bemerkst erfreut, dass Du Dich auf Deutsch immer genauer ausdrücken kannst. Jetzt ist es an der Zeit, sich einer größeren Herausforderung auf Deutsch zu stellen: Der Deklination der Adjektive!

Das sieht zugegebenermassen nicht gerade einfach aus, aber wir zeigen Dir, wie Du bald jedes deutsche Adjektiv richtig deklinieren lernst!

Adjektive deutsch: alles, was Du zur Deklination wissen musst
Es gibt bessere Methoden, sich die Deklination deutscher Adjektive zu merken! | Quelle: Pixabay

Deutsche Adjektivendungen lernen

Die Deklination von Adjektiven bedeutet, dass du die Endungen der Adjektive dem entsprechenden Fall (Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv) dem Genus (maskulin, feminin, neutral, Plural) und dem vor dem Adjektiv stehenden Artikel anpassen musst.

Das Geschlecht des Substantivs musst Du schlicht und einfach lernen. Im Deutschen gibt es drei bestimmte Artikel (der, die, das) und männliche, weibliche, neutrale und pluralistische Formen der unbestimmten Artikel.

Da Deutsch eine Sprache mit grammatikalischen Fällen ist, musst Du Dich mit den Feinheiten der Funktionsweise deutscher Fälle befassen. Die vier deutschen grammatikalischen Fälle sind: Akkusativ, Dativ, Genitiv und Nominativ.

Wenn Adjektive vor einem Substantiv stehen, müssen sie dekliniert werden. Das bedeutet: Sie bekommen eine Endung.

Man unterscheidet zwei Deklinationen: Die schwache Deklination oder auch Beugung und die starke Deklination oder Beugung.

Schwache Deklination

Adjektive werden schwach dekliniert, wenn vor dem Adjektiv ein bestimmter Artikel (der, die, das) oder ein Pronomen (z.B. mein, dein, dieser, kein) steht. Der Artikel zeigt bereits eindeutig das Geschlecht an. Wenn der Artikel das tut, muss das Adjektiv das nicht tun. Bei den Singularformen ist die Endung im Nominativ immer -e, im Genitiv, Dativ und Akkusativ Maskulinum -en und im Akkusativ Femininum und Neutrum -e. Im Plural ist die Endung immer -en.

Die folgenden Tabellen sollen Dir helfen, Dich zurechtzufinden:

 

 männlichweiblichneutralplural
Nominativder neue Pulli die neue Blusedas neue Hausdie neuen Kleider
Akkusativden neuen Pullidie neue Blusedas neue Haus die neuen Kleider
Genitivdem neuen Pullider neuen Bluse dem neuen Hausden neuen Kleidern
Dativdes neuen Pullisder neuen Blusedes neuen Hausesder neuen Kleider

 

Zu den bestimmten Artikeln gehören aber nicht nur "der", "die", "das", sondern auch die Artikelwörter:

  • „diese“,
  • „jede“,
  • „welche“
  • „solche” und
  • „alle“.

Wenn das Adjektiv hinter einem dieser Artikel steht, bekommt es ebenfalls die Endung, wie beim bestimmten Artikel.

Starke Deklination

Adjektive werden "stark" dekliniert bei:

  • Unbestimmten Artikeln (ein, eine)
  • Possessivartikeln (mein, meine, dein, deine)
  • Negativartikeln (kein)

Aber diese besitzen dennoch einen Plural.

 

 männlichweiblichneutral
Nominativein neuer Pulli  eine neue Bluseein neues Haus
Akkusativeinen neuen Pullieine neue Bluseein neues Haus
Dativeinem neuen Pulli   einer neuen Bluse einem neuen Haus
Genitiveines neuen Pulliseiner neuen Bluseeines neuen Hauses

Ein Nomen ohne Artikel wird ebenso dekliniert (nur ohne Artikel natürlich). Ohne Artikel vor dem Adjektiv, muss das Adjektiv zwangsläufig den Fall anzeigen.

Adjektivdeklination ohne Artikel lernen
Die bunten Seifenblasen. Kinder lernen die Deklinationen von Adjektiven spielend. | Quelle: Pixabay

Du musst also die Endung der bestimmten Artikel an das Ende des Adjektivs anhängen. Die einzige Ausnahme ist der maskuline und neutrale Genitiv, denn hier zeigt das „s“ am Ende des Nomens schon eindeutig genug, dass es sich um den Genitiv handelt und das Adjektiv kann seine „-en“ - Endung behalten.

Beispiele für Adjektivdeklination ohne Artikel

  • Holländische Frauen sind oft sehr gross.“
  • „Ein Russe trinkt jedes Jahr 6 Liter kalten Wodka.“
  • „Die Kette ist aus purem Silber.“
  • „Dort stehen weisse Häuser.“

Was über deutsche Adjektivendungen entscheidet

Wie Du siehst, ändert ein deutsches Adjektiv seine Endung abhängig von folgenden Faktoren:

  1. Ob das Geschlecht des Substantivs, das dem Adjektiv folgt, männlich, weiblich oder neutral ist
  2. Ob das Substantiv Plural oder Singular ist
  3. Ob der Artikel bestimmt oder unbestimmt ist
  4. Ob der Fall Akkusativ, Dativ, Genitiv und Nominativ ist

Die Verwendung des Nominativs

Lasst uns mit dem Nominativ beginnen. Nehmen wir das Adjektiv "alt". Als Substantive nehmen wir "Brot", "Banane" und "Stuhl", damit wir alle drei Geschlechter abdecken:

  • "Das alte Brot"
  • "die alte Banane",
  • "der alte Stuhl".

Im Plural musst Du dem Adjektiv jedoch noch ein "n" hinzufügen, also:

  • "Die alten Brote"
  • "die alten Bananen"
  • "die alten Stühle".

Schauen wir uns an, was passieren würde, wenn wir stattdessen den unbestimmten Artikel "ein" verwenden würden:

  • "Ein altes Brot"
  • "eine alte Banane"
  • "ein alter Stuhl".

Im Plural können wir natürlich nicht "ein Brot" sagen, aber da wir "keine Brote" sagen können, machen wir Folgendes:

  • "Keine alten Brote"
  • "keine alten Bananen"
  • "keine alten Stühle".

Im Plural ohne den Artikel haben wir:

  • "Alte Brote"
  • "alte Bananen",
  • "alte Stühle".

Natürlich könnte man den Singular auch ohne Artikel haben, also:

  • "Altes Brot"
  • "alte Banane"
  • "alter Stuhl".

Die Verwendung des Akkusativs 

Im Akkusativ würde man das Substantiv als Objekt, Handlung oder Bewegung bezeichnen. Nehmen wir also die Beispiele:

  • "ohne das alte Brot"
  • "ohne die alte Banane"
  • "ohne den alten Stuhl".  

Im Plural wären dies:

  • "ohne die alten Brote"
  • "ohne die alten Bananen"
  • "ohne die alten Stühle".

Wie bereits erwähnt, ändern sich die Endungen des Adjektivs auch, wenn Du  zum unbestimmten Artikel wechselst. Also:

  • "Ohne ein altes Brot"
  • "ohne eine alte Banane"
  • "ohne einen alten Stuhl".    

Im Plural und Akkusativ ergibt das ohne Artikel:

  • "Ohne alte Brote"
  • "ohne alte Bananen" und
  • "ohne alte Stühle".

Die Verwendung des Dativs

Im Dativ wird das Substantiv zum indirekten Objekt:

  • "zu dem alten Brot"
  • "Zu einem alten Brot"
  • "Zu den alten Broten"
  • "Zu alten Broten".  

Das gleiche passiert, wenn das Substantiv weiblich ist:

  • "zu der alten Bananen"
  • "Zu einer alten Banane"
  • "Zu den alten Bananen"
  • "Zu alten Bananen"

Und das Gleiche auch in der männlichen Form:

  • "zu dem alten Stuhl"
  • "zu einem alten Stuhl"
  • "zu den alten Stühlen"
  • "zu alten Stühlen"

Die Verwendung des Genitivs 

Im Genitiv wird das Substantiv als etwas bezeichnet, das jemandem oder etwas gehört. Im Genitiv sind die Adjektivendungen für männliche und weibliche Substantive gleich ist:

  • "Die Farbe des alten Brotes" 
  • "Die Farbe der alten Banane."

Adjektivendungen nach „viel“ , „manche“, „mehrere“, „einige“Nach „viel“ , „manche“, „mehrere“, „einige“, bekommt das Adjektiv immer die Endung des entsprechenden bestimmten Artikels, da die Adjektive vor Nomen stehen,  die den gleichen Regeln folgen, die für Adjektive ohne Artikel gelten.

Mit einer Adjektivdeklination Tabelle lernt es sich gleich leichter
Die deutsche Grammatik hat ein System wie dieser Würfel. Mann muss es nur kennen. | Quelle: Pixabay

Kleine Zusammenfassung

Wenn Du Adjektive deklinierst, stelle Dir folgende Fragen:

Steht ein Artikel davor?

Ist die Antwort "Nein", dann hänge die Endung der bestimmten Artikel (der, die ,das,…) im jeweiligen Fall an.

  • „schöne Fahrräder“ (die Fahrräder - Nominativ, Plural)

Ausnahme: Genitiv maskulin & neutral bleibt immer „en“.

Ist die Antwort "Ja", guckst Du, ob „viele“, „einige“, „mehrere“ oder „manche“ vor dem Adjektiv steht.

Ist die Antwort "Ja", dann hänge die Endung der bestimmten Artikel (der, die ,das,…) im jeweiligen Fall an

  • „viele schöne Fahrräder“ (die Fahrräder - Nominativ, Plural)

Auch hier gilt die Ausnahme: Genitiv maskulin & neutral bleibt immer „en“.

Ist die Antwort "Nein", guckst Du, ob es ​Dativ, Genitiv, Plural oder Akkusativ maskulin ist.

Ist die Antwort "Ja", hänge die Endung „en“ an:

  • „mit den schönen Fahrrädern“   (Dativ Plural)
  • „für die schönen Fahrräder“ (Akkusativ Plural)
  • „wegen der schönen Fahrräder  (Genitiv Plural)
  • „die schönen Fahrräder“  (Nominativ Plural)

Ist die Antwort "Nein", guckst Du, ob es eine Endung am Artikel gibt.

Ist die Antwort "Nein", hänge die Endung des bestimmten Artikels im jeweiligen Fall an:

  • ein schönes Fahrrad“   (das Fahrrad - Nominativ)
  • ein schöner Baum  (der Baum - Nominativ)

Ist die Antwort "Ja", hänge die Endung „e“ an:

  • „das schöne Fahrrad“   (Nominativ Neutral)
  • „eine schöne Zeit“  (Nominativ Feminin)

Einige Besonderheiten

Wenn ein Adjektiv auf „e“ endet, wird kein zusätzliches „e“ angehängt.

  • „leise“ - „ein leises Auto“

(Es heisst nicht: ein leisees Auto)

Adjektive die auf „el“ enden verlieren das „e“ von „el“

  • „sensibel“ - „ein sensibler Mensch“

(Falsch: „ein sensibeler Mensch“)

  •  „dunkel“ – „eine dunkle Nacht

  (Falsch: „eine dunkele Nacht“)

Adjektive, die auf „er“ enden, verlieren das „e“ von „er“, wenn davor ein Vokal (a, e, i, o, u) steht.

  • „teuer“ - „ein teures Haus(Falsch: „ein teueres Haus“)
  • „sauer“ – „ein saurer Hering“ (Falsch: „ein sauerer Hering“)

ABER: „sauber“ – „ein sauberes Zimmer“  (Es steht kein Vokal davor!)

Das Adjektiv „hoch“ verliert mit einer Endung das „c“

  • „Der Baum ist hoch.“
  • „Das ist ein hoher Baum.“

(Falsch: „Das ist ein hocher Baum.“)

Adjektive mit der Endung „a“ und Adjektive aus Städtenamen mit „-er“ werden nicht dekliniert.

  • „Das ist ein rosa Pullover.“
  • „Der lila Anorak ist hässlich.“
  • „Der Pariser Flughafen ist unübersichtlich.

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Bertine

Ich bin studierte Ethnologin und Politikwissenschaftlerin, schreibe leidenschaftlich gerne und interessiere mich besonders für Sprachen, fremde Kulturen, Geschichte und Handwerk.